024) Geburt Johannes des Täufers 2012: Ein besonderes Kind

Hochfest der Geburt Johannes des Täufers, 24. Juni 2012

Homilie von Pfarrer Stephan Müller (Manuskript):

„WAS WIRD WOHL AUS DIESEM KIND WERDEN´? DENN ES WAR DEUTLICH, DASS DIE HAND DES HERRN MIT IHM WAR (Lk 1,66).

JOHANNES, EIN BESONDERES KIND. JEDER MENSCH IST ETWAS BESONDERES IN DEN AUGEN GOTTES.

Der Urfeiertag der Christen ist der Sonntag. Die Liturgie des Sonntages verdrängt deshalb die Heiligenfeste, mit ganz wenigen Ausnahmen. Wenn wir heute einen Heiligen feiern, das Geburtsfest Johannes des Täufers, dann hat das also eine besondere Bedeutung. Dazu kommt noch, dass wir nicht den Todestag – bei den Märtyrern der Geburtstag für den Himmel – sondern den irdischen Geburtstag feiern. Es gibt nur zwei Heilige, die auch ein Geburtfest haben: Maria und Johannes der Täufer.

Die Eltern von Johannes, Zacharias und Elisabeth, hatten bis zu diesem Zeitpunkt, wie die Bibel berichtet, keine Kinder. Das war damals für jüdische Eltern ein großer Schmerz. Jede jüdische Frau hoffte insgeheim, die Mutter des Messias werden zu können. Das Festtagsevangelium erzählt uns von den Vorgängen um die Geburt des Johannes. Die Geburt des Johannes war zunächst eine gewöhnliche Geburt. Ihre Nachbarn und Verwandten freuen sich mit Elisabeth, die so sehr auf ein Kind gewartet haben. Ein neu geborenes Kind ist Freude und Leben und Hoffnung. Das können wir nachvollziehen. Einige Dinge fallen uns im Evangelium auf, die über das Gewöhnliche hinausgehen: Elisabeth, die Mutter, greift bei der Namensgebung energisch ein: „Nein, er soll Johannes heißen.“ Damals haben die Väter den Namen bestimmt. Schon nach der Geburt machen sich die Menschen Gedanken, was wohl aus diesem Kind einmal werden wird. Die Gläubigen Menschen spüren, dass bei diesem Kind Gott seine Hand mit im Spiel hat. Soweit zur historischen Begebenheit, wie sie uns die Bibel schildert.

Zwei Gedanken zum Geburtsfest des Johannes. Die Kirche zeigt uns, dass das Kind Johannes ein besonderes Kind ist. Die Eltern, die Dorfbewohner wissen es noch nicht. Doch Gott weiß es. Gott hat in das Herzen dieses Kindes bereits eine besondere Berufung gelegt. Es war die Sendung des Johannes, dem Messias den Weg zu bereiten. Johannes ist der letzte der alttestamentlichen Propheten. Er steht an der Schwelle vom Alten zum Neuen Testament. Er war die Stimme des Rufers in der Wüste. Er hat die Massen des Volkes erreicht. Er verkündet die Taufe zur Umkehr. An ihm sollte auch schon das Kreuz Christi aufleuchten. Johannes war Zeuge der Wahrheit. Er hat dem König Herodes den Ehebruch vorgehalten, und musste dafür mit seinem Kopf bezahlen.

Ein zweiter Gedanke. Müssten wir nicht sagen: nicht nur das Kind Johannes, jedes Kind ist in den Augen Gottes etwas Besonderes und Einzigartiges. Jedes Kind erhält vom Schöpfergott eine unsterbliche Geistseele, jede Seele geht aus der Schöpferliebe Gottes hervor. Gott liebt uns so, wie kein Mensch uns lieben kann. Wie viele Menschen erfahren wenig oder keine menschliche Liebe. Jeder Mensch ist etwas Besonderes, weil hinter ihm die Liebe des Dreifaltigen Gottes steht.

Es gibt noch einen Grund, warum jedes Kind etwas Besonderes ist: Gott hat mit jedem Menschen einen Plan, Gott hat jedem Menschen eine Lebensaufgabe zugedacht. In der Sprache der Kirche nennen wir das die persönliche Berufung. Der selige J.H.Newman sagte: „Ich bin zu einer Lebensaufgabe berufen, zu der kein anderer berufen ist.“ An Johannes dem Täufer sehen wir, dass der Plan Gottes oft nicht leicht für uns ist. Er ist mit dunklen Stunden und mit Kreuz verbunden. Doch der Weg, den Gott uns führt, ist für uns der leichteste und der beste. Gott gibt mit der Berufung auch die Gnaden und die Kraft, sie zu leben.

Um die persönliche Lebensberufung zu finden, braucht es viel Geduld, Gebet, geistliche Begleitung, ein suchen nach seinen Gaben und Talenten. „Wo deine Gaben sind, da sind deine Aufgaben!“ Der Herrgott wird uns einmal nicht nach unserer Leistung und unserem Erfolg im menschlichen Sinn fragen. Erfolg ist nie der Maßstab Gottes. Das ist ein großer Trost für uns. Vielleicht wird es einmal viel mehr darum gehen, ob wir uns auf Gottes Plan und Gottes Liebe eingelassen haben. Bin ich ein Mitdenker mit dem momentanen Wind, ein Mitreder mit der allgemeinen Meinung, ein Mitläufer mit der Mehrheit? Oder bin ich jener besondere Mensch, der versucht, ER selbst zu werden, zu bleiben, so wie Gottes Plan und Liebe es ins Herz gesenkt hat?

Johannes der Täufer gehörte zweifelsohne zu den letzteren. Das brachte ihm kein bequemes Leben, doch ein erfülltes Leben. Jesus sagte über ihn: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer (Lk 7,28). Wir wollen nicht „groß“ werden im Sinn von berühmt und bekannt. Aber wir wollen das Große und Besondere, das Gott in unser Herz gesenkt hat, ausgraben und entfalten. Amen.

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