243) 24. Sonntag im JK A 2017: ÜBER DIE TUGEND DES VERZEIHENS

 

  1. 24. Sonntag im Jahreskreis A) 2017

 „VERGIB DEINEM NÄCHSTEN DAS UNRECHT, DANN WERDEN DIR,

WENN DU BETEST, AUCH DEINE SÜNDEN VERGEBEN.“(Sir 28,2)

 ÜBER  DIE  TUGEND DES VERZEIHENS

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Das Wort Gottes handelt heute von der Tugend des Verzeihens, eine so wichtige Haltung für unser Leben. Das Verzeihen ist oft nicht einfach. Menschliche Gemeinschaft ist jedoch ohne Verzeihen nicht möglich. Das gilt für Lieblosigkeiten im Alltag bis zu schwerwiegenden Dingen. Das Wort der Lesung ist sehr deutlich: Wenn wir persönlich von Gott Vergebung unserer Sünden erlangen wollen, müssen wir auch bereit sein, unseren Mitmenschen zu vergeben. So beten wir auch im Vater unser. Mit dem Gleichnis im Evangelium beschreibt Christus zuerst, wie schön und groß das Erbarmen Gottes ist, der uns vergibt, wenn wir darum bitten. Reue und Bekehrung ist der Weg zum Erbarmen Gottes. Das grenzenlose Verzeihen Gottes wird zum Wegweiser für unser menschliches Verzeihen. Der hl. Paulus bringt es auf den Punkt und lehrt: „Ertragt euch gegenseitig und vergebt einander, wenn einer dem andern etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!“ (Kol 3,14).

           

Einige Impulse für das Verzeihen im Miteinander des Lebens.

           

Wir erhalten die Kraft zum Verzeihen, wenn wir uns selber in der regelmäßigen Beichte immer wieder neu das Verzeihen Gottes schenken lassen.

           

Verzeihen beginnt im Denken und bedeutet zB: Keine Gedanken der Rache und Vergeltung hegen. „Mein ist die Rache, sagt das Wort Gottes“ (Röm 12,19).

           

Verzeihung üben ist auch ein Vorgang, der ausgesprochen werden will. Man muss zum andern hingehen, miteinander reden, ein Wort der Entschuldigung, die Bitte um Verzeihung: „Es tut mir leid, verzeih mir bitte, dass ich so war, mich so verhalten habe“ usw. Umgekehrt: Verzeihung soll dem anderen auch zugesprochen werden: „Ich verzeih dir gerne…“

           

Verzeihung ist immer wieder neu notwendig. Petrus ist sich vielleicht gut vorgekommen als er gemeint hat: Siebenmal? Die Antwort Christi: Siebenundsiebzig Mal, bedeutet schlicht und einfach: Immer!

           

Verzeihung bedeutet Vergangenes nicht wieder aufwärmen. Wer vergangene Vorkommnisse immer wieder aufwärmt und anderen vorwirft, hat noch nicht aufrichtig vergeben. Wer aufrichtig verzeiht, wird mit der Zeit auch vergessen können. Verzeihung macht Ereignisse nicht ungeschehen. Aber durch Gottes Hilfe lernt man damit umgehen.

           

Aufrichtiges Verzeihen bedeutet, dem anderen von Herzen zu vergeben. Christus hat uns am Kreuz von Herzen vergeben. Warum sollen wir das nicht auch tun?

           

Was ist, wenn man selber vergeben will, aber der andere die Vergebung nicht annimmt? Dann kann man für seine „Feinde“, für den irrenden Bruder, die irrende Schwester, nur  beten.

           

Das Verzeihen ist eine göttliche Eigenschaft. Das zu bedenken kann eine Hilfe sein: „Wenn ich verzeihe, übe ich eine Tugend, die mich und auch die anderen Gott nahe bringt.

           

Das Verzeihen Gottes und menschliches Verzeihen macht Dinge nicht ungeschehen, doch Gott führt durch sein Verzeihen Menschen wieder neu ins Leben, führt zu neuen Anfängen, zum Weitergehen. Paulus sagt einmal: „Ahmt Gott nach als seine geliebten Kinder“ (Eph 5,1). Wenn wir im Verzeihen Gott nachahmen, führt das auch Menschen neu ins Leben und zum Weitergehen im Leben. Amen.

            

 

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