251) 32. Sonntag im JK A 2017: TORHEIT UND KLUGHEIT

  1. Sonntag im Jahreskreis A) 2017

„FÜNF VON IHNEN WAREN TÖRICHT UND FÜNF WAREN KLUG“ (Mt 25,2)

DUMMHEIT UND KLUGHEIT

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Der hl. Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an die Epheser: „Achtet sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht töricht, sondern klug“ (Eph 5,15). Mit dieser Aufforderung gibt uns der hl. Paulus eine gute Zusammenfassung des heutigen Sonntagsevangeliums.

           

Es handelt sich wieder um ein Gleichnis für das Himmelreich. Wir haben heuer mehrere Gleichnisse dieser Richtung aus dem Matthäusevangelium gehört. Christus verwendet heute ein Bild aus der jüdischen Hochzeitspraxis. Die sogenannte Verlobung war damals der Hochzeitsvertrag, die eigentliche Eheschließung. Dazu wohnten Braut und Bräutigam noch bei ihren Eltern. Die Hochzeitsfeier war die Feier der Heimholung der Braut in das Haus des Bräutigams. Bei dieser Heimholung wurde die Braut von den Brautjungfrauen bei einem nächtlichen Lichterzug zum Haus des Bräutigams geführt, dort fand dann die Hochzeitsfeier statt, die eine Woche dauerte. Von daher die Erzählung von den Öllampen der Jungfrauen.

           

Wiederum geht es zunächst um die Einladung und den Ruf Gottes an uns Menschen. Gott lädt uns Menschen, die er erschaffen hat ein, dem Bräutigam – dh Christus – entgegenzugehenden. Der himmlische Bräutigam will uns zur himmlischen Hochzeit führen. Die Freude der Hochzeitsfeier ist ein Bild für die ewige Glückseligkeit des Himmels. Das ist nicht schwer zu verstehen.

           

Im Gleichnis von den 10 Jungfrauen liegt der Schwerpunkt nicht bei der Einladung des Bräutigams, sondern beim Verhalten der 10 Jungfrauen. Es geht mehr um das Verhalten des Menschen auf dem Weg zum Hochzeitsmahl des Himmels, um das Mitwirken des Menschen zum Empfang der Gnade des ewigen Lebens.

           

Gott hat jedem Menschen eine unsterbliche Geistseele erschaffen. Gott hat in unsere Seele die Fähigkeit des Liebens gelegt, damit tragen wir die Sehnsucht nach Glück, nach der ewigen Glückseligkeit in unserem Herzen. Doch mit dieser Sehnsucht allein ist es nicht getan. Gott hat mit der Liebesfähigkeit auch den freien Willen geschenkt. Nach der Lehre der Reformatoren hat der Mensch keinen freien Willen. Wenn wir keinen freien Willen hätten, könnten wir nicht lieben. Es gehört zum Wesen der Liebe, dass sie geschenkt und empfangen wird, sie kann nicht erzwungen werden. Gott erzwingt auch unsere Liebe nicht. Wir müssen in der Freiheit unseres Willens uns dafür entscheiden, Gott zu lieben. Im Katechismus der katholischen Kirche ist kurz und bündig formuliert: „Wir können nicht mit Gott vereint werden, wenn wir uns nicht freiwillig dazu entscheiden, ihn zu lieben“ (Katechismus der Katholischen Kirche 1033).

           

Weil wir die Fähigkeit zu lieben und den freien Willen zur Entscheidung haben will Gott, dass wir unseren Teil zum ewigen Glück beitragen. Die Reformatoren haben diese notwendige Mitwirkung des Menschen an seinem ewigen Heil abgelehnt, wir können nach ihrer Sicht nichts zu unserem Heil oder Unheil beitragen. Im Beispiel von den 10 Jungfrauen spricht Christus an, dass Menschen zu ihrem Heil bzw. zu ihrem Unheil sehr konkret beitragen. Christus stellt uns im Gleichnis von den Jungfrauen zwei Menschentypen vor Augen: die Törichten und die Klugen. Man kann auch sagen: Christus stellt uns zwei menschliche Grundhaltungen vor Augen: Die Klugheit und die Torheit.

           

Toren oder Dumme nennt die Heilige Schrift jene Menschen, denen die Weisheit fehlt, die nicht erkennen, was sie selber tun müssen, um den Weg mit Gott gehen zu können, die dann auch nichts tun. Kluge oder Weise nennt die Heilige Schrift die Menschen, die erkennen, was sie selber tun müssen, um den Weg mit Gott zum ewigen Glück gehen zu können und dann die Taten setzten, die sie als recht erkannt haben.

           

Dann ist da das Bild von den Lampen und vom Öl in den Lampen. Übertragen wir dieses Bild auf unser Leben: Die Lampe ist ein Symbol für den Glauben. Das Öl ist ein Symbol für die Liebe. Die Öllampen aus Ton, wie sie damals verwendet wurden, können ohne Öl nicht brennen. Das will sagen: Der Glaube ist nicht lebendig, wenn er nicht vom Öl der Liebe genährt wird. Mit anderen Worten: Der Glaube muss sich in Taten der Gottes- und Nächstenliebe zeigen, in Taten der Liebe fruchtbar werden. Ansonsten ist der Glaube fruchtlos und wertlos. Der hl. Apostel Jakobus sagt es so: „So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke [die Liebe] vorzuweisen hat“ (Jak 2,17). Die Getauften, die in den Lampen ihres Glaubens kein Öl haben sind die „Taufscheinkatholiken“, der Glaube steht nur auf dem Papier, er ist tot, es brennt nicht die Lampe der Liebe.

           

Die törichten Jungfrauen – dh die törichten Menschen – nehmen nicht genug Öl mit, so bleiben sie auf ihrem Weg buchstäblich in der Dunkelheit stecken. Sie haben keine Werke der Liebe vorzuweisen. Sie mögen getauft sein, ein gewisses Gottvertrauen haben, vielleicht die Haltung haben „Gott ist gut und barmherzig“, vielleicht sogar die Sonntagsmesse äußerlich mitfeiern usw. Der törichte Mensch tut aber fast nichts, um seinen Glauben mit Liebe zu nähren. Der Törichte hat keine Beziehung zu den Sakramenten, durch die uns Gott sein Erbarmen und seine Liebe schenkt. Der Törichte bemüht sich nicht, durch tätige Liebe seine egoistische Eigenliebe und seinen Stolz abzubauen. Mit der Zeit geht das Öl der Liebe aus, der Glaube erstarrt im Buchstaben auf dem Papier, am Ende bleibt nichts als die innere Leere zurück.

           

Die klugen Jungfrauen – dh die klugen Menschen – haben einen Öl-Vorrat bei sich. Ihr Glaube ist in der Liebe lebendig. Wer sein Leben nicht in Torheit, sondern in Klugheit gestaltet achtet darauf, dass die Lampe seines Glaubens immer genügend mit dem Öl der Liebe gefüllt wird.

           

Wie können wir in die Lampe unseres Glaubens das Öl der Liebe nachgießen? Es sind immer wieder dieselben Vollzüge, die wir uns zu Gehör bringen und zu Herzen nehmen: Das beständige Gebet, die regelmäßige Beichte, die Bindung an die Gebote Gottes und der Kirche, die helfende und dienende Liebe im Alltag, unseren Mitmenschen verzeihen, ihnen Barmherzigkeit erweisen usw. das alles sind Lebensvollzüge, die den Glauben in der Liebe fruchtbar machen.

           

Christus scheut sich nicht, dem Gleichnis am Schluss noch einen Punkt der Ermahnung aufzusetzen, allem „Wohlfühlglauben“ zum Trotz: Es gibt kein „Happy End“ für die törichten Jungfrauen. Sie vernehmen das erschütternde Wort: „Ich kenne euch nicht!“

           

„Achtet sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht töricht, sondern klug.“ Nützen wir die Zeit. Uns Menschen steht nur eine gewisse Zeit im Leben zur Verfügung, die Lampe des Glaubens mit dem Öl der Liebe zu füllen und so dem Herrn mit brennenden Lampen, dh mit einem lebendigen Glauben und einem liebenden Herzen entgegenzugehen. Amen.

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