292) 26. Sonntag im Jahreskreis B 2018: HL. ERZENGEL MICHAEL, VERTEIDIGE UNS IM KAMPF (1. Teil)

26. Sonntag im Jahreskreis B) 2018 – 19. Sonntag nach Pfingsten

Zum Fest der heiligen Erzengel Michael, Gabriel und Raphael am 29. September

„HEILIGER ERZENGEL MICHAEL, VERTEIDIGE UNS IM KAMPF“ (Graduale)

DAS MICHAELSGEBET (1. Teil)

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Zu den vielen Gaben, die uns Menschen von der Güte Gottes geschenkt sind, gehört der Beistand der heiligen Engel. Am 29. September begeht die Kirche das Fest der drei Erzengel Michael, Gabriel und Raphael. Es ist ursprünglich das Weihefest einer alten Michaelskirche in Rom, es wurde schon um 450 zur Zeit des hl. Papstes Leo des Großen gefeiert. Besinnen wir uns heute auf den heiligen Erzengel Michael, mit Hilfe vom sogenannten Michaelsgebet. Papst Leo XIII. hatte 1884 bei einer Heiligen Messe eine Vision über eine große Not und einen großen Kampf, der auf die Kirche zukommen werde. Nach der heiligen Messe ging er tief erschüttert zu seinem Schreibtisch und verfasste ein Gebet zum heiligen Erzengel Michael. Er ordnete an, es auf der ganzen Welt nach allen Werktagsmessen zu beten. Bis etwa 1970 wurde es so gehalten.

           

HEILIGER. So werden alle Engel angesprochen. Gott ist der Drei Mal Heilige. Die Lebenswelt der Engel ist die Heiligkeit Gottes. Da sind sie Selig. Wir Menschen tun uns mit dem Heiligen manchmal nicht leicht. Die heiligen Engel sind Boten des Heiligen. Der Priester darf durch seinen sakramentalen Dienst den Gläubigen ermöglichen, in das Heilige einzutreten. Die heiligen Engel wollen uns dabei helfen. Sie wollen uns gleichsam an der Hand nehmen und in das Heilige der Gegenwart Gottes hineinführen, in dem sie selber zuhause sind. Wer sich auf das einlässt, empfängt Heilung und Schutz (vgl. Weish 6,10).

           

ERZENGEL. Aus der Heiligen Schrift erfahren wir, dass einige Engel in der Heilsgeschichte eine besondere Sendung haben. Das Buch Daniel (Dan 12) zeigt uns den hl. Erzengel Michael als den Verteidiger des auserwählten Volkes. Der heilige Erzengel Gabriel ist der Bote der Menschwerdung Gottes. Der heilige Erzengel Raphael ist gesandt, die Heilung Gottes zu bringen, darüber erfahren wir im Buch Tobit. Wegen der besonderen Sendung dieser drei Engel haben sie den Ehrentitel Erzengel.

           

MICHAEL. So wie wir Menschen vor Gott keine Nummern sind, sondern Personen, unwiederholbar, mit einem Namen ausgestattet, so ist es auch bei den Engeln. Die heiligen Engel sind als Geistwesen Persönlichkeiten, einmalig. Von einigen Engeln kennen wir aus der Heiligen Schrift den Namen, zB die Namen der drei Erzengel Michael, Gabriel und Raphael. Michael bedeutet „Wer ist wie Gott?“ Sein Name beschreibt sein Wesen, seinen Eifer für Gott, mit dem er dem Luzifer entgegentritt, der sich im Himmel gegen Gott erhoben hatte (Offb 12).

           

VERTEIDIGE UNS IM KAMPF! Hier ist der alte Kampf der Heilsgeschichte gemeint, der Kampf zwischen Licht und Finsternis, Gott und Satan. Gott und Satan stehen in diesem Kampf nicht auf gleicher Ebene. Luzifer ist nicht Gott, er ist als Engel ein Geschöpf und steht nicht auf der Ebene Gottes. Im 12. Kapitel der Offenbarung wird geschildert, wie Michael und seine Engel gegen den alten Drachen kämpfen und ihn besiegen. Christus hat diesen heilsgeschichtlichen Kampf am Kreuz entschieden, für immer, das ist ein Teil seines herrlichen Ostersieges. Das Michaelsgebet erinnert uns daran, dass auch nach dem Ostersieg Christi ein geistiger Kampf zwischen Licht und Finsternis andauert, bis ans Ende der Welt. Das ist die Grundbefindlichkeit, in der wir leben. „Dass Gott das Tun des Teufels zulässt, ist ein großes Geheimnis, aber wir wissen, ´dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt´ (Röm 8,28)“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Artikel 395; siehe auch Artikel 394).

           

Der Kampf zwischen Licht und Finsternis ist ein Geisteskampf. Deshalb geschieht dieser Kampf auf der Ebene unserer menschlichen Geistesfähigkeiten. Das sind die drei Bereiche Vernunft, Wille und Liebeskraft. Im Bereich der Vernunft geht es um die Erkenntnis der Wahrheit Gottes. Im Bereich des Willens geht es um die Entscheidung für Gott, das Leben, das Gute, die ewigen Werte. Im Bereich der Liebe geht es um die Fähigkeit zur Bindung und Hingabe, um das Leben als solches.

           

Dieser Geisteskampf hat zuerst eine ganz grundsätzliche Dimension. Das ist auch im Sündenfall der Engel zu erkennen. Begreifen wir unser Leben als Gabe des Schöpfergottes, oder wollen wir es aus uns selber haben und bestimmen? Luzifer und seine Engel haben sich für das letztere entschieden, so haben sie ihren Platz im Himmel verloren (2 Petr 2,4; Offb 12,7-12). Bei uns Menschen ist es ähnlich. Wollen wir unser Leben selbst festhalten und bestimmen, oder ringen wir uns mit der Gnade Gottes durch zur Anerkennung Gottes, unseres Schöpfers und Erlösers, zur Hingabe an Gott? Mit anderen Worten: Es geht um die Bekehrung und Heilung von der Egozentrik hin zur Liebe und Anbetung Gottes. Das ist der erste grundlegende Geisteskampf, eigentlich für jeden Menschen, wenn man nicht durch irgendwelche Umstände an diesen Fragen oberflächlich

vorbeilebt. Alle weiteren Geisteskämpfe wurzeln in diesem grundlegenden Ringen um die Anerkennung Gottes als Schöpfer und Erlöser.

           

Auf der Ebene der Religionen und der Kirche erkennen wir einen Geisteskampf. Es geht zB um die Frage nach der wahren Religion, nach der Wahrheit über das Wesen der katholischen Kirche und ihre Verfassung.

           

Auf der Ebene der Gesellschaft ist dieser Geisteskampf zwischen Licht und Finsternis in existentielle Bereiche eingedrungen. Auf dem Spiel steht zB die Wahrheit über die Ehe und Familie. Ja noch mehr: Die Wahrheit über das Wesen des Menschen steht auf dem Spiel. Sind wir Menschen mit unserer leib-seelischen Menschennatur Geschöpfe Gottes, als Mann und Frau geschaffen? Oder sind wir Menschen nur ein Produkt der Evolution, die nach der Genderideologie ihre geschlechtliche Identität selbst bestimmen können? Die Auseinandersetzungen über diese Fragen reichen bis in die Parlamente der Staaten hinein.

           

Diese Auseinandersetzungen in Gesellschaft und Kirche geschehen natürlich nicht nur über unsere Köpfe hinweg. Wir selber stehen da mitten drinnen. Jeder von uns ist mit diesem Kampf konfrontiert: Anerkennen wir persönlich zB das Wesen der Kirche, der Ehe, der Sakramente, oder wollen wir all das nur nach unserer eigenen Vorstellung akzeptieren? Ein selbstgemachter Glaube?

           

Als Getaufte und Gefirmte kennen wir den Geisteskampf ganz im Kleinen, uns unserem Herzen. Das ist auch unsere Chance und unsere Stärke. Wir müssen und dürfen immer wieder neu um das Gute, um das Wahre, um die Tugend kämpfen. Was wir im Kleinen tun und ringen, kommt der Kirche und der Gesellschaft im Ganzen zu Gute. Stellen wir uns vor: Jeder von uns, der heute hier ist, würde nach dem Gottesdienst auf den großen Auenfeldern unserer Gemeinde ein kleines Bäumchen pflanzen, jeden Sonntag eines… Nach gegebener Zeit würden die Inntal-Auen mit einem großen Wald bedeckt sein. Das würde eintreffen, nicht weil wir „die Welt bewegt haben“, sondern weil wir im Kleinen eine Tat gesetzt haben. So ist es auch mit dem Guten, das wir im Kleinen tun. Es bringt Frucht.

           

Der heilige Erzengel Michael steht mit seinem Beispiel vor uns. Wie hat er gegen Luzifer gekämpft? Die christliche Kunst stellt ihn gerne als einen zum Kampf gerüsteten Krieger dar, ausgestattet mit Schild und Flammenschwert. Furchterregend? Der äußere Schein trügt. Die heiligen Engel sind keine Krieger im irdischen Sinn. Wenn wir die Kampfweise des heiligen Erzengels Michael erkennen wollen, müssen wir auf sein Gesicht blicken. Es trägt die Züge eines Kindes: friedlich, gelöst, demütig, rein… Das sind die geistigen Waffen des heiligen Erzengels Michael. Mit diesen Haltungen überwindet er alles Widergöttliche, weil Gott selber hinter ihm steht. So ähnlich ist es bei uns Menschen. Auch wenn wir uns schwach erfahren: Was uns im Geisteskampf stark macht, sind die Waffen der Demut, des Glaubens, der Liebe, der Reinheit. Wenn wir mit diesen Haltungen „kämpfen“, steht Gott uns bei.

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