021) Fronleichnam 2012: pange lingua - tantum ergo

Hochfest Fronleichnam, 8. Juni 2012, Pfarrkirche Imsterberg

Homilie von Pf. Stephan Müller (Manuskript):

PANGE LINGUA GLORIOSI – DAS GEHEIMNIS LASST UNS KÜNDEN. TANTUM ERGO SACRAMENTUM - LASST UNS TIEFGEBEUGT VEREHREN EIN SO GROSSES SAKRAMENT. Hymnus des hl. Thomas von Aquin.

Fronleichnam ist ein Fest, das aus dem Herzen der Kirche herausgewachsen ist und uns zu diesem Herzen hinführen will: zum allerheiligsten Sakrament des Altares.

Der Inhalt dieses Festes ist, wie euch bekannt ist, ein Glaubensgeheimnis: Der große und allmächtige Gott verbirgt sich aus Liebe zu uns in der Brotsgestalt, in der Heiligen Hostie. Hinter dieser Liebe verbirgt sich eine unbegreifliche Demut Gottes. Gott ist so groß, dass er sich für uns so klein machen kann. Diese Gegenwart Gottes in der Eucharistie ist nicht symbolisch, sie ist real. Der Sohn Gottes ist mit Fleisch und Blut gegenwärtig, mit Gottheit und Menschheit. Das ist das Glaubensgeheimnis.

Dieser eucharistische Glaube ist für uns Menschen eine Herausforderung. Die Kirche hat 2000 Jahre lang von diesem Glauben nie Abstand genommen. Ganz im Gegenteil. Im Laufe der Jahrhunderte ist die Kirche durch die Heiligen und Kirchenlehrer immer tiefer in die Wahrheit über die Eucharistie hineingereift. So entstanden die großen und kunstvollen Dome, Kathedralen, die wunderbaren Dorfkirchen, so entstand auch das Fronleichnamsfest. Fronleichnam ist nichts anderes als ein Glaubensbekenntnis zum Eucharistischen Christus. Dieses Glaubensgeheimnis ist auch der Grund dafür, dass wir heute hier versammelt sind.

Der Heilige Thomas von Aquin hat die liturgischen Gebete und die Hymnen dieses Festes geschrieben. Er beginnt einen Fronleichnamshymnus mit den Worten: „PANGE LINGUA GLORIOSI – DAS GEHEIMNIS LASST UNS KÜNDEN“. Dieses Geheimnis stellt uns dieses Fest neu vor Augen. Wir dürfen es hören, wir dürfen es neu in unsere Herzen aufnehmen. Wir wollen es verehren und anbeten. Alles, was wir heute tun, soll diesen Glauben in unseren Herzen stärken, diesen Glauben bekennen. Was jeder einzelne von euch heute beiträgt, soll diesen Glauben ausdrücken: „Christus, du bist der Sohn Gottes, du bist am Kreuz für uns gestorben und auferstanden. Du hast beim Letzten Abendmahl das Sakrament deines Leibes und Blutes eingesetzt, um in Deiner Kirche leben und wirken zu können. Du hast uns die Hl. Messe geschenkt, in der Dein erlösendes Kreuzesopfer unter uns gegenwärtig bleibt. Du bist bei uns. Du gehst mit uns, in Freud und Leid, in Gesundheit und Krankheit, in den Höhen und Tiefen des Lebens. Du bist der Emmanuel, der Gott mit uns. Du rufst uns, Dir zu folgen. Dafür danken wir dir heute mit einem Herzen voller Freude, voller Dankbarkeit, voller Liebe.“

Für die Feier des Fronleichnamsfestes ist eine Unterscheidung sehr wichtig:

Da ist einerseits das Glaubensgeheimnis der Eucharistie: Der große und allmächtige Gott verbirgt sich aus Liebe zu uns in der Brotsgestalt, in der Heiligen Hostie, in unbegreifliche Demut. Diese Demut Gottes fordert von uns ein Mindestmaß an Demut: die Eucharistie glaubend annehmen, sie in aufrichtiger Liebe und Dankbarkeit verehren, anbeten, sie würdig empfangen. Das Mindeste, was von uns gefordert ist: sie respektieren.

Das andere: Wir dürfen die Eucharistie nicht egoistisch für unsere weltlichen Ansprüche instrumentalisieren. Das würde dann geschehen, wenn wir die Eucharistie auf unsere menschliche Ebene herunterziehen, sie als etwas Gewöhnliches behandeln; wenn wir die Prozession als eine „Präsentation“ sehen würden; sie ist viel mehr eine „Demonstration“, eine Kundgebung, ein Zeugnis des Glaubens, ein Akt des Gebetes der Anbetung. Instrumentalisierung der Hl. Kommunion geschieht z.B. auch dann, wenn die Medien die Eucharistie dazu benützen, um gegen die Kirche anzugehen. Unsere Medien leisten in dieser Hinsicht immer wieder kräftige Arbeit. Wie sehr manche Medien Glaubens- und kirchenfeindlich arbeiten, erleben wir seit vielen Jahren. Es ist etwas sehr Trauriges, wenn die Heilige Kommunion von den Medien instrumentalisiert wird, um gegen den Glauben und gegen die Kirche und gegen die Priester zu arbeiten, die den Glauben verkünden. Das bringt auch keinen Segen. Doch eines berücksichtigen die Medien nicht: die vielen Gläubigen, auch bei euch, die das Geheimnis der Eucharistie nicht nur respektieren, sondern mit Glaube, mit Ehrfrucht und Liebe behandeln, nicht oberflächlich und Gedankenlos, und würdig kommunizieren.

Mit diesem Eucharistischen Geheimnis verbunden ist das Priestertum, das Christus beim Letzten Abendmahl zusammen mit der Eucharistie gestiftet hat. Wer in einem Dorf den Dienst eines Priesters, eines Pfarrers will, wird den ganzen Dienst eines Priesters, wie ihn die Kirche vorgibt, annehmen, nicht nur einen Teil dieses Dienstes. Wenn z.B. ein Paar heiratet, wird der Bräutigam seine Braut als Ganzes annehmen, so wie sie ist, mit all den Gaben, mit denen Gott ihrer Seele und ihren Leib ausgestattet hat. Auch der Dienst eines Priesters will als Ganzes angenommen werden. Zu diesem Dienst gehören die Verkündigung des ganzen katholischen Glaubens und die Verwaltung der Sakramente. Der Priester ist Verwalter und Ausspender der Geheimnisse Gottes, wie der hl. Paulus sagt (1 Kor 4,1). Der Priester ist Diener und Schützer des Allerheiligsten. Ich möchte heute die Gelegenheit nützen, allen zu danken die mir helfen, diesen Dienst gut zu verwalten, so wie Christus es von seinen Priestern erwartet, so wie die Kirche, die auf dem Felsen Petri gebaut ist, es von ihren Priestern erwartet. Vergelts´ Gott!

Thomas von Aquin, aus seinem Fronleichnamshymnus:

PANGE LINGUA GLORIOSI CORPORIS MYSTERIUM:

Preise, Zunge, das Geheimnis dieses Leibs voll Herrlichkeit und des unschätzbaren Blutes,

das, zum Heil der Welt geweiht, Jesus Christus vergossen hat, Herr der Völker aller Zeit.

TANTUM ERGO SACRAMENTUM VENEREMUR CERNUI:

Lasst uns tiefgebeugt verehren ein so großes Sakrament.

Amen.

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