019) Erstkommunion 2012: Antonietta Meo - Jesus, ich habe dich so lieb

Weißer Sonntag, 16.4.2012 – Erstkommunion in der Pfarrkirche Imsterberg

Homilie von Pfarrer Stephan Müller (Manuskript):

ANTONIETTA MEO (+3.7.1937) JESUS, ICH HABE DICH SO LIEB

 

Ihr habt jetzt ein kleines Bild bekommen. Ihr seht da ein Mädchen. Sie heißt Antonietta Meo. Sie ist ein Erstkommunionkind, so wie ihr heute. Von dieser Antonietta möchte ich euch erzählen. Meist hat man sie Nennolina gerufen.

 

Antonietta lebte in der Stadt Rom. Rom ist eine besonderer Stadt, nicht weil sie die Hauptstadt von Italien ist. In Rom starb der erste Papst, der Apostel Petrus. In Rom wohnt auch heute der Nachfolger des Apostels Petrus, unser Heiliger Vater Papst Benedikt XVI.

 

Antonietta hatte drei Geschwister, drei Mädchen. Sie war das vierte Kind. Am 15.12. 1930 wurde sie geboren. Ihr Elternhaus war in ganz in der Nähe eine berühmten römischen Kirche: S. Croce in Gerusalemme, eine von den 7 Hauptkirchen in Rom (Bild zeigen). Diese Kirche war ihre Pfarrkirche, so wie hier eure Pfarrkirche ist. Es war eine normale römische Familie, wie damals sehr viele Familien waren. Ihre Eltern waren aber schon besonders eifrig im Glauben. Man kann sagen, sie waren begeisterte Katholiken. Ihre Eltern sind z.B. gerne in die Pfarrkirche gegangen, um die Heilige Messe mitzufeiern, nicht nur jeden Sonntag, sondern auch an jeden Werktag, oft haben sie dazu ihre Kinder mitgenommen. Jeden Tag haben sie in der Familie zusammen den Rosenkranz gebeten. Damals hat es keinen Fernseher und keine Computerspiele gegeben. Stattdessen hat man in den Familien den Rosenkranz gebetet. Das war übrigens gar nicht so verkehrt, das könntet ihr heute auch wieder probieren. Antonietta ist also ein einem tief religiösen und kirchlichen Umfeld aufgewachsen.

 

Antonietta war ein ganz natürliches Kind. Sie war sehr lebhaft, sie hat kaum stillsitzen können. Sie hat es geliebt herumzuspringen und laut zu singen. Ein sehr fröhliches Kind. Noch bevor sie in die Schule gegangen ist, hat die Mutter begonnen, ihr das Schreiben zu lernen. Sie war sehr begabt. Und schon mit 4 Jahren war sie Mitglied der Kindergruppe der Katholischen Aktion. Schon als Kind hatte sie einen lebendigen und tiefen Glauben, ihrem Alter entsprechend. Fast nach jeder heiligen Messe ging sie zum Tabernakel vor und sagte: „Jesus komm und spiel mit mir!“ Antonietta war noch so jung und hat schon vom Geheimnis des Eucharistischen Jesus gewusst. Sie hat gewusst, die Heiligen Hostie ist Jesus. Er wohnt im Tabernakel. Ihr Glaube war kindlich, aber ganz innig. Wenn sie an einem Bild oder einer Staute der Muttergottes vorbeigekommen ist, hat sie, warf sie eine Kusshand zu.

Als sie 5 Jahre alt war, sollte sich ihr Leben sehr verändern. Die Mutter bemerkte, dass ihr Fuß angeschwollen war. Die Eltern meinten, dass sie sich beim Spielen verletzt hatte. Als es nicht besser wurde, brachte man sie zum Arzt. Der Arzt entdeckte eine schlimme Krankheit: Knochenkrebs. Das konnte man damals nicht heilen. Auch für die Eltern war das sehr schwer. Ein paar Monate später, am 25.4.1936, später musste man ihr den Fuß abnehmen. Sie war noch nicht ganz 6 Jahre alt. Nach der Operation hat sie eine Prothese bekommen, ein künstliches Bein. Es begann für sie ein schwerer Leidensweg. Antonietta hatte oft viele Schmerzen und trotzdem meistens alles still und geduldig ertragen. Bei einer schweren Operation, ohne Vollnarkose, hat man ihr drei Rippen entfernt.

Antonietta begann, ihre Freundschaft mit Jesus noch stärker zu machen. Ihr verlorenes Bein hat sie Jesus geschenkt. Sie hat es ihm geschenkt für die Sünder. Das ist jetzt schwer für euch zu verstehen. Dass die Menschen, die weit weg sind von Gott, wieder zur Liebe Gottes zurückfinden.

