276) 5. Sonntag der Osterzeit 2018: GEISTLICHE FRUCHTBARKEIT

5. Sonntag der Osterzeit B) 2018

„ICH BIN DER WEINSTOCK, IHR SEID DIE REBEN“ (Joh 15,5)

Geistliche Fruchtbarkeit

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Den Inhalt des Osterfestes können wir mit einem Wort zusammenfassen: LEBEN, genauer formuliert: Das neue Leben vom Himmel, das Christus uns gebracht hat. Durch die österlichen Ereignisse hat Christus uns das wahre Leben gebracht. In der Theologie wird gerne vom Pascha-Ereignis gesprochen. Gemeint ist das, was Christus als das wahre Osterlamm für unser Heil getan hat: Der Erlösertod am Kreuz am Karfreitag. Die Bindung des Kreuzesopfer an das Heilige Messopfer am Gründonnerstag. Die siegreiche Auferstehung in der Osternacht. Das ist das Pascha-Ereignis, mit dem Christus uns die Erlösung verdient hat.

           

Auch in den heutigen Christusworten geht es um Leben, und zwar im Blick auf uns Menschen. Es geht um die Frage: Wie können wir Menschen am wahren Leben, an der Erlösung, die Christus uns als Osterlamm gebracht hat, teilhaben? Christus gibt uns Antwort mit einem Gleichnis: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“ In Judäa wurde Weinbau betrieben. Die Menschen haben das verstanden. Auch für uns ist es nicht schwer, das zu verstehen. So manche haben bei uns ja auch einige Weinreben gepflanzt. Der Weinstock ist Christus. Der Winzer ist Gott Vater. Die Reben sind wir Menschen. Der Weinberg ist die Kirche. Übernatürliches Leben, das Leben der Erlösung, gibt es für uns nur durch die Verbindung mit dem Weinstock Christus. Uns Menschen den Weinstock Christus zugänglich zu machen, ist die Sendung der Kirche.

           

Die Kirche hat uns bei unserer Taufe sozusagen am Weinstock Christus eingepfropft. Die heilige Taufe hat unsere Seele in die Gemeinschaft mit dem Sohn Gottes hineingenommen. Deshalb ist die heilige Taufe das erste und größte Sakrament. Die heilige Taufe ist das Eingangstor zum Leben mit Christus, mit dem Dreifaltigen Gott. Alle späteren Gnadenschritte im Glaubensleben setzen immer wieder bei der Taufgnade an. Wir haben es vor kurzem bei der Spendung der hl. Erstkommunion und Firmung erlebt. Der Empfang dieser beiden Sakramente wurde durch die Erneuerung des Taufversprechens vorbereitet. In der Tradition der Kirche geht der feierlichen Sonntagsmesse das Asperges voraus, das feierliche anknüpfen bei der Taufgnade.

           

Das Gleichnis vom Weinstock und von den Reben ist ein sehr bedeutendes Gleichnis. Es bringt den Kern oder die Herzmitte des christlichen Lebens zum Ausdruck. Dieser Kern des christlichen Lebens ist das Geheimnis der Gemeinschaft mit Jesus Christus im Leben der Gnade. Christ kommt von Christus. Ein Christ, der nicht mit Christus lebt, ist ein Widerspruch in sich.

           

Wir erleben eine kirchliche Epoche, in der viel Wert auf die nach außen gehenden Schritte des Glaubens gelegt wird. Es wird zB das Zugehen auf die Welt sehr betont, die Nähe zu den Menschen, der sogenannte Dialog mit den Religionen, der soziale Einsatz usw. Alle diese Schritte haben selbstverständlich ihre Bedeutung. Doch wenn bei uns Christen die Herzmitte fehlt oder desolat ist – die Gemeinschaft mit Jesus Christus in der Gnade – wie soll dann alles andere fruchtbar werden? Würde dann die katholische Kirche nicht auf der Ebene eines Wirtschaftsbetriebes oder Weltverbesserungsvereines stecken bleiben? Christus macht uns auf diese Gefahr aufmerksam wenn er heute sagt: „Ohne mich könnt ihr nichts tun“ (Joh 15,5). „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sich selbst verliert und Schaden nimmt?“ (Lk 9,25). Man kann dieses Wort auf die Kirche auch so anwenden: „Was nützt es der Kirche, wenn sie die ganze Welt gewinnt, aber Christus verliert“? Wenn wir als Kirche nicht mehr mit Christus sind und leben, mögen wir viel Wind machen, viel Papier drucken, viele Dialoge und Sitzungen halten usw. Doch kann das auch Frucht bringen für die Erlösung der Seelen, Frucht, die für die Ewigkeit bleibt? „Wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut“ (Psalm 127,1).

           

Die heutigen Christusworte enthalten übrigens auch eine Warnung vor dem Gericht Gottes: Die unfruchtbar und dürr gewordenen Reben landen im Feuer.

           

Der Herr sagt: „Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht“ (Joh 15,6). Die geistige Fruchtbarkeit der Glieder der Kirche hängt davon ab, wie sehr wir mit dem Weinstock Christus verbunden sind. Die nach außen fruchtbarsten Zeiten in der Kirchengeschichte waren immer jene, in denen nach innen hin viel und tief gebetet wurden.

           

Im heutigen Gleichnis gibt uns Christus einige Impulse zur geistigen Fruchtbarkeit:

           

Ich bin der Weinstock: Die Kirche hat dieses Gleichnis immer Eucharistisch verstanden. Bei den gemalten Tabernakel-Verzierungen in unserem Gotteshaus sind die Weinreben als Symbol der Eucharistie abgebildet. Auch unsere Monstranz ist mit Weinreben verziert. Das Allerheiligste Altarssakrament ist Christus. Das Heilige Messopfer und die Heilige Kommunion schenkt Vereinigung mit Christus. Das lateinische Wort Kommunion heißt ja Vereinigung. Leben wir mit dem Heiligen Messopfer und mit der Heiligen Kommunion.

           

Jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt mein Vater, damit sie mehr Frucht bringt: Lassen wir uns regelmäßig vom himmlischen und barmherzigen Vater das Herz reinigen. Das schenkt uns das österliche Sakrament der Buße.

           

Bleibt in mir: Das kleine Wort vom Bleiben. Eine Rebe kann nur wachsen, wenn sie am Weinstock bleibt. Um geistliche Frucht bringen zu können, ist das Bleiben bei Christus nötig. Bleiben wir beim Gebet, beim Beichten, beim der Sonntagsmesse, bei der Kirche… Wenn wir bei all diesen Schritten nicht bleiben, also unbeständig sind, untreu sind, kann das übernatürliche Leben nicht wachsen. Bleiben! Das geduldige Bleiben bringt Frucht.

           

Wenn wir als Christen in Verbundenheit mit dem Weinstock Christus leben, ist uns, wie wir heute gehört haben, eine große Verheißung gegeben: „Bittet um alles was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten“ (Joh 15,7). Christus wird uns nicht jeden egoistischen Wunsch erfüllen, doch Er, der unsere gesamte Lebenszeit kennt und überblickt, wird uns nicht im Stich lassen.

           

Die Frucht, die wachsen darf, ist die Liebe, Liebe, die bleibt für das ewige Leben. Das ist die schönste Frucht, die wir bringen, weil sie Gott zur Verherrlichung gereicht (Joh 15,8). Amen.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok