291) 25. Sonntag im Jahreskreis: DER HL. PATER PIO, EIN ZEUGE FÜR DAS ÜBERNATÜRLICHE - ZU SEINEM 50. TODESTAG

25. Sonntag im Jahreskreis B) - 18. Sonntag nach Pfingsten 2018

„ES FEHLT EUCH NICHTS AN JEGLICHER GNADE“ (1 Kor 1,4)

DER HL. PATER PIO, EIN ZEUGE FÜR DAS ÜBERNATÜRLICHE

Predigt von Pf. Stephan Müller zum 50. Todestag des Heiligen

           

Heute vor 50 Jahren starb im süditalienischen San Giovanni Rotondo der hl. Pater Pio. Pater Pio zählt zu den beliebtesten Heiligen, in aller Welt bekannt und verehrt. Er kann sogar mit dem heiligen Antonius von Padua konkurrieren. Doch im Himmel gibt es natürlich keine Konkurrenz, da werden beide gute Freunde sein.

               

Was war am heiligen Pater Pio Besonderes, sodass er in kurzer Zeit eine solche Verehrung gefunden hat? Versuchen wir, einiges aus seinem Leben zu uns sprechen zu lassen. Den Kern der Persönlichkeit des hl. Pater Pio können wir so beschreiben. Er war ein Priester, an dem das Übernatürliche, das Himmlische, das Jenseitige, das von Gott Kommende, besonders stark zu erleben war. Das hat die Menschen so angezogen: Da ist jemand, der mehr in der jenseitigen als in der diesseitigen Welt lebt (vgl. Joh 15,19). Der hl. Pater Pio hatte das Gegenteil von dem, was man heute bei Bischöfen und Priestern gern als das Wesentliche ansieht: Bischöfe und Priester sollten den Menschen nahe sein. Natürlich sollen wir das. Doch wenn wir Priester nur mehr beim Menschlichen stehen bleiben, haben wir den Menschen bald nichts mehr zu geben. Der hl. Pater Pio war zuerst GOTT nahe. Und gerade das hat ihn den Menschen so nahe gebracht. Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen allgemein sich mit dem Übernatürlichen sehr schwer tun und der Glaube so schwach geworden ist. Für diese Zeit hat uns Gott einen heiligen Pater Pio geschenkt. Einen Zeugen für die jenseitige Welt, einen Mann des Glaubens. Das ist vielleicht die Größte Botschaft dieses Heiligen. Er ist ein Zeuge für GOTT und das Übernatürliche.

               

Wie ist das Übernatürliche im Leben des heiligen Pater Pio zu erkennen? Ein paar Beispiele. Auf den Tag genau 50 Jahre lang trug Pater Pio an seinem Körper die Stigmata, die Wundmale des gekreuzigten Christus. Das ist ein medizinisches Wunder. 50 Jahre trug er fünf offene Wunden, die bluten, nicht vereiterten und einen himmlischen Duft verbreiten. Unzählige Menschen haben die Wunde seiner Hand mit dem Kuss verehrt. Unzählige Menschen hat Pater Pio mit dieser stigmatisierten Hand gesegnet. Pater Pio hatte die Gabe der Prophetie. Er hatte Ereignisse vorausgesagt, die er menschlich nicht wissen konnte. Pater Pio hatte die Gabe der Seelenschau. Er konnte in das Herz des Menschen schauen. Er hat den Beichtenden Sünden gesagt, die sie verschwiegen oder vergessen hatten. Pater Pio hatte die Gabe der Krankenheilung.

               

Solche Fähigkeiten ziehen natürlich nicht nur gläubige Katholiken an, sondern auch Schaulustige, Sensationslustige, Wundersüchtige, Spötter… Wenn wir das bedenken verstehen wir, warum es etwas Alltägliches war, dass Pater Pio solche Leute mit nicht gerade sanften Worten aus dem Beichtstuhl oder von der Kommunionbank verwies. Wer demütig war, aufrichtig Reue hatte und umkehren wollte, egal, welche Sünden er auf dem Gewissen hatte, der erlebte Pater Pio im Beichtstuhl als gütigen Vater.

               

Diese besonderen Gnadengaben gelten für die Kirche nie als Zeichen der Heiligkeit. Das sind eben besondere Gnadengaben. Die Heiligkeit des Pater Pio wird von der Kirche anders bemessen. Da ist zB sein nüchterner Glaube: Er, der so viele Menschen vom geistigen Tod der Sünde zum Leben der Gnade zurückführte, er, durch den so viele Menschen zur Erkenntnis Gottes fanden, zum Leben in der Gnade und Liebe Gottes, musste selber viele Jahrzehnte lang eine gefühlsmäßige Abwesenheit Gottes erleiden. Da ist seine tiefe Demut: Viele Jahre hat er Einschränkungen und Demütigungen von Seiten des Ordens oder kirchlicher Vorgaben ertragen. Da ist sein treues Leben der priesterlichen und Gottgeweihten Berufung. Da ist sein unermüdliches Beten. Da ist seine priesterliche Hingabe an die Menschen, die ihn Tag für Tag beanspruchten, vor allem im Beichtstuhl. Diese Haltungen machen die Heiligkeit seines Lebens aus, wo er als Mensch heroisch Tugend übte. Es fehlte ihm nichts an jeglicher Gnade, wie es in der Lesung heißt.

