261) Dreikönig 2018: Johannesprolog 6: DIE SEINEN NAHMEN IHN NICHT AUF - RAUM UND PLATZ FÜR GOTT?

 

Weihnachten 2017 – Hochamt an Dreikönig – 6.1.2018

Betrachtungsreihe zum Johannesprolog – Über das Geheimnis Gottes, des Lebens und der Liebe

6) ER KAM IN SEIN EIGENTUM –

ABER DIE SEINEN NAHMEN IHN NICHT AUF (Joh 1,11)

PLATZ UND RAUM FÜR GOTT?

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Der Apostel Johannes hat mit seinem Weihnachtsevangelium eine ganz eigene Absicht. Er vertieft das, was die anderen Evangelisten berichten. Er stellt es in einen größeren Zusammenhang (Guadrini), er zeigt uns etwas Grundsätzliches, wenn er über Christus schreibt: „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ Was will Johannes damit sagen?

           

„Er (der Sohn Gottes) kam in sein Eigentum.“ Die Welt ist Eigentum Christi, sie gehört ihm. Warum? Weil die Welt durch Christus erschaffen ist. Johannes sagt: Der Sohn Gottes kommt zu den „Seinen.“ Das drückt ein inniges Liebes- und Vertrauensverhältnis aus, das zwischen Christus und uns Menschen besteht. Wir kennen das aus der Erfahrung der Familie. Über uns nahestehende sagen wir gerne: die „Meinen“. Wie viel mehr bedeuten wir dem Sohn Gottes, weil er unser Schöpfer ist, weil er Mensch geworden und für uns am Kreuz gestorben ist. Der heilige Apostel Paulus hat die Christen in  Korinth einmal sehr energisch daran erinnert, dass sie Christus gehören: „Ihr gehört nicht euch selbst; denn um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden“ (1 Kor 6,19-20). Durch Schöpfung und Erlösung Eigentum Gottes sein bedeutet grundsätzlich auch: Gott hat ein Recht auf uns. Auch wenn er das von uns in diesem Leben sozusagen nicht einfordert, nicht erzwingt. Er hat ein Recht auf uns.

           

Umso unbegreiflicher und furchtbarer ist das, was dann eintritt: Der Sohn Gottes kommt in sein Eigentum, zu den Seinen, die er liebt, doch die Seinen nehmen ihn nicht auf. Hier ist zuerst Betlehem gemeint. Der Davidssohn findet in seiner Stadt keine Aufnahme. Der Sohn Gottes ist bei seiner Geburt ein Ausgestoßener. Er muss in einer Höhle zur Welt kommen. Dann ist Israel als Volk gemeint, das berufen war, sein Kommen vorzubereiten. Man will ihn nicht. König Herodes und die Leute von Jerusalem erschrecken, als sie aus dem Mund der Heiligen Drei Könige von der Geburt des Messias hören. Die Hohenpriester Israels und die Priesterschaft wissen genau, wo der Messias geboren wird, sie zitieren dem Herodes sogar die Heilige Schrift, doch sie gehen nicht nach Betlehem; das Messiaskind passt nicht in ihr Konzept. Schließlich ist die ganze Menschheit gemeint. Der, durch den die Welt geworden ist, wird nicht gehört und nicht angenommen. Wo Gott abgelehnt wird, wird das Leben abgelehnt, verfällt der Mensch dem Tod.

           

„Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ Diese Worte gehen uns alle an. Die Gesellschaft als Ganzes, das Land, das Volk, jede Familie, jeden Einzelnen. Wie ist es bei uns heute? Wie sehen wir uns selber? Sehen wir uns als Eigentum Gottes? Sehen wir uns als die Seinen? Wie verhalten wir uns? Kann Gott bei uns eintreten? Haben wir heute Platz und Raum für Gott? In unserem Terminkalender? In unserem Sonntag? An unseren gebotenen kirchlichen Feiertagen? In unserem Werktag? In unserer Freizeit? In unserem Tagesablauf? Oder haben wir alle Räume unseres Lebenshauses, unseres Denkens, unseres Handelns schon besetzt und vergeben? Für was? Für wen? Vielleicht für uns selber? 

           

Haben wir auch Platz und Raum für den Nächsten? Zuerst in der eigenen Familie, für jemanden, der vielleicht ein gutes Wort braucht, einen Besuch, eine materielle Hilfe? Für den Nächsten in der Ferne?

           

„Er kam in sein Eigentum, doch die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ Gott sei Dank ist diese traurige und negative Nachricht des Evangeliums nicht das einzige und letzte, was wir in den Weihnachtsevangelien finden. Es gibt auch die Menschen, die Christus aufgenommen haben. Da ist zuallererst die Liebe der Gottesmutter Maria, die Liebe und Treue des heiligen Joseph. Die Hirten, die wach und offen sind (auch seelisch), und sicher auch einige notwendige Lebensmittel bringen. Die Heiligen Drei Könige kommen aus der Ferne, von weit her, sie gleichen das aus, was das Volk Israel, das alles vor der Haustüre hat, tragisch versäumt und ablehnt. Das Gold, das sie brachten, war auch eine notwendige Existenzgrundlage für die Flucht nach Ägypten. Im Evangelium von Dreikönig ist ein Haus erwähnt, in dem die Heilige Familie war. Es muss also jemanden in Betlehem gegeben haben, der sich gesagt hat: Diese Familie mit dem Neugeborenen in einer Höhle, das ist eine Zumutung. So konnte die Heilige Familie von der Höhle in ein Haus übersiedeln.

           

Die Weihnachtsbotschaft ist zu allen Zeiten Realität. Sie lässt uns das Dunkel der Welt sehen, die oft verschlossen und gottlos ist. Die Weihnachtbotschaft zeigt uns aber auch, dass sich der Sohn Gottes aus seiner Welt nicht aussperren lässt. ER findet immer wieder den Weg zu offenen Türen und Herzen, und wenn er durch die Stalltür – die Armut von Betlehem oder die Not des Kreuzes - eintreten muss.

           

Auch heute gibt es Menschen, die den Sohn Gottes aufnehmen und auch die Mitmenschen nicht vergessen. Unsere Kinder, Firmlinge und Ministranten, die als Sternsinger unterwegs waren, haben mit ihrem persönlichen Einsatz und ihrer Zeit etwas für Menschen in Not getan und den Segenswunsch Christi in unsere Häuser gebracht. Auch das ist ein Licht. Es ist nicht mehr die Mehrheit unserer Gesellschaft, die für Gott und die Kirche offen ist, doch dafür sind diejenigen, die sich öffnen, wahre Lichtträger und Zeugen, so wie die Heiligen  Drei Könige.

           

Beim Heiligen Messopfer spricht das Ewige Wort des Vaters, Christus, heute zu uns. Das Wort will zum Glauben führen, der Glaube führt zur Aufnahme Gottes. Durch das Heilige der Liturgie fällt das Licht des Erlösers in unser Leben herein (Benedikt XVI.). Mögen die ersten Menschen an der Krippe uns helfen, uns für Gott zu öffnen und mit Gottes Hilfe für die Menschen.

           

Mit der Heiligen Familie, mit den Hirten und den Heiligen Drei Königen wollen wir bekennen: Das Wort ist Fleisch geworden. Kommt, lasset uns anbeten. Amen.

           

 

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