257) Heiliger Tag 2017: Johannesprolog 2: DAS WORT IST FLEISCH GEWORDEN - HYPOSTATISCHE UNION

 

Weihnachten 2017 – Hochamt am Heiligen Tag

Betrachtungsreihe zum Johannesprolog – Über das Geheimnis Gottes, des Lebens und der Liebe

2) ET VERBUM CARO FACTUM EST/UND DAS WORT IST FLEISCH GEWORDEN -

DIE HYPOSTATISCHE UNION

Predigt für Kinder und Erwachsene - von Pf. Stephan Müller

           

Liebe Kinder! Was feiern wir heute? … Ihr wisst um diesen heutigen großen und schönen Feiertag. Jesus Christus ist geboren worden. Wenn wir in größeren Städten Menschen auf der Straße fragen was Weihnachten bedeutet, werden wir, wenn es gut geht, diese Antwort bekommen: Weihnachten ist der Geburtstag Jesu. Weil das tatsächlich viele Menschen nicht mehr wissen, wurden voriges Jahr in einer Großstadt Österreichs Plakate angebracht: „Zu Weihnachten wurde Jesus geboren.“

           

Das Weihnachtsgeheimnis, das wir heute feiern, ist an zwei Orten geschehen: Der erste Ort, um den es heute geht, ist Bethlehem. Das Weihnachtsevangelium des hl. Lukas in der Heiligen Nacht und bei der Hirtenmesse, und das Weihnachtsevangelium des Apostels Matthäus zu Dreikönig führen uns zur Geburt Christi nach Bethlehem.

           

Das Weihnachtsgeheimnis, das wir heute feiern, hat noch einen Ort, der genauso wichtig ist wie Betlehem. Das Weihnachtsgeheimnis beginnt nämlich nicht in Betlehem in Judäa, sondern in einem anderen Dorf… in Nazareth. Nazareth war ein kleines Dorf in Galiläa, dort hat Maria gewohnt. Was war dort neun Monate vor der Geburt in Bethlehem? Gott Vater hat den Erzengel Gabriel zu Maria gesandt mit einer Freudenbotschaft. Er hat sie durch den Engel fragen lassen ob sie bereit ist, dem Sohn Gottes Mutter zu werden. Maria war bereit und hat JA gesagt: Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort. Was ist durch das Ja-Wort Mariens geschehen? Der Sohn Gottes, ist vom Himmel gekommen, und ist im Schoß Mariens Mensch geworden.

           

Das war der Beginn von Weihnachten. Das Weihnachtsevangelium des Apostels Johannes, das uns heute feierlich verkündet wurde, führt uns nicht nach Bethlehem, sondern nach Nazareth. Der Apostel Johannes will uns helfen, Jesus tiefer kennenzulernen. ER will uns sein Geheimnis zeigen. Der wichtigste Satz in seinem Weihnachtsevangelium lautet: ET VERBUM CARO FACTUM EST/UND DAS WORT IST FLEISCH GEWORDEN. Über dem Haus Mariens wurde später eine Kirche gebaut. Heute steht dort eine große Basilika. Die Wohnhöhle, wo die Verkündigung war, kann man heute noch sehen. In dieser Grotte ist ein Altar. Auf diesem Altar stehen die Worte: „Et verbum caro HIC factum est. Hier ist das Wort Fleisch geworden.“ Johannes nennt Jesus DAS WORT. Er nennt ihn so, weil Jesus uns das Wort des himmlischen Vaters gebracht hat. Was will Johannes uns damit sagen:

           

1) Jesus ist das ewige Wort des Vaters, dh der ewige Sohn Gottes. Niemand hat den Sohn Gottes geschaffen. Der Sohn Gottes ist „Gott von Gott, Licht vom Licht, Wahrer Gott vom Wahren Gott.“ Das Kind in der Krippe ist also kein gewöhnliches Menschenkind. Es ist das GÖTTLICHE Kind, ganz Gott und ganz Mensch.

           

2) Der Sohn Gottes hat Fleisch angenommen, sagt Johannes. Das ist ein tiefes Geheimnis, das man genaugenommen nicht erklären kann. Unser Verstand ist zu klein für dieses Geheimnis. Die Apostel und die Kirche haben es so verstehen dürfen: Gott hat sich nicht in einen menschlichen Leib hinein verwandelt. Bei den Tieren gibt es so etwas, wenn sich zB eine Raupe in einen Schmetterling verwandelt. Der Sohn Gottes ist Gott geblieben. Aber der Sohn Gottes hat das menschliche Fleisch angenommen, dh einen menschlichen Leib und eine menschliche Seele. Das ist das große Wunder der Menschwerdung Gottes. Es hat dann noch einige Zeit gedauert, bis man für dieses Geheimnis die rechte Sprache gefunden hat. Das Konzil von Chalzedon, eine große Versammlung des Papstes und der Bischöfe im Jahr 451, hat dann die Sprache und den Inhalt für das Weihnachtsgeheimnis endgültig festgelegt. Bis heute sind die Begriffe, mit denen das Konzil von Chalzedon das Weihnachtsgeheimnis beschreibt, nicht nur gültig, sondern unübertroffen. Chalzedon lehrt: In der Menschwerdung hat sich die göttliche Natur des Sohnes Gottes mit der menschlichen Natur vereinigt, unvermischt, ungetrennt, ungeteilt. Liebe Gläubige! Der Fachbegriff in der Sprache des Glaubens heißt: Hypostatische Union. Hier hat der Heilige Geist der Kirche gezeigt, was das bedeutet: Das Wort ist Fleisch geworden. Jedes Abgehen vom Dogma von Chalzedon führte in der Kirchengeschichte zu Irrlehren über die Person Christi.

           

Was bei der Menschwerdung Gottes geschehen ist, hat kein Mensch erfinden können. Es gibt in keiner Religion eine solche oder eine ähnliche Vorstellung der Menschwerdung Gottes. Auch die griechische Mythologie kann dafür nicht herangezogen werden. Hinter diesem Geheimnis steht einzig die Liebe des himmlischen Vaters, die uns seinen Sohn geschenkt hat: „Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat“ (1 Joh 3,1).

           

Genauso himmlisch und für uns unfassbar wie die Menschwerdung Gottes in Nazareth war dann auch die Geburt Christi in Betlehem. Maria hat das Christuskind nicht wie eine gewöhnliche Frau geboren. Maria hat ohne Schmerzen geboren, in unversehrter Jungfräulichkeit. Christus ist gleichsam wie Licht aus ihrem Schoß hervorgegangen. Beide Geheimnisse sind ein unfassbares Wunder der Liebe Gottes, sind himmlisch, nicht irdisch: Die Menschwerdung in Nazareth und die Geburt in Betlehem.

           

Noch etwas ist für die Erwachsenen gut zu wissen: Warum schreibt Johannes: Das Wort ist FLEISCH geworden? Er hätte auch sagen können: Das Wort ist MENSCH geworden. Es hat zur Zeit des Apostels Johannes und noch längere Zeit danach bei den Christen eine Irrlehre gegeben, die sogenannte Gnosis (Erkenntnis/Erleuchtung). Die Gnostiker haben über Gott gesagt: Gott ist geistig, er kann sich niemals mit menschlichem Fleisch und Blut verbinden. In der Folge dessen haben die Gnostiker die Erlösung durch Krippe und Kreuz Christi geleugnet. An die Stelle der Erlösung traten Selbsterlösungslehren und Selbsterlösungspraktiken. Die Alte Irrlehre der Gnosis begegnet uns heute im Kleid der Esoterik. In der Esoterik glauben Menschen nicht mehr an die Erlösung Christi durch Krippe und Kreuz; sie glauben nicht mehr, dass Christus die Kirche gegründet und die heiligen Sakramente eingesetzt hat als Werkzeug und Mittel für unsere Erlösung. An die Stelle des Erlösers und der Sakramente treten ein selbstgemachter „Glaube“ und religiöse Ersatzkulte.

           

Indem der Apostel und Evangelist Johannes schreibt: Das Wort ist FLEISCH geworden, betont und bezeugt er die wirkliche Fleischwerdung Gottes. Das Weihnachtsgeheimnis, was in Nazareth und Bethlehem geschehen ist, ist nicht ein Märchen. Der Sohn Gottes hat keinen Scheinleib angenommen, sondern wahrhaftig unsere Menschennatur. Durch die Menschwerdung ist Gott für uns ein Jemand geworden, ein DU, wir können vor ihn treten, wir können ihm ins Auge schauen, wir können ihn anreden, wir können ihn bitten, wir können ihn lieben.

           

Weihnachten feiern bedeutet also viel mehr als sich an den Geburtstag Jesu zu erinnern. Weihnachten feiern bedeutet das unaussprechliche Wunder der Fleischwerdung Gottes erkennen, verehren, sich darüber freuen... Weihnachten feiern bedeutet im Kind in der Krippe Gott erkennen und anbeten. Weihnachten feiern bedeutet sich in den Sakramenten die Erlösung schenken lassen, die Christus durch die Krippe und das Kreuz verdient hat. Weihnachten feiern bedeutet die Liebe zu erwidern, die das Göttliche Kind uns gebracht hat.

           

ET VERBUM CARO FACTUM EST/UND DAS WORT IST FLEISCH GEWORDEN.

Kommt, lasset uns anbeten. Amen.

 

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