016) 5. Fastensonntag B 2012: Die sieben Hauptsünden und Tugenden Teil 3

5. Fastensonntag B) 2012 – Imsterberg und Karrösten

Homilie von Pfarrer Stephan Müller (Manuskript):

DIE SIEBEN HAUPTSÜNDEN UND HAUPTTUGENDEN (3. Teil)

UNKEUSCHHEIT – KEUSCHHEIT. TRÄGHEIT – EIFER.

Noch ein drittes Mal in dieser Fastenzeit nehmen wir uns vor, in das Licht zu schauen. Das Licht Gottes erleuchtet die Grundbefindlichkeit des menschlichen Herzens. Zwei Giftstoffe im Acker des menschlichen Herzens und die nötigen Heilmittel wollen wir uns heute vor Augen führen.

1) UNKEUSCHHEIT und KEUSCHHEIT

Es gibt einen Giftstoff im menschlichen Herzen, der den Namen Unkeuschheit trägt, ein anderer Name heißt Woll-Lust. Es handelt sich um ein Thema, das heute allgegenwärtig ist, und gleichzeitig ein Tabuthema wenn es darum geht, den Dingen auf den Grund zu gehen. Weil wahre Keuschheit eine Quelle des Glückes ist, und Unkeuschheit eine Quelle von Leid, ist es gut, dass wir uns mit diesem Thema befassen. Es handelt sich um einen sensiblen Bereich, weil er auch die Intimsphäre der menschlichen Person betrifft.

Was ist Unkeuschheit? Das kann man nur verstehen, wenn wir zuerst wissen was Keuschheit ist. Keuschheit bedeutet, die menschliche Sexualität so zu sehen und zu gebrauchen, wie der Schöpfergott es für uns vorgesehen hat, innerhalb der Schöpfungs- und Heilsordnung Gottes. Was ist die Schöpfungsordnung Gottes in Bezug auf Leib und Geschlechtlichkeit?

a) Für den menschlichen Körper im Allgemeinen und die Sexualität im Besonderen gilt die Grundaussage der Offenbarung: „Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut!“(Gen 1,31) Wir haben als Christen keine einseitige oder verklemmte Sicht des Leibes und der Sexualität. Ganz im Gegenteil. Wir anerkennen, dass der Schöpfergott uns Menschen wunderbar erschaffen hat. Und wir bekennen mit dem Heiligen Paulus, dass unser Leib „ein Tempel des Heiligen Geistes ist“(1 Kor 6,19).

b) Die Offenbarung und die Heilige Schrift belehren uns, dass der Schöpfergott die Ausübung der Sexualität für die Ehe vorgesehen hat. Schon in der Stiftungsurkunde der Ehe im Buch Genesis heißt es: „Deshalb verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau, und die beiden werden ein Fleisch.“ (Gen 2.24) Zuerst kommt das innere Loslassen der elterlichen Bindung, dann kommt der Bund, als Drittes, gleichsam als Besiegelung, die seelisch-leibliche Einswerdung. Das ist die Schöpfungs- und Heilsordnung Gottes, die uns Menschen zum Guten und zum Glück gereicht. Jedes Verhalten, das sich von der Schöpfungs- und Heilsordnung Gottes entfernt, stört und verwundet die Schöpfung, unser Leben und oft die Ursache von viel Leid.

Wie sehr wir Menschen, besonders Kinder und junge Menschen, in diesem Bereich verwundbar sind, braucht man nicht ausführen. Gott will uns dieses Leid ersparen, deshalb hat er für die Sexualität einen Bereich vorgesehen, der von ihm geschützt wird, gesegnet, zusammengehalten, ein Bereich der auch mit Verantwortung verbunden ist. Dieser Bereich ist für uns Christen allein die in Gott geschlossene Ehe, das Sakrament der Ehe. Die christliche Lehre ist im Grunde genommen sehr einfach. Die Ausübung der Sexualität gehört in die Ehe, alles vorher und außerhalb ist Sünde. Dazu gehören auch die Selbstbefriedigung, die ein Egoismus ist, und die ausgeübte Homosexualität. Das alles sind Absonderungen von der Schöpfungs- und Heilsordnung Gottes.

Der hl. Kirchenvater Ambrosius schreibt: „Es gibt drei Formen der Tugend der Keuschheit: die eine ist die der Verheirateten, die andere die der Verwitweten, die dritte die der Jungfräulichkeit. Wir loben nicht die eine unter Ausschluss der anderen. Dies macht den Reichtum der Disziplin der Kirche aus.“

Keuschheit ist eine Tugend, die wir alle brauchen. In der Ehe, in der Witwenschaft, allein stehend. Keuschheit kann von dem her auch so definiert werden: Keuschheit ist die geglückte Integration der Sexualität in die Menschliche Persönlichkeit. Noch einfacher: Sein Mannsein oder Frausein so leben, wie es der Schöpfungs- und Heilsordnung Gottes entspricht. Das ist eine wichtige menschliche Grundlage und Voraussetzung für ein glückliches Menschsein.

Der Bereich der Keuschheit umfasst mehrere Bereiche. Zuerst der Bereich des Denkens und der Vorstellung. Christus sagt: „Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.“(Mt 5,28) Damit will Christus sagen, dass die Keuschheit im Denken beginnt. Dann auch der Bereich des Sprechens und der Bereich des Handelns.

Der Zeitgeist ist durchsetzt von der Versuchung zur Unkeuschheit bis zur Abnormalität. Die Heiligsten Dinge im Bereich der Liebe werden heute in den Dreck getreten. Hier gilt das Wort des Propheten Jesaja: „Wehe denen, die das Böse gut und das Gute böse nennen!“ (Jes 5,20) Doch dass die heute so propagierte freie Sexualität nicht glücklich macht, ist offenkundig. Doch der Herrgott will uns auch in dieser heutigen Not mit seiner Barmherzigkeit zu Hilfe kommen; er will helfen, heilen und aufrichten.

Wie kann man in dieser heutigen Situation keusch leben? Aus eigener Kraft nicht. Es gibt die übernatürlichen Hilfen und die natürlichen. Zu den übernatürlichen Hilfen zählt das Gebet, die Sakramente, vor allem die Beichte, die Verehrung der Gottesmutter. Nur mit Hilfe dieser übernatürlichen Gnadenmittel ist es möglich, die Keuschheit zu bewahren oder sie wieder zu finden, wenn man sie verloren hat. Dann kommen die menschlichen Mithilfen dazu: das Schamgefühl wahren, das Bemühen um Selbstbeherrschung und Stärkung des Willens – durch bewusst kleine Opfer, die Wahrung der nötigen Distanz, gewisse Grenzen nicht überschreiten, das Meiden von Orten und Lokalen, die offenkundig die Unzucht fördern, seinen Körper, auch in der warmen Zeit und nicht nur in der Kirche, würdevoll kleiden: Immer wieder daran denken: „Mein Leib ist ein Tempel des Heiligen Geistes, ich will ihn heilig halten.“ Wie schön ist in den Augen Gottes die Keuschheit. Sie macht den Menschen edel und für die Gnaden Gottes anziehend. Die Keuschheit ist eine große Quelle der Kraft, sie macht erfinderisch, sie sprüht über von innerer Freude.

2) TRÄGHEIT und EIFER

Ein Gift im menschlichen Herzen trägt den Namen Trägheit. Die Trägheit ist die Neigung, sich gehen zu lassen, die Neigung zu geistiger und körperlicher Bequemlichkeit oder Faulheit. Die entsprechende Tugend ist der Eifer. Wie schön ist auch der Eifer. Der Eifer ist ein Zeichen der Liebe. Wer Eifer hat für Gott, für die Ehre Gottes, für den Gottesdienst, für seine Mitmenschen, der lebt aus der Liebe. Je mehr Eifer, desto mehr Liebe. Je weniger Eifer, desto weniger Liebe. Kein Eifer: die Liebe ist erkaltet und erstorben. Die Gottesmutter geht nach der Verkündigung zu Elisabeth, nein sie eilt, heißt es, weil sie voll der Liebe ist.

Zusammenfassend. Wir haben versucht, zum Licht aufzublicken. Nur im Licht Gottes werden die Geheimnisse des menschlichen Herzens sichtbar, die lichtvollen Seiten in uns, aber auch die Schattenseiten. Sieben Giftstoffe haben wir betrachtet, und die Tugenden, die Heilmittel, die sie überwinden. In der kirchlichen Tradition werden diese sieben Giftstoffe seit Gregor d. Gr. die sieben Hauptsünden genannt. Wie am Anfang erwähnt, meinte ich mit diesen Ausführungen niemand konkret. Und doch betrifft es uns alle. Der Apostel Jakobus sagt: „Woher kommen die Kriege bei euch, woher die Streitigkeiten? Doch nur vom Kampf der Leidenschaften in eurem Innern.“(Jak 4,1) Jakobus meint mit diesem Kampf der Leidenschaften das Erbe Adams, den Kampf zwischen Gift und Gnade in unserem Herzen. Es ist wichtig, dass wir Menschen um die Beschaffenheit unseres Herzens wissen. Dann erst wissen wir, was wir zu tun haben. Wer um die Realität der Erbsünde weiß, tut sich viel leichter, mit sich selbst und den anderen Mitmenschen umzugehen.

Jetzt steht Ostern vor der Tür. Das Fest der Erlösung. Die Barmherzige Liebe Gottes lädt uns ein, dass wir die Wunden unseres Herzens zu Ihm bringen, zum Heiland, zum Erlöser. Scheuen wir uns nicht, auch alle Schattenseiten des Herzens voller Vertrauen zu Christus zu bringen. Dazu hat uns Christus das Sakrament der Buße geschenkt. Wie können wir, wenn wir den Herrn wirklich lieben und die Realität des Herzens ernst nehmen, auf das verzichten? Im Bußsakrament dürfen wir unser Herz gleichsam in die Wunden Christ hineinhalten. Wer das tut, feiert Ostern. Er wird neu. Er wird geheilt. „Durch seine Wunden sind wir geheilt.“(Jes 53,6)

Maria, Mutter der Barmherzigkeit, bitte für uns. Amen.

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