280) Pfingstsonntag 2018: 6 SÜNDEN GEGEN DEN HL. GEIST - 6 TUGENDEN ZUM LEBEN IM Hl. GEIST 1. Teil

Hochfest der Sendung des Heiligen Geistes, Pfingstsonntag 2018

Löscht den Geist nicht aus (1 Thess 5,19). Lasst euch vom Geist entflammen (Röm 12,11).

Die sechs Sünden gegen den Heiligen Geist.

Sechs Tugenden für ein Leben im Heiligen Geist (erster Teil)

Predigt von Pf. Müller Stephan

           

Das heutige Wort Gottes zeigt uns: Das Pfingstgeschehen hat zwei Grundbewegungen. Die Geistsendung ist zuerst ein Handeln Gottes: Der Heilige Geist ist eine Gabe, die Gott gibt und schenkt. So geschieht es zu Pfingsten in Jerusalem für die Urkirche, bei der Firmung der Apostel und der ersten Christen. Christus schenkt vom Vater her den Heiligen Geist. Die zweite Grundbewegung des Pfingstgeschehens erkennen wir im Leben der Apostel. Die Apostel bereiten sich für den Heiligen Geist im Gebet vor, zusammen mit Maria und den anderen. Sie sind offen und bereit für diese Gabe. So führt Pfingsten, ihre Firmung, zu einem Geisterfüllten Leben, zu einem Geisterfüllten Apostelsein, sie tragen das Evangelium in die ganze damalige Welt, wenn auch unter großen Schwierigkeiten und Verfolgungen, sie gelangen zu einem Geisterfüllten Zeugnis bis hin zur Lebenshingabe im Martyrium. Das sind, wenn wir so sagen wollen, die zwei Grundbewegungen des Pfingstereignisses: Der Heilige Geist ist die Gabe die Gott schenkt. Und: Das Fruchtbarwerden des Heiligen Geistes in einem Geisterfüllten Leben durch das Annehmen der Gnade und dem Mitwirken mit der Gnade.

           

Das historische Pfingstgeschehen in Jerusalem ist heilsgeschichtlich ein einziges Ereignis im Leben der Kirche und der Weltgeschichte, das Gott nicht wiederholt, so wie sich auch die Geburt, der Kreuzestod oder die Auferstehung Christi nicht wiederholen. Mit dem Pfingstereignis ist der Heilige Geist für alle Zeiten ausgegossen. Was wir brauchen ist das: An die Heilstaten Gottes anknüpfen, daraus empfangen, das in unser Leben integrieren. Das geschieht durch die Sakramente der hl. Taufe und der hl. Firmung, dem „Pfingsten“ in unserem persönlichen Leben.

           

Wie finden wir zu einem Geisterfüllten Leben? Wie kann die Gabe des Heiligen Geistes uns erfüllen? Unser Leben steht ja auch als Getaufte und Gefirmte in der Spannung zwischen Gut und Böse, zwischen dem Heiligen Geist und dem Ungeist, zwischen den Gnaden Gottes in uns und der Konkupiszenz, dh der zu Sünde geneigten Menschennatur. Deshalb braucht es unser Gebet um den Heiligen Geist, unser Bemühen um ein Geisterfülltes Leben. So ganz von selbst geschieht gar nichts.

           

Der heilige Apostel Paulus ruft uns Christen auf: „Löscht den Geist nicht aus“ (1 Thess 5,19). Ein anderes Mal sagt er: „Lasst euch vom Geist entflammen“ (Röm 12,11). Die Tradition der Kirche kennt die sogenannten sechs Sünden gegen den Heiligen Geist, nicht zu verwechseln mit den sogenannten sieben Hauptsünden. Wenn wir diese Fehlhaltungen umkehren ins Gute, erhalten wir sechs Tugendhaltungen für ein Leben mit dem Heiligen Geist. Diese klassische Heilig-Geist-Katechese wurzelt in der Heiligen Schrift. Sie stammt von den Kirchenvätern, zB Augustinus, Petrus Lombardus. Später hat sie der hl. Thomas von Aquin vertieft. Ich möchte euch einladen, heute und am kommenden Sonntag über jeweils drei dieser Haltungen nachzudenken.

           

  1. 1. Mit Vermessenheit auf Gottes Barmherzigkeit hoffen.

   In Gottesfurcht auf die Barmherzigkeit Gottes hoffen.

           

Im Buch Jesus Sirach heißt es: „Häufe nicht Sünde auf Sünde, sage auch nicht: Die Barmherzigkeit Gottes ist groß, er wird die Menge meiner Sünden gnädig verzeihen; denn sein Zorn sieht auf den Sünder“ (Sir 5,5-7). In dieser Haltung sagt sich ein Mensch: Ich weiß, dass ich sündige, aber ich sündige trotzdem, Gott ist ja barmherzig. Darin besteht die Vermessenheit.

