263) 3. Sonntag im Jahreskreis 2018: Johannesprolog 9: JOHANNES LEGTE ZEUGNIS FÜR IHN AB - ZEUGNISGEBEN

 

Weihnachten 2017/18 – Hochamt am 3. Sonntag im Jahreskreis

Betrachtungsreihe zum Johannesprolog – Über das Geheimnis Gottes, des Lebens und der Liebe

8) „JOHANNES LEGTE ZEUGNIS FÜR IHN AB“ (Joh 1,15)

ZEUGNIS FÜR CHRISTUS

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

In Isenheim im Elsass befindet sich ein berühmter gotischer Flügelaltar. Anfang des 16. Jahrhundert (1512-1516) bemalte Matthias Grünewald die Altartafeln. Nach seinem Aufstellungsort wird er der Isenheimer Altar genannt. Der geschlossene Flügelaltar zeigt in der Fastenzeit den Gekreuzigten, Maria Magdalena, die Mater Dolorosa, wie sie in tiefsten Leiden beim Kreuz steht und vom Apostel Johannes in den Armen gehalten wird. Diese biblisch bezeugten Personen beim Kreuz sind ergänzt mit einem Mann, der historisch nicht zur Kreuzigungsgruppe gehört: Johannes der Täufer. Rechts vom Gekreuzigten sehen wir Johannes den Täufer, wie er mit erhobenem Arm und markantem Zeigefinger auf Christus hinweist. Zu seinen Füßen sieht man ein Lamm. Der Künstler Matthias Grünewald gibt dem Altarbild mit Johannes dem Täufer eine besondere theologische Aussage: „Seht da am Kreuz, das für uns geschlachtete Lamm Gottes.“

           

Im heutigen Sonntagsevangelium begegnen uns beide: Johannes der Täufer und Christus. Wir hörten die kurze Notiz: Johannes ist ins Gefängnis geworfen. Sein Auftrag geht zu Ende. Bald wird er als Blutzeuge sein Leben für den geben, auf den er hinweisen durfte. Nun beginnt die Zeit für Christus. Mit dem Weinwunder von Kana tritt Christus aus der Verborgenheit in Nazareth heraus. Er geht zu den Menschen. Er beginnt zu lehren. Der Inhalt seiner ersten Predigt: Mit IHM ist Gott zu uns gekommen. Er ruft zu Umkehr und Glaube. Der Apostel Johannes erwähnt im Prolog zwei Mal Johannes den Täufer und seine besondere Sendung. „Johannes legte Zeugnis für ihn ab“. Lassen wir uns inspirieren, über die Bedeutung des Zeugnisses nachzudenken.

           

Das Leben von Johannes dem Täufer ist - wie es Matthias Grünewald am Isenheimer Altar andeutet - wie ein Zeigefinger, der uns auf Christus verweist. Er ist das wahre Lamm Gottes, das am Kreuz um unserer Erlösung willen geschlachtet wurde.

           

Johannes der Täufer ist auch ein Zeigefinger für die Wahrheit, auch für die Wahrheit der Ehe. Er hält dem König Herodes die unrechtmäßige Ehe vor. Herodes lässt den unbequemen Mahner mit dem Schwert aus dem Weg räumen. Weil er für die Wahrheit stirbt, stirbt er für Christus, der gesagt hat: „Ich bin die Wahrheit“ (Joh 14,6).

           

Indirekt verweist uns Johannes der Täufer auch auf das Heilige Messopfer, wie es am Isenheimer Altar angedeutet ist. Bei der Heiligen Wandlung ist Christus das geopferte Lamm, das uns die Früchte und Gnaden seines erlösenden Kreuzes zuwendet. Wenn der Priester bei der Heiligen Wandlung die Heilige Hostie emporhebt, ist diese Hostie das geopferte Lamm, das am Kreuz für uns starb. Der Begriff Hostie heißt übersetzt Opfer. Bei jedem Heiligen Messopfer hören wir das Zeugnis Johannes des Täufers: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.“

           

„Johannes legte Zeugnis für ihn ab.“ Die Kirche darf dieses Zeugnis für den Sohn Gottes weiterschreiben. Auch wir dürfen dieses Zeugnis mit unserem Leben weiterschreiben. Die Kirche will auch für die Menschen unserer Tage wie ein Zeigefinger sein: „Seht das Lamm Gottes. Seht da die Heiligen Wunden, die zu eurer Erlösung geführt haben. Seht das hochheilige Geheimnis des Messopfers, bei dem Christus als das wahre Lamm zu unserem Heil am Altar gegenwärtig wird, um uns die Gnaden der Erlösung zu schenken.“

           

Wir können den katholischen Glauben niemandem aufdrängen, niemandem einreden, das ging früher auch nicht. Nur die äußeren Umstände wahren in einer allgemein christlich geprägten Gesellschaft günstiger. Das hat sich sehr verändert. Das einzige, das wir heute nach außen hin oft noch tun können: Selber im wahren Glauben verharren und treu bleiben. In Einheit mit der Kirche Zeugen sein: Zeugen, durch eine gelebte Liebe und Gemeinschaft mit Christus in den Sakramenten. Zeugen durch das Festhalten am zeitlosen katholischen Offenbarungsglauben. Zeugen durch das Heiligen des Sonntages. Zeugen durch das Kennen und klare Aussprechen der katholischen Glaubenswahrheiten. Zeugen durch das, was wir sind und leben. In vielen Ländern der Verfolgung ist auch das höchste Zeugnis, das Blutzeugnis, eine reale Möglichkeit. Diese Möglichkeit ist auch in unseren Ländern für die Zukunft nicht auszuschließen.

           

Jedes Zeugnis für Christus wird Frucht tragen, auf eine Art und Weise, die nur Gott kennt, und zur Stunde, die nur Gott kennt. Vielleicht wird vieles erst nach Jahren, Jahrzehnten oder gar erst nach dem Tod eines wahren Zeugen Christi Frucht tragen. Kein Zeugnis geht verloren.

           

Das Wort ist Fleisch geworden. Kommt, lasset uns anbeten. Amen.

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok