289) Hochfest Maria Himmelfahrt 2018: EINE VON GOTT GESETZTE EWIGE FEINDSCHAFT

Hochfest Maria Himmelfahrt 2018

„FEINDSCHAFT SETZTE ICH ZWISCHEN DIR UND DER FRAU“ (Gen 3,15)

EINE VON GOTT GESETZTE EWIGE FEINDSCHAFT

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Mit dem heutigen großen Feiertag will uns die Kirche an der Freude teilhaben lassen, die vom Himmel kommt. Der Aufblick zur Muttergottes im Himmel, in ihrer leib-seelischen Vollendung, ist für uns Menschen immer ein Trost und eine Hilfe, eine Freude.

           

Die Muttergottesfeste stehen immer in einer tiefen Beziehung zur Christus, zu seinem Erlösungswerk und zur Kirche. Im heutigen Offertorium betet die Kirche ein Wort Gottes aus der Genesis, nach dem Sündenfall: „Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. Er trifft dich am Kopf und du triffst ihn an der Ferse“.

           

Ist das tatsächlich möglich, dass der Gott des Friedens Feinschaft stiftet? Ja! Es gibt in der Heilsgeschichte eine Feindschaft, die Gott selber gestiftet hat, eine einzige, die immer bestehen wird, für die ganze Ewigkeit. Das ist die Feindschaft zwischen der Schlange und der Frau. Die Kirche hat diese Schriftstelle, ausgehend von den Evangelien über die Kirchenväter bis heute klar ausgelegt und verstanden. Ich darf heute einfach diese Auslegung der Kirche weitergeben.

           

FEINDSCHAFT SETZE ICH ZWISCHEN DICH UND DIE FRAU

           

Dieses Wort ist nach dem Sündenfall im Paradies von Gott an die Schlange gerichtet. Die Schlange ist der Teufel. Die Frau ist zunächst Maria. Gott hat Feindschaft gestiftet zwischen dem Teufel und Maria. Dh Luzifer und seine Engel stehen mit ihrem Hochmut, mit ihrem non serviam, in unüberwindbarem Gegensatz zu Maria, der Gnadenvollen, der demütigen Magd des Herrn. Der Böse Feind hatte niemals Zutritt zu Maria. Das hat Gott durch diese von Ihm gestiftete Feindschaft nicht zugelassen.

           

Die Frau ist dann die Kirche. Gott hat Feindschaft gestiftet zwischen dem Teufel und der Kirche. Luzifer und seine Engel stehen mit ihrem Hochmut, mit ihrem non serviam, in unüberwindbarem Gegensatz zur Kirche Gottes, zur Kirche als Arche des Heiles, zur Kirche als Trägerin und Vermittlerin des Erlösers und der Erlösungsgnaden.

           

ZWISCHEN DEINEN NACHWUCHS UND IHREN NACHWUCHS

           

Die Schlange hat ihre Nachkommen: Das ist das Reich der gefallenen Engel und ihrer Helfer, jene Menschen, die sich bewusst den Werken der Finsternis verschreiben. Solche Menschen gibt es zu allen Zeiten außerhalb der Kirche und leider auch innerhalb der Kirche.

           

Auch die Frau hat ihre Nachkommen: Die Kirche und die Kinder der Kirche, die den Weg des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und des Kreuzes gehen.

           

Die von Gott gesetzte Feindschaft besteht also nicht nur zwischen der Schlange und Maria, sie besteht auch zwischen den Nachkommen der Schlange und den Nachkommen der Frau, dh den Kindern der Kirche.

           

Welchen Sinn hat diese von Gott gesetzte Feindschaft? Gott hat mit dieser Feindschaft eine Trennlinie gezogen zwischen Himmel und Hölle, zwischen Licht und Finsternis, zwischen Wahrheit und Irrtum. Diese von Gott gestiftete Feindschaft ist auch zum Schutz für die Kirche und die Kinder der Kirche.

           

Die Offenbarung über diese Feindschaft ist für uns als Kirche sehr wichtig. Die Kirche befindet sich heilsgeschichtlich immer im geistigen Kampf mit der Schlange. Christus nennt Luzifer den Fürsten dieser Welt (Joh 16,11). Von dem her erhellen sich auch die Worte Christi über den Gegensatz Kirche und Welt. Christus sagt den Aposteln: „Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat“ (Joh 15,18).

           

Der sel. Kardinal John Henry Newman sagt: „Die Kirche kämpft und sie leidet in dem Maß, wie sie das ihre recht erfüllt. – Und ist die Kirche ohne Leiden, so kommt das daher, dass sie schlummert. Ihre Lehre und ihr Gebot können der Welt niemals schmackhaft sein.                                                 Und wenn sie die Welt nicht verfolgt, (wenn die Welt die Kirche nicht verfolgt), so kommt das daher; dass die Kirche nicht predigt.“

           

Das Zweite Vatikanische Konzil sagt zu dieser Realität, der hl. Augustinus wird zitiert: Die Kirche „schreitet zwischen den Verfolgungen der Welt und den Tröstungen Gottes auf ihrem Pilgerweg dahin“ (2. Vatikanisches Konzil, Lumen Gentium 8).

           

Als Kirche sind wir in dieser Hinsicht irgendwie immer in Bedrängnis. Diese Bedrängnis kommt heute nicht nur von der Welt, von außen, sondern auch aus dem Inneren der Kirche. Warum? Weil die Verweltlichung bei vielen Getauften Einzug gehalten hat. Papst Paul VI. sagte es noch deutlicher: „Der Rauch Satans ist in die Kirche eingedrungen“.

           

ER TRIFFT DICH AM KOPF

           

Dieser dritte Teil aus Gen 3,15 ist der Höhepunkt dieser Schriftstelle. Im griechischen Text heißt es, wie auch in der deutschen Übersetzung: ER, der Nachkomme der Frau, wird dir – der Schlange – den Kopf zertreten. Hier wird zum Ersten Mal in der Heiligen Schrift auf Christus verwiesen, auf den, der der Schlange den Kopf zertritt. Das ist die erste Ankündigung der Erlösung, die erste Verheißung des Messias. Deshalb nennt die katholische Kirche diese Schriftstelle - Gen 3,15 - das Protoevangelium, das Erstevangelium.

           

Das heutige Hochfest zeigt uns, dass Gott die Verheißung des Protoevangeliums erfüllt hat. Maria hat dabei mitgewirkt. Christus hat am Kreuz die alte Schlange besiegt und ihre Machenschaften entlarvt. Die Muttergottes ist die erste, die im Himmel voll und ganz an diesem Sieg Anteil hat.

           

UND DU TRIFFST IHN AN DER FERSE

           

Gott gibt uns im Protoevangelium dieses Wort noch zur Wachsamkeit mit auf den Weg: „Du triffst ihn an der Ferse.“ Die Schlange stellt dem nach, der ihr den Kopf zertritt. Dh bis zum Ende der Welt bedrängt die Schlange die Kinder Mariens und der Kirche. Christus sagt es einmal so: „In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt“ (Joh 16,33).

           

In der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch der Heiligen Schrift, ist nochmals die Frau erwähnt, mit dem Drachen (Offb 12) – wieder Maria und die Kirche. Gott hat der Frau – der Kirche – in der Wüste einen sicheren Zufluchtsort bereitet. Dieser Zufluchtsort ist das Heiligste Herz Jesu, das Dogma des Glaubens, die Sakramente des Erlösers und nicht zuletzt die Frau, die Christus uns am Kreuz zur Mutter, zur Schützerin und himmlischen Königin gegeben hat, die Frau, die er erwählt hat, mit ihrem Sohn der „alten Schlange“ (Offb 20,2) den Kopf zu zertreten. Das Wirken der alten Schlange ist von Gott zugelassen. Wodurch wird es zurückgedrängt und überwunden? Zuerst und vor allem durch das Heilige Messopfer. Und wir alle können mithelfen, die Machenschaften der alten Schlange zu vereiteln, indem wir die Tugenden der Muttergottes nachahmen: Ihren Glauben, ihre Anbetung Gottes, ihre Demut, ihre Reinheit, ihre Liebe… Das sind alles Tugenden, vor der die alte Schlange flieht und wodurch das Reich Christi aufgebaut wird. Amen.

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