262) Test der Taufe Christi: Johannesprolog 7: ALLEN DIE IHN AUFNAHMEN - DAS FREIE MITWIRKEN

 

Weihnachten 2017 – Hochamt am Fest der Taufe Jesu – 7.1.2018

Betrachtungsreihe zum Johannesprolog – Über das Geheimnis Gottes, des Lebens und der Liebe

7) ALLEN DIE IHN AUFNAHMEN GAB ER MACHT,

KINDER GOTTES ZU WERDEN (Joh 1,12)

DAS FREIE MITWIRKEN DES MENSCHEN MIT DER GNADE GOTTES

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Die ganze Schöpfung - Kosmos und Menschheit - ist Gottes Eigentum. Gott hat in den Kosmos die Naturgesetze geschrieben. Die Gestirne in unserem Sonnensystem gehorchen, die Planeten zB ziehen ihre Bahnen, so wie es ihnen der Schöpfer vorgegeben hat. Bei uns Menschen ist das anders. Wir sind zwar durch Schöpfung und Erlösung auch Gottes Eigentum. Wir Menschen stehen jedoch in einem anderen Verhältnis zum Schöpfer als die leblose Materie. Wir Menschen funktionieren nicht wie die Gestirne durch unumstößliche Naturgesetze. Auf diese besondere Würde des Menschen verweist uns der Apostel Johannes wenn er im Prolog schreibt: „Allen, die ihn aufnahmen gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.“ Was bedeuten diese Worte?

           

Johannes sagt: Kinder Gottes werden. Was nicht gemeint ist. Wir können uns als Kinder Adams, wenn wir bei unserer Empfängnis mit der Erbschuld belastet ins Dasein treten, nicht selber von der Erbsünde befreien. Wir können uns nicht selber erlösen, uns nicht selber in den Gnadenstand versetzen, uns nicht selber zu Kindern Gottes machen. Das ist ein Werk und Geschenk Gottes. Der Apostel Johannes spricht vom Aufnehmen Christi, damit wir Kinder Gottes werden. Dieses Aufnehmen meint eben unseren Beitrag bei der Erlösung unserer Seele.

           

Johannes spricht von einer Macht, die uns gegeben ist, um Kinder Gottes zu werden. Was ist das für eine Macht? Romano Guardini verweist in einem Schriftkommentar (*) auf die Macht des freien Willens. Gott hat uns Menschen die Freiheit gegeben, aus unserer Herzensmitte heraus uns für Gott zu öffnen und zu entscheiden. Gleichzeitig ist uns damit die Möglichkeit gegeben, das nicht zu tun. Kurz: Wir können zu Gott JA oder auch NEIN sagen, mit allen Folgen, die damit verbunden sind. Die materielle Schöpfung hat diesen freien Willen nicht. Sie ist programmiert und funktioniert. Wir Menschen haben den freien Willen. Ohne diesen freien Willen wären wir wie ein Hampelmann, wie ein lebloser Computer. Der wahre Gebrauch der Freiheit besteht darin, dass wir uns entscheiden für die Wahrheit, für das Gute und Schöne, eben für Gott. Wir missbrauchen die Freiheit, wenn wir Entscheidungen treffen gegen die Wahrheit, gegen das Gute, gegen Gott. Warum Gott diesen Missbrauch der Freiheit zulässt, das NEIN zu Gott zulässt – im Paradies, in Bethlehem, zu allen Zeiten – das versteht niemand. Es hängt mit der freien Liebesfähigkeit des Menschen zusammen.

           

„Allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.“ Der hl. Thomas von Aquin sagt zusammenfassend über dieser Stelle im Johannesprolog (**): Um Kinder Gottes zu werden braucht es – bei Erwachsenen – die Macht des freien menschlichen Willens und das Wirken der Gnade Gottes. Wenn man in der hl. Taufe Kind Gottes geworden ist, sagt der hl. Thomas weiter, braucht es große Sorgfalt, die Gotteskindschaft unversehrt zu bewahren bzw. im Bußsakrament wieder zurück zu empfangen, wenn wir sie verloren haben. Niemand kann uns die Gotteskindschaft nehmen, außer wir uns selber durch die Todsünde.

           

Das Konzil von Trient hat nach den Wirren der Reformation die katholische Gnadenlehre sehr schön und sehr klar dargelegt. Über dieses Zusammenwirken freier Wille und Gnade lehrt das Tridentinum (Dekret über die Rechtfertigung, Kapitel 5). Lesen wir einen Abschnitt aus den Dekreten des Trientner Konzils; dazu möchte ich ein paar kurze Erläuterungen anfügen:

           

  • Die Rechtfertigung [Erlösung] muss beim Erwachsenen ihren Anfang von Gottes zuvorkommender Gnade durch Christus Jesus nehmen, [auf diese Gnade können wir immer bauen, jeder, für alle Situationen, bei jeder noch so großen Abkehr von Gott, immer auf die zuvorkommende Gnade Gottes bauen]
  • das heißt von seinem Ruf, durch den sie gerufen werden [das Evangelium muss verkündet werden, wir brauchen die Konfrontation mit der Lehre Christi, mit der ganzen, nicht mit einem ausgewählten Teil; unser neuer Bischof Hermann Glettler hat die Verkündigung in seinen Wahlspruch aufgenommen: geht, heilt, verkündet]
  • ohne dass ihrerseits irgendwelche Verdienste vorlägen, [wir brauchen keine Vorleistungen erbringen]
  • so dass sie, die durch ihre Sünden von Gott abgewandt waren, [Sünde ist Abwendung von Gott]
  • durch seine erweckende und helfende Gnade darauf vorbereitet werden, [der Mensch, der in Sünde lebt, wird durch eine eigene Gnade sozusagen motiviert, sich Gott zuzuwenden, zu bereuen, wieder beichten zu gehen]
  • sich durch freie Zustimmung und Mitwirkung mit dieser Gnade [das sind Dinge, die der Mensch selber tun muss, sonst geht gar nichts]
  • zu ihrer eigenen Rechtfertigung bekehren; [es gibt kein Leben mit Gott ohne Bekehrung, ohne Entscheidung für Gott und den Glauben; dies ist einer der tiefen Wunden der heutigen Getauften: Man meint, man braucht keine Bekehrung mehr; man trifft keine Grundsatzentscheidung für den Glauben, zB Sonntagsheiligung. Getaufte, die sich so verhalten, bleiben nicht nur in den Kinderschuhen stecken, sie werden als katholische Christen nicht überleben können.]
  • wenn also Gott durch die Erleuchtung des Heiligen Geistes das Herz des Menschen berührt, [wir beten vor jeder Predigt um Erleuchtung des Heiligen Geistes, auch im Leben als Stoßgebet ist das so wertvoll]
  • tut der Mensch selbst, wenn er diese Einhauchung aufnimmt, weder überhaupt nichts – er könnte sie ja auch verschmähen -, noch kann er sich andererseits ohne die Gnade Gottes durch seinen freien Willen auf die Gerechtigkeit vor ihm zubewegen. [diese Worte korrigieren die Lehre Martin Luthers]
  • Wenn daher in der Heiligen Schrift gesagt wird: „Kehrt um zu mir, und ich werde zu euch umkehren“ (Sach 1,3), werden wir an unsere Freiheit erinnert; wenn wir antworten: „Kehre uns um, Herr, zu dir, und wir werden umkehren (Klgl 5,21), bekennen wir, dass uns die Gnade Gottes zuvorkommt. Soweit aus den Dekreten des Konzils von Trient.

Maria, die Braut des Heiligen Geistes, hilft uns, die Erleuchtungen und Einhauchungen des Heiligen Geistes, die meist sehr leise sind, im Herzen und Gewissen aufzunehmen, damit wir so mit der Gnade Gottes zusammenwirken und in der Erlösung wachsen können. Wir wollen zu denen gehören, die Jesus Christus als wahren Gottessohn und einzigen Erlöser aufnehmen und von ihm volles Sein und Leben empfangen. Amen.

               

(*) Romano Guardini, Geistliche Schriftauslegung 231, Seite 21;

(**) Thomas von Aquin

 

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