022) 10. Sonntag im Jahreskreis B 2012:; Konflikte im Leben Christi. Die Sünde gegen den Heiligen Geist.

10. Sonntag im Jahreskreis B) 2012 – Pfarrkirche Imsterberg

Homilie von Pfarrer Stephan Müller (Manuskript):

ZWEI KONFLIKTE IM LEBEN CHRISTI: MIT SEINEN VERWANDTEN.

MIT DEN SCHRIFTGELEHRTEN.

DIE SÜNDE GEGEN DEN HEILIGEN GEIST.

(KKK 1864)

Das heutige Sonntagsevangelium schildert zwei Konflikte, die Jesus auszutragen hat, den ersten mit seinen Verwandten, den anderen mit den Schriftgelehrten. Da ist zuerst der Konflikt Christi mit seinen Verwandten. Der Evangelist bezeichnet sie „Brüder“. Im Sprachgebrauch des Orients waren damit auch alle Verwandten im weiteren Sinn gemeint. Jesus hatte keine leiblichen Geschwister. Maria hat Christus jungfräulich empfangen und jungfräulich geboren. Sie ist jungfräulich geblieben. Die Verwandten Jesu sagen: „Er ist von Sinnen.“ Sie meinen: er ist verrückt mit seinen Wanderpredigten; auch was er lehrt, ist manchmal unerträglich, sie schämen sich für ihn, sie verstehen ihn nicht mehr… Wo liegt das Problem? Das Problem liegt vielleicht darin, dass die Verwandten Jesu Person und Wirken in ihr Schema, in ihre Vorstellungen, pressen wollen. Und das geht nicht. Jesus ist kein gewöhnlicher Mensch. Er ist Gott. Er ist der Erlöser. Seine Person und sein Wirken sprengen jedes menschliche Fassungsvermögen. Wie hat Jesus das Problem mit seinen Verwandten gelöst? Er hat sich nicht nach seinen Verwandten gerichtet, sondern nach dem Willen seines himmlischen Vaters. Und jene Verwandten, die ihn dann holen wollten sagte er, wer ihm wirklich nahe steht: nicht automatisch seine Blutsverwandten, sondern diejenigen, die den Willen Gottes tun. In dieser Auseinandersetzung zwischen Jesus und den Verwandten müssen wir die Muttergottes ausnehmen. Sie hat Jesus auch nicht immer verstanden, aber sie hat ihm vertraut, und sie ist seinen Weg mitgegangen. Das hat sie bewiesen, als sie unter dem Kreuz stand.

Was wir aus diesem Konflikt lernen können: auch wir dürfen unsere Mitmenschen und ihre Tätigkeit nicht in unser eigenes Schema, in unsere eigenen Vorstellungen pressen wollen, auch nicht uns Priester, der Priester hat einen speziell priesterlichen Auftrag. Natürlich wird auch der Priester die Gläubigen respektieren. Wir Priester haben nur die Aufgaben, die Gebote Gottes und die Grundsätze des christlichen Glaubens zu verkünden, anwenden muss sie jeder selber. Es braucht also eine grundsätzliche Ehrfurcht vor dem Plan Gottes und der Lebensberufung eines jeden Menschen. Unsere menschliche Einheit und Gemeinschaft kommt nur in Christus zustande, nur dadurch, dass wir gemeinsam auf Christus schauen, mit anderen Worten, dass wir Christus nachfolgen, und das jeder in seiner persönlichen Berufung. Jeder muss seinen Lebensauftrag erfüllen, so wie Gott es will. „Thomas von Aquin sagt: Kümmere dich nicht um das Tun der anderen!“ Er will damit gleichsam sagen: „Mische dich nicht ein in den Lebensauftrag deiner Mitmenschen, lass das Gott über. Hilf deinen Mitmenschen, aber presse sie und ihren Weg nicht in deine Vorstellungen.“

Dann erzählt das Sonntagsevangelium noch einen Konflikt, zwischen Christus und den Schriftgelehrten. Dieser zweite Konflikt ist noch viel schwerer als der erste, er geschieht auf der Ebene Licht - Finsternis. In diesem Konflikt geht es, wie Jesus selber es sagt, um die Lästerung gegen den Heiligen Geist. Schriftgelehrte sagen über Jesus: „Mit Hilfe von Beelzebul treibt er die Dämonen aus.“ Hinter dieser Aussage verbirgt sich nicht nur ein Vorwurf, sondern eine abscheuliche Bosheit. Die Schriftgelehrten sagen Jesus nämlich nach, dass er von einem Teufel besessen ist. Die Gläubigen Juden, die das damals hörten, haben sicher sogleich verstanden, worum es geht.

Wie reagiert Christus?

< Zuerst geht Jesus über die Situation hinaus. Er benützt diesen Vorwurf, um uns ganz Grundsätzliches über den Satan zu sagen. Jesus erwähnt, dass es das Reich Satans gibt. Dieses Reich gibt es auch heute. Die Machenschaften Satans reichen bis in die Kirche hinein. In manchen Gliedern der Kirche hat Satan seine besten Handlanger gefunden. Seine Angriffe reichen, wie wir in diesen Tagen erleben, bis in das persönliche Arbeits- und Schlafzimmer des Papstes hinein. Jesus sagt, das Reich Satans könnte nicht existieren, wenn es in sich gespalten wäre. Ein Dämon treibt keinen Dämon aus. Hier entlarvt er auch die Unlogik und Dummheit seiner Angreifer. Dann bekräftigt Jesus seine Macht über die Dämonen und damit seine Gottheit: Wenn Jesus Dämonen austreibt, dann übt er eine göttliche Eigenschaft aus. Jesus zeigt sich als Herr über die Mächte der Finsternis. Deshalb ist dieses Evangelium auch für uns eine Frohbotschaft: das Reich Satans hat keinen Bestand. Christus hat es von innen her gebrochen. Das soll uns mit einer gewissen Gelassenheit erfüllen. Christus wird die Machenschaften Satans und seines Reiches immer wieder zunichte machen.

< Dann spricht Jesus seine Ankläger direkt an. Er sagt: es gibt eine Lästerung gegen den Heiligen Geist, die in Ewigkeit nicht vergeben wird. Hier wird die Liebe des Herzens Jesu sichtbar, die auch diese Menschen retten will. Jesus spricht eine Warnung aus. Die Sünde gegen den Heiligen Geist führt zum Verlust des ewigen Lebens. Vielleicht haben diejenigen, die für ihn offen waren, ihn verstehen können.

Was können wir von diesem Konflikt lernen? In der christlichen Tradition nennt man das, was Jesus mit der „Lästerung des Heiligen Geistes“ gemeint hat, die Sünde gegen den Heiligen Geist. Kein Mensch, der Reue hat und umkehren will, braucht an seinen Sünden verzweifeln. Die Barmherzigkeit Gottes ist übergroß.

Die Sünde gegen den Heiligen Geist ist die Sünde gegen das Licht. Wer die Gnade Gottes, das Licht Gottes, immer wieder ablehnt, wer das, was Jesus uns gezeigt hat, um zum Heil zu kommen, immer wieder ablehnt, der begibt sich in Gefahr, Richtung Sünde gegen den Heiligen Geist zu gehen.

Das Gegenteil der Lästerung des Heiligen Geistes ist die Liebe zum Heiligen Geist und seine Einsprechungen. Möge die Muttergottes uns ein Hörendes Herz erbitten, offen für den Heiligen Geist, und dann so wie sie die Bereitschaft, den erkannten Willen Gottes zu tun. Unser großer Helfer ist der Heilige Geist. Rufen wir ihn jeden Tag, ja sogar immer wieder während des Tages, vor allem bei allen Konflikten, die das Leben mit sich bringt, auch bei den Konflikten in der Kirche. Dann können uns alle Konflikte und Schwierigkeiten zur Gnade werden und Gott näher bringen. Amen.

Ergänzung:

Katechismus der Katholischen Kirche: 1864

„Wer aber den Heiligen Geist lästert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften" (Mk 3,29) [Vgl. Mt 12,32; Lk 12,10]. Die Barmherzigkeit Gottes ist grenzenlos; wer sich aber absichtlich weigert, durch Reue das Erbarmen Gottes anzunehmen, weist die Vergebung seiner Sünden und das vom Heiligen Geist angebotene Heil zurück [Vgl. DeV 46.]. Eine solche Verhärtung kann zur Unbußfertigkeit bis zum Tod und zum ewigen Verderben führen.

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