259) Sonntag i.d. Weihnachtsoktav: Johannesprolog 4: ALLES IST DURCH IHN ERSCHAFFEN - SCHÖPFUNGSGLAUBE

Weihnachten 2017 – Hochamt am Sonntag in der Weihnachtsoktav

Betrachtungsreihe zum Johannesprolog – Über das Geheimnis Gottes, des Lebens und der Liebe

4) ALLES IST DURCH DAS WORT GEWORDEN (Joh 1,3)

DIE WELT IST DURCH IHN GEWORDEN (Joh 1,10) -

SCHÖPFUNGSGLAUBE

Predigt von Pf. Stephan Müller

                                              

Der Apostel Johannes darf erkennen, was der Sohn Gottes wirkt und für uns tut. Es geht, wie es Guradini formuliert, um die Taten und das Schicksal Christi in dieser. Es sind wieder erhabene und feierliche Worte, die kein Mensch von sich aus erdichten könnte: „Alles ist durch das Wort geworden. Die Welt ist durch ihn geworden.“

           

Das ist Offenbarung über den Schöpfergott. Gott ist der Schöpfer der sichtbaren und der unsichtbaren Welt, so bekennen wir im Credo. Die sichtbare Welt ist der Kosmos, die Erde, der Mensch. Die unsichtbare Welt sind die Engel. Die Schöpfung ist ein Werk des Einen und Dreifaltigen Gottes. Im Schöpfungsbericht der Genesis heißt es bei den einzelnen Tagen der Schöpfung. „Und Gott sprach“. Weil die Welt durch das allmächtige Wort Gottes erschaffen wird sagen wir, alles ist durch Christus, das ewige Wort, erschaffen. Die Urchristen hatten Hymnen, in denen Christus als Schöpfer gepriesen wird. Einen solchen Hymnus überliefert Paulus im Kolosserbrief. „Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen. Er ist vor aller Schöpfung, in ihm hat alles Bestand“ (Kol 1,16-17).

           

Der biblische Schöpfungsglaube vermittelt uns Einsichten, in denen es für einen Getauften um die allerersten Grundhaltungen im Leben geht. Auf diesen Grundhaltungen baut alles auf. Wer diese Haltungen nicht kennt oder nicht will, kann nicht tiefer eindringen. Die Heilige Schrift bezeichnet das nicht Anerkennen Gottes als Dummheit: „Die Toren sagen in ihrem Herzen: «Es gibt keinen Gott.» (Ps 53,1). Der weise Mensch erkennt DEN, durch den alles geworden ist, der auch die Welt erschaffen hat. Versuchen wir einige Einsichten, die der Schöpfungsglaube uns  gibt, kurz zu bedenken:

           

  1. a) Da ist zuerst der Unterschied Erschaffen und Schaffen. Nur Gott kann erschaffen. Erschaffen bedeutet, dass Gott etwas aus dem Nichts ins Dasein ruft. ZB „Und Gott sprach: es werde Licht, und es ward Licht“ (Gen 1,3). Wir Menschen können schaffen, jedoch nicht erschaffen. Wir können mit dem, was Gott erschaffen hat, etwas machen, wir können die Erde behüten und bebauen, wie die Genesis sagt.

           

Es gibt auch ein Zusammenwirken zwischen Schöpfer und Geschöpf. Menschen können durch Talente, die Gott ihnen gegeben hat, Schönes, Kunstvolles, Nützliches usw. wirken. Echte  Kunst macht immer auch etwas von der Schönheit, Liebe und Wahrheit Gottes sichtbar. Das würdevollste und verantwortungsvollste Zusammenwirken zwischen Schöpfer und Geschöpf hat Gott in die Hände der Eltern gelegt, wenn sie in gegenseitiger Liebe bei der Weitergabe des Lebens mit der Liebe des Schöpfergottes zusammenwirken. Über diese Würde der Eltern bei der Weitergabe des Lebens schreibt zB Papst Paul VI. in seiner Enzyklika Humanae vitae.

           

  1. b) Dann ist der Unterschied Schöpfer und Geschöpf zu erkennen. Wir Menschen sind Geschöpfe Gottes, aus seiner liebenden Hand hervorgegangen. Der Mensch als Geschöpf befindet sich jedoch in einer vollkommenen Abhängigkeit vom Schöpfergott. Das Geschöpf steht niemals auf der Ebene des Schöpfers. Im Offertorium der Schubertmesse bringen wir es so zum Ausdruck: „DU gabst, o Herr, mir Sein und Leben.“ Du hast es mir gegeben, Herr, nicht ich mir selber.

