267) 6. Sonntag im JK 2018: Johannesprolog 13: DAS WORT WAR GOTT - ZEUGEN DER GOTTHEIT CHRISTI IN DER FRÜHEN KIRCHE

Hochamt am 6. Sonntag im Jahreskreis 2018

Betrachtungsreihe zum Johannesprolog – Über das Geheimnis Gottes, des Lebens und der Liebe

13) „DAS WORT WAR GOTT“ (Joh 1,1)

ZEUGEN DER WAHREN GOTTHEIT CHRISTI IN DER FRÜHEN KIRCHE

Predigt von Pf. Stephan Müller (längere Fassung zur persönlichen Vertiefung)

           

1) Offenbarung der Gottheit Christi

           

Christus heilt im heutigen Sonntagsevangelium einen Aussätzigen. Die vielen Krankenheilungen und alle anderen Wunder, die Christus wirkt, führen uns zu den höheren Geheimnissen Jesu Christi, wie der hl. Thomas von Aquin sie nennt. Nach der Stillung des Sturms am See Genezareth rufen die fassungslosen Apostel: „Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar der Wind und der See gehorchen?“ (Mk 4,41). Wer ist Jesus Christus? Der Apostel Johannes gibt die Antwort bereits im ersten Satz seines Evangeliums: „Das Wort war GOTT.“ (Joh 1,1-2). Jesus Christus ist Gott. Damit ist alles gesagt.

           

Wieso können wir von Christus behaupten, dass er GOTT ist? Es tut uns sicher gut, diese höheren Geheimnisse Christi ins Auge zu fassen. Es geht hier um das Fundament des Glaubens, der Kirche und unseres christlichen Lebens.

           

Christus hat sich als Sohn Gottes bei seiner Menschwerdung entäußert, wie der hl. Paulus im Philipperbrief es nennt: „Er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen“ (Phil 2,8). 30 Jahre lang, in seinem verborgenen Leben und in seiner Passion, war von seiner Herrlichkeit als Gott nichts zu erleben; die demütige Entäußerung Gottes.

           

Erst bei seinem öffentlichen Wirken beginnt Christus zu offenbaren, wer er ist. Zum ersten Mal geschieht das beim Weinwunder zu Kana: Er „offenbarte seine Herrlichkeit“, dh seine verborgene Gottheit. Die Krankenheilungen, überhaupt alle Wunder, die Christus wirkt, von der Brotvermehrung über sein Gehen über das Meer von Galiläa bis zu den Totenerweckungen, all diese Wunder sind Offenbarung seiner Gottheit. Offenbarung der Gottheit Christi geschieht auf dem Berg der Verklärung. Bei der Verurteilung durch den Hohen Rat fragt der Hohepriester Jesus: „Bist du der Messias, der Sohn des Hochgelobten?“ (Mk 14,61). Und Christus bekennt ganz offen: „Ich bin es“ (Mk 14,62). Im Gesamten der Offenbarung erkennen wir vor allem auch die jungfräuliche Empfängnis, die Jungfrauengeburt und die Auferstehung Christi als Offenbarung seiner Gottheit.

           

Ich erinnere mich an ein Kind im Religionsunterricht der Volksschule, es war nicht in unserem Dorf, das zu mir sagte, als ich aus dem Leben Jesu erzählen wollte: „Erzählen sie uns wieder Lügengeschichten?“ Nein, die Apostel waren keine Lügner, auch keine Dichter oder Märchenerzähler. Das Neue Testament hat Hand und Fuß, es ist historisch. Der Apostel Petrus erzählt nicht nur etwas, sondern er gibt mit Nachdruck Zeugnis, wenn er in seinem zweiten Brief betont: „Wir sind nicht irgendwelchen klug ausgedachten Geschichten gefolgt, als wir euch die machtvolle Ankunft Jesu Christi, unseres Herrn, verkündeten, sondern wir waren [auf dem Berg der Verklärung] Augenzeugen seiner Macht und Größe“ (2 Petr 1,16). Mit dem gleichen Nachdruck betont der Apostel Johannes: „Wir haben seine Herrlichkeit [dh seine Gottheit] gesehen“ (Joh 1,14). Der Apostel Johannes nennt die Wunder Christi aus diesem Grund Zeichen, die auf Höheres weisen, eben auf das Geheimnis der Gottheit Christi.

           

2) Dogmenentwicklung: Der Heilige Geist führt die Kirche immer tiefer in das Christusgeheimnis ein

           

Der Heilige Geist hat die Kirche, so wie Christus es vorausgesagt hat (Joh 16,13), in die volle Wahrheit hineingeführt, auch in ein tieferes Erkennen des Christusgeheimnisses. Dieser Prozess der Hineinführung in die geoffenbarte Wahrheit war kein leichter Weg; er war auch verwickelt in Auseinandersetzungen mit falschen Lehren und Vorstellungen über Christus. Schon zur Zeit der Apostel war es nötig, den wahren Glauben abzugrenzen von Häresien, dh Irrlehren. Machen wir einen kurzen Blick auf diese Vorgänge in der Kirche der frühen Jahrhunderte. In einer eigenen Predigt werden wir bedenken, warum die Kenntnis der frühchristlichen Häresien und ihre Überwindung (*) für unsere heutige Zeit so bedeutsam sind.

