290) Jahresgedächtnis der Kirchweihe 2018: KATHOLISCHES PROFIL

Jahresgedächtnis der Kirchweihe 2018

„GOTT, ERWEITERE DEINE KIRCHE DURCH GEISTIGES WACHSTUM.“

(aus der Postcommunio des Kirchweihfestes)

KATHOLISCHES PROFIL

Predigt von Pf. Stephan Müller (zur persönlichen Besinnung erweiterte Fassung)

           

Die Kirche feiert den jährlichen Weihetag eines Gotteshauses als ein Hochfest. Das Wort Gottes und die Messgebete des Kirchweihfestes erschließen uns den Sinn und die Bedeutung des katholischen Gotteshauses. Das Gotteshaus ist ein von Gott erwählter und geheiligter Ort. Dieser heilige Ort ist dem Profanen entzogen, reserviert für den Kult der Anbetung Gottes und die liturgischen Lebensvollzüge der Kirche. Diese Grundbedeutung des Sakralbaues hat ein Ziel. Auf das verweist uns zB das Schlussgebet des Kirchweihfestes; darin bitten wir heute, dass wir als lebendige Kirche geistig wachsen und auferbaut werden (vgl. 1 Petr 2,5). Wenn wir als Getaufte im Gotteshaus nicht mehr zur lebendigen Kirche erbaut werden, verkommt der Sakralbau zu einem Museum.

           

Unser christliches Leben erfährt heute große Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen, wenn wir den allgemeinen Auflösungstendenzen entgehen wollen. Auch im weit verbreiteten Relativismus, in der Meinung, alle Religionen oder Konfessionen hätten den gleichen Wert, ist das sehr wichtig. Das Gotteshaus will ein Ort sein, an dem unser katholisches Glaubensleben genährt und gestärkt wird.

           

Heuer kam ich bei einer kleinen Pilgerfahrt in England an das Grab des hl. Thomas Morus nach Canterbury. Wir besuchten natürlich auch die berühmte gotische Kathedrale von Canterbury, seit der Reformation in England ein anglikanisches Gotteshaus. Am großen Eingangsportal der Kathedrale kam es zu einer netten Begegnung. Eine ältere vornehme englische Dame, die gerade aus der Kathedrale kam, sah mich im Priestertalar. Sie fragte ganz interessiert: „Sind sie katholisch?“ Sie bekam mit Überzeugung die Antwort: „Ja, römisch katholisch“! Die alte vornehme Anglikanerin war auch nicht verlegen und sagte daraufhin mit Überzeugung: „Und ich bin englisch katholisch!“ Das Gespräch ging dann noch weiter. Jedenfalls: Diese englische Dame war überzeugt von ihrer anglikanischen Konfession, sodass man ihr ein Kompliment machen muss. Ich habe mir daraufhin gedacht: So überzeugt müssten die Katholiken von ihrem Glauben sein. Wie zeigt sich ein katholisches Profil? Ein katholisches Profil hat eine Innenseite und eine Außenseite.

           

Nach innen gehört zu einem katholischen Profil, zum Beispiel:

           

Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Mt 16,16). Als Katholiken pflegen wir nicht eine oberflächliche Jesologie. Wir bekennen uns zur wahren Gottheit Christi. Das ist die Grundlage des gesamten katholischen Glaubens.

           

Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28,19). Als Katholiken bekennen wir das Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. „Gott ist die Liebe“ (1 Joh 4,8). Der Glaube an die barmherzige Liebe Gottes trägt uns.

           

Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen“ (Joh 15,5). Als Katholiken wissen wir um die Notwendigkeit der Gnade. Aus uns selber, ohne die Gnade und Hilfe Gottes können wir nichts Gutes tun, nicht selig werden. Die Gnade Gottes hilft uns immer und überall.

           

Mehr als sie alle habe ich mich abgemüht - nicht ich, sondern die Gnade Gottes zusammen mit mir“ (1 Kor 15,10). Als Katholiken wissen wir: Es ist notwendig, mit der Gnade mitzuwirken. Wir Menschen müssen mit unserem freien Willen die notwendigen Schritte der Umkehr, des Glaubens, der Liebe… setzen.

           

Nach außen gehört zu einem katholischen Profil, zB:

           

Wer aus Gott ist hört die Worte Gottes“ (Joh 8,47). Es ist wertvoll und wichtig, wenn wir daheim persönlich die Schriftlesung kennen. Stichwort Heilige Schrift, Katechismus, Schott-Messbuch. Als Katholiken ist uns jedoch bewusst, dass das Wort Gottes auch offiziell durch die Vollmacht des Weihesakramentes verkündet und von uns allen gehört werden will. „Der Glaube kommt vom Hören“ (Röm 10,17), sagt der hl. Apostel Paulus.

           

Du bist Petrus der Fels und auf diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen“ (Mt 16,18). Als Katholiken bekennen wir, dass die Kirche im Nachfolger Petri eine sichtbare Leitung hat. Der Papst und „das Lehramt der Kirche steht nicht über dem geschriebenen oder überlieferten Wort Gottes, sondern dient ihm, indem es nichts lehrt, als was überliefert ist (vgl. 2. Vatikanisches Konzil, Dei verbum, 10).

           

Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet, wenn ihr an dem Wortlaut festhaltet, den ich euch verkündet habe“ (1 Kor 15,2). Als Katholiken bekennen wir den ganzen geoffenbarten Glauben, halten am Dogma der Kirche fest. Das Konzil von Trient sagt, dass die Pforten der Hölle das Dogma des Glaubens nicht überwältigen können. Die Bindung an den Offenbarungsglauben gibt uns auch heute den inneren Frieden und die Geborgenheit des Gewissens. In Zeiten der Verwirrung müssen wir uns im Bereich des Glaubens an das halten, was die Kirche immer und überall geglaubt und gelehrt hat.

           

„Was an unserem Erlöser sichtbar war, ist in seine Mysterien [Sakramente] übergegangen“ (hl. Papst Leo d. Große, KKK 1115). Als Katholiken leben wir durch die sieben heiligen Sakramente mit unserem Erlöser Jesus Christus. Die sieben Sakramente sind von Christus eingesetzt. Wir dürfen keines der Sakramente geringschätzen oder ausschalten. Im Zentrum der Sakramente steht das Heilige Messopfer, die Gegenwärtigsetzung des Kreuzesopfers.

           

Als Diener Christi soll man uns betrachten und als Verwalter von Geheimnissen Gottes“ (1 Kor 4,1). Als Katholiken wissen wir um das von Christus eingesetzte apostolische Amt der Bischöfe und Priester. „Letztlich kann ein Priester nur durch den Priester ersetzt werden“ (Johannes Paul II. in St. Pölten am 20.6.1998). Der Priester darf die Gnade und den Segen Gottes vermitteln.

           

Tut dies zu meinem Gedächtnis“ (Lk 22,19). Als Katholiken binden wir uns an das Sonntagsgebot. Aufgrund Göttlichen Gebotes ist uns der Sonntag heilig. Er ist der Tag der Auferstehung Christi, unser Urfeiertag. „Ohne das Herrenmahl können wir nicht sein“, bekennen die nordafrikanischen Märtyrer von Abitenae um 304.

  

Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Lk 9,23). Als Katholiken sind uns das öffentliche Bekenntnis zum Kreuz, die Verehrung des Kreuzes und das tägliche Leben in der Kreuzesnachfolge wichtig. Dem Kreuz am nächsten sind wir, wenn der Priester am Altar das Kreuzesopfer Christi darbringt.

        

Was Gott verbunden hat, darf der Mensch nicht trennen“ (Mt 19,6). Als Katholiken glauben wir, dass eine gültig geschlossene und vollzogene sakramentale Ehe unauflöslich ist.

           

Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40). Als Katholiken bemühen wir uns, den Glauben in einer tätigen Nächstenliebe im Alltag sichtbar zu machen.

           

Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn“ (1 Kor 11,27). Als Katholiken bekennen wir, dass der Zutritt zur Heiligen Kommunion an Voraussetzungen und Vorbereitung gebunden ist.

           

Im Namen Jesu wird jedes Knie sich beugen im Himmel und auf Erden“ (Phil 2,10). Als Katholiken wollen wir, wenn es körperlich geht, vor unserem Schöpfer und Erlöser knien. Wir kennen zwei heilige Augenblicke des Kniens: Die Heilige Wandlung und die Heilige Kommunion. Ein Katholik beugt sein Knie vor Gott und sonst vor niemanden. „Wer vor Gott kniet, kann vor Menschen geradestehen. Wer weiß, dass er sich einmal allein vor Gott verantworten muss, fürchtet keine Menschen mehr“ (Peter Hahne).

           

Ihr seid meine Zeugen“ (Apg 1,8). Als Katholiken sind wir auch missionarisch. Nicht in dem Sinn, dass wir den Menschen den Glauben aufdrängen. Als Katholiken bemühen wir uns den Glauben zu leben; wir bemühen uns, jedem „Rede und Antwort zu stehen“ wenn er „nach der Hoffnung fragt“, die uns erfüllt (vgl. Petr 3,15).

           

Da uns eine solche Wolke von Zeugen umgibt“ (Hebr 12,1). Als Katholiken blicken wir auf die vielen Heiligen der Kirche. Die Heiligen sind unsere Vorbilder, vor allem die Gottesmutter Maria. Wir leben mit dem Heiligenkalender der Kirche und mit den Festen des Kirchenjahres.

           

Das Gotteshaus, ein sakraler Ort, an dem wir geistig zur lebendigen Kirche erbaut werden. Ein katholisches Profil erhalten. Wir haben versucht, einige Ausprägungen eines katholischen Profils zu benennen. Christus sagt zu den Aposteln: „Folgt mir nach“ (Mt 4lk19). Katholisch glauben ist nichts Äußeres. Katholisch sein meint einen ganzen Lebensentwurf, eine ganzheitliche Lebensgestaltung, eine ganzheitliche Christusliebe und Christusnachfolge.

           

Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, unser Erlöser, wir danken Dir, dass Du uns in Deine Kirche und in Deine Nachfolge gerufen hast. Amen.        

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