274) Ostersonntag B 2018: Johannesprolog 20: DAS WAHRE LICHT - DER HEILSGESCHICHTLICHE SIEG CHRISTI

Ostersonntag 2018

Betrachtungsreihe zum Johannesprolog – Über das Geheimnis Gottes, des Lebens und der Liebe

20) „DAS WAHRE LICHT“ (Joh 1,9) – Der heilsgeschichtliche Sieg des Lichtes über die Finsternis

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Die Liturgie der Osternacht hat eine reiche Lichtsymbolik. Wir durften es gestern wieder erleben. In der Dunkelheit der Nacht wird vor dem Gotteshaus das Feuer gesegnet. Das kleine Licht der Osterkerze wird in Prozession in das noch dunkle Gotteshaus hereingetragen. LUMEN CHRISTI, Christus, das Licht, wird uns feierlich verkündet. Die Dunkelheit vermag sich nicht zu halten. Von der Osterkerze aus empfangen wir selber das Licht, die Apostelkerzen, die Altarkerzen, bis dann beim Gloria, das die Auferstehung andeutet, alles in Licht gehüllt wird.

           

Diese Symbolik ist alles andere als eine stimmungsvolle Metapher. Die Lichtfeier der Osternacht bringt den Sieg des Lichtes über die Finsternis zum Ausdruck, den heilsgeschichtlichen Ostersieg Christi. Christus ist, wie der Apostel Johannes im Prolog bezeugt, das wahre Licht, das zu uns Menschen kam und gesiegt hat. Die Finsternis vermag das wahre Licht, das Christus ist, nicht zu ergreifen. Die Finsternis kann nicht Hand anlegen am Licht, sie kann es nicht auslöschen, nicht besiegen. Sie wurde besiegt und wird immer neu besiegt.

           

Ist das wirklich so? Schaut die Realität nicht vielleicht doch anders aus? Mehrmals berichtet uns das Evangelium, wie man Christus während seines öffentlichen Wirkens ergreifen und töten will: Nach der Predigt in Nazareth will man ihn den Berg hinabstürzen – doch Er geht weg, das Licht kann nicht ergriffen werden (Lk 4,29-13); nach einer Predigt im Tempel will man ihn steinigen – doch Er geht weg, das Licht kann nicht ergriffen werden (Joh 8,59); nach dem Letzten Abendmahl, am Ölberg will man ihn gefangen nehmen – doch die Schergen weichen zurück und stürzen zu Boden, das Licht kann nicht ergriffen werden (Joh 18,6).

           

Erst als „Seine Stunde“ kommt (Joh 7,30), als Er selber es will können die zu Boden gestürzten Schergen am Ölberg Hand an ihn legen und ihn ergreifen. Wir wissen, dass der Herr das alles bewusst auf sich genommen hat, es war der Wille des Vaters und sein eigener Wille, aus Liebe zu uns diesen Weg zu gehen. „O unfassbare Liebe des Vaters, um den Knecht zu erlösen, gabst du den Sohn dahin“ (Exsultet). Christus lässt es dann zu, dass nach seinen Händen gegriffen und sie gefesselt werden, Christus lässt es zu, dass Hände und Füße ergriffen und an das Kreuz genagelt werden. Die letzte Finsternis, die Christus ergreifen will, ist die Finsternis des Grabes. Auch das lässt Christus zu. Rein menschlich müssten wir sagen: Jetzt ist es der Finsternis endlich gelungen, das Licht zu ergreifen und in die Finsternis eines Felsengrabes zu zwingen. Das Grab wird sogar noch versiegelt. Das bringt gleichsam zum Ausdruck: Jetzt haben wir ihn! Jetzt haben wir den, der von sich gesagt hat, ich bin das Licht, ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, hinter Schloss und Riegel gebracht! Jetzt haben wir über ihn gesiegt!