           

Wenn wir diese Fehlhaltung umkehren in das Gute, gelangen wir zur Tugend der Gottesfurcht, die Ehrfurcht vor Gott. In der Gottesfurcht sagen wir uns: Ich weiß, ich bin schwach, anfällig… Herr, ich will Dein Wort und Dein Gebot achten, hilf mir, sei mir barmherzig, wenn ich falle... Merken wir den Unterschied: Die Vermessenheit weiß nicht um den Ernst der Sünde und ihre Folgen. Die Vermessenheit nimmt sich selbst und Gott nicht ernst, sie macht sich etwas vor. Die Gottesfurcht hat sozusagen das Gespür der Liebe, sie denkt in der Wahrheit, aufrichtig.

           

  1. 2. An Gottes Barmherzigkeit und Gnade verzweifeln.

   In allen Situationen auf Gottes Barmherzigkeit und Gnade vertrauen.

           

Das ist die Gesinnung Kains. Kain sagt sich nach dem Brudermord in seiner Verzweiflung: „Meine Schuld ist zu groß, als dass ich Vergebung erlangen könnte!“ (Gen 4,7). In dieser Haltung sagt sich ein Mensch: Meine Sünden sind zu groß, mir kann Gott nicht mehr vergeben, für mich gibt es keine Hilfe und keine Rettung mehr... Diese Fehlhaltung hat auch noch andere Gesichter: Seinen Mitmenschen nicht vergeben weil man meint: Das, was der oder die getan hat, ist unverzeihlich. Sich selbst gegenüber: Das, was ich getan habe, kann ich mir selbst nicht vergeben. Solche Haltungen pflegen heißt, an der Barmherzigkeit und Gnade Gottes verzweifeln.

           

Wenn wir diese Fehlhaltung umkehren in das Gute gelangen wir zur Tugend des Vertrauens auf die Barmherzigkeit und Gnade Gottes. Es gibt keine Sünde die Gott nicht vergeben will oder kann, wenn ein Mensch bereut und umkehrt. Es gibt keine Situation, in der die Barmherzigkeit und Gnade Gottes nicht weiterhilft und einen Weg aufzeigt. Wie oft sagt die Heilige Schrift uns solche und ähnliche Worte: „Vertrau auf Gott, er wird dir helfen“ (Sirach 2,6). „Werft eure Zuversicht nicht weg, die großen Lohn mit sich bringt“ (Hebr 10,35). Je größer die Not, desto größer ist auch die Barmherzigkeit und Hilfe Gottes.

           

  1. 3. Der erkannten Wahrheit widerstreben.

   Offenheit für die Wahrheit Christi.

           

Das ist die Sünde der Pharisäer. Der Heilige Stephanus hält diese Fehlhaltung in seiner Predigt dem Hohen Rat vor, kurz vor seinem Martyrium: „Ihr Halsstarrigen, ihr, die ihr euch mit Herz und Ohr immerzu dem Heiligen Geist widersetzt, eure Väter schon und nun auch ihr“ (Apg 7,51). Diese Haltung wird auch als „Sünde gegen das Licht“ bezeichnet. Wer das Licht der Wahrheit, das Gott durch sein Wort und durch seine Kirche gibt, immer wieder zurückweist, manchmal hartnäckig zurückweist, verliert mit der Zeit sein Gewissen, gelangt zur Verblendung und schließlich zur Verstockung, er verliert den Heiligen Geist.

           

Wenn wir diese Fehlhaltung umkehren in das Gute gelangen wir zur Tugend der Offenheit für die Eingebungen des Heiligen Geistes. Christus sagt: „Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme“ (Joh 18,37). Der jugendliche Samuel hat diese Haltung. Als der Ruf Gottes an ihn ergeht sagt er: „Rede, denn Dein Diener hört“ (1 Sam 3,10). Die Gottesmutter hat diese Haltung: „Mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38). Für jeden Getauften und Gefirmten, für jeden Gottgeweihten oder Amtsträger in der Kirche ist das nicht nur die Ausgangsbasis, sondern die Grundhaltung eines Geisterfüllten Lebens: Ein auf die Wahrheit Christi Hörender sein. Was jeder von uns persönlich aus der Liturgie, dem Wort Gottes oder der Predigt einer Sonntagsmesse für sein Leben mitnimmt, was gerade für ihn das Wichtige ist, wie er es in sein Leben umsetzt, das sind Schritte, die nur jeder persönlich setzen kann.

           

Mit Vermessenheit auf Gottes Barmherzigkeit hoffen.

In Gottesfurcht auf die Barmherzigkeit Gottes hoffen.

           

An Gottes Barmherzigkeit und Gnade verzweifeln.

In allen Situationen auf Gottes Barmherzigkeit und Gnade vertrauen.

           

Der erkannten Wahrheit widerstreben.

Offenheit für die Wahrheit Christi.

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