273) Hoher Donnerstag 2018: Johannesprolog 19: DER EINZIGE DER GOTT IST UND AM HERZEN DES VATERS RUHT - IN DER SCHULE DES HERZENS JESU

Hoher Donnerstag 2018

Betrachtungsreihe zum Johannesprolog – Über das Geheimnis Gottes, des Lebens und der Liebe

22) „DER EINZIGE, DER GOTT IST UND AM HERZEN DES VATERS RUHT“ (Joh 1,18)

IN DER SCHULE DES HERZENS JESU - Predigt von Pf. Stephan Müller

           

An mehreren Stellen des Johannesevangeliums wird der Jünger, den Jesus liebte, erwähnt. Im Griechischen gibt es Worte für verschiedene Arten der Liebe. An diesen Stellen ist die Freundschaft gemeint. Der Jünger, den Jesus liebte ist so zu übersetzen: Der Jünger, dem Jesus seine Freundschaft schenkte. Johannes erwähnt in seinem Evangelium auch dieses Detail beim Letzten Abendmahl, dass er an der Seite Christi ruhen durfte. Ermöglicht wurde dies durch die antike Speisepraxis; es gab damals einen sehr niedrigen Tisch, er hatte eine U-Form. Die Speisenden saßen nicht auf Stühlen, sie lagen auf Polstern am Boden. Der Ranghöchste saß am linken Anfang dieses U-förmigen Tisches.

           

Das Zeugnis des hl. Apostel und Evangelisten Johannes ist etwas Einzigartiges in der apostolischen Zeit. Im Prolog seines Evangeliums vermittelt es uns Johannes so, er sagt: „Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, Er hat Kunde gebracht“ (Joh 1,18). Ich bin überzeugt, dass solche Worte nur aus einem hohen Maß an persönlicher Erfahrung heraus geschrieben sein können. Der Apostel Johannes war einer besonderen Freundschaft mit Christus gewürdigt. Dadurch wurde dem Johannes eine tiefe Gotteserfahrung geschenkt. Bemühen wir uns zu erfassen, was Johannes da andeutet.

           

Der Sohn Gottes ruht am Herzen des Vaters. Hier ist das Geheimnis des innergöttlichen Liebens zwischen Gott Vater und Gott Sohn angesprochen. Der Vater liebt den Sohn. Von Ewigkeit geht der Sohn aus dem Vater hervor und liebt den Vater im Heiligen Geist. Der Heilige Geist ist die Liebeshauchung des Vaters und des Sohnes. Das ist das Geheimnis der Innergöttlichen Trinität, Urquell des Lebens und der Liebe.

           

Nur einen gibt es, der von diesen Vorgängen weiß und der uns davon Kunde gebracht hat: Der Einzige, der Sohn Gottes, der am Herzen des Vaters ruht. Wir wüssten nichts von diesen göttlichen Geheimnissen des Lebens und der Liebe, wenn der Sohn Gottes uns davon nicht Kunde gebracht hätte.

           

Der gleiche Sohn Gottes, der am Herzen des Vaters ruht, gestattet Johannes, dem Jünger, den er liebt (Joh 13,23), beim Letzten Abendmahl, sein Haupt auf das Herz seines göttlichen Freundes zu legen. Alle übrigen Apostel haben durch ihr Leben und Sterben Christus bezeugt. Dem Apostel Johannes war es geschenkt, ein besonderer Zeuge der Liebe Christi zu sein. Ich möchte es so ausdrücken: Dem Johannes war es geschenkt, das Geheimnis der Liebe des Herzens Jesu gleichsam zu „trinken“, den „neuen Wein“ (Mt 9,17) der dem Herzen Christi entspringt. In seinen Briefen kommt Johannes ja immer wieder auf die beiden Themen Liebe und Wahrheit zu sprechen. Das Zeugnis, das Johannes hier anspricht, hat den Gläubigen aller Zeiten etwas zu sagen.

           

Christus ruft am Beginn Seiner Kirche die Apostel in seine Nachfolge. ZB zu den Brüdern Simon und Andreas spricht er die Worte: „Folgt mir nach, ich werde euch zu Menschenfischern machen“ (Mk 1,17). Was zur Berufung der Apostel wird, gilt in gewisser Weise für jede Christusnachfolge, für jeden Getauften, auch für uns. Lasst es mich so ausdrücken: Christusnachfolge beginnt immer damit, beim Herzen Jesu in die Schule zu gehen. In der Sprache des Apostels Johannes, nach seiner tiefen Erfahrung beim Letzten Abendmahl: Christus will unser Haupt sanft an sein Herz drücken – dh unser Denken, Lieben und Wollen. Wir sollen und dürfen den Herzensschlag

des Herzens Christi wahrnehmen, in unser Leben aufnehmen, unser Leben wandeln, wir dürfen und sollen Christus die Antwort unserer ganz persönlichen Liebe geben; es geht also um den Vorgang der gegenseitigen Liebe zwischen Christus und unserer Seele.

           

Hier geht es um den Kernbereich des christlich-katholischen Glaubens. Deshalb beginnt unser katholisches Glaubensleben jeden Tag neu damit, die Herzensgemeinschaft mit Christus zu suchen und zu pflegen, so wie die Braut im Hohenlied, die den geliebten Bräutigam sucht, sein schönes Gesicht sehen und seine liebliche Stimme hören will (Hoheslied 2,14). Wie tun wir das konkret?

  • Das tägliche Gebet.
  • Das Hören auf das Wort Gottes.
  • Das Nachdenken über die Heilslehre Christi.
  • Die regelmäßige Reinigung des Herzens im Bußsakrament um in der Liebe wachsen zu können.
  • Die Vereinigung mit dem Kreuzesopfer Christi durch das Heilige Messopfer am wöchentlichen Sonntag und den gebotenen Feiertagen, nach Möglichkeit auch täglich am Werktag.
  • In der heutigen lauten Zeit darf man noch eigens betonen: Wir brauchen auch die stille Gegenwart des göttlichen Herzens Christi im Altarssakrament, im Tabernakel, im zur Anbetung ausgesetzten Allerheiligsten. Gerade die stille Eucharistische Anbetung hilft uns, den sehr leisen und verborgenen Herzschlag Christi wahrzunehmen und davon unseren Herzschlag ansprechen zu lassen. Das Eucharistische Herz Jesu, das uns die Anbetung zugänglich macht, ist wie ein Herzschrittmacher, der unser oft so schwaches und krankes Herz immer wieder in Schwung bringt und belebt.

Das alles sind Schritte mit denen wir beim Herzen Jesu in die Schule gehen. Ohne diese ganz konkreten Schritte der Christusliebe ist ein lebendiges Glaubensleben schlicht und einfach nicht möglich, wir kommen dann über ein Buchstabendenken und oberflächliches Christsein nicht hinaus. Christus sagt uns: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele“ (Mt 11,28-29).

           

Wichtig scheint mir, dass wir mit allen unseren „Erfahrungen“ nicht im Persönlichen und Subjektiven stecken bleiben. Es geht nicht um unsere „Gefühle“ und „Stimmungen“. Durch die Bindung an das objektive sakramentale Leben der Kirche und das nüchterne und dogmatische Beten der Kirche Gottes, vor allem in den gesunden Formen der katholischen Überlieferung und Tradition, wird unsere Christusbeziehung vom Kreisen um sich selbst befreit, es wird zur Reife im Glauben gebracht.

           

Unsere Vorfahren haben in Tirol bis vor wenigen Jahrzehnten meist einfach und arm gelebt, vor allem in den Tälern. Sie hatten kein Internet, keine Handys, keine Fernseher... Doch sie haben den Kern von allem begriffen, wenn sie das Symbol des Herzens Christi überall abgebildet haben: Beim Herrgottswinkel, auf den Ehebetten, auf Schränken, auf Kinderwiegen, auf Häuser, auf Kapellen, auf Gipfelkreuzen usw. Und wir heute? Lernen Erwachsene und Kinder nur mehr Internet und elektronische Spiele? Lernen wir noch etwas vom Geheimnis des Lebens und der Liebe Christi? Unser Haupt auf das Herz Christi legen, das ist doch eigentlich nicht so schwer.

           

Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, wir danken Dir, dass Du uns den Apostel Johannes als Zeuge Deiner Göttlichen Liebe geschenkt hast. Heiliger Apostel Johannes! Nimm uns an der Hand und hilf uns, zum Geheimnis des Herzens Jesu hinzufinden, beim Herz der Herzen in die Schule zu gehen. Amen.

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