283) Herz-Jesu-Sonntag 2018: DIE FAMILIENWEIHE

Herz-Jesu-Sonntag 2018

DAS WORT „HAT UNTER UNS GEWOHNT“ (1 Thess 5,19)

DIE FAMILIENWEIHE AN DAS HEILIGSTE HERZ JESU UND MARIENS

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Treten wir über das Fronleichnamsfest in den heutigen Herz-Jesu-Sonntag ein. „Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (Joh ,14). Das Wohnen Gottes unter uns Menschen ist zuerst ein Handeln Gottes. Gott hat diese Taten aus Liebe zu uns gesetzt. Und doch ist dieses Wohnen Gottes unter uns nicht einfach „vom Himmel gefallen“. Dass der Sohn Gottes unter uns wohnen kann ist nur möglich, weil sich Menschen für das Kommen Gottes zur Verfügung gestellt haben: Maria und der hl. Joseph stellen sich zur Verfügung, damit sich die Menschwerdung Gottes ereignen kann. Es braucht in der katholischen Kirche Männer, die sich als Priester Gott zur Verfügung stellen, damit Christus im Allerheiligsten Sakrament des Altares unter uns wohnen kann.

           

Nach Weihnachten wohnt der Sohn Gottes in einer menschlichen Familie. Die heilige Familie von Nazareth wird zum Ort, wo das Wohnen Gottes unter uns in das menschliche Leben eindringt. In der Familie von Nazareth nimmt das Gestalt an, was wir so beschreiben: Christliches Leben, Leben aus dem Glauben, tätige Gottes- und Nächstenliebe, Christusnachfolge, Kreuzesnachfolge, gelebtes Evangelium. Mit anderen Worten: In der Heiligen Familie von Nazareth beginnt die Kirche Gestalt anzunehmen.

           

Als Christen haben wir ein klares Bewusstsein, dass Ehe und Familie von Gott kommen und ihr Wesen von Gott vorgegeben ist. Wie sehr die Ehe und Familie in unseren Tagen nicht nur in der Krise sind, sondern grundsätzlich in Frage gestellt werden, ist uns allen bewusst. Angesichts der Herausforderungen, denen heute unsere Kinder ausgesetzt sind, braucht die Familie auch besondere Hilfen und einen besonderen Schutz.

           

Es gibt einen bewährten Weg, die christliche Familie auf die Basis des Glaubens zu stellen, zu stärken, zu schützen: Die Familienweihe an das Herz-Jesu und die Muttergottes. Die Familienweihe ist ein Schritt, mit dem eine Familie Christus ganz bewusst die Türe öffnen will. Sie ist eine bewusste Bitte an Christus: Komm Du in unsere Familie. Führe uns. Forme uns. Beschütze uns. Teile mit uns unsere Freuden und Leiden. Wir wollen Dich aufnehmen wie Maria und Josef in Nazareth. Wir wollen dich aufnehmen wie Marta, Maria und Lazarus. Der Himmel selber, zB durch die hl. Margareta Maria Alacoque, und die Kirche haben zu dieser Familienweihe immer wieder eingeladen. In unserer Heimat haben sich in früheren Jahren sehr viele Familien dem Herzen Jesu geweiht. Das hat so viel Segen gebracht.

           

Natürlich darf man die Familienweihe nicht als eine einsame isolierte Handlung sehen. Sie ist eingebettet in ein gesamtes christliches Leben. Sie ist eine Hilfe, als Familie die wesentlichen Schritte des katholischen Glaubens wieder zu sehen und ins Familienleben zu integrieren. In der Familienweihe trifft eine Familie eine bewusste Willensentscheidung, sich an das Heiligste Herz Jesu zu binden, bildhaft ausgedrückt: Die Familienweihe ist wie Bindung an die Herzadern, die beim physischen Herzen im menschlichen Körper das Blut, das aus dem Herzen pulsiert, in alle Teile und Organe des Körpers befördern. Die Familienweihe will Eltern und Kindern helfen, sich an die Lebensvollzüge des katholischen Glaubens zu binden: Die Bindung an das Evangelium, die katholische Glaubenswahrheit, an die Sakramente, an das Sonntagsgebot, an das Bemühen um tätige Nächstenliebe. Ohne diese Bindungen ist christliches Leben nicht nur nicht möglich, wir können als Familie im Sog der allgemeinen Entchristlichung, in der Herausforderung durch andere Religionen, nicht standhalten.

           

Es ist am Herz Jesu Sonntag natürlich nicht möglich, ausführlich darauf einzugehen. Ich möchte einfach unsere Familien einladen, sich damit zu befassen und diese Weihe zu machen. Eine kleine Broschüre, die ich in den vergangenen Jahren verfasst habe, soll dazu eine Hilfe sein. Sie wird in der Kirche aufgelegt.

           

Natürlich gibt es verschiedene Berufungen, Formen und Wege, Christus und seinem Evangelium im Leben Gestalt zu geben: als Einzelner, als Gottgeweihter, als Witwe, als Priester, als Mönch usw. Doch der Boden, aus dem alle diese Formen und Wege herauswachsen, ist die Familie. Gott will gerade durch die Familie unser Leben erreichen. Das ist der Weg der Kirche. Papst Johannes Paul II. hat es uns so gesagt: „Die Familie ist der Weg der Kirche“ (Johannes Paul II. Brief an die Familien, 2.2. 1994, aus Abschnitt 2).

           

Die Familienweihe ist ein schöner und bewährter Weg, ein katholisches Familienleben aufzubauen, das Evangelium im Leben Gestalt werden zu lassen. Amen.

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