245) Rosenkranzsonntag 2017: CORDULA WÖHLER UND IHR LIED "SEGNE DU, MARIA"

 

Rosenkranzsonntag 2017

Cordula Wöhler/Pelegrina und ihr Lied SEGNE DU, MARIA

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Am 13. Oktober 1917 sagte Maria in Fatima zu den drei Kindern: „Ich bin die Königin des heiligen Rosenkranzes.“ Bei den monatlichen Erscheinungen vom Mai bis Oktober 1917 bat sie die drei Kinder: „Betet täglich den Rosenkranz um das Ende des Krieges und den Frieden in der Welt zu erlangen.“ Lassen uns auch wir von diesen Worten der himmlischen Königin zum Rosenkranzgebet einladen. Wenn der Rosenkranz recht gebetet wird, nicht geleiert, nicht zu schnell, nicht zu langsam, nicht zu laut, ruhig, besinnlich, ist er auch heute ein wunderbares Gebet, das die Seele zum Frieden Gottes führt. Auch ich möchte euch herzlich zum täglichen Oktoberrosenkranz in die Pfarrkirche einladen. Wer ihn noch nicht kennt, möge versuchen, zB ein Gesätzchen zu beten, die Zahl kann man langsam steigern. Wer den ganzen Rosenkranz betet, soll dem treu bleiben. Versucht es auch in den Familien, zB am Sonntag ein Gesätzchen miteinander beten. Senioren können ihre Familien mit dem täglichen Rosenkranz dem Herrn empfehlen.

           

Wir singen heute zur Opferung: „Segne du, Maria, segne mich, dein Kind, dass ich hier den Frieden, dort den Himmel find! Segne all mein Denken, segne all mein Tun, lass in deinem Segen Tag und Nacht mich ruhn! Segne du, Maria, alle die mir lieb, deinen Muttersegen ihnen täglich gib! Deine Mutterhände breit auf alle aus; segne alle Herzen, segne jedes Haus!“

           

Der Text dieses Liedes ist nicht zufällig entstanden. Die Verfasserin heißt Cordula Wöhler. Ich möchte zum Rosenkranzsonntag ein wenig aus ihrem Leben erzählen. Kordula Wöhler wurde 1845 in Meklenbrug geboren. Ihre Eltern waren ein protestantisches Pastorenehepaar. Ihr Vater war auch Schuldirektor.

           

Cordula Wöhler fühlte sich schon früh zur Gottesmutter Maria hingezogen. In ihrer protestantischen Pfarrkirche stand aus der katholischen Zeit noch eine gotische Pieta. Vor dieser Pieta hatte sie als Kind heimlich zu Maria gebetet. Als ihr Vater dies bemerkte, entfernte er die Pieta; nach protestantischer Praxis war es nicht üblich, eine Verehrung für Maria aufzubauen.

           

Die ersten Berührungen mit dem katholischen Glauben hatte Cordula Wöhler durch Bücher katholischer Schriftsteller. Sie konnte diese Bücher wahrscheinlich nur heimlich lesen.

           

Als sie 19 Jahre alt war, unternahmen ihre Eltern mit der Familie eine Reise, sie kamen auch nach Bayern und Tirol. Hier konnte sie das erste Mal den katholischen Gottesdienst erleben. Sie war, wie sie später bezeugt hat, tief beeindruckt von der Schönheit und Sakralität des katholischen Messopfers. Christus im Allerheiligsten Altarssakrament begann sie anzuziehen. Und sie selber ließ sich auch anziehen. Sie beanspruchte brieflich eine geistliche Begleitung durch einen katholischen Priester (Professor Alban Stolz). In den folgenden Jahren geschah ein inneres Kämpfen und Ringen um die Erkenntnis des wahren Glaubens und der wahren Kirche.

           

Als die Eltern von den Absichten ihrer Tochter Wind bekamen, begannen  die Schwierigkeiten in der Familie. Als sie 25 Jahre alt war erklärte sie den Eltern ihre Volljährigkeit und teilte ihnen ihren Entschluss mit, zur katholischen Kirche zu konvertieren.

           

Die 25jährige Cordula Wöhler war sich bewusst, dass ihre Konversion für sie auch weitere leidvolle Folgen haben würde. In dieser tragischen persönlichen Not vertraute sie sich ganz Maria an. Genau in dieser Not schrieb sie im Mai 1870 das Gedicht „Segne du, Maria.“ Sie wusste sich von Maria geführt und bei ihr geboren. Im Juli 1870 setzte sie im Alter von 25 Jahren den Schritt der Konversion zur katholischen Kirche. In der Folge musste sie ihr Elternhaus verlassen und es kam zum Bruch mit der Familie, zum Verlust der bisherigen vertrauten Beziehungen. Und doch war sie auch glücklich und hatte in der Kirche und im katholischen Glauben den inneren Frieden gefunden, von dem sie im Gedicht „Segne du, Maria“, geschrieben hatte.

