265) Maria Lichtmess 2018: Johannesprolog 11: DAS LEBEN WAR DAS LICHT DER MENSCHEN - DIE SINNFRAGE

 

Weihnachten 2017/18 – Hochamt am Maria Lichtmess 2018

Betrachtungsreihe zum Johannesprolog – Über das Geheimnis Gottes, des Lebens und der Liebe

11) „DAS LEBEN WAR DAS LICHT DER MENSCHEN“ (Joh 1,4)

DIE SINNFRAGE

Predigt von Pf. Stephan Müller für die Mütter der Pfarrgemeinde zum Standesfest der Ehefrauen

           

Simeon spricht prophetische Worte über das Göttliche Kind: „Ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel“ (Lk 2,32). GOTT wird in der Heiligen Schrift sehr oft Leben und Licht genannt. Der Apostel Johannes geht auf diesen Zusammenhang ein, er verkündet in seinem Weihnachtsevangelium: „In ihm [Christus] war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen.“ Christus sagt von sich: „Ich bin das Leben“ (Joh 14,6). Das ist die Antwort Gottes auf unser Fragen nach dem wahren Sein. Was ist echtes und wahres Leben. Und Christus sagt von sich: „Ich bin das Licht der Welt“ (Joh 8,12). Das ist die Antwort Gottes auf unser Fragen nach dem Sinn des Lebens.

           

Liebe Mütter! Euch ist mit euren Kindern in besonderer Weise die Gabe des Lebens anvertraut, mit dem Leben die Sinnvermittlung. Ich lade euch ein, mit mir ein wenig über das nachzudenken. Ich möchte euch bestärken in eurer schönen und nicht immer einfachen Berufung für Eure Kinder, zur Lebens- und Sinnfindung Eurer Kinder.

           

Leben und Licht. Wahres Sein und wahrer Sinn. Beides haben wir Menschen nur aus Gott, nicht aus uns selber. Gott hat uns ein JA zugesprochen. Er ist unser Schöpfer. Mit dem Leben hat Gott uns auch Sinn zugesprochen. Das biologische Leben allein ist für uns Menschen zu wenig. Erst wenn unserem Leben die Liebe zugesprochen wird, bekommt unser Leben Erfüllung und Sinn. Wie wahr das ist erleben wir oft genug. Viele Kinder erblicken nicht mehr das Licht der Welt. Wenn Kinder die ersten Monate ihres Lebens nicht von den Eltern angenommen werden, wenn sie nicht bejaht werden, wenn sie sozusagen nicht von liebenden Herzen und Händen aufgenommen werden, geraten sie später meist in große Krisen, das sind die schwersten Krisen, die man im Leben haben kann. Erst dann, wenn solchen Menschen das Ja der Liebe zugesprochen wird, finden sie zu sich selber, können sie das Leben annehmen und Sinn finden. Nochmals: Gott ist Leben und Licht. Gott ist derjenige, der uns die Liebe zuspricht, dh Leben und Sinn.

           

Die Sinnkrise gehört in der westlichen Welt zu den tiefsten menschlichen Nöten. Die biblische Offenbarung über Gott als Leben und Licht führt uns in den Bereich der Sinnfrage. Der hl. Thomas von Aquin sagt uns: Mit Licht (das Leben war das Licht der Menschen) ist nicht ein sinnliches Licht gemeint, sondern ein geistiges Licht, das unsere Vernunft erleuchtet. Dieses geistige Licht, das von Gott kommt, können nur wir Menschen aufnehmen, weil nur wir Menschen eine unsterbliche Geistseele haben, die dazu geschaffen ist, dieses Licht aufzunehmen. Die Tiere können das geistige Licht nicht aufnehmen, weil sie keine unsterbliche Geistseele haben.

           

Mit anderen Worten: Es geht um die ewigen Werte, die von Gott kommen, die uns im Leben tragen und erfüllen. Das Leben annehmen, das JA Gottes annehmen, der uns seine Liebe zuspricht, mit diesem Licht Gottes leben, das alles nennen wir Lebensmoral. Christliche Lebensmoral hat nichts zu tun mit rein äußeren Ge- oder Verboten. Christliche Lebensmoral bedeutet, mit dem geistigen Licht zu leben, das Gott uns gibt, unser Leben auf Sein und Sinn zu bauen. Niemand weiß besser, wie das Uhrwerk des Lebens „funktioniert“ als derjenige, der das Leben erdacht und erschaffen hat: Gott.

           

Dazu ein paar Impulse.

           

1) Die Erkenntnis von Gut und Böse:

           

Gott Vater hat das Leben der Schöpfung – Welt und Menschen – durch das Wort GUT erschaffen: „Und Gott sah, dass es gut war“, heißt es bei den einzelnen Schöpfungstagen in der Genesis. Christus sagt: „Niemand ist gut außer Gott, dem Einen“ (Lk 18,19). Das vollkommene Gutsein Gottes bleibt. Das vollkommene Gutsein der Schöpfung ist leider nicht geblieben. Durch die Versuchung des Teufels und den Sündenfall im Paradies kam das Böse in die Welt. Das Wesen der Sünde ist ein Mangel an Gutem, sagt der hl. Thomas von Aquin. Die Schöpfung und wir Menschen sind durch die Sünde verwundet.

           

Die Unterscheidung Gut und Böse, Licht und Finsternis, Sünde und Gnade, ist keine menschliche Erfindung. Der Gott der Offenbarung zeigt uns diese Grundbefindlichkeit von Gut und Böse. Wer die Unterscheidung von Gut und Böse auflöst, der vergreift sich am Gott der Offenbarung, wie die Stammeltern im Paradies, die selber bestimmen wollten, was Gut und Böse ist. Die Warnung Gottes an Adam für dieses sich vergreifen an der Vorgabe Gottes gilt für alle Zeiten: „Vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn sobald du davon isst, wirst du sterben“ (Gen 2,17). Diese Erkenntnis von Gut und Böse ist für unsere Kinder, für jeden von uns, eine wesentliche Grundlage, um zum Leben und zum Licht, zum Sein und zum Sinn, vorzudringen.

           

Im Bereich von Gut und Böse erleben wir gegenwärtig ein unbeschreibliches Chaos, auch einen großen Geisteskampf. In diesem Wertechaos haben wir eine große Hilfe von Gott erhalten: Die 10 Gebote Gottes. Gott hat die Gebote in das Herz des Menschen geschrieben, am Sinai durch Moses geoffenbart, durch Christus bekräftigt. Peter Egger (Brixen) nennt die 10 Gebote Gottes „Chancen im Wertechaos.“ Die Ge- und Verbote Gottes sind Chancen, damit wir im Bereich des Lebens und der ewigen Werte göttlichen Schutz haben, damit wir im Bereich der Sinnfrage nicht in die Sinnlosigkeit und Leere abstürzen, damit es uns gut geht im Leben, damit wir zum ewigen Ziel gelangen. Biblisch-christliche Morallehre, wie sie uns in den Geboten Gottes und der Kirche gegeben ist, bedeutet Hilfe für Sein und Sinn. An dieser Stelle darf ich zwei Buchempfehlungen aussprechen: Dr. Peter Egger: Die 10 Gebote, Chancen im Wertechaos; Dr. Herbert Madinger: Die 10 Gebote Gottes. Beide Bücher helfen sehr, in die Unterscheidung von Gut und Böse einzudringen.

           

2) Ein gemeinsames Ziel

           

Gott hat die Welt und uns Menschen auf ein Ziel hin erschaffen: Der „neue Himmel und die neue Erde“ (Offb 21,1): Die Vollendung der Schöpfung durch Gott, das Leben um des Lebens/der Liebe willen, die Freude am Leben, im Letzten die Teilhabe am Leben Gottes. Der heilige Apostel Paulus sagt es im Epheserbrief so: Wir sollen „zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen“ (Eph 4,13). Mit der hl. Taufe beginnt das Leben des Dreifaltigen Gottes in der Seele. Christus sagt es in den Abschiedsreden so: „Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast“ (Joh 17,3). Wenn unsere Kinder durch Gebet und Gottesdienst in die Freundschaft mit Jesus Christus hineinwachsen, wächst in ihren Herzen die Erkenntnis für Sein und Sinn des Lebens. An diese Stelle möchte ich euch, liebe Mütter, mit Euren Familien herzlich zur Mitfeier der Sonntagsmesse einladen.

           

3) Es gibt kein wertfreies Leben

           

Die wunderbare Sichtweise über Gott als Leben und Licht hat Konsequenzen: Das Leben ist nicht neutral, es gibt kein wertfreies Leben. Das gilt für die Schöpfung und vor allem für uns Menschen, für jedes Kind im Mutterschoß von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod. Unauslöschlich hat der Schöpfergott in das Leben, das er erschaffen hat, sein Wertesiegel eingeprägt. In diesem Siegel ist zu lesen: „Heilig! Unantastbar!“ Jede Sünde ist im Grunde genommen auch Sünde gegen das Leben. Alles, was gegen das Leben getan wird, muss vor Gott verantwortet werden (vgl. Gen 9,5). Das sagt schon die Offenbarung Gottes in der Genesis.

           

4) In die Entscheidung gerufen

           

Das Wort Gottes vom Leben und Licht ruft uns Menschen in die  Entscheidung. Die ganze Heilige Schrift ist auch ein ständiger Aufruf an uns Menschen, die richtigen sittlich moralischen Entscheidungen für Leben und Sinn zu treffen. Ohne Entscheidungen kommen wir im Leben nicht weiter. Heute ist es auch wichtig, im Bereich des Glaubens Grundsatzentscheidungen zu treffen, für die wir dann im Leben auch einstehen, zB für das tägliche Gebet, die Sonntagsmesse, die heilige Beichte usw. Die Entfaltung und Bewahrung des Glaubens sind ohne diese Grundvollzüge schlicht und einfach nicht möglich.

           

Maria, die Muttergottes, die uns in Bethlehem das Leben und das Licht geboren hat, möge euch Mütter, eure Kinder und Eure Familien beschützen und euch helfen, Eure Kinder zu führen und zu begleiten, damit sie in Sein und Sinn des Lebens hineinwachsen.

           

Abschließend ein kleines Gebet von Dr. Herbert Madinger:

           

Gott, ich danke Dir, dass ich Dich gefunden habe! Ohne Dich wäre mein Leben wie ein Nichts; wie ein Nebel, der vergeht, und wie Wasser, das im Boden versickert. Gott, wohin sollte ich gehen, wenn sich mein Leben zu Ende neigt? Du allein bist das Ziel, Du bist die Heimat, Du bist das Vaterherz. Du nimmst mich auf. Du bist der Lohn für alle Mühe am Ende eines langen Kreuzweges. Gott, wenn ich Dich nicht hätte: Wo gäbe es dann noch einen Maßstab für Gut und Böse? Was ist gut? Was ist böse? Gott, Du allein bist der Gute. Du bist der Maßstab für mein Leben. Deinetwegen liebe ich das Gute. Und Deinetwegen nehme ich alles auf mich, um gut zu sein und gut zu werden. Vater im Himmel, ich will gut werden, damit ich Dein werden kann! Ich danke Dir, Vater, dass Du mich mahnst zum Guten. Du sprichst in meinem Inneren: „Bleib gut! Dann wirst du Mich sehen!“ Amen.

           

Dr.       Herbert Madinger, Die Heilige Messe, Wien 1993, Seite 58-59

 

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