Die Ursünde im Paradies besteht darin, dass Adam und Eva ihr Leben nicht als Gabe des Schöpfergottes empfangen wollen. Sie wollen das Lebens aus sich selber haben. Das ist der Hochmut. Und Hochmut kommt vor dem Fall, sagt die Heilige Schrift (Spr 16,18). Im Grunde ist das die Urversuchung für die Menschen aller Zeiten, es geht da um die Schlüsselfrage im Leben: Anerkenne ich den Schöpfergott, begreife ich mein Leben als eine Gabe Gottes, oder will ich das Leben - bewusst oder unbewusst - aus mir selber haben? Wann immer wir Menschen selber „Gott spielen“, kann das nicht gut gehen.

           

Der Unterschied Schöpfer und Geschöpf. Philosophisch ausgedrückt: Der Mensch hat kein Selbstsein, kein Sein und Leben aus sich selbst. Der Mensch hat sein Sein als Gabe des Schöpfers empfangen. Adam und Eva wollten das nicht anerkennen, und sind dem Tod verfallen. Ein warnendes Beispiel für alle Zeiten.

           

Im ersten Gebot Gottesdu sollst an den einen Gott glauben - geht es um diese Grundsicht des Lebens. An Gott glauben bedeutet zuerst: Gott als Schöpfer und Erlöser anerkennen, sich Gott hingeben, sich Gott unterwerfen, vor Gott das Knie beugen. Es ist uns bewusst, dass diese Haltung den Lebensnerv der Neuzeit und des modernen Menschen angreift. Der aufgeklärte Mensch will, wenn man es so sagen darf, von niemand abhängig sein, auch nicht von einem Schöpfergott.

           

Es gibt einen Maßstab, an dem sich jeder selber prüfen kann: Habe ich diese Grundhaltung, auf die der ganze Glaube aufbaut? Erkenne ich Gott als Schöpfer und mich selber als Geschöpf, ganz abhängig von Gott? Dieser Maßstab ist das Anerkennen der Gebote Gottes. Wer in seinem Herzen und in seiner Lebensführung die Gebote Gottes als klaren Bezugspunkt oder Lebensordnung angenommen hat, der ehrt Gott als Schöpfer, der hat den Weg zur Freiheit der Kinder Gottes beschritten. Zwei besondere Angelpunkte innerhalb der 10 Gebote sind heutzutage das Sonntagsgebot und die Unauflöslichkeit der Ehe. Da scheiden sich die Geister.

           

Mit der Anerkennung Gottes als Schöpfer und Erlöser geben wir unserem Leben und unserem Glaubensweg das entscheidende Fundament. Ohne diese Anerkennung des Schöpfers und Erlösers ist es nicht gut möglich, über das Kreisen um das eigene Ego hinauszukommen.

           

Jedes Mitfeiern der Sonntagsmesse bedeutet ein Anerkennen Gottes als Schöpfer und Erlöser. Die Liturgie der Kirche ist zuerst ein öffentlicher Kult der Kirche, ein Akt der Anbetung und Gottesverehrung. Diese Akte der Gottesverehrung sind uns Quelle der Freude, Gnade und Kraft.

           

Gebet und Glaubensbekenntnis an der Krippe: Gott, das ist das Erstaunlichste in meinem Leben: Dass ich bin. Dass ich existiere! Dass ich vorhanden bin, lebe und denke. Ja, Vater, lass mich begreifen, dass das nicht selbstverständlich ist: Für eine kurze Spanne Zeit bin ich vorhanden. Und in diesen wenigen Augenblicken entscheidet sich meine Ewigkeit. Du hast mich gewollt. Du hast mich geschaffen. Du hast mir das Leben gegeben. Niemand hätte mir das Leben geben können. Auch nicht mein Vater, auch nicht meine Mutter. Du gabst ihnen Deine Schöpferkraft!  Gott, Du hast die Sterne, die Sonne und den Mond geschaffen, die Weite des Weltalls und den unermesslichen Raum. Du hast auch mich geschaffen! Du kennst mich. Du weißt meinen Namen. Du willst mich. Du hörst mich. Du bist mein Schöpfer, mein Herr, mein Ursprung und mein Ziel. Alles, was ich bin, verdanke ich Dir, gehört Dir. Ich bin Dein Eigentum. Ja, Gott, ich will Dir gehören.  Denn außer Dir ist niemand da, der mich schützen und lieben könnte in Ewigkeit! Gott, Du Schöpfer des Himmels und der Erde, Du Schöpfer meines Lebens: Ich gehöre Dir und will Dir immer gehören! Führe Du zur Vollendung, was Du an mir begonnen hast! Gib mir die Fülle Deines Lebens! Amen. (Dr. Herbert Madinger, Die Heilige Messe, 1993, Katholische Glaubensinformation Wien, Seite 59-60)

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