           

Ihr weiterer Weg führte sie nach Tirol. Sie arbeitete zuerst im Widum von Eben am Achensee, auch als Magd bei einem Bauern. Dann war sie auch Schriftstellerin. Sie hat später geheiratet. Die Ehe kam nur zustande, weil sie mit ihrem Mann auf der Glaubensebene eine tiefe Seelenverwandtschaft verband. Zusammen mit ihm lebte sie in Schwaz. Das Ehepaar hatte keine Kinder, doch zwei Weisenkinder adoptiert. Sie konnte auch die große Freude erleben, sicher auch von ihr erbetet, dass ihre Eltern und Geschwister ihre Konversion akzeptierten und mit ihr wieder Gemeinschaft pflegten. Sie haben ihre Tochter mehrmals in Schwaz besucht. An der Friedhofsmauer der Schwazer Pfarrkirche wurden sie und ihr Mann begraben.

           

Segne du, Maria! Ein Lied, hinter dem ein leidvoller und noch vielmehr segensreicher Lebensweg eines Menschen steht. Was kann uns ihr Lebensweg heute sagen?

           

- Der persönlichen Lebensberufung folgen und dem katholischen Glauben treu bleiben, auch wenn dies von Verwandten und Bekannten nicht verstanden wird, kann mit so manchem inneren Leiden und äußeren Schwierigkeiten verbunden sein, an denen man aber auch wachsen und reifen darf. Wer Gottes Ruf und dem Glauben treu bleibt, wird trotz allen Schwierigkeiten einen tiefen inneren Frieden haben, den die Welt nicht zu geben vermag. Diese Treue in der persönlichen Lebensberufung und im katholischen Glauben gereicht einem selber und anderen immer zum Segen.

           

- Die Schönheit und Sakralität des katholischen Messopfers hat die ehemals protestantische Pastorentochter zu Christus und zur katholischen Kirche geführt. Sie hat nach der Konversion viele dichterische Werke verfasst, aus denen eine sehr tiefe Einsicht in das katholische Dogma zu erkennen ist. In der gegenwärtigen Zeit erleben wir, dass nicht wenige Katholiken ihre Identität bzw. den katholischen Glauben aufgeben. Cordula Wöhler steht heute als Lichtgestalt vor uns, als ein Mensch, der mit einem klaren Bekenntnis das Katholische gelebt hat und sehr glücklich war. Auch wir wollen - 500 Jahre nach der Reformation - das Katholische, vor allem das Heilige Messopfer, das „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“ ist  (zweites Vatikanisches Konzil, Konstitution LUMEN GENTIUM/Über die heilige Kirche, 11), hoch und heilig halten.

           

- Cordula Wöhler hat sich in ihrer seelischen Not ganz Maria anvertraut. Auch wir wollen in allen Lebenssituationen unser Denken und Tun der Gottesmutter anvertrauen. Wir können das auch im Rosenkranzgebet tun. Maria wird uns mild und mächtig leiten und beschützen.

           

Cordula Wöhler (ihr Dichtername: Cordula Pelegrina) schrieb auch ein kleines Buch mit Gedichten über das Allerheiligste Altarssakrament („Was das ewige Licht erzählt“), es hat 20 Auflagen erlebt. Mit einem dieser Gedichte möchte ich heute schließen. Es ist beeindruckend, aus dem Mund einer ehemaligen Protestantin solche Worte über das Allerheiligste Altarssakrament zu vernehmen:

           

Meine Liebe und mein Leben,      JESUS ist's im Sakrament.

Hat mir ganz das Herz genommen      Dass ich nicht genug bekommen

Kann von Seiner süßen Nähe,      Und je mehr ich zu ihm gehe,

Lieb' ich EINEN und sonst KEINEN!      - Meinen Gott im Sakrament!

           

Mein Verlangen, meine Freude,      JESUS ist es im Altar! -

Ist mein Herz von Schmerz getroffen      Weiß es HIER den HAFEN offen,

Wo es kreuzgedrückten Seelen      Nie an süßem TROST wird fehlen;

Selbst die Leiden werden Freuden      Dort beim ew'gen Licht so klar!

           

Meine Hilfe, meine Hoffnung,      JESUS ist's im Engelsbrot!

Hab' im Sterben, wie im Leben      Ganz mich Seiner Lieb' ergeben;

Und so hoff' ich voll Vertrauen,      Einst im Himmel Ihn zu schauen

Ihn, den EINEN, den wie KEINEN      TREU ich lieb' bis in den Tod. Amen.

 

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