287) 14. Sonntag im Jk B) 2018:DER HEILIGE ANTONIUS VON PADUA

14. Sonntag im Jahreskreis B) - 7. Sonntag nach Pfingsten 2018

„Hütet euch vor den falschen Propheten“ (Mt 7,15)

Predigt von Pf. Müller Stephan

           

Heute starten wir zu einer Pilger- und Kulturfahrt nach Padua und Venedig. In diesen Tagen werden uns das Leben und die Lehre des hl. Antonius von Padua beschäftigen. Er ist einer der volkstümlichsten Heiligen der katholischen Kirche. Obwohl sein Leben schon Jahrhunderte zurückliegt, wird er in der ganzen Welt verehrt und angerufen.

           

Ich möchte heute ein paar grundlegende Worte über den heiligen Antonius sagen, als kleine Einstimmung für die kommenden Tage. Das ist für uns alle geeignet. Wir alle rufen den hl. Antonius ja gerne in unseren Anliegen an.

           

Papst Benedikt XVI. fasst sein Leben und Wirken mit folgenden Worten zusammen (1):

Antonius gehörte noch zur ersten Generation der Franziskaner und hat entscheidend an der Entwicklung der franziskanischen Spiritualität und Theologie mitgewirkt. Ursprünglich stammte Fernando – so hieß Antonius mit Taufnamen – aus Lissabon und wurde zunächst Augustiner-Chorherr. Unter dem Eindruck der Überführung der sterblichen Überreste der ersten franziskanischen Märtyrer aus Marokko trat er in den Franziskanerorden ein und erhielt den Namen Antonius. 1221 nahm er am Generalkapitel der Franziskaner in Assisi teil und begegnete dort auch dem heiligen Franziskus. Später wurde man eher zufällig auf seine große Predigtgabe aufmerksam. So wurde Antonius nach Oberitalien und Südfrankreich gesandt, wo er viele Irrgläubige zur Umkehr und Rückkehr in die Kirche bewegen konnte. Als erster theologischer Lehrer seines Ordens legte er in solider Kenntnis der Heiligen Schrift und der Kirchenväter, vornehmlich des heiligen Augustinus, die Grundlagen für die spätere franziskanische Theologie. Antonius starb am 13. Juni 1231 bei Padua und wurde ein Jahr später heiliggesprochen. [Er wurde 34 Jahre alt].

           

Seine beiden Predigtsammlungen zeugen von seiner tiefen und lebendigen Verkündigung, aus denen die Frische und Schönheit des Evangeliums spricht. So erhielt Antonius 1946 als Kirchenlehrer den Titel „doctor evangelicus“. Besonderen Wert legte der Heilige auf das Gebet, das unabdingbar ist für den Fortschritt im geistlichen Leben, auf die göttliche Liebe, die erst ein tieferes Erkennen möglich macht, und auf die Nächstenliebe, die die Seele des Glaubens ist. Dabei steht im Mittelpunkt seiner Verkündigung stets Christus. Die Betrachtung der Geheimnisse der Menschheit Jesu, vor allem seiner Geburt und seines Todes am Kreuz, weckt in uns die Liebe und die Dankbarkeit gegenüber Gott.

           

Der hl. Antonius - einige Schwerpunkte seines Lebens

           

1) Ein wahrer Prophet

Im heutigen Evangelium sagt Christus: „Hütet euch vor den falschen Propheten.“ Mit falschen Propheten meinen wir Menschen, die innerhalb oder außerhalb der Kirche nicht den Weg Gottes lehren, nicht die Wahrheit lehren, die Christus ist, ein verfälschtes oder halbes Evangelium... Ein falscher Prophet kann man sein, indem man direkt Irrlehren verbreitet oder wenn man wichtige Heilswahrheiten bewusst verschweigt, wie zB der Ruf Christi zur Bekehrung und zum Glauben. Der hl. Paulus sagt bei seiner berühmten Abschiedsrede in Milet: „Ich bin unschuldig, wenn einer von euch allen verloren geht. Denn ich habe mich der Pflicht nicht entzogen, euch den ganzen Willen Gottes zu verkünden“ (Apg 20,26-27).

           

Der hl. Antonius war ein wahrer Prophet. Seine Predigten waren Verkündigung der wahren und gesunden katholischen Lehre. Antonius konnte das ganze Neue Testament auswendig. Er hat sehr viel aus der hl. Schrift zitiert und die Heilige Schrift ausgelegt. Als er in Rom einmal vor Papst Gregor IX. und der Kurie predigte, nannte der Papst ihn danach »Arche des Testaments«.

           

Eine Hauptthematik in seinen Predigten war der Tugendkampf und die Entscheidung für den Glauben beim einzelnen Katholiken. Diese Thematik ist in der heutigen Lesung angesprochen. Der hl. Paulus spricht von den beiden Gegensätzen, die wir als Folge der Erbsünde in uns tragen: Auf der einen Seite haben wir die Schwachheit des Fleisches, die Ungerechtigkeit, die zum Tod führt. Auf der anderen Seite zieht uns die Gnade der Erlösung, die wir in der hl. Taufe empfangen haben, zur Heiligkeit und Gerechtigkeit. In dieser Spannung steht unser Leben.

           

Der hl. Antonius wollte den Menschen in diesem Kampf mit sich selbst helfen. Antonius hat dabei sehr klare und deutliche Worte gefunden, die Warnung vor der Sünde und der Hölle nicht ausgenommen. Da geht es in seinen Worten wirklich um Sein und Nichtsein, um Heil und Heilsverlust. Das sind Themen, die uns in der „modernen“ Kirche beinahe verloren gegangen sind. Umso aktueller ist ein Kirchenlehrer Antonius, der uns sozusagen wirklich wieder zum Kern des Lebens führt.

Eine weitere Thematik seiner Verkündigung war der Ausgleich zwischen Arm und Reich. Zu seiner Zeit entwickelte sich der Handel, die Städte blühten auf. Er thematisierte immer wieder die Haltungen von Habsucht, Neid und Geiz usw. Diese soziale Komponente war sehr stark in seinem Blickfeld.

           

2) An Ihren Früchten werdet ihr sie erkennen

           

Der hl. Antonius verbrachte ¾ seines Lebens in der Verborgenheit, nur 9 Jahre wirkte er als Franziskaner-Priester in der Öffentlichkeit. Sein Leben war wie das Leben Christi zu biblischen Zeiten. Wenn er predigte, kamen die Menschen tatsächlich zu tausenden. Dann hat er selber und viele andere Priester die Beichte gehört. Seine Verkündigung war verbunden mit vielen außergewöhnlichen Wundern, das war an der Tagesordnung: Krankenheilungen, Totenerweckungen. Seine Persönlichkeit, seine Heiligkeit, hatte die Menschen fasziniert. Sein heiliges Leben war der innere Grund für die Fruchtbarkeit seines Priesterlebens. Unzählige im Glauben irrende und verwirrte hat Antonius zum katholischen Glauben zurückgeführt, zur Umkehr oder zu einem eifrigen Tugendleben geführt.

           

Heiliger Antonius! Hilf auch uns zu einem tiefen Glaubens- und Tugendleben. Amen.

           

(1) Papst Benedikt XVI., aus der Ansprache bei der Generalaudienz am 10.2.2010

           

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