253) 1. Adventsonntag 2017: ÜBER DIE BEDEUTUNG DER STILLE

  1. 1. Adventsonntag 2017

„Nur Stille und Vertrauen verleihen euch Kraft“ (Isaias 30,15)

ÜBER  DIE  BEDEUTUNG  DER  STILLE

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Das heutige Wort Gottes stellt unser Leben in den großen Zusammenhang der Heilsgeschichte. Advent heißt, wie ihr wisst, Ankunft. Ein zentraler Satz in diesem Evangelium: „Erhebt eure Häupter, denn eure Erlösung ist nahe.“ Immer erwarten wir Christus als Erlöser. In Betlehem ist ist er als Erlöser gekommen, der Weltenrichter beim Jüngsten Gericht ist Christus der Erlöser, für all jene, die ihn im Glauben aufgenommen haben. Im Heute unseres Lebens will Christus als Erlöser kommen.

           

In der Lesung motiviert uns der heilige Paulus, uns für das Kommen des Erlösers und für die Gnaden der Erlösung zu bereiten. Für den Advent als Zeit der Vorbereitung können wir vieles bedenken. Ich möchte einladen, über die Bedeutung der Stille und des Schweigens nachzudenken, heute über die Stille, am zweiten Adventsonntag über das Schweigen. Stille und Schweigen sind adventliche Haltungen, sie wollen uns öffnen für den Erlöser aber auch für die echte Liebe zueinander.

           

Das große Vorbild der adventlichen Haltungen Stille und Schweigen gibt uns die Muttergottes. In Stille und Schweigen ist Maria offen für das Wort des Engels und es geschieht dann das Wunder der Menschwerdung.

           

Unser Menschsein hat eine äußere und eine innere Dimension. Wir können auch vom äußeren und vom inneren Menschen sprechen. Der äußere Mensch ist unser Körper mit seinen Sinnen und Fähigkeiten. Der innere Mensch ist die Geistseele mit ihren Fähigkeiten. Im Advent geht es mehr um den inneren Menschen als um den äußeren. Es geht mehr um Wellness für die Seele als für den Körper. Weil heute das Äußere, der Kult um das Äußere, Show, Spektakel und Schein gerne großgeschrieben sind, kommt das Innere gerne zu kurz. Ja noch mehr, das Innere wird manchmal völlig vernachlässig. Die Folge: Der Mensch wird krank, seelisch und manchmal auch körperlich krank, innerlich zerrissen, hin und her gerissen, und weiß nicht mehr, wer er ist und wozu er lebt.

           

Stille und Schweigen sind notwendige Haltungen, nicht nur um zu glauben, sondern auch um zu leben, um unser Äußeres und Inneres ins Gleichgewicht zu bringen. Mit anderen Worten: Stille und Schweigen sind notwendige Mittel, um zu uns selber zu finden und um zu Gott zu finden. Wer „zu sich selbst“ gefunden hat, kann sich auch an seine Mitmenschen hingeben und vermag auch Gott zu lieben. Um das geht es im Advent.

           

Da ist zuerst die äußere Stille. Wir brauchen regelmäßige Phasen, Zeiten, Augenblicke der äußeren Stille: Daheim, in der Natur, auch beim Beten und beim Gottesdienst. Bis zum Zeitalter der Elektronik hatten es die Menschen leichter, weil der gesamte Lebensrhythmus den künstlichen Lärm nicht gekannt hat. Wir müssen heute um die Stille kämpfen. Was können wir im Advent tun? Dazu ein paar Impulse. Jeder wird für sich selber sehen, was er am nötigsten hat.

