260) NEUJAHR 2018: Johannesprolog 5: IN IHM WAR DAS LEBEN - DIE SEINSFRAGE

 

Weihnachten 2017 – Hochamt am Oktavtag von Weihnachten – 1.1.2018

Betrachtungsreihe zum Johannesprolog – Über das Geheimnis Gottes, des Lebens und der Liebe

5) IN IHM WAR DAS LEBEN (Joh 1,4)

CHRISTUS, SEIN UND SINN ALLEN LEBENS

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Der Apostel Johannes sagt über Jesus Christus in seinem Weihnachtsevangelium: „In ihm war das Leben.“ Die griechische Sprache, in der das Neue Testament geschrieben ist, hat für Leben zwei Begriffe: bios und zoe: bios meint einfach das Leben im Unterschied zur leblosen Materie. Zoe meint immer mehr als nur biologisches Leben, es bedeutet auch das  höhere Leben, Leben mit Sinnerfüllung. Wo die Heilige Schrift von Gott oder Christus als Leben spricht, steht nie das Wort bios/Biologie, sondern das Wort zoe, das höhere Leben, das sinnerfüllte Leben. Bereits die Wortwahl des Evangelisten ist ein Hinweis, dass Christus auch allen tieferen Sinn des Lebens in sich birgt und allem Leben - das ja ER SELBER erschaffen hat, den wahren Sinn gibt.

           

Die Natur mit ihrer Schönheit und Fruchtbarkeit ist ein Hinweis auf Gott und seine Lebensfülle. Im Buch der Weisheit heißt es: „Von der Größe und Schönheit der Geschöpfe lässt sich auf ihren Schöpfer schließen (Weish 13,5). Gott ist das Leben in sich, die Fülle des Lebens, wie wir gerne sagen. In der Sprache der Philosophie: Gott ist das absolute Sein. So hat sich Gott schon im Alten Bund dem Mose bei seiner Berufung am brennenden Dornbusch geoffenbart: Ich bin Jahwe – Ich bin der ich bin, der Seiende (Gen 3,14). Das ist das Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, der Seins- und Liebesfülle Gottes. „Ich bin Jahwe“. Christus sagt ganz dasselbe wenn er sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6). Das ist eines der besonderen Hoheitsworte, der „Ich-Bin-Worte“ Christi. „Denn wie der Vater das Leben in sich hat, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben in sich zu haben“ (Joh 5,26).

           

„In ihm war das Leben.“ Was bedeutet das für uns?

           

Für die Schöpfung: Die Schöpfung kann nur existieren, weil sie vom Schöpfer im Dasein erhalten wird.

           

Für uns Menschen allgemein. Das Zweite Vatikanische Konzil sagt in Anlehnung an die Heilige Schrift: „Das Geschöpf sinkt ohne den Schöpfer ins Nichts“ (Konstitution Gaudium et spes/Kirche in der Welt von heute, 36). Etwas von dieser Wahrheit lässt Gott alle Menschen schmerzlich erfahren: Nach dem Tod, der eine Folge der Ursünde ist, löst sich der Leib in Staub auf. Die Geistseele des Menschen ist unsterblich, sie kann sich nicht ins Nichts auflösen. Mit diesem Wort des Konzils ist gemeint: Ohne Gott, ohne Gottesbezug, ohne die Verbindung mit Gott in der Gnade, kann sich unser Leben nicht wirklich entfalten, verfallen wir der inneren Leere und Sinnlosigkeit. In Ländern mit materiellem Überfluss kann man das mehr oder weniger übertünchen, davor flüchten. Doch im Grunde genommen ist das Leben dann nur ein unlösbares Fragezeichen, ein auf der Flucht sein von einer Verzweiflung zur anderen, deshalb haben wir in den Wohlstandsländern die höchsten Selbstmordraten. „Das Geschöpf sinkt ohne den Schöpfer ins Nichts“, in die Sinnlosigkeit. Freilich können Menschen, wie wir beobachten können, ohne Gott auch leben, äußerlich oft sogar ganz gut, innerlich schaut es vielleicht anders aus. Von einem Leben ohne Gott bleibt nichts für das ewige Leben. Was keinen Ewigkeitswert hat, zerfällt ins Nichts, wie das Konzil formulierte. Der Apostel Johannes sagt es in seinem ersten Brief so: „Die Welt und ihre Begierde vergeht; wer aber den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit“ (1 Joh 2,17).  

