271) 4. Fastensonntag B 2018: Johannesprolog 17: DAS LICHT LEUCHTET IN DER FINSTERNIS - ÜBER DAS WESEN DES LICHTES UND DER FINSTERNIS

Hochamt am 4. Fastensonntag 2018

Betrachtungsreihe zum Johannesprolog – Über das Geheimnis Gottes, des Lebens und der Liebe

16) „DAS LICHT LEUCHTET IN DER FINSTERNIS“ (Joh 1,5) – Über das Wesen des Lichtes und der Finsternis - Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Im Gespräch Christi mit Nikodemus, dem das heutige Evangelium entnommen ist (Joh 3) nennt Christus sich selber das Licht, das in die Finsternis der Welt gekommen ist. Wenn wir solche Worte hören wissen wir, woher der Apostel Johannes seine Aussagen genommen hat, wenn er im Prolog bezeugt: „Das Licht leuchtet in der Finsternis.“

           

Wenn die Heilige Schrift, wenn Christus selber, von Licht und Finsternis spricht, ist damit natürlich etwas anderes gemeint als ein Stimmungsaffekt. Zu Weihnachten haben wir Christus als Licht der Welt empfangen. In der Fastenzeit gehen wir dem Osterlicht des Auferstandenen entgegen. „Das Licht leuchtet in der Finsternis.“ Was kann uns dieses Gotteswort sagen?

           

1) Beginnen wir mit dem Gegenteil von Licht, mit der Finsternis. In der Heiligen Schrift hat Finsternis eine mehrfache Bedeutung. Es gibt die gute Finsternis, die Gott in die Schöpfung hineingelegt hat, damit wir uns durch die Ruhe der Nacht erholen können: „Gott schied das Licht von der Finsternis und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht“ (Gen 1,4-5).

           

Mit Finsternis wird in der Heiligen Schrift auch ein Leben in Sünde und Gottesferne beschrieben. Die heutige Lesung spricht von der Finsternis im Volk Israel: „Alle führenden Männer Judas und die Priester und das Volk begingen viel Untreue. […] Sie aber verhöhnten die Boten Gottes, verachteten sein Wort und verspotteten seine Propheten“ (2 Chr 2614-16). Diese Lesung wirft ein Licht auf so manche Vorgänge in der Geschichte der Kirche, wir erkennen auch Parallelen zu unserer Zeit. Im heutigen Evangelium spricht Christus die Bedeutung von Finsternis und Licht an wenn er sagt: „Die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Taten waren böse“ (vgl. Joh 3,19-29). Christus verwendet das Bild von der Finsternis auch dazu, die ewige Trennung von Gott zu beschreiben. Im Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl muss der Mann, der ohne hochzeitliches Gewand erschienen war, das Wort hören: „Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen“ (Mt 22,13).

           

2) Der Apostel Johannes darf uns zusprechen: „Das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkünden: Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm“ (1 Joh 1,5). Licht ist an dieser Stelle gleichzusetzen mit Leben. Licht und Leben ist gleichzusetzen mit Christus, dem Sohn Gottes. Hier ist uns wieder etwas über das Geheimnis Gottes geoffenbart: Gott ist unendlich schön, erhaben, herrlich, vollkommen… Unser menschliches Fassungsvermögen ist zu klein für das große Geheimnis Gottes. Die Urchristen haben die Schönheit der Sonne als Symbol für das Licht Gottes betrachtet, wir finden das Symbol für das Sonnenrad immer wieder in den Römischen Katakomben.

           

Gott ist Licht bedeutet auch: Die Vollkommenheit Gottes ist keiner Veränderung und keiner Zeit unterworfen. Der Apostel Jakobus schreibt in seinem Brief: Beim Vater des Lichtes – beim Schöpfergott – gibt es „keine Veränderung und keine Verfinsterung“ (Jak 1,17). Gott ist nicht wie wir Menschen, einmal so und einmal anders, einmal voller Tugend, ein anderes Mal von Schwächen und Sünden geplagt. Es gibt Gottesvorstellungen, in denen Gott sich und sein Verhalten gegenüber uns Menschen verändert, sodass wir nie genau wissen, wie wir bei Gott dran sind. Im Christlichen Bereich: Ein Irrlehrer der Kirche hat in Gott die Vorstellung der Entwicklung und Veränderung hinein projiziert.

           

Gott ist Licht, keine Finsternis und keine Veränderung ist in ihm. Diese Offenbarungswahrheit über Gott hat auch eine wichtige Konsequenz für den Glauben. Gott hat sein Licht – sein Wesen, das Liebe ist – uns Menschen geoffenbart. Deshalb kann auch das Licht der Offenbarung Gottes keiner Veränderung und keiner Verfinsterung unterliegen. Der Glaube ist ein Licht und bleibt Licht. Der geoffenbarte Glaube kann sich vertiefen und entfalten, aber nicht verändern. Manchmal hört man jemanden sagen, in Bezug auf Kirche und Glaube: „Wir leben in einer anderen Zeit, das ist heute anders als früher…“ Natürlich ändern sich die Zeiten, die Moden, die Einstellungen der Menschen… Es gab und gibt in der Kirche manchmal Versuche, im Namen der Barmherzigkeit Glaube und Gebote einem menschlichen oder sündigen Verhalten anzupassen, das mit dem Gebot Gottes nicht übereinstimmt. Solche Versuche können nur Verwirrung stiften. Der Inhalt des Glaubens und der Gebote Gottes kann sich nicht ändern. Wir würden mit solchen Versuchen einen „Gott“ konstruieren, der sich ständig verändert, wir würden „Veränderung und Verfinsterung“ in Gott hinein projizieren. Das ist gegen die Offenbarung Gottes.

           

3) Ein Wort des hl. Apostels Paulus aus dem Epheserbrief gibt uns drei Gedanken mit auf dem Weg zum Osterfest: „Einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr durch den Herrn Licht geworden. Lebt als Kinder des Lichts!“ „Einst wart ihr Finsternis.“ Im 5. Kapitel des Epheserbriefes führt Paulus zuerst einen Sündenkatalog an, um damit die Finsternis zu beschreiben. Dann wechselt er zum Licht und sagt den Getauften: „Jetzt aber seid ihr durch den Herrn Licht geworden.“

           

Ostern vorbereiten bedeutet: Durch Christus seelisch Licht werden. Es gibt zwei Sakramente, die uns das Lichtwerden schenken. Zuerst die heilige Taufe. In der Urkirche wird die heilige Taufe auch „Erleuchtung“ genannt (Hebr 10,32). Der Neugetaufte ist von der Finsternis des Unglaubens und des Heidentums frei geworden. Er wurde erleuchtet zum Glauben, zur Erkenntnis der Wahrheit Gottes. Die Erleuchtung geschieht nicht durch diffuse, verschwommene gnostische oder esoterische „Erkenntnis“. Christliche Erleuchtung geschieht für einen Katechumenen auf dem Weg zur Taufe, indem er bei den Scrutinien die Gebote Gottes und das Glaubensbekenntnis empfängt. Christliche Erleuchtung wurzelt in einer klaren und konkreten Glaubenslehre.

           

Nach der hl. Taufe ist die hl. Beichte das Sakrament der Erleuchtung. In der Beichte tun wir das Richtige: Wir verbergen nicht unsere Sünden oder Unterlassungen, wie Christus im heutigen Evangelium andeutet, sondern wir decken sie auf, wir bringen sie zum Licht Gottes, zur Liebe des Herzens Jesu. Der hl. Paulus gibt uns im Epheserbrief eine wunderbare Beschreibung einer Gnadenwirkung der hl. Beichte: „Alles, was aufgedeckt ist [dh durch das Bekenntnis der Sünden vor dem Priester], wird vom Licht erleuchtet. Alles Erleuchtete aber ist Licht. Deshalb heißt es: Wach auf, du Schläfer, und steh auf von den Toten und Christus wird dein Licht sein (Eph 5,13-14). Wenn das Licht Gottes auf die in der Beichte aufgedeckten Sünden fällt, werden wir Licht, von den Sünden erlöst, wir sind im Blut Christi neu und frei geworden.

           

Lebt als Kinder des Lichts!“ Christus sagt uns heute: „Wer die Wahrheit tut, kommt zum Licht“. Der Apostel Johannes gibt uns eine Auslegung dieser Paulusstelle: „Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und doch in der Finsternis leben, lügen wir und tun nicht die Wahrheit. Wenn wir aber im Licht leben, wie er im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander und das Blut seines Sohnes Jesus reinigt uns von aller Sünde“ (1 Joh 1,6-7). Als Kind des Lichtes leben: Gemeinschaft mit Gott. Gemeinschaft untereinander in Gott.

           

4) Wie können wir Finsternis und Licht voneinander unterscheiden? Eigenschaften der Finsternis sind zB: Trostlosigkeit, Sinnlosigkeit, Freudlosigkeit, Auflehnung, Ungehorsam, Lüge, Widersprüchlichkeit, Verwirrung usw. Die Finsternis zeigt sich auch gerne im Kleid des Irrlichtes oder Scheinlichtes: Das Irrlicht kann man als ein schillerndes Licht beschreiben, ein sich aufdrängendes und verführerisches Reizlicht, es ist gerne mit Lärm und Beifall verbunden. Gott sagt uns durch den Propheten Isaias ein Wort, das für alle Zeiten und auch für die heutige Kirche aktuell ist: „Weh denen, die das Böse gut und das Gute böse nennen, die die Finsternis zum Licht und das Licht zur Finsternis machen, die das Bittere süß und das Süße bitter machen“ (Isaias 5,20).

           

Das wahre Licht Gottes ist ein mildes Licht, ein reines und klares Licht, es „schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen“ (Isaias 42,2). Die Quelle dieses Lichtes sind die heiligen Wunden des Erlösers, das Kreuz Christi. Bleiben wir als Glaubende und Hoffende bei den heiligen Wunden des Erlösers, bei seinem durchbohrten Herzen, bei seinem Dornengekrönten Haupt, bleiben wir beim Kreuz Christi, damit wir im Licht Gottes leben können. Amen.

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