           

Phasen der Stille: Auf eine ausgewogene Nachtruhe achten; es vermeiden, lärmende Orte und Veranstaltungen aufzusuchen; den Lärm der elektronischen Medien wie Fernsehen, Internet reduzieren oder ganz abstellen… Nicht einfach für jene, die darin bereits süchtig sind…

           

Was sich als sehr lärmend aufdrängt, ist die Flut von täglichen Informationen und Nachrichten aus aller Welt. Im Advent Stille suchen wird für manche bedeuten, diese „lärmende“ Nachrichtenflut zu stoppen und nicht an sich heranzulassen, den ersten Blick des Tages nicht der Zeitung widmen, sondern der wahren Guten Nachricht, dem Wort Gottes, dem Gebet. Nachrichten können wir zur gegebenen Zeit später einholen, vielleicht gar nicht jeden Tag. Wir Menschen brauchen und können nicht alles überblicken und wissen. Das macht Gott. Er allein ist allwissend, Er überblickt alles, Er hat alles in der Hand. Das gibt uns Gelassenheit.

           

Ein Störfaktor für die äußere Stille ist auch eine übersteigerte Geschäftigkeit oder Aktivismus. Es muss sozusagen immer etwas los sein, man kann keine Ruhe geben, keine Arbeit ruhen lassen. Man kennt das nicht mehr, was Muße genannt wird. Es sieht so aus, dass nicht wenige Menschen, auch Getaufte, äußere Stille nicht mehr aushalten, manchmal auch in der Kirche nicht.

           

Die äußere Stille ist Voraussetzung, um zur inneren Stille zu gelangen. Bei der inneren Stille kommt unser innerer Mensch – die Seele mit ihren Fähigkeiten – zum Zug. Wenn wir Menschen still werden, dann meldet sich unsere Seele. Es kommen uns Dinge in Erinnerung, die wir vielleicht noch nicht erledigt haben, die uns beschäftigen, uns belasten usw. In der Stille meldet sich auch das Gewissen, erinnert uns an Gutes, das wir getan haben oder an Dinge, die vielleicht noch nicht gelöst sind. Im Advent äußere und innere Stille suchen ist in diesem Sinn auch ein Weg zur Selbsterkenntnis, ein Weg zum Bußsakrament. Eine Advent- oder Weihnachtsbeichte können wir nur in der Stille vorbereiten. Daheim in Stille sich Zeit nehmen, sein Leben mit den 10 Geboten Gottes zu konfrontieren (Beichtspiegel).

           

Durch äußere und innere Stille darf in uns sozusagen etwas aufbrechen. Wenn wir auf das eingehen, was wir in der Stille erkennen, das dann im Leben umsetzen, dann hat die Erfahrung der Stille Frucht getragen. Ich denke, dass es hier um eine Wechselwirkung zwischen Stille und Tun geht. Das Zulassen der äußeren und inneren Stille ist also deshalb so wichtig, weil wir Dinge erfahren, die wir tun sollten. Mit anderen Worten: Äußere und innere Stille ist notwendig, um Menschen mit Gewissen zu sein, um die leise Stimme Gottes im Gewissen hören zu können und auf ihn hin zu leben, um den Erlöser und seine Gnaden aufzunehmen.

           

Das Wort Gottes spricht oft von der Stille. Der Prophet Isaias sagt: „Nur in Umkehr und Ruhe liegt eure Rettung, nur Stille und Vertrauen verleihen euch Kraft. (Isaias 30,15). In der Stille, im Stillsein vor Gott, wächst das Gottvertrauen. In der Stille können wir reifen. Alles Große geschieht in Stille.

           

Wer ins Arbeitsleben eingebunden ist, kann äußere Stille wahrscheinlich nur begrenzt pflegen. Daheim kann man es sich selber richten. Eine gewisse Zeit der Stille und Besinnung gehört zu jedem Adventtag. ZB 10 Minuten, 20 Minuten, eine halbe Stunde, eine ganze Stunde… je nach Möglichkeit und persönlicher Reife. Die besonders wertvolle Gelegenheit zur Besinnung ist das Rorateamt in aller Früh. Zum täglichen Rorate sind wir herzlich eingeladen.

           

Ich wünsche euch einen gesegneten Advent, eine schöne Zeit der äußeren und inneren Stille. Eine adventliche Haltung, die uns zu uns selber, zum rechten Tun, zu den Mitmenschen und zum Erlöser führt. Amen.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok