018) Ostersonntag 2012: Das Halleluja singen und leben

Ostersonntag, 24.4.2011 – Pfarrkirche Imsterberg

Homilie von Pfarrer Stephan Müller (Manuskript):

DAS HALLELUJA SINGEN UND LEBEN (St. Augustinus)

In der Liturgie der Osternacht gibt es zwei Stellen, die den siegreichen Übergang Christi vom Tod zum Leben zum Ausdruck bringen. Die erste Stelle ist das feierliche Gloria nach den alttestamentlichen Lesungen. Die zweite Stelle ist das Halleluja vor dem Evangelium. In den 40 Tagen der Fastenzeit war das Halleluja verstummt. In der Osternacht erklingt es zum ersten Mal wieder. Das Halleluja ist gleichsam der freudige Begrüßungsruf für den Auferstandenen, der im Osterevangelium zu uns spricht. Auf diese Weise wird das Halleluja der Osterruf und das Osterlied schlechthin. Vor allem in der Osterzeit wird die Kirche nicht müde, bei jeder Gelegenheit das Halleluja zu singen. Und wir sind eingeladen, unsere Herzen in dieses frohe Halleluja hineinnehmen und erheben zu lassen.

Was ist das Besondere des Halleluja? Das Wort kommt aus dem Hebräischen hallelu, ein Imperativ Plural, von loben, preisen, ausrufen! Ja ist die Kurzform von Jahwe. Der dem Mose geoffenbarte Gottesname. Hallelu jaweh bedeutet wörtlich: Lobpreiset Gott, verherrlicht Gott!

Das Halleluja gibt der gesamten 50tägigen Osterzeit eine Richtung und Prägung. Es ist für die Kirche eine Zeit, in der sie den auferstandenen Christus, den Sieger über Sünde, Tod und Satan, aus ganzem Herzen lobpreist.

 

< Bei Augustinus findet sich der Gedanke: Das Halleluja wird erst im Himmel in Vollkommenheit gesungen werden. Und trotzdem ist es wichtig, dass wir auf Erden beginnen, es zu singen. Auf Erden singen wir das Halleluja inmitten von Versuchungen, von Bedrängnis und so manchen Sorgen. Gerade wegen dieser Erfarhungen von Versuchung, Not und Sorgen, ist das Singen des Halleluja für uns ein Trost und eine Hilfe.

Augustinus sagt wörtlich:

„O seliges Halleluja [im Himmel]! O Halleluja in Geborgenheit, ohne Widersacher! Wo kein Feind mehr ist und kein Freund verloren geht! Dort [im Himmel] und hier [auf Erden] gibt es Lob Gottes: hier von Seiten derer, die noch in Sorge sind, dort aber von den Siegern in Ewigkeit. Hier in der Hoffnung, dort in Erfüllung. Hier auf dem Weg, dort in der Heimat. Heute lasst uns singen, nicht um uns der Ruhe zu erfreuen, sondern um in der Drangsal Trost zu finden. So wie Wanderer zu singen pflegen: Singe, aber schreite aus! Singend tröste dich in der Not, liebe die Verdrossenheit nicht! Singe und schreite aus! Mach Fortschritte im Guten! Singe und wandere! Geh nicht in die Irre, kehre nicht um, bleib nicht zurück!“(Augustinus, Sermo in diebus Paschalibus 256; Stb II, 3, 21).

< Noch etwas sagt uns Augustinus in einer Osterpredigt für das Singen des Halleluja in dieser Welt. Das Halleluja will nicht nur als Lied gesungen sein, wir müssen es mit unserem Leben singen. Erst dann singen wir das Halleluja mit unserem Leben, wenn unser Leben mit dem Evangelium übereinstimmt. Unser Halleluja ist erst dann echt, wenn wir die Sünde in unserem Leben, so wie sie von den 10 Geboten Gottes markiert wird, durch den Ostersieg Christi überwinden lassen. Wer sich durch das österliche Sakrament der Beichte von seinen Sünden befreien lässt, dessen Halleluja ist aufrichtig und wahr.

Augustinus sagt es so:

„So lasst uns also den Herrn loben mit dem Leben und mit der Zunge, mit Herz und Mund, in Wort und Tat. Denen wir müssen Gott – nach seinem Willen – das Halleluja so singen, dass es nicht im Widerspruch zu dem steht, der das Lob singt. Darum soll zuerst in uns selbst die Zunge mit dem Leben und der Mund mit dem Gewissen übereinstimmen. Ich sage: Die Stimme harmoniere mit den Sitten, damit nicht etwa das rechte Wort als Zeuge aufstehe gegen das böse Tun.“ !“(Augustinus, Sermo in diebus Paschalibus 256; Stb II, 3, 21).

Hallelu jaweh – Lobpreiset den Herrn!

< Das Halleluja ist ein Lied, das zu singen wir lernen müssen. Es geht nicht sofort, nicht in einer Nacht, nicht an einem Tag. Ein Heiliger (*) sagt: „Das Halleluja ist das Lieder der kreuzgeborenen Freude“! Die alte gregorianische Melodie des Halleluja, die nur in der Osternacht gesungen wird, bringt dieses Zusammenhang „Kreuz und Halleluja“ musikalisch Ausdruck: Das Halleluja geht aus dem Kreuz hervor, es erhebt sich langsam und arbeitet sich empor zur Höhe, bis es sozusagen zur Freiheit gefunden hat.

So ähnlich ist es auch in unserem Leben. Das wahre Halleluja in unserem Leben ist nicht billig zu haben, wird langsam und allmählich geboren: Es kommt aus dem Gehen mit Christus, aus der Erfahrung des Kreuzes, aus der Bindung an Seine ewige Wahrheit. Daraus erwächst das Halleluja. Alle anderen Freuden, die nicht aus dem Kreuz Christi heraus geboren werden, sind oberflächlich, sind Strohfeuer, das vergeht.

Das Halleluja singen lernen. Lernen wir es mit dem Mund, mit dem Herzen, mit dem Leben. Die Kirche führt uns diesen Weg in der Osterzeit. Er beginnt in der Osternacht, er führt über die Tage der Osteroktav, die wie ein einziger Tag sind, über die 50 Ostertage bis zum großen Oktavtag von Ostern, dem Pfingstfest. So können wir schrittweise das Singen des Halleluja erlernen.

Die Kirche lädt uns ein, uns in der Osterzeit zum Singen des Halleluja zu versammeln, dass wir es gemeinsam singen. Singen wir es beim Hl. Messopfer vor jedem Evangelium. Singen wir es in den vielen Osterliedern. Und helfen wir uns gegenseitig, dass wir es auch mit unserem Leben singen. Machen wir die Osterzeit zu einem Lobpreis des Auferstandenen. Halleluja! Hallelu Jahwe! Lobet und preiset den Herrn, den Sieger! Amen

(*) Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es vom hl. Johannes vom Kreuz stammt.

„Seliges Halleluja im Himmel, wo die Engel der Tempel Gottes sind! Denn dort, unter den Sängern des Gotteslobes, ist höchste Harmonie. Dort ist der Jubel der Singenden nicht in Gefahr, weil kein Gesetz in ihren Gliedern mit dem Gesetz des Geistes im Streit liegt. Dort gibt es nicht den Streit der Begierlichkeit, der den Sieg der Liebe gefährden könnte. Lasst uns hier auf Erden das Halleluja singen, wo wir noch in Sorge sind, damit wir es einst dort in Sicherheit singen können. Hier werde das Halleluja von uns und den andern, die wir noch in Gefahr und Versuchung sind, gesungen. ´Denn Gott ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über eure Kraft hinaus versucht werden.´“

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