249) Hochfest Allerheiligen 2017: ENTSCHEIDUNG

 

Hochfest Allerheiligen 2017

 „SIE HABEN IHRE GEWÄNDER GEWASCHEN IM BLUT DES LAMMES“ (Offb7,14)

ENTSCHEIDUNG

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Mit der ganzen Kirche freuen wir uns heute über die Heiligen des Himmels. Sie sind ja nicht nur im Himmel. Sie sind uns nahe, sie helfen uns, sie sind unsere Vorbilder. Die kanonisierten Heiligen stehen nur beispielhaft für die vielen Heiligen des Alltags.

           

Was das Leben der Heiligen ausmacht ist nicht ein Leben ohne Sünde, die größten Heiligen waren manchmal vor ihrer Bekehrung die größten Sünder. Was das Leben der Heiligen auszeichnet ist auch nicht ein Leben ohne Kampf, ohne Schwierigkeiten, ohne Versagen usw. Die Heiligen hatten wie jeder Mensch zu kämpfen, Rückfalle oder Schwierigkeiten zu bewältigen. Doch etwas hatten sie alle gemeinsam: Klare Willensentscheidungen für ein Leben mit Gott und der Kirche.

           

In der Lesung hat es von den Heiligen geheißen: „Sie haben ihre Kleider gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht“ (Offb 7,14). Mit dem Waschen der Kleider im Blut Christi ist der Vorgang der Erlösung der Seele angesprochen. Christus, der Sohn Gottes, erlöst die menschliche Seele in seinem Blut Christi. Die Erlösung ist sein Geschenk, das können und brauchen wir uns nicht erarbeiten. Doch der Mensch wirkt bei diesem Geschehen mit. Die Heiligen haben ihre Seele gewaschen, hat es geheißen. Das bedeutet: Sie haben in ihrem Leben zu ihrer Erlösung auch beigetragen. Sie haben Entscheidungen getroffen und Handlungen gesetzt, um ihre Seelen zu erlösen zu lassen.

           

Was steht am Beginn der Erlösung? Am Beginn steht natürlich die zuvorkommende und helfende Gnade Gottes. Allen unseren guten Werken  geht diese zuvorkommende und helfende Gnade Gottes voraus. Das ist sozusagen eine Vorschussgnade, die der Herr auch uns gibt, immer und für alles. Doch nicht das bedenken wir jetzt.

           

Was steht vom Menschlichen her gesehen am Beginn der Erlösung? Es ist die Entscheidung für den Glauben. Wir hätten keine Heiligen im Kalender der Kirche, wenn diese Menschen – Frauen, Männer, Jugendliche, Kinder – nicht klare Willensentscheidungen getroffen hätten, den Weg des Glaubens mit Gott und seiner Kirche zu gehen.

           

Klare Willensentscheidungen zu treffen ist nicht die Stärke unserer Zeit. Wir erfahren manchmal das Gegenteil: Eine Entscheidungsschwäche, manchmal eine Entscheidungsunfähigkeit. Man will sich nicht festlegen, man will sich nicht binden, man will sich alle Möglichkeiten offen halten. Doch mit dieser Mentalität kommen wir im Leben nicht weiter. Wer zB nach Rom fahren will wird nicht hinkommen, wenn er kein Auto besteigt, kein Bahn- oder Flugticket besorgt, und einsteigt. Wer sich zB zur Ehe berufen weiß wird nie im Hafen der Ehe landen, wenn er keine Entscheidungen trifft. Ganz dasselbe gilt für den Bereich der Religion. Wer im Bereich der Religion keine Entscheidungen trifft, nur nach Stimmung, Gefühl oder Bedürfnis handelt, wird nie zu einem frohen und erfüllten Glaubensleben finden, geschweige denn ein Heiliger werden. Genau hier können uns die Heiligen helfen. Ein paar kleine Beispiele für Entscheidung im Leben von Heiligen:

           

Der heilige Augustinus war in seiner Jugendzeit noch nicht getauft. Er landete bei der Sekte der Manichäer, zum tiefen Leid seiner Mutter, der hl. Monika, die sehr gläubig war. Augustinus war ein aufrichtiger Gottsucher. Doch er wäre ein Leben lang ein Suchender und Irrender geblieben, wenn er keine Entscheidungen getroffen hätte. In Mailand hörte er die Predigten des hl. Bischofs Ambrosius. Hier hat er eine Entscheidung getroffen, nämlich: In den Dom gehen und die Predigt hören. Das Lebens- und Verkündigungszeugnis des heiligen Ambrosius führte den jungen Augustinus zur Bekehrung und zum Glauben. Ambrosius konnte ihm in der Osternacht die hl. Taufe spenden.

           

Die heilige Notburga hatte die Praxis, mit Feierabend das Arbeiten zu lassen um sich auf den Sonntag einzustimmen. Dahinter steht eine Entscheidung.

           

Der selige Märtyrer Otto Neururer hat im Religionsunterricht auf die manchmal zuhörenden Nazis keine Rücksicht genommen. Dahinter steht eine Entscheidung.

           

Wenn wir heute Heilige werden wollen – also den Weg des christlich-katholischen Glaubens gehen wollen – benötigen wir zuerst eine Grundsatzentscheidung. Diese Grundsatzentscheidung vollzieht ein Erwachsener mit dem Empfang der hl. Taufe. Mit dem Empfang der hl. Taufe entscheidet sich der Getaufte auch für ein Leben mit dem Herrn und seiner Kirche. Zu diesen Grundvollzügen gehören zB das tägliche Gebet, das Ja zum Sonntagsgebot, die Ordnung des Lebens nach den 10 Geboten Gottes usw.

           

Wer als Kleinkind getauft wurde, muss die persönliche Entscheidung für den Glauben später in seinem Leben sozusagen nachholen; dies kann indirekt geschehen sein, durch das aufrichtige Mitleben mit der Kirche, das in der Familie erlernt wurde, und sich dann zu einer festen Glaubenshaltung entfaltet hat.

           

Öfters wird es hilfreich sein, die Grundsatzentscheidung für den Glauben als bewussten Willensakt zumindest ein Mal zu vollziehen: ZB mit einer Herz-Jesu oder Marienweihe, der Familienweihe an das Heiligste Herz Jesu, die Teilnahme an geistlichen Exerzitien…

           

Weil wir in unserer Zeitsituation als katholische Christen mit einem immer stärkeren Gegenwind zu kämpfen haben, müssen wir diese Grundsatzentscheidung immer wieder bekräftigen: ZB durch die Taufgelübde-Erneuerung in der Osternacht, die Taufgelübde-Erneuerung beim sonntäglichen Taufgedächtnis (Asperges), durch den Empfang der hl. Beichte... Wir haben sogar die Möglichkeit, jeden Tag, jede Stunde mit einer Entscheidung für Gott neu zu beginnen. So groß ist die Güte des Herzens Jesu.

           

„Wir können nicht mit Gott vereint werden, wenn wir uns nicht freiwillig dazu entscheiden, ihn zu lieben“ (Katechismus der Katholischen Kirche 1033).

           

Wenn wir als Getaufte und Gefirmte Katholiken heute keine klaren Entscheidungen für den Weg der Erlösung und der Heiligkeit treffen, diese Entscheidungen nicht immer wieder bekräftigen und durchhalten, können wir nicht nur nicht bestehen. Wir landen dann beim Atheismus. Kardinal Sarah, Präfekt der Sakramentenkongregation, sagte, sinngemäß wiedergegeben: Auch hinter dem Atheismus unserer Zeit stehen Entscheidungen: Bewusst oder unbewusst getroffene Entscheidungen, die Grundvollzüge des Glaubens nicht mehr zu leben.

           

„Sie haben ihre Kleider gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht.“ Die Heiligen haben klare Willensentscheidungen für den Weg der Erlösung und der Heiligkeit getroffen. Sie haben diese Entscheidungen immer wieder bekräftigt und mit Gottes Hilfe durchgehalten. So sind sie Heilige geworden. Sie helfen auch uns! Amen.

 

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies).

Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.