277) 6. Sonntag de Osterzeit 2018: Der hl. Florian und die Märtyrer von Lauriacum

6- Sonntag der Osterzeit B) 2018

„ES GIBT KEINE GRÖSSERE LIEBE,

ALS WENN EINER SEIN LEBEN FÜR SEINE FREUNDE HINGIBT“ (Joh 15,13)

Das Glaubenszeugnis des heiligen Florian und der Märtyrer von Lauriacum

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt“ (Joh 15,13). Der erste, der das gelebt und vollkommen erfüllt hat, ist Christus selber. Das Osterfest, in dem wir uns noch befinden, stellt es uns vor Augen. Christus hat sich am Kreuz für uns hingegeben. Durch das Sakrament der Priesterweihe wird das Kreuzesopfer bei der Hl. Wandlung am Altar gegenwärtig. Gegenwärtig wird deshalb auch die Liebe Christi. Die Sonntagsevangelien der Osterzeit schwenken vom Beispiel Christi auf uns über. Das Handeln Christi wird uns als Beispiel gegeben. „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe“ (Joh 15,12). Die Liebe Christi, die sich am Kreuz hingegeben hat, ist uns als Maßstab gegeben. Die Liebe hat also einen hohen Anspruch.

           

Zu den höchsten Zeugen der Liebe gehören die christlichen Märtyrer, die ihr Leben gegeben haben. Es gibt zwei Arten von Martyrium. Es gibt das Martyrium wo ein Getaufter wegen seiner Treue zum Glauben, zu einer Glaubenswahrheit, zu einer christlichen Tugend oder wegen seiner Treue zur Kirche gewaltsam getötet wird. Das ist das Martyrium im eigentlichen Sinn, es kann nicht selber vom Menschen gesucht oder provoziert sein, es ist mit einem Ruf Gottes verbunden. Dann gibt es ein unblutiges „Martyrium“, ein Martyrium des Alltags, wenn ein Mensch sich selber immer wieder zurücknimmt, für andere lebt, sich für andere hingibt, sich aufreibt und hingibt im Dienst an Gott und den Mitmenschen. Das ist ein stilles Martyrium, das nicht weniger schwierig ist als das leibliche. Das Martyrium des Leibes wächst, könnte man sagen, aus dieser Alltagshingabe hervor. Nur wer sich in der Liebe im Kleinen hingibt wird auch die Kraft bekommen, wenn es im Willen Gottes ist, ein leibliches Martyrium auf sich zu nehmen.

           

„Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt“. Wir denken heute an Heilige, die das gelebt haben: Der heilige Florian und seine Gefährten. Aus diesem Grund sind heute die Mitglieder unserer Feuerwehr zum Heiligen Messopfer gekommen. Wir wollen den Schutzpatron der Feuerwehr um seine Fürsprache bitten. Er möge vom Himmel aus die Tätigkeit der Feuerwehr, ihre Einsätze, unseren Lebensraum vor Feuer und Katastrophen schützen.

           

Warum sind der hl. Florian und seine Gefährten Zeugen des Glaubens und der höchsten Liebe? Was wissen wir über den heiligen Florian? Er wurde im heutigen Zeiselmauer bei Wien im 3. Jahrhundert geboren. Er war Offizier im Römischen Heer, Kanzleivorstand des kaiserlichen Statthalters im Römischen Lauriacum, das heutige Lorch bei Enns. Zur Zeit der Diokletianischen Verfolgung (284-305) lebte er in Cetium, das heutige Tulln an der Donau. Nach dem Verfolgungsedikt des Kaisers Diokletian wurde in Lauriacum eine Gruppe von etwa 40 Christen, Männer und Frauen, ausgeforscht und ins Gefängnis geworfen. Als der heilige Florian von diesen Ereignissen hörte, wollte er sofort seinen Mitchristen zu Hilfe kommen, sich für sie beim Statthalter für ihre Freilassung einsetzen. Er wusste, dass das für ihn selber das Todesurteil bedeuten konnte. So kam es auch. Florian und die anderen Christen wurden vor die Entscheidung gestellt: Entweder dem Kaiser und den Göttern opfern oder sterben. Alle blieben im Glauben standhaft, sie weigerten sich, dem Kaiser und den Göttern das Weihrauchopfer darzubringen. So wurden sie alle hingerichtet. Florian wurde an einen Stein gebunden und in der Enns ertränkt. Über seinem Grab errichteten im 8. Jahrhundert die Passauer Bischöfe das heutige Stift St. Florian. Im Jahr 1900 wurden bei archäologischen Grabungen in der Basilika von Lorch unter dem Hochaltar die Gebeine von etwa 40 Märtyrern aufgefunden. Sie wurden 1968 im neuen Hochaltar beigesetzt.

           

Die Märtyrer von Lauriacum sind Zeugen des Glaubens im grundsätzlichen Sinn. Der heilige Florian ist ein Zeuge Christi unter einem ganz eigenen Gesichtspunkt: Der hl.Florian starb wegen seinem Einsatz für gefangene Mitchristen unter Lebensgefahr. Der hl. Florian hätte in dieser Situation sein Leben auf billige Weise für die Welt erhalten können, mit dem einfachen Weihrauchopfer für den Kaiser oder die Götter. Er hat sein Leben nicht festgehalten, er hat es hingegeben. So hat sich an ihm das Wort Christi erfüllt: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt“ (Joh 15,13).

           

In unseren Ländern gibt es diese Situation nicht, wir brauchen uns (noch) nicht unter Lebensgefahr für gefangene Mitchristen einsetzen. Doch etwas anderes ist sehr wohl für uns eine Herausforderung: Dass wir den katholischen Glauben im Alltag bezeugen, mit Worten und Taten, vor denen die glauben und vor denen, die nicht mehr glauben. Das Glaubenszeugnis weckt den Glauben. Der hl. Florian und die Märtyrer von Lauriacum werden uns helfen. Amen.

           

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