282) Fronleichnam 2018: Johannesprolog 21: Vom Wohnen Gottes unter uns Menschen

Hochfest Fronleichnam 2018

Betrachtungsreihe zum Johannesprolog – Über das Geheimnis Gottes, des Lebens und der Liebe

21) „DAS WORT „HAT UNTER UNS GEZELTET“ (Joh 1,14)

Vom Wohnen Gottes unter uns Menschen

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Fronleichnam gibt es nur, weil es vorher Weihnachten gegeben hat. Beide Feste hängen untrennbar zusammen. Das sehen wir auch daran, dass an Fronleichnam ein Weihnachtsevangelium verkündet wird, das Weihnachtsevangelium des Apostels Johannes. Wir hören es beim 4. Altar der Sakramentsprozession. Was hat Fronleichnam mit Weihnachten zu tun? Zu Weihnachten feiern wir das größte Ereignis der Weltgeschichte: Die Menschwerdung Gottes. Heute, an Fronleichnam, feiern wir das zweite größte Ereignis der Weltgeschichte: Derselbe Sohn Gottes, der aus Maria die Menschennatur angenommen hat, ist in der Eucharistie, im Allerheiligsten Sakrament des Altares, unter uns geblieben, als Gott und Mensch, mit Fleisch und Blut, nicht symbolisch. Der zentrale Satz im Johannesprolog, im Weihnachtsevangelium des Apostels Johannes, trifft beide Feste, Weihnachten und Fronleichnam: Das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnt.

           

Verweilen wir ein wenig bei dieser großartigen Botschaft: Das Wort „hat unter uns gewohnt.“ Im Urtext heißt es: „Das Wort „hat unter uns gezeltet.“ Um das zu begreifen hilft uns ein Blick in das Alte Testament. Da finden wir Vorbilder für das, was Christus in der Eucharistie für uns gestiftet hat.

           

1) Vom Wohnen Gottes unter uns Menschen – ein Handeln Gottes

           

Das erste Vorbild ist das Bundeszelt. Die Israeliten waren nach dem Auszug aus Ägypten, um 1250 vor Christus, ein Nomadenvolk. Die Menschen wohnten in Zelten. In Verbindung mit dem Bundesschluss am Sinai bekommt Moses den Auftrag, das Bundeszelt zu errichten. Mit den schönsten und edelsten Materialien und Stoffen muss er es ausstatten. Das zweite Vorbild ist die Bundeslade, die im Bundeszelt aufgestellt wird. In ihr befinden sich die beiden Bundestafeln und der Stab des Aaron. Später steht die Bundeslade im Allerheiligsten des Jerusalemer Tempels. Diese Zeichen sollten die Israeliten erinnern, dass Gott seinem Volk nahe ist.

           

Der Alte Bund hat die Zeichen für die Nähe Gottes. Der Neue Bund hat die Wirklichkeit: Die Kirche als Ganzes ist das Zelt Gottes auf Erden. Das katholische Gotteshaus ist wie ein Zelt Gottes auf Erden. Im Zentrum unserer Gotteshäuser steht der Tabernakel. Das lateinische Wort Tabernaculum heißt auf Deutsch: Zelt.

           

Der Tabernakel in einem katholischen Gotteshaus ist also nicht wie ein Friedhof. Im Tabernakel ruht nicht ein Toter. Im Tabernakel wohnt das Leben. Im Tabernakel wohnt der, der von sich gesagt hat: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6). Christus ist als Gott so groß, dass er sich tatsächlich im Tabernakel, in der Heiligen Hostie, für uns „eingrenzen“ lässt. Doch was er nicht eingrenzen lässt, das ist das Wirken seiner Liebe, all das, was er von dort aus für uns tut. Der Altar mit dem Tabernakel ist das eigentliche Zentrum einer jeden Pfarrei, einer jeden Seelsorgegemeinschaft. Der Tabernakel ist das eigentliche Pfarrbüro und Pfarrzentrum. Von dort geht alles aus, von dort pulsiert das Leben der Kirche. Johannes Paul II. hat uns öfter an diese Grundwahrheit über die Kirche erinnert: Ohne Priester gibt es keine Eucharistie, ohne Eucharistie gibt es keine Kirche.

           

Fronleichnam ist wie ein großer Zeigefinger. Wohin zeigt dieser Finger? Er zeigt auf das Weihnachtsevangelium des Johannes: Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gezeltet. Er zeigt auf die Krippe von Betlehem. Er zeigt auf den Altar. Er zeigt auf den Tabernakel. Er zeigt auf Christus in der Heiligen Hostie.

           

2) Vom Wohnen Gottes unter uns Menschen – Christus kennenlernen

           

Wenn Menschen einander kennenlernen, laden sie einander in ihr Haus, in ihre Wohnung ein. Bei der Berufung der ersten Jünger ist es ähnlich. Nach den ersten Gesprächen mit Christus sagt Andreas voll Erwartung zu ihm: „Meister, wo wohnst du? Er antwortete: Kommt und seht! Da gingen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm; es war um die zehnte Stunde.“ (Joh 1,38-39). So beginnt die Christusliebe und Christusnachfolge der Jünger am Ort, wo Christus wohnt, wo sie ihn kennenlernen.

           

Gilt das nicht auch für uns? Fronleichnam ist ein Fest, an dem wir zu Christus sagen: „Meister, wo wohnst du“? Und der Herr antwortet: „Kommt und seht“! Seht, wo ich wohne, seht, wo ich für euch mein Zelt aufgeschlagen habe. Auch wir dürfen dort, wo Christus sein Zelt aufgeschlagen hat, ihn kennenlernen, in die Christusliebe und Christusnachfolge eintreten und wachsen.

           

3) Das Wohnen Gottes unter uns Menschen – aus der Fülle Christi empfangen

           

Wie ein Mensch sein Wohnen gestaltet, hat etwas über die Persönlichkeit dieses Menschen zu sagen. Auch die Ausstattung des Ortes, an dem Christus unter uns wohnt, hat etwas zu sagen. Ein katholisches Gotteshaus ist kein bloßer Versammlungsort, ist nicht wie eine Garage… Auch wir würden nicht gerne in einer Betongarage wohnen. Der Ort, an dem Christus wohnt, hat eine Einrichtung, viele Zeichen und Symbolen. Diese Einrichtung des katholischen Gotteshauses ist ein Hinweis auf Christus, auf die geistige Fülle, die er als unser Gott und Erlöser in sich hat. Im Johannesprolog ist diese Fülle mit den Begriffen beschrieben: Fülle des Lebens, des Lichtes, der Gnade und Wahrheit. Christus hat uns den neuen Wein der Erlösung und der Gnaden bereitet (vgl. Spr 9,5). Hier steht sein Herz offen. Hier will er alle die mühselig und beladen sind, die schwere Lasten zu tragen haben, Ruhe finden lassen für ihre Seelen (Mt 11,28). Mit anderen Worten: Das Wohnen Christi unter uns Menschen wird zum Handeln und Wirken des Erlösers an uns Menschen.

           

Christus hat den Aposteln aufgetragen alle Menschen einzuladen, in das Zelt der Kirche einzutreten. Der Eintritt in die Kirche geschieht durch Glauben, Umkehr und Taufe. In das Zelt des Gotteshauses und das Zelt des Hl. Messopfers darf jeder eintreten, der Gott sucht. In das Zelt der Heiligen Kommunion darf jeder Katholik eintreten, der sich dafür bereit macht.

           

Das Wort hat unter uns gezeltet. Möge der heutige Feiertag uns alle bestärken, gerne diese Zelte aufzusuchen, die Gott selber uns errichtet hat, damit wir auf dem Weg unserer irdischen Pilgerschaft hin zur ewigen Heimat immer wieder neu Leben, Gnade und Hilfe empfangen. Amen.

           

 

 

 

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