           

Die ersten Häresien, schon zur Zeit der Apostel, leugnen nicht so sehr die wahre Gottheit Christi, sondern seine Menschheit. Schon der Apostel Johannes muss sich mit der Irrlehre der Gnosis auseinandersetzen, nach ihm auch andere Kirchenväter. Die Gnostiker leugnen die wahre Menschheit Christi. Die Gnostiker wollen nicht glauben, dass Gott einen menschlichen Leib annimmt. Auf dieser Ebene liegen mehrere Häresien, wie zB der Doketismus: Christus hätte nur einen Scheinleib gehabt. Der Apostel Johannes bezeugt den Glauben an die wahre Menschwerdung Gottes: „Das Wort ist Fleisch geworden.“

           

Es dauert nicht lange, bis auch die wahre Gottheit Christi geleugnet wird. Die Häresien auf dieser Ebene sind vielseitig und schwerwiegend. Als Beispiel sei der Arianismus genannt. Der Begründer dieser Häresie ist der Priester Arius (er lebte ca. 260-336). Arius verwendet für Christus zwar den Begriff Sohn Gottes, aber in einem anderen Sinn. Nach seiner Vorstellung ist der Sohn Gottes „aus Nichts geschaffen“, also nur geschaffener Sohn Gottes. Und Der Sohn Gottes sei „aus einer anderen Substanz oder Wesenheit“ als der Vater (KKK 465). Die Häresie des Arius macht also den ewigen Sohn Gottes zu einem ganz gewöhnlichen Menschen, den Gott als Sohn angenommen habe, ein Geschöpf wie wir. Die Irrlehre des Arius war zur damaligen Zeit sehr verbreitet, auch unter Bischöfen. Auch der Oströmische Kaiser war arianisch geworden. Die Bischöfe, die katholisch waren, wurden verfolgt, auch unter Mitwirkung des Staates.

           

3) Zeugen für die wahre Gottheit Christi, ein kurzer Überblick

           

Der erste und wichtigste Zeuge der Gottheit Christi ist natürlich Jesus Christus selbst, sein Wirken, seine Wunder, seine Lehre.

           

Vom ersten bis zum siebten Jahrhundert gibt es großartige Zeugen, die den Glauben an die wahre Gottheit Christi weitergegeben haben. Die ersten besonderen Zeugen für die Gottheit Christi sind die zwölf Apostel, die Apostel des Lammes, wie sie in der Apokalypse (Offb 21,14) genannt werden.

           

Eine nächste Gruppe besonderer Zeugen für die wahre Gottheit Jesu Christi sind die Märtyrer der Urkirche, aus der Zeit der Römischen Verfolgung bis zum Mailänder Edikt von Kaiser Konstantin im Jahr 313. Überall in den Römischen Katakomben begegnet uns das Glaubenszeugnis der Urchristen. Das ist ihr Vermächtnis für die Katholiken aller Zeiten. Ein kleines Beispiel. Die Urchristen hatten ein einfaches Glaubensbekenntnis, das uns als Symbol des Fisches überall in den Katakomben begegnet. Die einzelnen Buchstaben vom griechischen Wort Fisch/ichthys ergeben jeweils ein Wort: iesus christos theu hyos soter/Jesus Christus, Sohn Gottes, Erlöser. Stellvertretend für alle Märtyrer der Urkirche wurden die Namen solcher Märtyrer in den Römischen Messkanon eingefügt, die Namen der Apostel und die Namen einiger Männer und Frauen. Jeden Tag dürfen wir im Hochgebet des Hl. Messopfers diese Blutzeugen um ihre Fürsprache anrufen.

           

Eine weitere Gruppe besonderer Zeugen der frühen Kirche für den Glauben an die wahre Gottheit sind die heiligen Kirchenväter. Mit Kirchenväter meinen wir besondere Zeugen des Glaubens vom ersten bis zum achten Jahrhundert. Die Kirchenväter haben durch ihr heiliges Leben, durch Predigt und Schriften zur Vertiefung und Verteidigung des wahren Glaubens beigetragen, deshalb wird ihnen dieser Ehrentitel Kirchenvater gegeben. Die Kirchenväter setzen sich vor allem auch mit den Irrlehren ihrer jeweiligen Zeit auseinander. Der heilige Irenäus von Lyon zB (er lebte von 130-202) verteidigt den Glauben an die wahre Gottheit Christi gegenüber der Irrlehre der Gnosis. Der heilige Bischof Athanasius von Alexandrien (296 – 373) verkündet und verteidigt mit großem Mut und Einsatz die wahre Gottheit Christi. Für diesen Glauben muss er auch vieles erleiden, mehrmals wird er aus seiner Bischofsstadt vertrieben, insgesamt 17 Jahre muss er als Verbannter im Exil leben. Schon zu Lebzeiten nennt man ihn „Säule der Kirche“.

           

Stellvertretend für alle Kirchenväter verehrt die Kirche in besonderer Weise die sogenannten vier lateinischen Kirchenväter, sie sind als Statuen an unserem Hochaltar links und rechts vom Tabernakel dargestellt: Ambrosius, Augustinus, Hieronymus, Gregor der Große; parallel dazu verehren wir die vier Kirchenväter aus dem Orient: Athanasius, Johannes Chrysostomos, Basilius der Große, Gregor von Nazianz.

           

In Verbindung mit den heiligen Kirchenvätern stehen die frühchristlichen Konzilien oder Kirchenversammlungen. Die frühchristlichen Konzilien ringen um den wahren Glauben, kleiden ihn in dogmatische Begriffe und grenzen den wahren Glauben ab gegenüber den Häresien.

           

Das erste allgemeine Konzil tritt 325 in Nicäa zusammen, der hl. Athanasius nimmt als Diakon daran teil. Das Konzil von Nicäa bekennt: Der Sohn Gottes ist „gezeugt [in Ewigkeit aus dem Vater hervorgehend], nicht geschaffen, eines Wesens [homoúsios] mit dem Vater.“ Die Lehre des Arius wird verurteilt. Das erste Konzil von Konstantinopel 381 bekräftigt die Gottheit des Heiligen Geistes. des Das Konzil von Ephesus 431 bekräftigt, dass Maria aufgrund der Gottheit Christi wahrhaftig Gottesgebärerin ist; mit diesem zentralen Mariendogma wird 431 die Irrlehre des Bischofs Nestorius verurteilt, der die Gottesmutterschaft Mariens leugnet. Das Konzil von Chalzedon 451, schenkt ein weiteres tieferes Eindringen in das Christusgeheimnis: Das Dogma der hypostatischen Union: Die Vereinigung der Göttlichen und menschlichen Natur Christi in der einen Person der Erlösers.

           

Die dogmatischen Bekenntnisse der gläubigen Bischöfe dieser Konzilien und der damaligen Zeit sind uns erhalten geblieben:

           

  1. a) Zunächst im großen Credo. Das Apostolische Glaubensbekenntnis, so genannt, weil es auf die Apostel zurückgeht, wird zum sogenannten großen Glaubensbekenntnis erweitert, das Nicäno-Konstantinopolitanum: „Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater.“ Dieses erweiterte Christusbekenntnis wird damals in das Credo eingefügt. Im Messbuch ist vorgesehen, dieses große Credo an allen Sonn- und Feiertagen zu beten.

           

  1. b) Noch ein Gebet wird im 4. Jahrhundert in die Messliturgie aufgenommen: Das Gloria Patri/Ehre sei dem Vater wird am Schluss des Introitus-/Eröffnungspsalms gesungen bzw. gebetet. Das Gloria Patri ist ein Dreifaltigkeitshymnus, in dem wir die Wesensgleichheit der drei Göttlichen Personen betonen. Das Gloria Patri wird der Irrlehre des Arius entgegengesetzt (*).

           

In untrennbarer Verbindung mit dem Glauben steht das Heilige Messopfer. Der gesamte geoffenbarte Glaube, wie er vor allem im ersten Jahrtausend durch die Konzilien entfaltet wird, findet mehr und mehr Eingang in die Gebete des Heiligen Messopfers. So wird das Heilige Messopfer auch zu einem gebeteten Glaubensbekenntnis, zum gebeteten Dogma der Kirche. Die heilige Messe baut auf dem Grundsatz: LEX ORANDI-LEX CREDENI, dh was die Kirche betet, das ist ihr Glaube. Aus diesem Grund ist unsere Bindung an das Heilige Messopfer so wichtig, um im wahren Glauben zu bleiben.

           

„Das Wort war Gott.“ Unser Glaube an die Gottheit Christi baut auf gewichtigen Zeugnissen, die absolut glaubwürdig sind: Das Zeugnis Jesu Christi selber, das Zeugnis der Apostel, der Urchristen, der heiligen Kirchenväter, der frühchristlichen Konzilien. Achten wir ganz behutsam auf die Begriffe und Inhalte des katholischen Glaubensbekenntnisses. Halten wir daran fest.

           

Rufen wir in unserem persönlichen Beten Christus auch gerne als Sohn Gottes an, zB in dieser Form: Jesus, Sohn Gottes, erbarme Dich meiner!

           

Zum Abschluss ein Gebet der Orthodoxen Kirche, aus der Liturgie des hl. Kirchenvaters Johannes Chrysostomos, gestorben 407, (Troparion ,,O monogenis“), zitiert aus: Katechismus der Katholischen Kirche, Artikel 469). Diese Liturgie verkündet und singt:

           

,,O einziggeborener Sohn und Wort Gottes, obwohl unsterblich, hast Du Dich um unseres Heiles willen gewürdigt, Fleisch anzunehmen von der heiligen Gottesmutter und allzeit jungfräulichen Maria. Du bist ohne Veränderung Mensch geworden und gekreuzigt worden, o Christus, Gott; Du hast durch Deinen Tod den Tod vernichtet; Du bist einer der heiligsten Dreifaltigkeit, mit dem Vater und dem Heiligen Geist verherrlicht; rette uns!“ Amen.

           

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