263) 2. Sonntag im Jahreskreis 2017: Johannesprolog 8: WIR HABEN SEINE HERRLICHKEIT GESEHEN - ERFAHRUNG

 

Weihnachten 2017/18 – Hochamt am 2. Sonntag im Jahreskreis, 2018

Betrachtungsreihe zum Johannesprolog – Über das Geheimnis Gottes, des Lebens und der Liebe

8) WIR HABEN SEINE HERRLICHKEIT GESEHEN (Joh 1,14)

GOTTESERFAHRUNG

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Die biblische Hochzeit zu Kana ist weltberühmt geworden. Doch Christus ist es mit dem Weinwunder nicht um Sensation oder Berühmtheit gegangen. Das Weinwunder ist ein weihnachtliches Ereignis, ein Epiphaniegeschehen. Epiphanie heißt Erscheinung oder Offenbarung. Der zentrale Satz in diesem Bericht, der uns auf den Charakter der Offenbarung verweist: „So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn“ (Joh 2,11). Alle Wunder, die Christus gewirkt hat, zielen darauf hin, die Herrlichkeit Gottes zu offenbaren, unseren Glauben zu wecken und zu stärken. Der Apostel Johannes bezeugt in seinem Weihnachtsevangelium: „Wir haben seine Herrlichkeit gesehen.“ Es ist das selbe Wort Herrlichkeit (doxa), das Johannes in beiden Texten verwendet, im Prolog und bei der Hochzeit zu Kana.

           

Was ist das für eine Herrlichkeit, von der Johannes so sehr betont, dass er sie gesehen hat, nicht er allein, sondern auch die übrigen Apostel. Er sagt ja nicht: Ich habe seine Herrlichkeit gesehen. Er bezeugt: Wir haben sie gesehen. Wir brauchen im Evangelientext nur weiterlesen, dann erhalten wir die Antwort, was er mit Herrlichkeit meint: „Die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater.“ Der hl. Johannes betont, zusammen mit den übrigen Aposteln Zeuge der Gottheit Christi gewesen zu sein.

           

Wie haben die Apostel diese Herrlichkeit Christi, seine verborgene Gottheit, erfahren? Es sind die Erfahrungen des Jüngerseins (Guardini). So viele tiefe und unvergessliche Eindrücke konnten sich unauslöschlich in die Seelen der Apostel einprägen: Bei ihrer Berufung, denken wir zB an den wunderbaren Fischfang des Apostels Petrus, in den vielen Stunden des Zusammenseins mit Christus, bei Gesprächen, beim Gebet in der Einsamkeit, bei den Krankenheilungen, bei den Totenerweckungen, bei der Verklärung auf dem Tabor, als sie den Auferstandenen in ihrer Mitte hatten, als sie seine Wunden berühren durften usw. Bei all diesen Ereignissen ist den Aposteln die Herrlichkeit Christi aufgeleuchtet, hat Christus seine Gottheit durchscheinen lassen.

           

„Wir haben seine Herrlichkeit gesehen.“ Was kann das für uns heute bedeuten?

           

1) Besondere Begegnungen mit dem Herrn

Am Beginn des Glaubensweges der Apostel steht - nennen wir es bewusst so - eine Erfahrung der Herrlichkeit Gottes, dh eine Gotteserfahrung. Heute ist es nicht anders. Niemand wird die Kraft haben, Jesus Christus nachzufolgen - als Getaufter und Gefirmter, als Priester, im Ordensstand, im Ehestand - wenn er nicht in irgendeiner Weise seine barmherzige Liebe erfahren hat. Es muss nicht ein spektakuläres Ereignis oder eine außergewönliche Bekehrung sein, das gibt es natürlich auch. Jeder, der dem Ruf Christi gefolgt ist, wird von ganz persönlichen Gnaden und Begegnungen mit dem Herrn berichten können, die oft anderen nicht mitteilbar sind.

           

Je mehr Christusnachfolge im Leben zur Kreuzesnachfolge wird, desto tiefer ist vielleicht die Erfahrung der Herrlichkeit Gottes am Beginn oder einfach im Leben, damit man die Kraft hat zur Treue bis zum Tod. Wenn man den Weg der Christusnachfolge bereits geht, besteht das Normale auf diesem Weg nicht in außergewöhnlichen Erlebnissen, nicht in besonderen Gefühlen und „Erfahrungen“, es kann nicht immer Tabor oder Ostersonntag sein. Der gewöhnliche Weg der Christusnachfolge besteht, wie der hl. Apostel Petrus bezeugt, im nüchternen und wachsamen Glauben (1 Petr 5,8).

           

2) Gotteserfahrung durch Liturgie und menschliche Güte

Es gibt, ich möchte es so ausdrücken, zwei grundsätzliche Wege, die Herrlichkeit Christi zu erfahren. Der erste Weg ist die Liturgie der Kirche. Natürlich hat die Kirche die äußere Entfaltung des Messritus geordnet, begleitet, manchmal korrigiert. Doch selbstverständlich ist das Wesen des Heiligen Messopfers göttlich und nicht menschlich, es kommt von Christus, nicht von der Kirche. Das Heilige Messopfer schenkt uns im Kleid heiliger Zeichen und Zeremonien die reale, wirkliche Gegenwart des Sohnes Gottes. Aus diesem Grund hat die Kirche für den Gottesdienst immer das Schönste, Kostbarste und Edelste aufgewandt. Die sichtbare Schönheit des Kultes ist ein Hinweis auf die unsichtbare Herrlichkeit Christi, der im Heiligen Messopfer vom Himmel auf die Erde als unser Erlöser zu uns herabsteigt. Die Orthodoxen Kirchen haben einen besonderen Sinn für das Heilige und Göttliche der Liturgie. Sie haben für das Heilige Messopfer auch einen besonderen Name: Die Göttliche Liturgie.

           

Wo in der Kirche nicht mehr an das Göttliche des Heiligen Messopfers geglaubt wird, verschieben sich wesentliche Akzente, besteht die Gefahr, dass nicht GOTT sondern der Mensch, das Selbstgemachte und die Selbstfeier im Mittelpunkt stehen, am Ende steht der gegenseitige Applaus; in der Folge ist die Herrlichkeit Christi nicht mehr erkennbar. Doch wo das Wesen der Liturgie zerfällt, da zerfällt, wie Benedikt XVI. betont hat, auch die Kirche. 

           

Johannes Paul II. hat 2004, ein Jahr vor seinem Tod, eine Verordnung herausgegeben, mit der er die Missstände beim Gottesdienst korrigieren wollte: REDEMPTIONIS SACRAMENTUM. Dieses Dokument ist wie ein Herzensaufschrei und Herzensdokument dieses Papstes, den wir so geliebt haben. Leider ist dieses so wichtige Dokument vielfach ungehört und nicht befolgt in der Kirche übergangen worden. Johannes Paul II: sagt uns: „Die Missbräuche [bei der Feier der Heiligen Messe] tragen «zur Verdunkelung des rechten Glaubens und der katholischen Lehre über dieses wunderbare Sakrament» bei. So wird auch erschwert, dass «die Gläubigen in gewisser Weise die Erfahrung der beiden Emmausjünger machen können: «Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn.» Weil die Kraft und Gottheit des Herrn und der Glanz seiner Güte besonders im Sakrament der Eucharistie offenbar werden, ist es geziemend, dass alle Gläubigen den Sinn für die anbetungswürdige Majestät Gottes nähren und pflegen, den sie durch das heilbringende Leiden des eingeborenen Sohnes empfangen haben“ (Redemptionis Sacramentum, 6).

           

Wir erleben in unseren Tagen Menschen mit leeren, sinnleeren, traurigen… Seelen, es spiegelt sich in ihren Gesichtern. Wir dürfen als Glaubende durch die Liturgie die Erfahrung der Herrlichkeit Christi machen, das gilt für die schlichte Werktagsmesse bis zum feierlichen Hochamt, die stille Anbetung… Die Herrlichkeit Christi - seine Gottheit - können wir nicht verstehen. Das ist ein Geheimnis. Verehren wir es, beten wir es an. Auch das Göttliche der Liturgie können wir nicht verstehen. Halten wir es heilig.

 

Wichtig ist, dass wir zum Gottesdienst kommen und die Herrlichkeit Christi hineinstrahlen lassen in unsere Seele. Das gibt uns Erfüllung, Sinn, Freude, Frieden...  Unsere Seele wird von Himmlischen erfüllt und wir können wieder neu und gut starten in eine Arbeitswoche, können unseren Mitmenschen aus unserem Herzen heraus wieder schenken. Wir erhalten auch die Kraft, einen zweiten Weg zu beschreiten, der zur Erfahrung der Herrlichkeit führt, er ist nicht weniger wichtig als die Liturgie: die menschliche Güte im Leben. Die Liturgie ist deshalb von Bedeutung, weil sie unsere Herzen zur Güte führt und anspornt. Mit kleinen oder größeren Taten der Güte kann man anderen Menschen ermöglichen, Gott zu erfahren. Wir brauchen heute Katholiken, die mit Johannes bezeugen können: „Wir haben seine Herrlichkeit gesehen.“ Amen.

 

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