288) 17. Sonntag im Jahreskreis 2018: VON DER HÖHE DES STOLZES UND DER TIEFE DER DEMUT

17. Sonntag nach Pfingsten 2018

„ZWEI MENSCHEN GINGEN IN DEN TEMPEL HINAUF UM ZU BETEN“ (Lk 13,9)

VON DER HÖHE DES STOLZES UND DER TIEFE DER DEMUT

Predigt von Pf. Müller Stephan

           

Mitten im Hochsommer gibt uns die Kirche heute durch das Sonntagsevangelium Impulse für unser Beten. Mit dem Gebet ist es ja so wie in unseren menschlichen Beziehungen: Ein Leben lang erfordern Beziehungen Pflege und Sorge. So ist es auch mit unserer Beziehung zum Herrgott, die wir vor allem im Gebet pflegen.

           

„Zwei Menschen gingen hinauf in den Tempel um zu beten.“ So verschieden wie diese beiden Männer waren, der Zöllner und der Pharisäer, so verschieden war auch ihr Beten. Christus zeigt uns in diesen beiden Menschen allgemein zwei Lebenshaltungen und gleichzeitig zwei Herzenshaltungen beim Gebet: Hochmut und Demut. Wie zeigt sich das? Der Ort, wo die beiden stehen, kann natürlich nicht gemeint sein. Ob jemand im Tempel vorne oder hinten bei der Tempeltüre betet, hat mit Hochmut oder Demut nichts zu tun, das sind Herzenshaltungen.

           

Warum ist der Pharisäer hochmütig? Was ist an seinem Gebet nicht in Ordnung? „Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen: die Räuber, die Ungerechten, die Ehebrecher.“ Wenn der Pharisäer damit meint: „Gott, ich bin ein schwacher Mensch, ich danke dir, dass Du mich geführt und gehalten hast, dass ich nicht abgestürzt bin in den Raub, in den Ehebruch, in die Ungerechtigkeit“, dann ist das Gebet in Ordnung. Wir dürfen und sollten Gott danken, dass er uns vor schweren Sünden bewahrt hat. Spätestens der nächste Satz des Pharisäers macht stutzig: „Oder auch wie dieser Zöllner da.“ „Der da! Die da! Hier spricht schon der Hochmut, der auf andere herabschaut, der sich selber für besser hält. Dann kommt es ganz dick: „Ich faste zwei Mal die Woche, gebe den Zehnten von allem.“ Hinter diesen Worten steht eine gewisse Selbstgerechtigkeit die Gott vorrechnet, was man geleistet hat. Wenn der Pharisäer gemeint hätte: „Gott, ich danke Dir, dass Du mir Erkenntnis und Freude gegeben hast, mit dem Gottesdienst Israels zu leben, jede Woche und jeden Tag im Tempel Dein Wort zu hören, mit meinem Vermögen Gutes zu tun…“, dann wäre das Gebet in Ordnung. Mit solchen guten Haltungen hätte der Pharisäer so wie der Zöllner sein Gebet abschließen können: „Gott sei mir Sünder gnädig!“ Dann hätten beide gut gebetet, der Pharisäer und der Zöllner.

           

Warum ist der Zöllner demütig? Seine Worte und Gestik zeigen eine realistische Selbsteinschätzung. Er weiß um seine Mängel oder Sünden, er zählt Gott keine Leistungen auf, er macht nicht viele Worte, er vergleicht sich nicht mit anderen. Er setzt einen schlichten Akt der Demut und Reue: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“

           

Christus richtet über das Gebet der beiden Männer: „Dieser ging gerechtfertigt nach Hause, jener nicht.“ Dem Pharisäer hat sein Gebet nicht nur nichts genützt, sein Gebet wurde ihm zur Sünde. Der Zöllner wurde gerechtfertigt, dh seine Demut hat ihn fähig gemacht, die barmherzige Liebe Gottes und Gnade zu empfangen.

           

Welche Herzenshaltung haben wir beim Gebet? Der Katechismus wirft die Frage auf: „Von woher sprechen wir, wenn wir beten? Von der Höhe unseres Stolzes und unseres Eigenwillens herab oder ´aus der Tiefe´ (Ps 130,1) eines demütigen und reuigen Herzens? Wer sich erniedrigt, wir erhöht. Die Demut ist die Grundlage des Betens, denn ´wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen´ (Röm 8,26): Um die Gabe des Gebetes zu empfangen, müssen wir demütig gesinnt sein: Der Mensch ist vor Gott ein Bettler (St. Augustinus).“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Artikel 2559). Wenn wir wie die Israeliten damals in Jerusalem in den Tempel zum Gebet gehen, dh für uns Katholiken zum Gottesdienst der Kirche ins Gotteshaus, dann wollen wir wie der Zöllner mit tiefer Demut kommen. Den Gottesdienst der Kirche, das Heilige der Liturgie, das Wort Gottes… in tiefer Demut achten, wertschätzen...

           

Die Liturgie des Heiligen Messopfers ist auch eine wertvolle Schule der Demut. Denken wir zB an das Stufengebet des Priesters in der überlieferten Liturgie, an das allgemeine Schuldbekenntnis, an das Knien bei den heiligsten Augenblicken, wo wir uns auch körperlich vor Gott erniedrigen. „Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden“ (Lk 18,14). Die Liturgie der Kirche formt unser Herz zu einem demütigen und gläubigen Beten.

           

Die Tugend der Demut heißt im Lateinischen humilitas. Dieses Wort ist verwandt mit Humus, Erdboden. Das Erdreich unserer Seele wird tatsächlich nur durch die Demut fruchtbar und bereit, die Gnade Gottes aufzunehmen, wie beim Zöllner im Tempel.

           

Das Wort Gottes gibt der Demut große Verheißungen: Der hl. Apostel Petrus sagt: „Gott tritt den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt er seine Gnade“ (1 Petr 5,5). Die Gottesmutter bekennt: „Auf die Demut seiner Magd hat er geschaut“ (Lk 1,48). Gott schaut auf die Demütigen, auf ihr Leben, auf ihre Anliegen. Und: Gott „erhöht die Demütigen“ (Lk 1,52). Gott liebt es, demütige Menschen aufzurichten und ihnen zu helfen.

           

Vereinigen wir uns im Gebet gerne mit der Gottesmutter Maria. Sie nennt sich bei der Verkündigung „die Magd des Herrn“ (Lk 1,38). Ihr Herz konnte deshalb Christus und die Fülle der Gnade aufnehmen, weil sie von Herzen demütig war. Amen.

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