286) Fest vom Kostbaren Blut Christi - 1. Juli 2018: CHRISTI BLUT MACHT ALLES GUT

Fest des Kostbaren Blutes Jesu Christi – Sonntag, 1. Juli 2018

„CHRISTUS IST DURCH SEIN EIGENES BLUT INS HEILIGTUM EINGETRETEN

UND HAT EWIGE ERLÖSUNG BEWIRKT“ (vgl. Hebr 9,12)

CHRISTI BLUT MACHT ALLES GUT

Predigt von Pf. Müller Stephan

           

Heute ist das Fest des Kostbaren Blutes unseres Herrn Jesus Christus. Dieses Fest gibt dem ganzen Monat Juli eine geistige Ausrichtung, ähnlich, wie das Herz-Jesu-Fest dem Monat Juni. Das Fest vom Kostbaren Blut hat nicht ein Ereignis im Leben Christi zum Inhalt, wie zB Weihnachten, Ostern, Christi Himmelfahrt. Dieses Fest ist ein Devotions- oder Andachtsfest, es kommt aus der theologischen Reflexion der Heiligen Schrift. Oft ist nämlich in der Heiligen Schrift von der Bedeutung des Blutes die Rede. In der Vorstellung der biblischen Zeit ist Blut der „Sitz des Lebens“: Blut meint das Leben. Das Blut vergießen bedeutet, das Leben verlieren oder hingeben.

           

Religionsgeschichtlich: Den verschiedenen heidnischen Religionen in vor-, außer- und auch noch nachbiblischer Zeit war irgendwie bewusst, dass Versöhnung mit Gott oder der Weg zu Gott (Gott oder Götter in der Vorstellung der heidnischen Religionen) Blut benötigt. Von da her kennen alte Naturreligionen Opfer mit Blut, Tieropfer, manchmal auch schreckliche Menschenopfer. Was hier praktiziert wurde, ist ein Hinweis auf das Bewusstsein von Schuld und die Sehnsucht des Menschen nach Befreiung von Schuld und die Sehnsucht nach Gott.

           

Auch das Gottesvolk des Alten Bundes, das durch die Erwählung durch Gott, die Offenbarung und den Bundesschluss sich natürlich vom heidnischen Bereich sehr deutlich unterscheidet und abgrenzt, hatte im Jerusalemer Tempel einen ausgeprägten Opferkult mit täglichen Tieropfern. Diesen Opferkult im Heidentum und vor allem im Volk Israel können wir als eine „Vorbereitung“ oder einen Hinweis auf die Bedeutung des Erlöserblutes Christi sehen. Bei der Einsetzung der Allerheiligsten Eucharistie sagt Christus, nach Matthäus: „Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden“ (Mt 26,28). Erst Christus hat die im Heidentum und im Alten Bund ersehnte Vergebung von Schuld und Versöhnung mit Gott bewirkt: „Durch sein Blut haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden nach dem Reichtum seiner Gnade“ (Eph 1,7).

           

Warum feiert die Kirche ein Fest des Kostbaren Blutes Christi? Bei allen Andachtsfesten feiern wir natürlich die Person des Erlösers. Von verschiedenen Seiten werden wir mit solchen Festen zum Erlöser geführt und zum Geschenk der Erlösung. ZB: Das Fest Kreuzerhöhung stellt uns im Zeichen des Kreuzes Christus vor Augen, der aus Liebe zu uns mit seinem menschlichen Leib leidet. Fronleichnam stellt uns Christus vor Augen, der in der Heiligen Hostie aus Liebe zu uns unter uns wohnt. Das Herz-Jesu-Fest stellt uns im Zeichen des Herzens das Erbarmen Christi vor Augen. Das sind alles Andachtsfeste, die uns das Christusgeheimnis erschließen. Das Fest vom Kostbaren Blut stellt uns vor allem zwei Wahrheiten vor Augen:

           

