278) Christi Himmelfahrt 2018: ÜBER DIE VOLLENDUNG DES MENSCHLICHEN LEIBES IM HIMMEL

Hochfest Christi Himmelfahrt 2018

„ER WURDE VOR IHREN AUGEN EMPORGEHOBEN“ (Apg 1,9)

UND „IN DEN HIMMEL AUFGENOMMEN“ (Mk 16,19)

ÜBER DIE VOLLENDUNG DES MENSCHLICHEN LEIBES IM HIMMEL

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Der hl. Evangelist Markus berichtet die Himmelfahrt Christi am Schluss seines Evangeliums, als das letzte Ereignis im irdischen Leben Christi. Der hl. Evangelist Lukas berichtet in der Apostelgeschichte ganz am Beginn darüber. Er legt darauf Wert, die Leiblichkeit dieses Ereignisses zu betonen. Christus wird vor den Augen der Apostel himmelwärts entrückt.

           

Die Himmelfahrt ist zuerst ein Ereignis für den Herrn selber. Die Apostel sehen mit ihren Augen nur den Anfang der Himmelfahrt. Was sie mit ihren leiblichen Augen nicht sehen können, ist das Ende der Himmelfahrt: Christus nimmt seine durch die Auferstehung verklärte Menschennatur mit in den Himmel, in den Lebensbereich Gottes, in die jenseitige Welt. Mit der Himmelfahrt geschieht für Christus die Vollendung und Erhöhung seiner menschlichen Natur, die freilich immer mit seiner Gottheit verbunden ist.

           

Die Himmelfahrt Christi ist als zweites eine Offenbarung für uns Menschen. Christus zeigt uns mit seiner Himmelfahrt, zu welcher Vollendung und Erhöhung der menschliche Leib bei Gott im Himmel berufen ist. Durch die Krippe von Bethlehem und das Kreuz von Golgota geschieht auch die Erlösung des Leibes. Mit seiner Himmelfahrt zeigt uns Christus, dass sein „Einsatz“ für die Erlösung der Seele und des menschlichen Leibes vollbracht und vollendet ist.

           

Wie wird das im Himmel mit unserem menschlichen Körper sein? Das haben sich schon die ersten Christen gefragt. Die Auferstehung und Himmelfahrt Christi gibt uns konkrete Antwort. Schon der heilige Paulus geht darauf ein. Er schreibt im ersten Brief an die Korinther: „Nun könnte einer fragen: Wie werden die Toten auferweckt, was für einen Leib werden sie haben?“ (1 Kor 15,35). Er sagt dazu: „Was gesät wird, ist verweslich, was auferweckt wird, unverweslich. Was gesät wird, ist armselig, was auferweckt wird, herrlich. Was gesät wird, ist schwach, was auferweckt wird, ist stark. Gesät wird ein irdischer Leib, auferweckt ein überirdischer Leib. Wenn es einen irdischen Leib gibt, gibt es auch einen überirdischen.“ (1 Kor 15,42-44).

           

Der hl. Paulus sagt uns mit solchen Worten: Der Leib der Menschen, die im Himmel sind, wird so schön und vollendet sein wie der Auferstehungsleib Christi. Das sind Offenbarungen der Heiligen Schrift. Der Catechismus Romanus des Trientner Konzils drückt es so aus: Der vollendete Leib der Seligen im Himmel wird von Gott mit übernatürlichen Gaben geschmückt und geziert (1). Schauen wir uns diese Gaben etwas näher an, mit denen Gott den Auferstehungsleib auszeichnet:

           

Der himmlische Leib ist verklärt: Der Leib hat im Himmel an der Osterherrlichkeit, an der Verklärung Christi Anteil. Christus sagt über diesen verklärten Leib voraus: „Dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten“ (Mt 13,43). Das ist uns zB auch bei der Verklärung auf dem Tabor gezeigt (Mt 17,2).

           

Der himmlische Leib ist leidensunfähig: Der Leib im Himmel ist für kein Leiden, keinen Schmerz, keine Krankheit, keine Hitze und Kälte mehr zugänglich. In der Offenbarung des Johannes heißt es: „Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen“ (Offb 21,4).