           

Doch das ist die „Rechnung ohne den Wirt gemacht“, wie wir im Sprichwort sagen. Das scheinbare Ende wird zum neuen Anfang. Das Ende wird zur Wende. Der Tod zum Leben. Durch dieses tragische Ende in der Finsternis des Grabes wird der Neuanfang noch strahlender: „Dies ist die Nacht, in der Christus die Ketten des Todes zerbrach und aus der Tiefe als Sieger hervorging“, wird im Exsultet gesungen. Das Grab Christi ist erleuchtet vom Glanz seiner Auferstehung. Das Grab Christi ist erleuchtet von der Erscheinung der Engel, die den Frauen die Freudenbotschaft der Auferstehung verkünden. Und so steht über vielen Ostergräbern unseres Landes das Wort des Propheten Isaias: „Sein Grab wird herrlich sein“ (Isaias 11,10; Vulgata des hl. Hieronymus).

           

Der heilsgeschichtliche Sieg des Lichtes über der Finsternis. Nie, nichts und niemand kann das Licht, Christus, ergreifen, überwinden, auslöschen: Keine Finsternis der Sünde, keine Finsternis der politischen oder menschlichen Mächte, keine Finsternis der Abergeister, keine Finsternis der Irrlehre und des Unglaubens, keine Finsternis der Verweltlichung der Kirche, keine Finsternis des Todes. Das wahre Licht hat gesiegt. Dieser Sieg ist unumstößlich.

           

Dieser Sieg des Lichtes hat Folgen.

           

Die Auferstehung Christi ist der Urgrund unserer Hoffnung in dieser Welt. Das Alte ist vergangen.

Die Auferstehung Christi ist der Urgrund unserer Hoffnung auf das Ewige Leben.

Die Auferstehung Christi ist die Ursache und der Grund unserer christlichen Sonntagsheiligung. Jeder Sonntag lässt uns am Sieg Christi teilhaben, lässt uns mit diesem Licht wieder in eine neue Woche hineingehen.

Die Auferstehung Christi ist der Urgrund unserer Freude.

           

Etwas anderes ist es, dass sich im Leben der Kirche auch das Geheimnis des Kreuzes fortsetzt. Seit vielen Jahren erinnern die Päpste bei der Osterpredigt zum Segen URBI ET ORBI an die verfolgten Christen auf der Welt. Wir stehen heute vor dem Drama der größten Christenverfolgungen aller Zeiten. In etwa 50 Ländern werden Christen aller Konfessionen verfolgt. In unseren Ländern haben wir bis jetzt noch keine blutige, doch eine andere Art von Verfolgung, die nicht weniger schwer ist. Bedrängt wird bei uns der Anspruch der Wahrheit Christi, der Anspruch des wahren Glaubens. Christenverfolgung ist im Letzten immer gegen Christus gerichtet. Christenverfolgung ist der Versuch der Finsternis, den Sohn Gottes zu ergreifen und zu töten. Auch dieser Versuch gelingt nur scheinbar. Aus dem Blut der verfolgten Kirche und der Märtyrer ersteht immer wieder neu ein Ostersieg und neues Glaubensleben. Wenn die Mächte der Finsternis meinten, dass die Kirche am Ende sei, erstand sie zu neuem Leben. Denken wir im Gebet immer wieder an die verfolgten Christen.

           

Das wahre Licht. Der heilsgeschichtliche Sieg Christi über die Finsternis. Auch wir wollen versuchen, das Licht immer wieder neu in unserem Herzen und in unserem Leben siegen zu lassen:

           

Herr Jesus Christus! Du Sieger über alle Finsternis. Lass uns in Deinem Licht auch immer wieder siegen. Hilf uns siegen über alle unsere Schwächen und Nöte, über alle Belastungen und Sorgen, über alle Ängste und Nöte, über alle Versuchungen und Zweifel.

Lass uns froh werden in Deinem Licht und Deinem Sieg.

           

Amen. Halleluja.

           

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok