017) Gründonnerstag.2012: Das ist heute

Abendmahlsmesse am Gründonnerstag, 5.4.2012

Homilie von Pfarrer Stephan Müller (Manuskript):

„DAS IST HEUTE“(CANON MISSAE)

DAS „HEUTE“ DES OPFERS CHRISTI IN DAS HEUTE UNSERES LEBENS HOLEN

1) Die heilige Kirche ist Ausspenderin und Verwalterin der Geheimnisse Gottes(1 Kor 4,1). Die Kirche verwaltet seit der Stunde im Abendmahlssaal das Abschiedsgeschenk Christi, das Heiligste, das uns Christus hinterlassen hat: Das Sakrament seines Leibes und Blutes. Das ist ER SELBST. Deshalb nennen wir dieses Abschiedsgeschenk auch das Allerheiligste. Die Kirche hat für den heutigen Tag in den Kanon, bei den Wandlungsworten, ein kleines Wort eingefügt:Hoc est hodie. Das ist heute.“ Diesen Einschub Hodie/Heute gibt es nur bei der Abendmahlsmesse. Was hat dieses Heute zu bedeuten?

Was wir jetzt mit der Abendmahlsmesse feiern, ist mehr als eine bloße Erinnerung an das Letzte Abendmahl. Christus feierte mit den Aposteln zuerst das jüdische Paschamahl. Doch dann hat er etwas getan, was weit über das jüdische Pascha hinausging, etwas ganz Neues und Einzigartiges: die Einsetzung der Eucharistie und des Priestertums. Altarssakrament und Priestertum sind zwei Sakramente, die nicht nur zusammenhängen und zusammengehören. Christus hat sie auch sozusagen im gleichen Atemzug gestiftet hat. Die Geburtsstunde der Eucharistie ist die Geburtsstunde des Priestertums, das die Apostel empfangen haben.

Der Einschub „Das ist heute“ im Kanon zeigt uns etwas ganz Wesentliches über das Geheimnis der Heiligen Messe und der Heiligen Wandlung. Versuchen wir, das zu erkennen.

Nach dem Letzten Abendmahl wirkte Christus die erste Hl. Wandlung: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Das ist mein Blut, das für euch vergossen wird.“ Bei der ersten Hl. Wandlung im Abendmahlssaal hat Christus sein Sterben am Kreuz vorweggenommen. Er hat sein Kreuzesopfer von Golgota an die Heilige Wandlung gebunden, zu einem Heute gemacht. Auf diese Weise hat uns Christus durch die Heilige Messe seinen Erlösertod für immer zugänglich gemacht.

Bei der Heiligen Messe, konkret bei der Hl. Wandlung, tritt die Kirche in dieses Heute Christi hinein. Durch die Heilige Wandlung wird das Kreuzesopfer Christi zu einem Heute: („Das ist Mein Leib – das ist mein Blut“). Er tut es jetzt! Heute! Hier! Wo immer der katholische Priester die Wandlungsworte spricht. Mit dem Heute der Wandlung berühren wir das Heute des Kreuzesopfers, so wie beim Letzten Abendmahl. Das eine Opfer Christi am Kreuz wird Heute gegenwärtig. In der Sprache des Glaubens lehrt die Kirche beim Konzil von Trient: Das Kreuzesopfer von Golgota und das Hl. Messopfer sind identisch. Nur die Art der Darbringung ist verschieden. Am Kreuz hat sich Christus blutig geopfert, beim Letzten Abendmahl und beim Hl. Messopfer geschieht es unblutig.

Dieses kleine Wort Heute zeigt uns also die objektive Wirklichkeit der Hl. Messe und der Heiligen Wandlung. So manche Heilige durften dieses Heute des Kreuzesopfers schauen und sozusagen mit Händen greifen. Denken wir an den heiligen Pater Pio. Der Aufstieg zum Altar war für ihn täglich der Aufstieg nach Golgota. Auf mystische Weise hat Christus den Pater Pio in dieses Heute seines Opfers mit seiner Seele und seinem stigmatisierten Körper hineingenommen. Denken wir an Pater Reus, der des öfters Christus bei der Hl. Wandlung am Kreuz gesehen hat. Denken wir an den im Ruf der Heiligkeit am Gründonnerstag, 14. März 1956, verstorbenen Haller Kooperator Josef Lambichler: „Meine Seele, frage dich bei der Hl. Wandlung: bist du jetzt auf Golgota oder ganz wo anders?“

„Das ist heute!“ Das Erlösungsopfer Christi wird bei der Hl. Wandlung, durch die Hände des geweihten Priesters in das Heute hereingeholt.

2) Dann gibt es noch ein zweites „Heute“: das Heute unseres Lebens. Unser Leben mit seinen Höhen und Tiefen, mit schönen und schweren Erlebnissen, mit Suchen und Fragen… Dieses Heute unseres Lebens will Christus erreichen, um uns umzuwandeln, zu erlösen, zu heilen. Um uns zu vereinen, um uns wahre Gemeinschaft zu schenken: uns in der Liebe seines Herzens zu vereinen. Das ist die wahre Gemeinschaft: in Christus. Wie kann das Heute des Opfers Christi mein Leben erreichen und zu meinem Heute werden? Um uns das zu schenken, hat Christus beim Letzten Abendmahl die Heilige Messe eingesetzt.

Es gibt mehrere Stufen und Möglichkeiten, mit dem Heute unseres Lebens dem Heute des Kreuzesopfers nahe zu kommen:

 

< Der erste und grundlegendste Weg ist einfach die Mitfeier der Heiligen Messe mit der hl. Wandlung. Damit wir die Umarmung Christi, seine Hände, die uns halten, uns segnen, schützen, helfen und leiten, nicht verlassen und nicht verlieren, hat er uns beim Letzten Abendmahl das Gebot gegeben: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ Das ist das Sonntagsgebot. Die Sonntagsmesse öffnet die Gnaden für eine ganze Woche, alle Gnaden, die wir brauchen. Die sonontagsmesse bindet uns an das erlösende Kreuzesopfer. Nicht aber ein Wortgottesdienst, weil er keine Wandlung kennt.

< Versuchen wir, auch an Werktagen das Heilige Messopfer mitzufeiern, so oft es geht, vor allem jene, die leicht Zeit haben. Manchmal müssten wir uns die Zeit einfach nehmen. Gott wird diese Zeit, die wir ihm schenken, vermehren und uns zurückschenken. Es gab für die Werktagsmesse in unseren Familien einen sehr schönen gläubigen Brauch: Zumindest einer aus der Familie hat stellvertretend für alle in der Familie die Hl. Messe mitgefeiert und den Segen für alle mit heimgebracht. Es geht bei der Hl. Messe nicht um unser Verstehen. Das Geheimnis des Glaubens können wir nicht verstehen. Hier ist Demut gefragt! Um die Heilige Messe fruchtbringend mitfeiern zu können brauchen wir zuerst Liebe, Glaube und den Gnadenstand. Die Heilige Messe ist das größte Lob-, Dank-, Bitt und Sühneopfer. Wenn wir Gott Vater das Leiden seines Sohnes aufopfern, kann er nur schwach werden und uns erhören. Wir halten manchmal Gebetsnovenen. Mann kann auch eine Messnovene halten: an 9 Tagen hintereinander das Hl. Messopfer mitfeiern. Das Heilige Messopfer ist die Quelle aller Gnaden. Wir haben diese Quelle vor unserer Haustüre. Und viele Seelen verdursten neben dieser Quelle, weil sie wenig Glauben und Gottesliebe haben. Wir brauchen nur kommen und schöpfen

< Die nächste Möglichkeit, um mit dem Heute unseres Lebens das Heute Kreuzesopfers zu berühren, ist die Eucharistische Anbetung. Das Kreuzesopfer ist natürlich nur bei der Heiligen Wandlung gegenwärtig. Doch die Frucht der Heiligen Wandlung ist die bleibende Gegenwart Christi in der Heiligen Hostie. Lieben wir die Anbetung! Suchen wir die Anbetung. Jesus wartet auf uns, um uns zu beschenken. Niemand, der Christus anbetet, wird leer ausgehen. Die Anbetung ist eine Form der geistigen Kommunion, die jeder pflegen kann, auch wenn er nicht sakramental kommunizieren kann.

< Als letztes denken wir noch an die sakramentale Kommunion. Die Apostel durften beim Letzten Abendmahl ihre erste Heilige Kommunion empfangen. Christus hat den Aposteln vorher die Füße gewaschen. Er hat dem Petrus gesagt: „Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir!“(Joh 13,8) Damit hat uns Christus aufgezeigt, dass die menschliche Seele eine Reinigung nötig hat, bevor sie sakramental kommunizieren kann. Diese Reinigung geschieht nach der Taufe durch das Bußsakrament. Nur die würdige Kommunion im Gnadenstand verbindet mit Christus. Die unwürdige Kommunion bringt, wie Paulus lehrt, Gericht und Trennung von Christus.

Herr Jesus Christus! Wir wollen Dir danken. Du hast uns beim Letzten Abendmahl Deine Liebe erwiesen, bis zu Vollendung. Du hast deiner hl. Kirche die Sakramente der Eucharistie und des Priestertums geschenkt. Durch die Heilige Wandlung werden Dein Erlösungsopfer und alle Gnaden deines Leidens jeden Tag für uns zum Heute. Jeden Tag, an unzähligen Orten der Welt, wirkst Du für uns dieses Heute: „Das ist mein Leib. Das ist mein Blut.“ Wir bitten Dich. Hilf uns, das Heute unseres Lebens an Dein Opfer zu binden, in Dein Opfer, in deine Liebe, hineinzulegen. „Das ist heute.“ Herr, nach Dein Heute zu unserem Heute. Amen.

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