               

Fragen wir nach der bleibenden Botschaft des hl. Pater Pio:

                                              

Pater Pio verweist uns auf das Geschenk der heiligen Beichte. Das Beichthören macht zeitlich ja den größten Teil seines Priesterlebens aus. Wir Priester dürfen durch die Gnade der Priesterweihe im Sakrament der Buße mit der Vollmacht Christi die Vergebung der Sünden vermitteln. Heute spricht Christus im Evangelium von dieser Vollmacht. Die Beichte der Gläubigen zu hören und in der Lossprechung das Erbarmen Gottes zu vermitteln gehört zum Wesen der Kirche Christi. Durch die heilige Beichte dürfen wir mit dem Erbarmen Gottes leben. Beichten wir regelmäßig unsere Sünden?

               

Pater Pio verweist uns auf die Notwendigkeit der Entscheidung für Christus. Ein Mitbruder fragte ihn einmal, warum er so streng sei. Pater Pio war übrigens nicht „streng“, er war konsequent, hat das Evangelium ernst genommen. Pater Pio gab dem Mitbruder zur Antwort, sinngemäß: „Euch geht es nur um volle Kirchen, mir geht es um die Seelen, um die Entscheidung für Gott.“ Ohne Entscheidung für Gott ist Glaube nicht möglich.

               

Der hl. Pater Pio verweist uns auf die geistliche Vaterschaft des Priesters. Pater Pio war ein Vater der Gewissen. Auch die unzähligen Briefe aus aller Welt, die bei ihm einlangten, geben Zeugnis davon. Pater Pio lebte die Priesterweihe als Hilfe und Ergänzung für die Gläubigen. Wer sich ihm als Priester anvertraute – im Beichtstuhl, brieflich oder im Gebet – dem wurde er geistlicher Vater, Begleiter und Freund. Auch hier war er konsequent. Er nahm niemanden als geistliche Tochter oder geistlichen Sohn an, der nicht bereit war zur Entscheidung und zur Konsequenz im katholischen Glaubensleben. Wer in der geistlichen Vaterschaft seine priesterlichen Ratschläge nicht befolgte, wurde von ihm getadelt oder weggeschickt.

               

Pater Pio verweist uns auf das Heilige Messopfer. Das Heilige Messopfer ist der Kernbereich seines gesamten priesterlichen Lebens und Wirkens. Wir leben in einer Zeit, in der das Heilige Messopfer nicht selten entstellt und auf die Linie einer mehr menschlichen Feier als eines Gottesdienstes verschoben wird. Papst Johannes Paul II. drückte es in der Enzyklika Ecclesia de Eucharistia so aus: „Bisweilen wird ein stark verkürzendes Verständnis des eucharistischen Mysteriums sichtbar. Es wird seines Opfercharakters beraubt und in einer Weise vollzogen, als ob es den Sinn und den Wert einer brüderlichen Mahlgemeinschaft nicht übersteigen würde“ (Ecclesia de Eucharistia, aus Abschnitt 10).

Mittlerweile wird das Hl. Messopfer auch mehr und mehr durch Wortgottesdienste ersetzt. In dieser Zeit steht der heilige Pater Pio vor uns: Ein Priester, der an den Altar tritt, um das Kreuzesopfer von Golgota darzubringen. Pater Pio ist ein Heiliger des Messopfers! Die Heilige Messe ist das Opfer Christi. Das predigte Pater Pio am Altar. Das predigte Pater Pio durch die mystischen Schauungen, die er beim Hl. Messopfer hatte. Das predigte Pater Pio durch seine Stigmata. Jeden Tag stand er um etwa 02:00 Uhr in der früh auf, um sich durch stilles Gebet auf das Heilige Messopfer vorzubereiten, welches er dann um 05:00 zelebrierte, als Stillmesse im tridentinischen Ritus. Ihn beim Heiligen Messopfer als Priester am Altar zu erleben, hat unzähligen Menschen die Gnade der Bekehrung gebracht.

               

Der heilige Pater Pio, ein Zeuge des Übernatürlichen. Schließen wir mit dem Tagesgebet, das die Kirche an seinem Gedenktag betet: Allmächtiger, ewiger Gott, durch eine einzigartige Gnade hast du den heiligen Priester Pius gewürdigt, am Kreuzesleiden deines Sohnes teilzuhaben und durch seinen Dienst deine Barmherzigkeit auf wunderbare Weise zu erneuern. Gewähre uns auf seine Fürsprache, stets vereint mit den Leiden Christi, freudig zur Herrlichkeit der Auferstehung zu gelangen. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn und Gott. Amen.

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