254) Hochfest Maria Unbefleckte Empfängnis 2017: MARIA UND ANTI-MARIA

 

Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria

„SIEHE, ICH BIN DIE MAGD DES HERRN“ (Lk 1,38) - MARIA UND DIE ANTI-MARIA

Predigt von Pf. Stephan Müller           

Im Römerbrief stellt der heilige Paulus Adam und Christus einander gegenüber (Röm 5,12-21). Adam, der erste Mensch, hat durch den Ungehorsam im Paradies, die Ursünde, der Menschheit den ewigen Tod gebracht. Christus hat durch seinen Gehorsam, sein Erlösungsopfer am Kreuz, der Menschheit das ewige Leben verdient, so wird Christus der neue Adam genannt. Die Kirchenväter entfalten diese Gegenüberstellung und beziehen sie auf Eva und Maria. Eva, die erste Frau, hat durch ihren Ungehorsam den Tod gebracht – wir hörten in der heutigen Lesung davon. Maria hat durch ihren liebenden Glaubensgehorsam das Leben gebracht, so wird sie die neue Eva genannt. Diese Gegenüberstellung finden wir zB beim hl. Justin dem Märtyrer, gestorben um 163, beim hl. Irenäus von Lyon, gestorben um 200. Der hl. Irenäus von Lyon sagt: „So wurde der Knoten des Ungehorsams der Eva durch den Gehorsam Mariens gelöst. Was die Jungfrau Eva durch Unglauben gebunden hat, das hat die Jungfrau Maria durch Glauben gelöst“ (hl. Irenäus, Adversus haereses I, 22, 4:BKV 3, Irenäus I, S. 309). Das heutige Hochfest mit dem Dogma der Unbefleckten Empfängnis wirft ein Licht die innere Seite unseres Menschseins. Es ist gleichsam wie eine Computertomographie, die uns eine genaue Erkenntnis unserer Menschennatur ermöglicht. Nehmen wir dieses Fest auch zum Anlass, ein wenig auf die Innenseite unserer Gesellschaft zu schauen.

           

Die Heilige Schrift zeigt uns in Christus das Urbild des Menschen bzw. des Mannes, in Maria das Urbild des erlösten Menschen bzw. der Frau. Die heutige Lesung handelt davon, dass die ersten Menschen im Paradies von der Höhe ihres Menschseins und der Würde und Schönheit von Gottesebenbildlichkeit gefallen sind. Das Wort Gottes zeigt uns, dass die Abwendung des Menschen vom Schöpfergott so weit gehen kann, dass der Mensch sein Menschsein und seine Gottesebenbildlichkeit sozusagen ins Gegenteil pervertiert, es entsteht dann so etwas, was wir den pervertierten Mann bzw. die pervertierte Frau nennen könnten. Mit pervertiert ist hier gemeint: Das Wesen von Mann und Frau, das Wesen der Gottesebenbildlichkeit, entstellt, ins Abnormale und Krankhafte verzerrt. In der Heiligen Schrift finden wir diese Gedanken in den Aussagen vom Antichristen, parallel dazu könnten wir auch von einer Anti-Maria sprechen.

           

Die Heilige Schrift sagt voraus: Vor der Wiederkunft Christi wird der Antichrist auftreten. Der Antichrist ist der Gegen-Christus und damit gleichzeitig der pervertierte Mann. Der heilige Apostel Paulus lehrt im zweiten Thessalonicherbrief über einige Vorgänge in Verbindung mit dem Auftreten des Antichrist: „Zuerst muss der Abfall von Gott kommen und der Mensch der Gesetzwidrigkeit erscheinen, der Sohn des Verderbens, der Widersacher, der sich über alles, was Gott oder Heiligtum heißt, so sehr erhebt, dass er sich sogar in den Tempel Gottes setzt und sich als Gott ausgibt“ (2 Thess 2,3-5). Paulus spricht hier einige Schwerpunkte an: Glaubensabfall, Missachtung der Gebote Gottes, Verletzung bis zur Schändung des Heiligen.

           

Eine „Anti-Maria“ könnten wir in der Apokalypse angedeutet sehen, in der babylonischen Dirne; der Apostel Johannes sieht in einer Vision: Ich sah „eine Frau auf einem scharlachroten Tier sitzen, das über und über mit gotteslästerlichen Namen beschrieben war und sieben Köpfe und zehn Hörner hatte. Die Frau war in Purpur und Scharlach gekleidet und mit Gold, Edelsteinen und Perlen geschmückt. Sie hielt einen goldenen Becher in der Hand, der mit dem abscheulichen Schmutz ihrer Hurerei gefüllt war. Auf ihrer Stirn stand ein Name, ein geheimnisvoller Name: Babylon, die Große, die Mutter der Huren und aller Abscheulichkeiten der Erde. Und ich sah, dass die Frau betrunken war vom Blut der Heiligen und vom Blut der Zeugen Jesu“ (Offb 17,3-6).

           

Diese Gegenüberstellungen (Adam - Christus,  Eva - Maria, Maria  - Anti-Maria) sind sehr aktuell. In Bezug auf Maria und Anti-Maria:

Maria sagt: Hingabe an den Willen des Vaters. - Anti-Maria sagt: Revolution.

Maria sagt: Mir geschehe nach deinem Wort. - Anti-Maria sagt: Selbstverwirklichung.

Maria sagt: Serviam/ich will dienen. - Anti-Maria sagt: Non serviam/ich will nicht dienen!

Maria sagt: Ecce ancilla Domini/ich bin die Magd des Herrn. – Anti-Maria: Ich gehöre mir selbst!

Maria sagt: Hingabe. -  Anti-Maria sagt: Selbstverwirklichung.

Maria sagt: Keuschheit. – Anti-Maria sagt Prostitution.

Maria sagt: Kult der Verschleierung. – Anti-Maria sagt Preisgabe, Kult des eigenen Körpers.

Maria sagt: Bindung an Gott. – Anti-Maria sagt: Freiheit und Unabhängigkeit von Gottes Gebot.

Maria sagt: Mutterschaft. – Anti-Maria sagt: Verhütung und Abtreibung.

Maria sagt: Liebe zu Gott. – Anti-Maria sagt: Liebe zu sich selbst. usw.

           

Die Haltungen des Antichrist und der Anti-Maria, ein wenig überspitzt formuliert, waren zu verschiedenen Zeitepochen zu beobachten: In der Zeit der Christenverfolgung im Römischen Reich, bei der Französischen Revolution, die gottlosen Ideologien des 20. Jahrhunderts. Dass wir in der Gegenwart mit Haltungen des Antichristen und der Anti-Maria konfrontiert sind, ist offenkundig. Denken wir an die Christenverfolgung in einem bisher ungekannten Ausmaß, denken wir an eine zunehmende Feindseligkeit gegenüber dem Christlich-katholischen in der westlichen Welt, auch bei uns; Ansätze für Haltungen des Antichristen und der Anti-Maria stecken zB auch im Atheismus, im Feminismus, im Gender…

           

Die Haltungen des Antichristen und der Anti-Maria sind die Haltungen des unerlösten Menschen, wir können sie so zusammenfassen: Es gibt keinen Gott, der Mensch macht alles selber und genügt sich selbst. Sind solche Haltungen nicht auch tief in die Kirche eingedrungen, in das Leben von Getauften und auch von Priestern? Wo diese Haltungen gesellschaftlich durchgesetzt wurden, das bezeugt die Geschichte, landete eine Gesellschaft immer im Super-GAU, in Katastrophen und Leid von unsagbarem Ausmaß.

           

Die Heilige Schrift warnt uns vor diesen Haltungen. „Dann wird der gesetzwidrige Mensch allen sichtbar werden. Jesus, der Herr, wird ihn durch den Hauch seines Mundes töten und durch seine Ankunft und Erscheinung vernichten. Der Gesetzwidrige aber wird, wenn er kommt, die Kraft des Satans haben. Er wird mit großer Macht auftreten und trügerische Zeichen und Wunder tun. Er wird alle, die verloren gehen, betrügen und zur Ungerechtigkeit verführen; sie gehen verloren, weil sie sich der Liebe zur Wahrheit verschlossen haben, durch die sie gerettet werden sollten. Darum lässt Gott sie der Macht des Irrtums verfallen, sodass sie der Lüge glauben; denn alle müssen gerichtet werden, die nicht der Wahrheit geglaubt, sondern die Ungerechtigkeit geliebt haben“ (2 Thess 2,8-12).

                                              

Die Haltungen Mariens sind die Haltungen des erlösten Menschen. Gott hat Maria durch eine besondere Gnade vor der Erbsünde bewahrt und sie auf diese Weise in die Erlösung Christi hineingenommen. Erlösung bedeutet: Von Gott herausgerufen und herausgenommen werden aus der Sündenverseuchung oder Sündenverflochtenheit. Durch die Gnade der Erlösung wird der Mensch in eine neue Seins-Beziehung zu Gott, zum Mitmenschen und zu sich selber hineingenommen. Maria hat diese Erlösungsgnade im Vorhinein empfangen, wir empfangen sie durch das hl. Sakrament der Taufe.

                                              

Was Gott Maria durch die Bewahrung vor der Erbschuld so wunderbar geschenkt hat, war auch eine Kirchenstiftende Handlung Gottes. Kirche kommt vom Griechischen ek-kalein/herausrufen. Maria hat sich von Gott rufen lassen. Das Zweite Vatikanische Konzil nennt Maria so schön Urbild und Anfang der Kirche (Konstitution LUMEN GENTIUM, 62). So ist die Kirche zu allen Zeiten gewachsen. Kirche, das sind diejenigen, die sich wie Maria von Gott rufen lassen, herausrufen lassen aus der Sündenverflochtenheit; Kirche, das sind diejenigen, die wie Maria ihr Fiat sprechen, mir geschehe nach deinem Wort. So entstand, entsteht und bleibt die wahre Kirche des Glaubens.

                                              

Wie sieht es bei uns aus? Welche Haltungen haben wir selber in uns? Ich bin überzeugt, dass wir in unserer Zeitepoche mit dem was wir tun oder unterlassen vor folgenreiche Entscheidungen gestellt sind, im Kleinen wie im Großen. Möge das heutige Hochfest der Unbefleckten Empfängnis uns bestärken, im eigenen Leben immer neu die Haltungen Christi und die Haltungen Mariens zu erstreben, auf diesem Weg treu weiterzugehen. Wenn wir in die Fußstapfen der Muttergottes treten, dürfen wir sicherlich so wie sie mithelfen, Knoten des Unheils, des Unsegens, zu lösen, den heutigen und kommenden Generationen Gottes Heil zu vermitteln. Amen.

 

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