264) 4. Sonntag im JK 2018: Johannesprolog 10: DIE EWIGE WAHRHEIT UND DIE ABERGEISTER

 

Hochamt am 4. Sonntag im Jahreskreis

Betrachtungsreihe zum Johannesprolog – Über das Geheimnis Gottes, des Lebens und der Liebe

10) "DIE GNADE UND DIE WAHRHEIT KAMEN DURCH JESUS CHRISTUS" (Joh 1,17)

DIE EWIGE WAHRHEIT UND DIE ABERGEISTER

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Wenn Christus lehrt, tut sich etwas. Die Menschen merken: Der da vor ihnen steht ist ganz anders als ihre Rabbinen und Gelehrten, die sonst an jedem Sabbat lehren. Sie machen die Erfahrung Göttlicher Vollmacht. Sie sind betroffen von seiner Lehre (Mk 1,22). Warum ist das so? Weil Christus GOTT ist. Johannes bezeugt im Prolog über den Herrn: Er ist Leben, Licht, Wahrheit. Wo wir Menschen mit Christus, der ewigen Wahrheit, konfrontiert werden, treten verschiedenste Reaktionen ein: Wir horchen auf, werden stutzig, erregt, staunen, werden fassungslos, erschüttert, getroffen usw. Auch Zorn und Ablehnung können die Folgen sein.

           

Wenn Christus lehrt, geschieht noch etwas. Nicht nur wir Menschen, auch die Welt der Geister gerät in Bewegung. Auch das geschieht in Kapharnaum. Ein Mann mit einem unreinen Geist beginnt zu schreien. Achten wir bitte genau auf den Text des Evangeliums. Nicht der Mann beginnt zu schreien, sondern der Dämon in ihm. Christus führt einen Exorzismus durch, eine Dämonenaustreibung. Der unreine Geist verlässt den Mann mit lautem Geschrei. So bezeugt es der hl. Evangelist Markus.

           

Der Apostel Johannes zeigt uns in seinem Weihnachtsevangelium, dem Prolog, dass mit Christus auch die ewige Wahrheit in die Welt gekommen ist: „Die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus.“ Das Ereignis in der Synagoge von Kapharnaum am Beginn des öffentlichen Wirkens Christi zeigt uns: Christus entlarvt und überwindet die unreinen Geister. Auch nach 2000 Jahren kann uns dieses Ereignis noch Vieles und Wertvolles für unser Leben sagen.

           

In einer bekannten Bibelübersetzung (Friedolin Stier) ist das griechische Wort Dämon sehr treffend immer mit Abergeist übersetzt. Die Dämonen sind die Abergeister. In der deutschen Sprache wird das Wort aber auch im Sinn von verkehrt verwendet. ZB beim Begriff Aberglaube. Aber-Glaube bedeutet verkehrter Glaube, falscher Glaube. Die Aber-Geister sind im Gegensatz zu den heiligen Engeln des Himmels die verkehrten Engel, die falschen Engel, die durch den Abfall von Gott zu Dämonen geworden sind. Mit Abergeister ist etwas über das Wesen der Dämonen ausgesagt. Im Paradies übergibt Gott dem Adam die ganze herrliche Schöpfung, alles darf er gebrauchen, nur vom Baum des Lebens und vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darf er nicht essen. Gemeint ist: Sein und Sinn des Lebens sind nicht von uns Menschen gemacht, sondern vom Schöpfer vorgegeben. „Sobald du davon isst, wirst du sterben“ (Gen 2,17). Der Dämon, der Abergeist, sagt zu Eva: „Nein, ihr werdet nicht sterben“ (Gen 3,4). Goethe lässt in seiner Tragödie Faust Mephisto, den Teufel, sagen: „Ich bin der Geist, der stets verneint.“ In diesem Punkt trifft der Dichter den Nagel tatsächlich auf den Kopf. Die unreinen Geister sind diejenigen, die alles verneinen, die „Nein-Geister“, könnten wir sie auch nennen. Sie versuchen alles zu untergraben, jedes JA, jede Wahrheit, jede Überzeugung, jede Vorgabe, jedes Gebot, jeden Wert. Die Abergeister lassen nichts unwidersprochen. 

           

Wie arbeiten die Abergeister bei uns Menschen? Da die Abergeister reine Geistwesen sind, arbeiten sie auf der geistigen Ebene. Sie wollen auf die Geisteskräfte der Seele Einfluss nehmen, auf unser Denken, Wollen und Lieben: Sie versuchen, unser Denken zu „benebeln“, für die übernatürlichen Wahrheiten unempfänglich zu machen; sie versuchen unseren Willen zu schwächen, damit wir keine wichtigen Entscheidungen treffen; sie versuchen, in der Liebe unsere Egozentrik zu anzustacheln, damit wir nicht mehr zur Hingabe und Bindung fähig sind. Warum tun sie das? Die Abergeister wollen erreichen, dass wir Menschen nicht zum wahren Glauben an Gott kommen, nicht zum Lieben, nicht zur Erfüllung des Willens Gottes. Mit anderen Worten: Die Abergeister wollen erreichen, dass wir in den Schein, in das Scheinglück, in die Selbsttäuschung, in die Lüge abgleiten. Kurz: Die Abergeister wollen uns zur Verneinung Gottes, zur Verneinung des Lebens und zum ewigen Verderben führen, in das sie selber durch ihr Nein zu Gott hineingeraten sind. In unserer Zeitepoche werden viele Nein gesprochen. In dieser Hinsicht leben wir uns in einer „dämonisierten“ Zeitepoche.

           

Eine Gattung der Abergeister begegnet uns im Alltag, vielleicht ohne dass wir es merken, immer dann, wenn das Aber unseren Lebensmut, Lebenseinsatz, Lebensfreude zu behindern sucht: „Aber das kann ich nicht, aber das rentiert sich doch nicht, aber was werden die Leute sagen, aber das ist doch nicht zeitgemäß, aber mich mag doch niemand, aber warum soll ich am Sonntag in die Kirche gehen…“

           

Der Exorzismus in der Synagoge von Kapharnaum, ja das gesamte Leben Christi, sind signifikant: Wo Christus auftritt, werden die Abergeister aufgescheucht. Sie können sich nicht mehr verstecken. Dann werden sie ausgetrieben, sie müssen von Menschen und Orten weichen. Das laute Aufschreien der Abergeister ist ein Zeichen für Christus, seine Gottheit, seine Vollmacht. „Ich weiß wer du bist, der Heilige Gottes“ (Mk 1,24), muss der Dämon bekennen; ein Zeichen, dass das Reich der Finsternis in den Seelen weicht, das Reich Gottes wächst und sich ausbreitet.

           

Das Ereignis in der Synagoge von Kapharnaum steht für die gesamte Kirchengeschichte, auch für heute. Immer, wenn die Kirche mit göttlicher Vollmacht das Evangelium verkündet, die Wahrheit lehrt, auch gegen den vorherrschenden Zeitgeist, werden die Abergeister aufgescheucht, sie können sich nicht mehr verstecken. Ein paar Beispiele. Als Papst Paul VI. 1968 in der Enzyklika Humane vitae die Wahrheit über die Weitergabe des menschlichen Lebens verkündete, als Papst Benedikt XVI. im September 2006 in Regensburg etwas Wahres über die Religionen aussprach, dass Religion und Gewalt sich nicht vertragen, ging in der ganzen Welt ein Aufschrei durch die Medien, die Abergeister meldeten sich. Ganz allgemein sind die Medien manchmal wie ein Karussell, auf das die Abergeister gerne aufsitzen und kräftig mitdrehen. Je mehr Getaufte nicht nach dem Evangelium leben, desto mehr „Geschrei“ können Abergeister machen, wenn sie aufgescheucht werden.

           

Doch um die Tätigkeit der Abergeister zu erkennen, brauchen wir nicht an solche großen Ereignisse denken. Jeder Priester kann Heiteres und Ernstes berichten. Wenn ein Amtsträger der Kirche den Mut hat, für die Wahrheit Christi einzutreten, melden sich die Abergeister zur Genüge. Das „Geschrei“ der Abergeister reicht, ganz allgemein im Blick auf die Welt und die verfolgten Christen gesagt, von der bewussten Verneinung der Wahrheit Christi über wüste Beschimpfungen bis, wenn Gott es zulässt, zu materiellen Schäden, auch das Martyrium nicht ausgeschlossen. Wenn heute Verkünder des Evangeliums keinen Widerspruch erfahren und bei den Menschen nur mehr gut ankommen muss man sich fragen, ob die Wahrheit Christi noch verkündet wird. Christus warnt die Apostel: „Wehe euch, wenn euch alle Menschen loben“ (Lk 6,26).

           

Tatsache ist: Durch das Heilige der Liturgie – das Heilige Messopfer ist Gegenwart des Gottessohnes - scheucht Christus die Abergeister auch heute auf. Das ist beim katholischen Gottesdienst in gewisser Weise „normal“. Wenn sich bei der Liturgie manchmal Abergeister bemerkbar machen, ist das ein wohltuendes Geräusch, ein gutes Zeichen dafür, dass Christus am Werk ist. Christus macht die Abergeister nicht nur sichtbar, wie in Kapharnaum, er vertreibt er sie auch, er heilt, er hilft, wenn die Menschen die Hilfe annehmen. Die Heilung geschieht durch das Annehmen der Wahrheit; eine große Hilfe ist bei diesem Heilungsprozess die heilige Beichte. Wie ist es bei uns selber? Haben Abergeister über uns Macht? Kennen wir sie?

           

Der heilige Paulus sagt uns im Brief an die Korinther: „Der Sohn Gottes, Jesus Christus, ist nicht als Ja und Nein zugleich gekommen; in ihm ist das Ja verwirklicht“ (2 Kor 1,19). Christus will uns Menschen von allen Abergeistern befreien, er will uns befähigen, das JA Gottes, das JA des Lebens zu verwirklichen. Es gibt einen Menschen, der nie in das Nein der Abergeister hineingeraten ist, die Gottesmutter Maria. Ihr Ja-Wort bei der Verkündigung trifft ihr ganzes Leben. Bei ihr, der Gottesgebärerin und unserer Mutter, finden wir Schutz und Hilfe, alle Nein zu überwinden und das Ja zu leben, damit wir aufblühen. Amen.

            

 

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