Nun hat Antonietta begonnen, Briefe an Gott zu schreiben. Meist an Jesus, an Gott Vater, an den Heiligen Geist, auch an Maria. 162 solche Briefe sind uns erhalten. Diese Briefe zeigen, wie sich Antonietta in ihrem Herzen entwickelt hat: ihr Glaube und ihre Liebe. Diese Briefe sind natürlich in kindliche Sprache geschrieben. Und doch zeigen sie noch viel mehr. Dieses kleine Mädchen ist weit über ihr Alter hinaus gewachsen. Liebe Gläubige! Diese Briefe enthalten Züge einer tiefen mystischen Christusliebe, die über das Gewöhnliche weit hinausgeht.

Bald nachdem man ihr ein Bein abgenommen hatte, schrieb sie: „Liebes Jesuskind, du bist heilig, du bist gut, tu mir den gefallen und gib mir mein Bein zurück. Wenn du das nicht willst, dann möge dein Wille geschehen.“

Weil Antonietta so schwer krank war, durfte sie schon früh die Heilige Kommunion empfangen. Im Dezember 1936. Davor schrieb sie:Jesus, komm recht bald in mein Herz, damit ich dich ganz fest an mich drücken und küssen kann. O Jesus, ich will, dass du immer in meinem Herzen bleibst.“

 

In ihren letzten Lebenstagen war Antonietta schon so schwach, dass sie nicht mehr schreiben konnte. Sie hat ihrer Mutter am 2. Juni den letzten Brief diktiert: „Liebster gekreuzigter Jesus, ich habe dich sehr gern, und ich habe dich sehr lieb! Ich möchte bei dir auf dem
Kalvarienberg sein. Liebster Jesus, sag Gott Vater, dass ich auch ihn sehr lieb habe. Liebster Jesus, gib mir die nötige Kraft, um diese Schmerzen auszuhalten, die ich dir für die Sünder aufopfere.“

 

„In diesem Augenblick“, erzählt die Mutter, „überfielen sie ein heftiger Hustenanfall und starker Brechreiz, doch als alles vorüber war, wollte sie gleich weiter diktieren: ‚Liebster Jesus, sag dem Heiligen Geist, er möge mich mit Liebe erleuchten und mich mit seinen sieben Gaben erfüllen. Liebster Jesus, sag der Gottesmutter, dass ich sie sehr lieb habe und bei ihr sein will. Liebster Jesus, ich will dir immer wieder sagen, dass ich dich sehr lieb habe. Mein guter Jesus, ich empfehle dir meinen geistlichen Vater. Gib ihm die nötigen Gnaden. Liebster Jesus, ich empfehle dir meine Eltern und Margherita. Dein Kind gibt dir so viele Küßchen.‘

Dieser letzte Brief gelangte zu Papst Pius XI. Wenige Stunden vor ihrem Tod konnte Marietta noch eine große Freude erleben. Der Papst schickte ihr einen Priester mit seinem besonderen Gruß und seinem Segen. Antonietta starb am 3. Juli 1937. Sie war noch nicht ganz 7 Jahre alt.

1942 Wurde der Seligsprechungsprozess eröffnet.

1999 wurde ihr Leib in die Basilika S.Croce überführt.

2007 hat Benedikt XVI. ihren heroischen Tugendgrad erklärt, am bisher jüngsten Katholiken (außer Märtyrer). Das ist die Vorstufe zur Seligsprechung.

 

Liebe Erstkommunionkinder! Das wünsche ich heute Euch! Dass ihr wie die kleine Antonietta Jesus liebt aus ganzen Herzen, und ihm treu bleibt. Amen.

Zur Ergänzung – nicht für den Erstkommuniongottesdienst:

Und ein paar Tage später: „Liebster Jesus, ich hab' dich so gern, ich möchte dir immer wieder sagen, dass ich dich sehr lieb habe. Ich schenke dir mein Herz. Liebe Gottesmutter, du bist so gut. Nimm mein Herz und trage es zu Jesus.“

Alle Kinder und Erwachsenen, die die schwerkranke Antonietta besucht haben, waren sehr ergriffen und beeindruckt. Hier seien einige Sätze aus verschiedenen Briefen

„Jesus, ich liebe Dich so sehr. Ich will mich vergessen in Deinen Armen, mach mit mir was du willst.“

 

„Ich bin sehr froh, dass mir Jesus dieses Problem [ihre Krankheit]geschickt hat, denn so bin ich Seine Auserwählte.“

 

„Jesus tu mir den Gefallen, lass mich sterben, bevor ich eine Todsünde begehe.“

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok