247) 29. Sonntag im Jk A) 2017: VIELE SIND GERUFEN, ABER NUR WENIGE SIND AUSERWÄHLT

29. Sonntag im Jahreskreis A) 2017

„VIELE SIND GERUFEN, ABER NUR WENIGE AUSERWÄHLT“ (Mt 22,14)

GOTTES EINLADUNG - UNSERE ANTWORT?

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Ein König „sandte seine Diener, die Geladenen zur Hochzeit zu rufen.“ Gott lädt ein und ruft uns Menschen in seine Gemeinschaft. Wunderbar! Gott Vater lädt ein und ruft uns, seine barmherzige und gerechte Liebe zu erkennen, den Sohn Gottes zu erkennen, den er uns gesandt hat. Gott lädt ein und ruft uns, durch seine Kirche in die Gemeinschaft mit dem Erlöser und in die Erlösung einzutreten. „Allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden“ (Joh 1,12). Wir könnten auch sagen: Das Gleichnis spricht von der Liebe Gottes, die um unsere Herzen und unsere Liebe wirbt, um unseres Heiles willen.

           

Christus spricht im Gleichnis an, wie es dem einladenden Gott mit uns Menschen ergeht. Die Erstgeladenen wollen nicht kommen. Die Zweitgeladenen kümmern sich nicht um die Einladung. Die einen haben Ausreden: Der Acker ruft, das Geschäft ruft. Die anderen werden gewalttätig und ermorden die Diener des Königs, die die Einladung überbringen. Was so schön begonnen hat, führt schließlich zur Tragödie. Christus spricht vom Zorn Gottes, der die Mörder bestraft. Weil die Geladenen die Einladung in den Wind geschlagen haben, vermasseln sie sich die Teilnahme am Hochzeitsmahl. Ein weiterer Versuch des Königs ist erfolgreicher. Die Einladung ergeht an die Menschen auf der Straße, an Gute und Böse. So füllt sich der Hochzeitssaal.

           

Als Messiasgleichnis spricht Christus hier wieder die Dramatik im Volk Israel an, das ihn  als Messias abgelehnt hat. Die Guten und Bösen von der Straße sind die Menschen aus dem Heidentum, aus allen Völkern, die von überall her die Einladung Gottes zur Erlösung durch Christus annehmen.

           

Was bedeutet das Gleichnis für uns?

           

Die Einladung Gottes zur Erlösung durch Christus wird zuerst für uns im Sakrament der hl. Taufe konkret. In der heiligen Taufe nimmt der Mensch die Einladung Gottes ganz grundlegend an. Der Getaufte beginnt ein Leben mit Christus und der Kirche. Der Getaufte verspricht beim Taufgelübde, mit der Gnade der Erlösung zu leben: ZB die Gebote Gottes zur Richtschnur zu machen, die Lehre Christi zu beachten, mit den Sakramenten zu leben. All diese Grundvollzüge sind Vorrechte und auch Pflichten, die sich aus der hl. Taufe ergeben.

           

Im Zentrum steht für den Getauften die Bindung an Christus in der Eucharistie. Sich als Getaufter von Christus rufen lassen bedeutet konkret, sich am Sonntag, durch die Auferstehung Christi unser Urfeiertag, zum Heiligen Messopfer rufen zu lassen. Denn in jeder Sonntagsmesse nehmen wir vorauskostend am Hochzeitsmahl des ewigen Lebens teil. Christus ernährt unsere Seele durch sein Wort und Sakrament. Von dem her gesehen ist das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl zutiefst eucharistisch und kirchlich. Wir hören es jedes Jahr auch beim ersten Evangelium der Fronleichnamsprozession.

           

Das Gleichnis vom Hochzeitsmahl ist ein Gleichnis für alle Jahrhunderte, für alle Generationen, für jeden Einzelnen, auch für heute. Wie ergeht es uns persönlich als Getaufte mit der Einladung Christi zum Hl. Messopfer am Sonntag? Ist es nicht oft ganz ähnlich wie im Gleichnis? Die einen wollen nicht kommen. Die anderen kümmern sich nicht darum. Wieder andere haben Ausreden; statt Acker und Geschäft muss man nur andere Dinge einsetzen: Ausschlafen, Sport, Hobby, Freizeit usw. Dass man sich an den einladenden Dienern blutig vergreift, ist in vielen Ländern mit Christenverfolgung bittere Wirklichkeit. Bei uns geschieht es vielleicht mit Worten und auf subtilere Weise, dass die einladenden Diener Gottes angegriffen werden. Die einladenden Diener Gottes sind zuerst die Eltern in der Familie, die Bischöfe, die Priester. Wie schwer haben es zB gute christlich-katholische Eltern, die ihre Kinder zur Sonntagsmesse führen wollen, und dann andere ihre von Gott verliehene Autorität untergraben.

           

Dann ist da noch der Mann, der kein hochzeitliches Gewand trägt und schließlich vom König in die Finsternis – ein Bild für die ewige Gottesferne der Hölle - hinaus geworfen wird.

           

Das Hochzeitsgewand hat einen Symbolcharakter. Es erinnert an unsere Mitwirkung am Heil: Wenn wir in den Himmel kommen wollen, müssen wir die Einladung Gottes annehmen und uns für den Himmel vorbereiten. Wir können nicht, wie wir im Sprichwort sagen, mit „Dreck und Speck“ - mit Sünden beladen, in den Himmel kommen. Der Weg der Vorbereitung besteht in Bekehrung und Glaube.

           

Das Hochzeitsgewand ist in der gesamten 2000jährigen Kirchengeschichte immer auch als ein klarer Hinweis für den würdigen bzw. unwürdigen Empfang der Heiligen Kommunion verstanden worden. Der Empfang des Leibes Christi ist eine Vorwegnahme des königlichen Hochzeitsmales im Himmel. Für diesen Empfang muss der Getaufte das hochzeitliche Gewand der Gnade anziehen, dh frei sein von schwerer Sünde, die von Christus getrennt hat, ein Leben mit Christus und der Kirche führen.

           

Christus fasst sein Gleichnis zusammen und sagt: „Viele sind gerufen, aber nur wenige auserwählt.“ Hier ist gemeint: Die Einladung Gottes ergeht an alle. Aber nicht alle nehmen die Einladung Gottes an.

           

In der Sprache der Herz-Jesu-Verehrung: Das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl handelt von der einladenden Liebe Gottes, in die Erlösung durch Christus einzutreten. Das Gleichnis ist auch eine liebende Warnung des Herzens Jesu, die Einladung Gottes nicht in den Wind zu schlagen, damit uns nicht die Folgen dieser Ablehnung erreichen. Christus will nicht, dass wir verloren gehen.

Die Einladung Gottes zum Leben mit Gott, zur Erlösung in der Gotteskindschaft, steht auch heute. Gott nimmt diese Einladung nicht zurück. Wie gehen wir, wie gehe ich mit dieser Einladung um?

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