           

Der himmlische Leib ist nicht mehr an die Gesetze von Raum und Zeit gebunden. Raum und Zeit gibt es nur in der diesseitigen Welt, nicht in der jenseitigen Welt. Was Christus in Bezug auf die Ehe sagt, gilt auch für dieses Freisein von Raum und Zeit: Die Menschen werden „sein wie die Engel im Himmel“ (Mt 22,30). Weil die Menschen im Himmel nicht mehr an die Grenzen und Beschwernisse des irdischen Leibes gebunden sind, sind sie uns viel näher als sie uns im irdischen Leben nahe sein können, auch die Armen Seelen. Eine Schlussfolgerung: Im Himmel werden wir auch Zeit haben, auf Erden all jene schönen Orte der Schöpfung Gottes zu besuchen und zu bestaunen, wozu wir im irdischen Leben keine Zeit und Möglichkeit hatten…

           

Der himmlische Leib ist derselbe Leib, den der einzelne Mensch als Person auf Erden hatte. Gemeint ist: Der Leib, das Gesicht der Menschen im Himmel wird die gleichen Züge tragen wie im irdischen Leben, in Schönheit vollendet. Die Apostel erkennen den Auferstandenen Christus an seinem verklärten Leib; mit seinem Auferstehungsleib ist er derselbe, der er im irdischen Leben war.

           

Der himmlische Leib trägt bei den Märtyrern die Zeichen des Martyriums. So war es bei Christus. Der Auferstehungsleib Christi trägt die verklärten Wundmale. Er zeigt sie dem Apostel Thomas, damit er ihn erkennt und glaubt (Joh 20,27). Der Catechismus Romanus sagt: Die Narben der Märtyrer werden mehr als alles Gold und Edelstein leuchten wie die Wundmale Christi ( 2).

           

Die Offenbarung Gottes über den Auferstehungsleib ist eine großartige Glaubenswahrheit. Der Catechismus Romanus verweist uns für diesen Glauben noch auf einen wichtigen Zusammenhang: Schöpfung und Neuschöpfung. So wie Gott mit seinem Schöpfungswerk den menschlichen Leib aus Nichts ins Dasein gerufen hat, so ist der Auferstehungsleib im Himmel ein Werk der Neuschöpfung Gottes (3).

           

Christi Himmelfahrt: Die leib-seelische Vollendung Christi im Himmel und Offenbarung über die leib-seelische Vollendung des Menschen im Himmel. Das Erkennen der Würde des menschlichen Leibes hat konkrete Folgen, zB: Unser Einsatz für die Kranken, für die Behinderten, für jene, die in ihrem Leib Hunger leiden. Diejenige, die als erstes diese Leib-Seelische Vollendung im Himmel erlangt hat, die Gottesmutter Maria, mögen uns helfen und anspornen, die Mühen und Leiden des Lebens zu tragen und zum Himmel zu streben. Amen.

           

(1) Catechismus Romanus, Ausgabe 1970, I/12/13, Seite 97f; (2) ebd. Seite 96; (3) I/12/11, Seite 96; (4) ebd. I/12/9, Seite 95f;

           

Ergänzung zum persönlichen Nachlesen: Der Catechismus Romanus gibt im Abschnitt über die Auferstehung des Fleisches noch ausführlicher auf diese Thematik ein: „Aber nicht nur der Leib wird auferstehen, sondern was nur immer zu seiner wahren Natur und zur Zierde und zum Schmuck des Menschen gehört, muss wieder zurückgestellt [hergestellt] werden. Hierüber lesen wir ein herrliches Zeugnis beim heiligen Augustinus: «Nichts von einem Fehler›› sagt er, «wird an den Leibern sein: wenn etwa einige von Fett überladen und dick waren, so werden sie nicht die ganze Körpermasse wieder annehmen; sondern, was jenes Übermaß überschreitet, wird für überflüssig erachtet werden; und umgekehrt, was immer Krankheit oder Alter im Leibe verzehrt hat wird durch Christus aus göttlicher Macht wieder ergänzt werden, so z. B. wer etwa wegen Magerkeit zu schmächtig war; denn Christus wird uns nicht nur den Leib wiederherstellen, sondern alles, was durch das Elend dieses Lebens uns genommen war. […] Weil die Glieder zur Wahrheit der menschlichen Natur gehören, werden sie sämtlich zugleich zurückgegeben. Die nämlich von der Geburt blind waren oder infolge einer Krankheit das Augenlicht verloren haben, die Lahmen und gänzlich Verstümmelten und sonst an irgend welchen Gliedern Gebrechlichen werden mit unversehrtem und vollkommenem Leib auferstehen. Denn sonst würde dem Verlangen der Seele, welche zur Vereinigung mit dem Leib hinneigt, keineswegs Genüge geleistet. Während wir zweifellos glauben, dass ihr Verlangen in der Auferstehung erfüllt wird“ (4).

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