285) Hochfest der Geburt Johannes des Täufers 2018: VOM ADEL DER GOTTESFURCHT

Hochfest der Geburt Johannes des Täufers – Sonntag, 24. Juni 2018

ELISABAETH „GEBAR EINEN SOHN“ (Lk 5,4)

ÜBER DEN ADEL DER GOTTESFURCHT

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Wenn es ein Heiliger – Johannes der Täufer – schafft, die Christus-Liturgie des Sonntags zu verdrängen, dann hat das etwas zu bedeuten. Heute feiert die Kirche nämlich nicht die Sonntagsliturgie, sondern das Geburtsfest des hl. Johannes des Täufers. Als katholische Kirche feiern wir normalerweise nicht den Geburtstag der Heiligen, sondern den Todestag. Bei den Märtyrern ist der Todestag der Geburtstag für den Himmel.

           

Ist die Geburt eines Menschen nicht etwas Freudiges? Natürlich! Doch diese Freude ist getrübt. Das hängt mit der Wahrheit der Ursünde und ihrer Folgen zusammen. Durch die Erbsünde tritt der Mensch getrübt in die Welt, verwundet und belastet. Nur drei sind ungetrübt geboren: Christus war heilig wegen seiner Göttlichen Natur. Maria war heilig wegen der Bewahrung von der Erbsünde. Johannes der Täufer wurde schon im Mutterschoß geheiligt, bei der Begegnung mit Christus, als Maria und Elisabeth, die beide in der Hoffnung waren, einander begegneten. Diese drei Geburten feiern wir mit einem liturgischen Fest.

           

Das Wort Gottes zeigt uns heute Johannes den Täufer in Verbindung mit seinen Eltern und dem Volk Israel. Versuchen wir, eine Einsicht aufzunehmen, die uns das Wort Gottes gibt.

           

Der heilige Evangelist Lukas erwähnt einen zweifachen Adel von Zacharias und Elisabeth, den Eltern von Johannes dem Täufer. Zacharias und Elisabeth entstammen angesehenen jüdischen Adelsfamilien. Bei Zacharias ist die hochadelige Priesterklasse Abija erwähnt, bei Elisabeth das hohepriesterliche Geschlecht Aaron, dem sie entstammt. Dann sagt Lukas über die Eltern Johannes des Täufers, dass sie gerecht und gottesfürchtig waren. Gottesfürchtig heißt im Alten Testament so viel wie heilig. Das ist der zweite Adel, den Zacharias und Elisabeth hatten: Der Adel der Gottesfurcht, des Glaubens und der Tugend. Der Adel der Gottesfurcht steht höher als der Adel des Blutes.

           

Der hl. Bischof und Kirchenlehrer Ambrosius hilft uns, das tiefer zu verstehen. In seinem Kommentar zum Lukasevangelium sagt er: Johannes der Täufer hat sein Tugendleben, sein heiliges Leben, auch als Erbe seiner Eltern und seiner Vorfahren empfangen. Johannes der Täufer verdient Anerkennung wegen seiner Gottesfürchtigen Eltern. Zacharias und Elisabeth haben das geistige Erbe Israels, den Adel der Gottesfurcht, des Glaubens und der Tugend, an ihren Sohn Johannes weitergegeben. Diese Tatsache spricht der hl. Ambrosius an. Das heilige Leben von Johannes dem Täufer ist also nicht einfach so vom Himmel gefallen. Der Adel der Gottesfurcht, den die Eltern von Johannes hatten, war der Nährboden, auf dem sein Leben und seine Berufung herangewachsen sind.

           

Was kann das für uns heute bedeuten? Auch unser christliches Leben, das was bei uns an Gottesfurcht, Glauben und Tugend gewachsen ist, auch wenn wir dabei mitgewirkt haben, ist nicht einfach das Ergebnis unserer Leistung. Wir verdanken das alles auch dem Adel der Gottesfurcht, des Glaubens und der Tugend unserer Vorfahren, vor allem unserer Eltern und Großeltern. Wo wären wir, wenn wir nicht voller Freude und Dankbarkeit auf unsere gläubigen Vorfahren schauen könnten?

           

Dieser Adel der Gottesfurcht, des Glaubens und der Tugend ist im katholischen Volk, auch bei unseren Vorfahren in den vergangenen Zeiten und Jahrhunderten natürlich immer wieder bedroht und angefochten worden. Und doch wurde dieser Adel der Gottesfurcht immer wieder weitergegeben, hat sich Leben verschafft. Bis heute. Große Krisen waren zB die Reformation, die Aufklärung. Heute erleben wir so etwas wie eine neue Reformation, eine neue Aufklärung. Papst Benedikt XVI. verwendet den Begriff „Diktatur des Relativismus“. Wir stehen heute in der westlichen Welt, auch in Tirol, vor einer schmerzlichen Situation. Wir erfahren, dass dieser Adel der Gottesfurcht, des katholischen Glaubens und der Tugend nur mehr von relativ wenigen Familien weitergegeben wird. Stichwort: Offenbarung/Dogma der Kirche, Sonntag, Sakramente, katholische Ehemoral usw.

           

Möge das Geburtsfest Johannes des Täufers, das wir heute feiern, uns alle, besonders die Familien, sensibel machen für diesen Adel der Gottesfurcht, den uns unsere Vorfahren vererbt haben. Wie bei Johannes dem Täufer ist dieser Adel der Gottesfurcht, des Glaubens und der Tugend auch heute die Basis, auf der sich Kinder und junge Menschen für Gott, für das Wahre, für das Gute und Edle entscheiden können, die Basis, auf der man die persönliche, von Gott gegebene Lebensberufung, erkennen und bejahen kann.

           

Heiliger Johannes der Täufer! Erbitte uns viele „adelige“ Familien, in denen der Adel der Gottesfurcht, des katholischen Glaubens und der Tugend gepflegt wird.

           

Heiliger Johannes der Täufer! Segne unsere Kinder und jungen Menschen, damit aus ihnen viele gute „adelige“ Frauen und Männer, Mütter und Väter, Priester und Gottgeweihte herauswachsen, die das kostbare Erbe des katholischen Glaubens leben und bezeugen.

           

Heiliger Johannes der Täufer! Stärke uns alle mit der Freude, die deine Geburt deinen Eltern und vielen anderen Menschen gebracht hat, und die auch ein Lohn war für das gottesfürchtige Leben deiner Eltern Zacharias und Elisabeth.

Heiliger Johannes der Täufer! Hilf uns, mit der Kraft des Himmels alles Heidnische, Gottwidrige, Hässliche, Unedle zu überwinden. Hilf uns, im Adel der Gottesfurcht, des Glaubens und der Tugend zu erstarken. Im Blick auf deine Eltern und dein Leben erkennen wir, dass Menschen, die den Adel der Gottesfurcht in sich tragen, Werkzeuge sein dürfen, durch die Gott der Welt Heil und Heilung schenkt. Amen.

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