  1. a) Das Blut Christi ist das Mittel oder der Kaufpreis unserer Erlösung. Der hl. Apostel Petrus sagt es so: „Ihr wisst, dass ihr […] nicht um einen vergänglichen Preis losgekauft wurdet, nicht um Silber oder Gold, sondern mit dem kostbaren Blut Christi, des Lammes ohne Fehl und Makel“ (1 Petr 1,18-19). Christus hat um unserer Erlösung Willen Sein Blut vergossen. Theologisch gesprochen: Beim Blut Christi geht es um die Sühne unserer Sünden, um die Wiederherstellung der durch die Sünde verletzten Gerechtigkeit Gottes. Das ist nicht nur schwierig zu erklären, es ist auch schwer zu verstehen. Es soll uns jetzt das genügen, was uns das Wort Gottes in der heutigen Lesung vermittelt: Christus ist unser Hoherpriester. Er hat am Altar des Kreuzes Sein Blut vergossen. Mit seinem Blut ist Er sozusagen in das Innerste Heiligtum, in das Herz des Himmlischen Vaters, eingetreten und hat mit seinem Blut unsere Erlösung erwirkt. Das gläubige Volk brachte diese Wahrheit mit einfachen Worten zum Ausdruck: „Christi Blut macht alles gut!“

           

  1. a) Das Fest vom Kostbaren Blut will uns auch die unendliche Wirkkraft der Erlösungstat Christi vor Augen führen. Die Anrufungen der Litanei vom Kostbaren Blut beleuchten dies.

           

Das Verständnis für das Kostbare Blut Christi ist in der Kirche im Laufe der Zeit gewachsen. Ein liturgisches Fest des Kostbaren Blutes hat erst der selige Papst Pius IX. 1849 für die ganze katholische Kirche eingeführt, der hl. Papst Pius X. und Pius XI. haben den Rang dieses Festes erhöht. Der selige Papst Johannes XXIII., der Konzilspapst, hat im Verlangen, die Verehrung des Kostbaren Blutes Christi zu fördern, die Litanei vom Kostbaren Blut in die offiziellen kirchlichen Litaneien aufgenommen. Im Messbuch befindet sich auch eine Votivmesse vom Kostbaren Blut Christi.

           

Das Blut Christi wird von der Kirche nicht nur verehrt, sondern angebetet, wie auch das Herz Jesu oder das Haupt Christi, weil es Teil der Gott-Menschlichen Person Christi ist. Besonders eindrucksvoll erleben wir das bei der Heiligen Wandlung, wo das Blut Christi im Kelch gegenwärtig wird und der Priester vor diesem Blut anbetend das Knie beugt. Das Blut Christi ist im Glauben der Kirche zusammen mit dem Leib Christi auch in der Heiligen Hostie gegenwärtig.

           

Das Blut Christi anbeten bedeutet: Wir beten Christus an. Wir danken Ihm für seine Liebe, in der Er für uns Sein Blut vergossen hat um uns zu erlösen. Wir übergeben uns der Wirkkraft Seines Kostbaren Blutes.

           

In der Tradition der katholischen Kirche wird das Blut Christi besonders in den größten Nöten angerufen: Bei Versuchungen durch den Teufel, in Todesgefahr, zur Bewahrung des Glaubens, bei Verzweiflung wegen begangener Sünden, in aussichtslosen Anliegen usw. Ein Beispiel: Nach dem 2. Weltkrieg war der berühmte Nürnberger Prozess für die ehemaligen Nazi-Verbrecher, die man fassen konnte. Bei diesem Prozess sind manche der Angeklagten bei ihrer Ideologie verblieben, sind mit dem Hitlergruß vor der Hinrichtung in die Ewigkeit hinübergegangen, erschütternd. Andere dieser Männer sind auch hingerichtet worden, doch haben sie bereut und ihre Hoffnung auf das Blut Christi gesetzt. Das wissen wir aus dem Zeugnis der Gefängnisgeistlichen, die diese Männer begleiten konnten.

           

Diese kleine Betrachtung über das Blut Christi soll uns anregen, nicht nur im Monat Juli sondern auch sonst gerne die Nähe zum Blut Christi zu suchen. Wir kommen dem Blut Christi nahe bei der Hl. Wandlung und bei der Lossprechung der Beichte. Nehmen wir auch gerne bei persönlichen Nöten und Anliegen unsere Zuflucht zum Kostbaren Erlöserblut Christi: „Christi Blut macht alles gut“. Amen.

           

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