           

Die Frage nach der wahren Religion. Das Wort Christi: „Ich bin das Leben“ ist ein Absolutheitsanspruch, der für manche nicht erträglich ist. Die religiöse Landschaft ist heute geprägt von Synkretismus: Vermischung der Religionen und Relativismus der Religionen: die Vorstellung, alle Religionen seien gleich, es gäbe keine wahre Religion. Das Licht der Offenbarung ist eindeutig. Es gibt nur den einen Erlöser Jesus Christus. Im Glauben der Kirche nennen wir ihn den Erlöser des Menschengeschlechtes. Christus  sagt von sich: „Niemand kommt zum Vater, außer durch mich“ (Joh 14,6).

           

Für uns ganz persönlich. Im Göttlichen Kind in der Krippe ist der wahre Gott und die Fülle des Lebens Gottes zu uns – zu mir - gekommen. Wir können im Gottmenschen Jesus Christus dieses Leben sehen, berühren, hören. Der Lieblingsjünger Johannes bezeugt diese Erfahrung in seinem ersten Brief: „Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens. Denn das Leben wurde geoffenbart; wir haben gesehen und bezeugen und verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns geoffenbart wurde“  (1 Joh 1,1-4).

           

Wichtig ist, dass auch wir an den Erlöser gebunden sind. Wir sind durch die Heilige Taufe und Firmung mit dem Erlöser verbunden. Welche Gnade! Welche Freude! Was uns an Christus bindet ist die Kirche, der Glaube, die Sakramente, das Gebet, die tätige Nächstenliebe, das gläubige Leben usw. Wenn wir die Verbindung mit Christus aufgeben dienen wir dem Tod und wir begeben uns in Gefahr, dem ewigen Tod zu verfallen. Wir singen im Lied: „O Jesu, all mein Leben bist Du, ohne Dich nur Tod“ (Gotteslob 472).

           

Durch die Bindung an Gott wird unser Leben zum Sein, wir überwinden den Schein, der vergeht, ins Nichts zerfällt, wie das Konzil formulierte.

           

Ein neues bürgerliches Jahr liegt vor uns. Manche Menschen machen sich gerne für ein neues Jahr einen guten Vorsatz. Eine Anregung: Ein guter Vorsatz wäre zB eine Entscheidung für Taten, mit denen wir den Glauben nähren und erhalten. Denn der Glaube führt zum Leben. ZB: täglich das Heilige Messopfer mitfeiern, monatlich beichten, die Eucharistische Anbetung pflegen. Entscheidungen zur Erhaltung und Vertiefung des katholischen Glaubens dienen auch dem Leben.

           

Maria, die Gottesmutter, hat uns Christus geboren. Sie ist die Mutter des Lebens. Sie hat die Vollmacht erhalten, vom Tod zu erretten und alle Gnaden Gottes zu vermitteln, auch, wenn notwendig, die Gnade einer guten Lebensbeichte. Maria hilft uns auch, dem Leben zu dienen, uns an Christus, das Leben zu binden. Bleiben wir nahe bei ihr und unter ihrem Schutz, damit wir nicht von den tödlichen Giften der „Kultur des Todes“ angesteckt werden, dem wahren Glauben treu bleiben und das Leben bewahren.

           

Das Wort ist Fleisch geworden. Kommt, lasset uns anbeten. Amen.

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok