250) Allerheiligen 2017 - Gräbersegnung: ÜBER DIE UNSTERBLICHE MENSCHLICHE GEISTSEELE

Hochfest Allerheiligen 2017

 „DA FORMTE GOTT, DER HERR, DEN MENSCHEN AUS ERDE VOM ACKERBODEN UND BLIES IN SEINE NASE DEN LBENSATEM.“(Gen 2,7)

 ÜBER  DIE  UNSTERBLICHE MENSCHLICHE GEISTSEELE

Predigt von Pf. Stephan Müller bei der Vesper zur Gräbersegnung

        

In einer Zeitung unseres Landes stand heuer im Sommer ein Artikel der es wert ist, thematisiert zu werden. Das Totengedenken an diesen Tagen ist dafür gut geeignet. „Hund und Herrl im selben Grab bestatten?“ Ein österreichischer Theologe plädierte in diesem Artikel dafür, Mensch und Tier im selben Grab zu bestatten und auch den Tieren die christlichen Bestattungssymbole zukommen zu lassen, wie zB Kreuz, Kerze, Blumen; da und dort geschieht dies auch tatsächlich, sogar auf eigenen Friedhöfen!

        

Mensch und Tier im gleichen Grab bestatten könnte vielleicht als „Tierliebe“ verstanden werden. Für viele einsame Menschen ist ein Haustier eine gute Hilfe, weil sie sonst niemand haben, leider. Vielleicht hat der Herrgott auch deshalb Haustiere geschaffen. Wo Tiere gehalten werden, soll es ihnen gut gehen. Wenn wir ein wenig hinter die weltanschaulichen Kulissen unserer Gesellschaft blicken, verweist uns dieser Zeitungsartikel – „Hund Herrl im selben Grab bestatten?“ – auf Entwicklungen in unserer Gesellschaft. Das zu bedenken ist nicht unwichtig.

        

Menschen und Tiere auf die gleiche Stufe stellen ist, denke ich, zunächst Ausdruck einer menschlichen Hilflosigkeit und Orientierungslosigkeit. Es ist scheinbar Menschen nicht mehr bewusst, wer der Mensch ist und was ein Tier ist. Unserer Gesellschaft entschwindet das Bewusstsein der sogenannten christlichen Anthropologie, der Wahrheit über den Menschen. Ist der Mensch nur mehr ein Gebilde aus Fleisch und Knochen und körperlichen Trieben? Hat der Mensch nicht doch auch eine höhere Wirklichkeit als seinen Körper? Eine höhere Wirklichkeit als die Tiere?

        

Menschen und Tiere auf die gleiche Stufe stellen und miteinander begraben, ist auch ein Signal dafür, dass in unserer Gesellschaft eine klare Vorstellung über die unsterbliche Geistseele des Menschen nicht mehr ohne weiteres vorhanden ist. Mit anderen Worten: Nicht mehr alle Menschen glauben an die Existenz einer unsterblichen menschlichen Geistseele. Eine der Ursachen dafür, dass in unserer westlichen Welt viele Menschen kein Bewusstsein für die unsterbliche menschliche Geistseele haben,  liegt in den östlich-asiatischen Religionen, zB im Buddhismus; die östlichen Religionen haben für Menschen und Tiere sehr verschwommene Seelenvorstellungen. Solche östliche Vorstellungen haben sich auch bei uns ausgebreitet.

        

Doch: Wer nicht mehr an die Unsterblichkeit einer menschlichen Geistseele glaubt, glaubt auch nicht an einen Schöpfergott und auch nicht an die Existenz eines Himmels oder einer ewigen Gottesferne, der Hölle. Im Klartext ist das die Einstellung: Mit dem Tod, mit dem Eingehen in den Sarg bzw. in die Urne ist alles vorbei, das Leben ist zu Ende. Das ist die versteckte Haltung, die sich bewusst oder unbewusst dort verbirgt, wo Menschen und Tiere auf die gleiche Ebene gestellt und in das gleiche Grab verfrachtet werden. Wir sind hier mit einer völlig materialistischen Weltanschauung konfrontiert, einer Weltanschauung, die der hl. Apostel Paulus so brandmarkt: „Lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot“ (1 Kor 15,32).

        

Dass Tiere und Tiergräber dann sogar noch mit christlichen Zeichen versehen werden sollten – wie jener Theologe meinte - kann man beim besten Willen nicht als Ausdruck einer Glaubenshaltung ansehen. Denn wer mit dem Glauben an die unsterbliche Seele und dem Schöpfergott wirklich Ernst macht, wird es nicht schaffen, Mensch und Tier auf die gleiche Ebene zu stellen.

        

Religionsgeschichtlich gesehen: Es war den Menschen aller Religionen und Zeiten immer diese geistige Dimension des Menschen bewusst, auch der Jenseitsbezug war damit immer gegeben. Der Verlust der geistigen Dimension des Menschen und der daraus hervorgehende Verlust des Jenseitsbezuges ist ein Novum der Neuzeit, eine schwere Krise, die in der Neuzeit begonnen hat. Am Beginn stehen übrigens die Lehren der Reformatoren, vor allem Martin Luther. Heute ist das Aufgeben der geistigen Dimension des Menschen (die Seele und ihre Bedeutung), die Ablehnung des Jenseitsbezuges des Menschen allgemein verbreitet, allgemein salonfähig geworden. Stichwort: Atheismus. Der Mensch wird auf das Leibliche und Sichtbare reduziert, auf die Ebene des Tieres gestellt. Das hat es, religionsgeschichtlich gesehen, im alten Heidentum tatsächlich nie gegeben. Das alte vor- und außerbiblische Heidentum hatte mit den Göttern viele irrige Gottesvorstellungen, doch es hat um die Transzendenz des Menschen gewusst.

        

Der Besuch der christlichen Gräber und das Gebet für die Verstorbenen haben einen klaren christlich-katholischen Glaubensinhalt:

a) Die Offenbarung zeigt uns die doppelte Dimension des Menschen. Der Bericht der Genesis bringt das in einer bildhaften Weise zum Ausdruck, wir haben es in der Lesung gehört: „Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen“ (Gen 2,7). Beides hat der Mensch: Erdhaftes und Himmlisches. Der Körper, und nur der Körper!, ist von der Erde genommen. Wir brauchen das Leben mit der Erde, den Einklang mit der Natur. Der Lebensodem, wie die Heilige Schrift sagt, meint die Geistseele. Die Seele ist vom Himmel, von Gott. Wir brauchen das Leben mit Gott, um uns entfalten zu können. Trotzdem ist der Mensch nicht in einem Dualismus zweigeteilt. Er ist in seiner Person eine untrennbare Einheit zwischen Leib und Geistseele. Der Körper drückt die Seele aus.

b) Die Offenbarung sagt: GOTT gibt dem Adam – seinem Leib – den Lebensatem. Dh die menschliche Geistseele wird nicht von den Eltern hervorgebracht, sondern im Augenblick der Zeugung unmittelbar von Gott geschaffen. Das Anerkennen der Geistseele hat mit der Anerkennung des Schöpfergottes zu tun. Von da her hat jeder Mensch die Würde der Person, vom Augenblick der Empfängnis an.

c) Was ist die Seele? In der Heiligen Schrift bedeutet Seele oft das Leben des Menschen oder die ganze menschliche Person, der Mensch in seiner Leib-Seelischen Einheit. Seele meint in der Heiligen Schrift auch das Wertvollste am Menschen, das, wodurch der Mensch am meisten Bild Gottes ist: Durch seine unsterbliche Geistseele. Gott ist geistig; er hat unserer menschlichen Seele auch Geistesfähigkeiten gegeben, ihm ähnlich. Die drei Geisteskräfte oder Geistesfähigkeiten der Seele sind: Wir haben die Fähigkeit zu lieben, in Beziehung zu treten. Wir haben die Fähigkeit zu erkennen: Gott, die Wahrheit, uns selbst. Wir haben den freien Willen, wir können Ja und Nein sagen. „Wir können nicht mit Gott vereint werden, wenn wir uns nicht freiwillig dazu entscheiden, ihn zu lieben“ (Katechismus der Katholischen Kirche 1033).

        

Wenn uns die Offenbarungswahrheiten über die menschliche Seele bewusst sind verstehen wir auch, warum wir „Herrl und Hund“ nicht im gleichen Grab bestatten können: Tiere - bei aller Wertschätzung, die ihnen gebührt - sind nicht Ebenbild Gottes, sie haben keine personale unsterbliche Geistseele, sie haben nicht die Geistesfähigkeiten der Seele, sie haben nicht die Würde der Person. Deshalb können wir tote Tiere auch nicht mit den christlichen Bestattungssymbolen ehren, wie den toten Leib des Menschen. Nur der menschliche Leib hat durch die Vereinigung mit der Geistseele die Würde der Person und ist durch die hl. Taufe Tempel des Heiligen Geistes.

        

Lassen wir unser Menschsein von der Offenbarung stärken. Für uns selber. Denken wir immer wieder daran, unsere Seele durch die Gnade, vor allem die Sakramente der Kirche, zu nähren und zu stärken. Es ist heute Mode, zur Erholung des Körpers Wellness-Hotels zu besuchen. Auch unseren Seelen täte es gut, Wellness-Center für die Seele aufzusuchen - unsere Gotteshäuser mit den Angeboten der Gnade der Sakramente.

        

Der biblische Gott der Offenbarung gibt auch unserem Umgang mit Tod und Grab die rechten Perspektiven. Wir wissen, warum wir die Gräber besuchen. Die Gräber sind nur ein Zeichen. Wir halten sie in Ehren. Doch wir wissen auch, dass die unsterbliche Geistseele unserer Angehörigen nicht im Grab und nicht am Friedhof ist. Die Seelen der Verstorbenen sind, wie die Heilige Schrift ganz allgemein lehrt, im Himmel, im Fegfeuer oder in der Hölle.

        

Deshalb sollten wir auch keinen übertriebener Grabkult und keine übertriebene Grabbezogenheit pflegen. Die hl. Monika sagte zu ihrem Sohn Augustinus vor ihrem Tod: „Begrabt diesen Leib, wo immer ihr wollt, doch denkt an mich am Altar Gottes.“ Wenn wir die Gemeinschaft mit den Seelen unserer Verstorbenen suchen, dürfen wir zum Altar gehen, dh zum Hl. Messopfer und zum Gebet.

        

Wir wissen auch um die Wirklichkeit des Fegfeuers, der Möglichkeit, durch die Barmherzige Liebe Gottes nach dem Tod noch seelische Läuterung und Heilung finden. Darum beten wir heute und jeden Tag für unsere Verstorbenen. Wir vertrauen sie und uns selber dem Erbarmen Christi an, der am Kreuz für uns gestorben ist, der den Tod besiegt und uns das Ewige Leben verdient hat. Am Jüngsten Tag wird die Geistseele mit dem Auferstehungsleib, der eine Neuschöpfung ist, vereinigt werden.

        

Das sind die großen Glaubensperspektiven, die über dem christlichen Grab leuchten und uns die große Hoffnung geben. Amen.

        

        

Weiterführende Katechese: Katechismus der Katholischen Kirche, Artikel 362-368

 

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies).

Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.