023) Herz Jesu Sonntag 2012: Der Kampf der Liebe (St. Augustinus)

Herz Jesu Sonntag, 17. Juni 2012, Pfarrkirche Imsterberg

Homilie von Pfarrer Stephan Müller (Manuskript):

AUGUSTINUS: DER KAMPF DER LIEBE IN DER GESCHICHTE:

SELBSTLIEBE – GOTTESLIEBE. (Manuskript)

Das Evangelium des Herz Jesu Festes führt uns zunächst zum Karfreitag, zum Sterben Jesu am Kreuz. Es sind die Stunden, in denen seine Feinde lachen und triumphieren, sie haben ihr Werk zu Ende geführt. Derjenige, der ihnen ein Dorn im Auge war, den sie nicht mehr sehen und nicht mehr hören wollten, war beseitigt. Menschlich ist Jesus gescheitert. Doch die kleine Schar der Treuen unter dem Kreuz sieht das anders. „Als der Hauptmann, der Jesus gegenüberstand, ihn auf diese Weise sterben sah, sagte er: Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn.“ (Mk 15,39

Der heilige Bischof und Kirchenlehrer Augustinus sagt: die ganze Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte des Kampfes zwischen zwei Arten von Liebe: der Selbstliebe und der Liebe zu Gott. Das sind die zwei Grundbewegungen der Liebe im menschlichen Herzen. Sie stehen miteinander im Kampf. Sie sind der Hintergrund für jede kleine und große Tragödie in der Welt.

Da ist die Selbstliebe, die wir als eine Verwundung Adams in uns tragen. Die Selbstliebe kreist um das Ich. Sie sucht sich selbst, sie begehrt sich selbst, sie will nur genießen, sie übersieht den Mitmenschen, übergeht den Mitmenschen, tritt auf den Mitmenschen, ja sie kann ihn sogar töten. Auf einem Lebkuchenherzen in einem Blumengeschäft stand: „Ich habe dich zum fressen gern!“ Das ist nicht die wahre Liebe, sondern die Selbstliebe, die den anderen für sich vereinnahmen will. Die Selbstliebe kann sich steigern bis zur Auflehnung gegen Gott, bis zur Verachtung Gottes, ja sogar bis zum Gotteshass. Beim Kreuz Jesu hat die menschliche Selbstliebe auf erschreckende Weise ihr Vollmaß erreicht. Sie ist gleichsam die spitze Lanze, die das Herz Jesu durchbohrt. Jesus hat das zugelassen, nicht weil er gescheitert ist, sondern weil er der königliche Sieger ist. Damit hat Christus die Selbstliebe des Menschen gesühnt und gebrochen und uns zur wahren Liebe befähigt.

Das Gegenteil der Selbstliebe ist die Gottesliebe, wie Augustinus sagt. Das Drama am Kreuz ist nicht nur ein Drama der Bosheit, des Leidens und Todes. Es ist noch viel mehr ein Drama der Liebe, der höchsten Liebe, die es gibt: die Liebe des Herzens Jesu. Das Herz Jesu am Kreuz zeigt uns das Wesen der Liebe. Im Blick auf das Kreuz erkennen wir verschiedene Dimensionen der Liebe Christi: Seine Liebe ist eine Liebe, die sich hingibt für uns, bis zum Letzten. Es ist die Liebe, die sich verletzen und verwunden lässt, die leidet. Diese hingebende und leidende Liebe ist zugleich wirkmächtig: seine Liebe erlöst uns: sie überwindet die Sünde, den Tod, die Mächte der Finsternis. Noch mehr: Das Herz Christi steht nun für alle Zeiten offen. Das Tor der Liebe Gottes ist geöffnet für alle, die den wahren Gott suchen und in die Liebe Gottes eintreten wollen. Mit diesen verschiedenen Dimensionen der Liebe zeigt uns das Herz Jesu das Wesen der Liebe.

Augustinus: der Kampf der zwei Arten der Liebe: die Selbstliebe - Gottesliebe. Das Herz Jesu stellt uns vor die Frage, wie es mit unserem Lieben aussieht. Welche Art der Liebe überwiegt in unseren Herzen? Manchmal plagt uns die Selbstliebe. Manchmal erfreut uns die Gottesliebe. Dieser Kampf der Liebe, wie Augustinus sich ausdrückt, ist in unseren Tagen wieder sehr groß geworden. Ihr habt mitbekommen: die Schwester unseres früheren Imsterberger Pfarrers Wieland, ist vor kurzem in ihrer Wohnung in Innsbruck ermordet worden. Eine dramatische Zuspitzung der Selbstliebe. Wie sehr es in der Welt drunter und drüber geht, erleben wir. Wohin gehen unsere Gesellschaft und unser Land ohne Gottesliebe?

Mit dem Herz Jesu Fest will Christus uns einladen, bei seinem Herzen und mit seinem Herzen das wahre Lieben zu lernen, jene wahre Liebe, die Geben und Schenken kann, auch wenn wir uns dazu selber oft überwinden müssen. Das Herz Jesu hilft uns zu lieben: dass wir fähig werden zur Bindung und Hingabe in der Ehe, den Eheleuten, jeden im Alltag, wo Verzeihung nötig ist, wo es schwierig ist. Mit der Hilfe Christi können wir den Weg der Liebe gehen. Je mehr wir auf das Herz Christi schauen, durch die heiligen Sakramente vom Herzen Christi gewandelt werden, können wir näher zu Gott kommen, können wir dazu beitragen, dass die Selbstliebe, und das Böse in der Welt, in unserer Umgebung überwunden werden. Doch es gibt nur eine Chance, das zu erreichen: Die Umwandlung muss sich zuerst in unserem eigenen Herzen vollziehen. In diesem Sinn wollen wir heute unser Herz dem Herzen Jesu weihen, es ihm neu übergeben mit der Bitte: Herr, hilf uns, so wie Du den Weg der Liebe zu gehen. Hilf uns, in diesem schweren Kampf zwischen Selbstliebe und Gottesliebe mit Dir zu siegen. Amen.

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