015) 4. Fastensonntag B 2012: Die sieben Hauptsünden und Tugenden Teil 2

4. Fastensonntag B) 2012 – Imsterberg und Karrösten

Homilie von Pfarrer Stephan Müller (Manuskript):

DIE SIEBEN HAUPTSÜNDEN UND HAUPTTUGENDEN (2. Teil)

NEID – MITFREUDE. ZORN – SANFTMUT. UNMÄSSIGKEIT – MÄSSIGKEIT.

Wir haben uns für die Fastensonntage vorgenommen, in das Licht zu schauen. Auch im heutigen Sonntagsevangelium geht es darum. Jesus will uns helfen, die Finsternis der Sünde in uns zu überwinden und Licht zu werden. Wir bitten Gott um Selbsterkenntnis, damit wir ihn erkennen. Giftstoffe im Acker des menschlichen Herzens und die nötigen Heilmittel.

1) NEID und MITFREUDE

Es gibt einen sehr versteckten Giftstoff, der in der Bibel den Namen Neid trägt. Der Neid ist ein Begehren des Herzens, d.h. des Willens oder der Gefühle. Der Neid richtet sich auf Güter anderer Menschen. Der Habsucht, dem Geiz, gelingt es, Güter zu sammeln und zu besitzen. Der Neid ist die Vorstufe zur Habsucht. Der Neid besitzt noch nicht, aber er begehrt. Der Neid kann sich auf materielle Dinge richten: auf ein Auto, auf ein Haus, auf die Kleidung, auf jeden Besitz. Der Neid kann sich aber auch auf geistige Dinge richten. Auf Talente, auf Wissen und das Können anderer Menschen. Der Neid ist ein Gift, das die Liebe zerfrisst. Der Neidige kann sich nicht mehr richtig freuen. Er kann schwer ertragen, dass dem anderen etwas gelingt, der andere etwas hat.

Die Heilige Schrift gibt uns Beispiele für den Neid. Denken wir an Kain und Abel im Buch Genesis. Kain ist seinem Bruder neidig, dass Gott das Opfer seines Bruders annimmt, und seines nicht. Gott hat das Opfer Kains nicht angenommen, weil Kain in unlauterer Absicht geopfert hat, nur äußerlich. Der Neid Kains wurde so groß, dass er seinen Bruder ermordete. Paulus zählt in einem Lasterkatalog den Neid zu den Werken des Fleisches, die vom Himmelreich ausschließen (Gal 5,21).

Woher kommt der Neid? Eine Hauptquelle für den Neid ist das Vergleichen mit anderen Menschen. Es gibt ein gesundes Vergleichen, z.B. im Sport, beim Wettbewerb. Und es gibt ein ungesundes Vergleichen: Das schielen auf den anderen: was der andere alles kann, wie gut er etwas kann… „Und ich…?“ Dieses Vergleichen führt leicht zu Minderwertigkeits- komplexen oder zum Neid. Der Volksmund trifft den Nagel auf den Kopf wenn er sagt: „Das stolze Haupt eines jeden Menschen ruht auf den beiden Schultern von Neid und Eifersucht.“

Gottes Barmherzigkeit hat uns auch eine Medizin geschenkt. Die Tugend, die den Neid überwindet, ist die Mitfreude. Wir können lernen uns mitzufreuen an dem, was andere haben, was andere können, was andere leisten. Das ist eine edle Haltung. Wenn ein Mitschüler eine gute Note heimbringt, kann ich mich mitfreuen, es ist mir ein Ansporn, mich anzustrengen. Wenn jemand bei einem Wettbewerb, z.B. im Sport oder in der Musik, ein Abzeichen macht, kann ich mich mitfreuen.

2) ZORN und SANFTMUT

In der heutigen Lesung ist vom Zorn Gottes die Rede. Der Zorn Gottes meint, dass Gott, der Drei Mal Heilige, alles Widergöttliche, alles Sündige und Böse von sich weist. Es ist mit Gottes Heiligem Sein und Wesen nicht vereinbar.

Etwas anderes ist der menschliche Zorn. Es gibt verschiedene Arten von Zorn, wo man differenzieren muss:

< Es gibt einen Zorn, den wir vielleicht mehr als Ärger oder Erregung bezeichnen: eine Erregung oder Bewegung des Gemütes. Eine solche Erregung entsteht z.B. wenn man Unrecht erfährt, wenn man sieht, dass anderen Unrecht geschieht, die objektive Gerechtigkeit nicht eingehalten wird. Solche Form von Zorn hat nichts mit Sünde zu tun. Im Gegenteil. Ein solcher Zorn ist eine leib-seelische Antriebskraft, um sich für das Gut des Lebens, die Gerechtigkeit oder die Wahrheit einzusetzen. Es gibt Menschen, die die Veranlagung haben, sich zu viel zurückhalten, zu schweigen, alles zu schlucken, sich nicht zu empören. Solchen Menschen ist der „Zorn“ eine Gemütsbewegung, die man pflegen soll, weil sie hilft, den nötigen Einsatz für das Leben, die Gerechtigkeit oder die Wahrheit zu tun. Nur in diesem Sinn sprechen wir im menschlichen Bereich vom „heiligen“ oder „gerechten“ Zorn, eine Gemütsbewegung, die uns antreibt, gegebenenfalls einem Unrecht energisch Widerstand zu leisten, oder sich energisch einzusetzen, dass einem Menschen Gerechtigkeit widerfährt, oder jemanden mit Zivilcourage entgegenzutreten ihm die ehrliche Meinung zu sagen.

< Ganz etwas anderes ist der Zorn als Gift, als sündige Fehlhaltung. Hier geht es um viel mehr als nur eine Gemütsbewegung. Hier beginnt der Zorn der ganzen Menschen zu beherrschen. Er verdunkelt den Verstand, dass man nicht mehr klar denken kann, der Wille und das Gefühl geraten außer Kontrolle. Der Mensch hat sich nicht mehr in der Hand und ist fähig Dinge zu sagen und zu tun, die ihm später leid tun. Dieser eigentliche Zorn kann die Ursache für viele Sünden werden. In diesem Sinn lehrt der heilige Paulus: „Lasst euch durch den Zorn nicht zur Sünde hinreißen!“(Eph 4,26). Und Apostel Jakobus: „Im Zorn tut der Mensch nicht das, was vor Gott recht ist.“(Jak 1,19).

Gottes Barmherzigkeit hat uns eine Tugend als Heilmittel gegeben. Das ist die Sanftmut. Sie ist sogar eine der 8 Seligpreisungen. „Selig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben.“(Mt 5,9) Die Sanftmut hilft uns, die sündigen Erregungen des Zornes oder des Gemütes abklingen zu lassen, bevor man spricht oder reagiert. So wie man Feuer nicht mit Feuer löschen kann, sondern mit Wasser, hilft uns die Sanftmut, das Feuer des Zorns zu löschen oder zumindest zu mäßigen, damit wir wieder mit Selbstbeherrschung und Verstand reagieren können.

3) UNMÄSSIGKEIT und MÄSSIGKEIT

Unmäßigkeit, auch Völlerei genannt, bedeutet, dass der Mensch im Gebrauch der guten Gaben Gottes, der Gaben Schöpfung, das rechte Maß verliert. Es geht nicht um Sündiges, was nie gut ist. Es geht um die guten Gaben, dass wir sie im rechten Maß gebrauchen. Das gilt für das Essen und Trinken, für die Kleidung, für den Sport, für die Freizeitbeschäftigungen, sogar für die Sexualität. Überall braucht der Mensch das Maßhalten. Wenn wir uns nicht durch Maßhalten abgrenzen, kann jedes menschliche Verhalten in Unmäßigkeit ausarten. Das Wort von der Spaßgesellschaft meint diese Mentalität. Maßlosigkeit ohne Verantwortung. Dass die Menschen unserer Gesellschaft mit dieser Maßlosigkeit immer unglücklicher werden, erleben wir zur Genüge. Ein erfülltes Leben empfangen wir nicht durch Maßlosigkeit, sondern durch Maßhalten im Gebrauch der guten Gaben Gottes.

Zur Unmäßigkeit kommt es durch mangelnde Selbstkontrolle. Wer sein Verhalten nicht mehr kontrolliert, gerät in die Schlinge der Wiederholung. Die Wiederholung wird zur Sucht. Wir leben heute im Zeitalter der Süchte, die den Menschen beherrschen und versklaven. Durch die Unmäßigkeit verliert der Mensch seine innere Mitte, er verliert die geistigen Dimensionen des Lebens, er veramt innerlich immer mehr.

Die Unmäßigkeit, die als Neigung auch von der Erbsünde herrührt, wird durch die Medien so angepriesen. Wir müssen ihr durch die Tugend der Mäßigkeit entgegenwirken. Nur so können wir im ganzheitlichen Sinn gesunde Menschen sein oder es wieder werden. Das will Gott! Dass wir Menschen unseres Lebens froh sein können. Die Kirche ist immer wie eine gute Mutter, die auch zum wahren Menschsein erzieht. Wie können wir die Tugend der Mäßigkeit üben? Selbstkontrolle durch die regelmäßige Beichte. Die Fastenzeiten der Kirche einhalten, als Zeiten der seelisch – körperlichen Erneuerung. Denken wir auch an das Freitagsopfer. Ein kleines Opfer aus Liebe zu Jesus am Kreuz.

Neid - Mitfreude. Zorn -Sanftmut. Unmäßigkeit - Mäßigkeit.

Maria, Mutter der Barmherzigkeit, bitte für uns. Amen.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok