241) 21. Sonntag im JK 2017: Offenbarung 9: DIE PFORTEN DER HÖLLE WERDEN SIE NICHT ÜBERWÄLTIGEN

 21. Sonntag im JK A) 2017

DER  GOTT  DER  OFFENBARUNG

zum Inhalt und zur Bedeutung der biblischen Offenbarung

9) „DIE PFORTEN DER HÖLLE

WERDEN SIE NICHT ÜBERWÄLTIGEN“ (MT 16,18)

WAS AN DER KIRCHE NICHT ZERSTÖRT WERDEN KANN

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Wir haben jetzt das Messiasbekenntnis des hl. Apostels Petrus gehört. Seine Erkenntnis und sein Bekenntnis, dass Christus GOTT ist, hat er nicht aus menschlichem Nachdenken. Es ist geoffenbarter Glaube, den Petrus bekennt. Wir haben uns in den vergangenen Monaten mehrmals mit diesem Offenbarungscharakter des Glaubens befasst.

           

Das heutige Sonntagsevangelium verbindet die Offenbarung Gottes mit der Kirche. Auch die Kirche ist nicht das Ergebnis  menschlichen Nachdenkens oder menschlicher Erfindung. Sie ist von Gott, von Christus gestiftet. Christus spricht von SEINER Kirche, die ER bauen wird – auf den Felsen Petri. Dann gibt Christus dieser Kirche eine unvorstellbare Prophezeiung: „Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.“ 2000 Jahre lang hat sich dieses Christuswort erfüllt. Wie viele wollten die Kirche zerstören, und sie lebt immer noch. Wird es auch weiterhin so bleiben? Ja! Versuchen wir, diese Prophezeiung von der Unzerstörbarkeit der Kirche so zu verstehen, wie sie die Kirche immer verstanden hat.

           

1) Christus hat prophezeit, dass DIE KIRCHE von den Pforten der Hölle nicht überwältigt werden wird, dh sie also nicht zerstört werden kann. Gemeint ist die Kirche als Ganzes, die Kirche als Leib Christi und Braut Christi. Christus hat nicht gesagt, dass die Kirche in allen Kontinenten, in allen Ländern, in allen Diözesen oder Pfarreien – also in den Ortskirchen – erhalten bleiben wird. Nur die Kirche als Ganzes hat diese Prophezeiung der Unzerstörbarkeit erhalten. Die Kirchengeschichte ist hier sehr lehrreich. Es hat Länder gegeben, in denen die Kirche jahrhundertelang lebte und blühte, und heute ist davon nichts mehr übrig. Das war zB so im Gebiet der heutigen Türkei, dem früheren oströmischen byzantinischen Kaiserreich. In Nordafrika gab es in den ersten Jahrhunderten blühende Christengemeinden. Im Zuge der Völkerwanderung sind diese Christengemeinden alle zugrundegegangen. Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich zurzeit in Europa ab. Ganze Länder fallen vom katholischen Glauben und der Kirche ab.

           

2) Christus hat die Unzerstörbarkeit der Kirche konkretisiert. Er hat prophezeit, dass SEINE Kirche nicht zerstört werden kann. Die Unzerstörbarkeit gilt nicht für die „selbstgemachte“ Kirche mit dem „selbstgemachten“ Glauben. Mit anderen Worten: In der Kirche hat nur das auf Dauer Bestand, was von Christus kommt, die göttlichen Elemente der Kirche. Zu den göttlichen Elementen der Kirche gehören zB: die göttliche Offenbarung/das Glaubensgut, die hierarchische und sakramentale Verfassung der Kirche, das Priestertum, die apostolische Sukzession, die sieben Sakramente, die Gnade, welche in den Sakramenten vermittelt wird, das Petrusamt. Die Kirche hat natürlich auch menschliche Elemente, entsprechend der Zeitumstände zB: Der wirtschaftliche Verwaltungsapparat, das ganze demokratische Gremien- und Sitzungswesen, die weltlichen Besitzungen, die Gotteshäuser (so wertvoll und wichtig es ist, dass wir sie haben). All das gehört nicht zum Wesen der Kirche. Manchmal sind diese weltlichen Dinge für die Kirche eher ein Hindernis, eine Lähmung, weil sie von der eigentlichen Sendung der Kirche ablenken. Die Kirchengeschichte zeigt das: Wenn die Kirche diesen weltlichen Dingen zu viel verfallen war, zu einer Bekehrung und Rückkehr zu ihrer eigentlichen Sendung nicht mehr fähig war, hat Christus manchmal eine Läuterung von außen, durch Zeitumstände, zugelassen.

           

3) Das Konzil von Trient gibt uns noch eine sehr wichtige Auslegung dieser Schriftstelle. Christus hat die Kirche auf dem Messiasbekenntnis des Petrus gebaut, dh auf dem Glaubensbekenntnis des Petrus; in der Sprache der Kirche: auf dem Dogma des Glaubens. „Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen!“ bedeutet: Das Dogma des Glaubens kann von keiner Macht der Welt oder der Dämonen zerstört werden kann. Was Gott geoffenbart und gestiftet hat, das bleibt.

           

Die Kirche hat auf ihrem zweitausendjährigen Weg im Bereich des Glaubens viele Schwierigkeiten und Herausforderungen erlebt, es hat Häresien und Irrlehren gegeben. Durch all diese Schwierigkeiten hindurch ist das Dogma des Glaubens getragen worden, immer noch klarer zum Leuchten gekommen. So war es zB auch nach den großen Glaubenswirren der Reformation. Das Konzil von Trient hat durch die Hilfe des Heiligen Geistes den Glauben von allen Irrlehren, von allem, was mit der Offenbarung nicht vereinbar ist, gereinigt. Der katholische Glaube ist in seiner Schönheit und Reinheit neu erstrahlt und hat für Jahrhunderte die Menschen angezogen, zu Christus geführt, war Quelle der Inspiration für eine ganze Epoche der Kunst- und Kulturentfaltung. Das war so stark, dass die Epoche nach dem Konzil von Trient die „Tridentinische Epoche“ in der Kirchengeschichte genannt wird (*).

           

Für uns heute: Wo innerhalb der katholischen Kirche die Bindung an das Dogma – an den geoffenbarten Glauben – keine Rolle mehr spielt, nicht mehr gelebt wird, oder aufgegeben wird, dort hat die Kirche keine Zukunft. Das gilt für Länder, Diözesen, Orden, Pfarrgemeinden, für Priester und auch für den einzelnen Katholiken. Umgekehrt: Wo innerhalb der katholischen Kirche die Bindung an das Dogma – an den geoffenbarten Glauben – gelebt wird, dort hat die Kirche Zukunft. Überleben wird die Kirche des Glaubens.

           

Wie es mit dieser Bindung an das Dogma des Glaubens heute in der Kirche bestellt ist, erleben wir sehr dramatisch. Umso mehr erkennen wir, was wir zu tun haben. Wir können das Haus unseres eigenen Lebens, vor allem das Haus unsere Seele, auf diesen festen Grund bauen, den Christus uns auch heute gibt: DAS DOGMA DES GLAUBENS. So können wir in einer äußerlich sehr verworrenen und unruhigen Zeit den inneren Frieden und die Geborgenheit des Glaubens erfahren. Was wir persönlich im Kleinen und im Stillen tun, wird auch dem ganzen Leib der Kirche zum Segen gereichen.

           

„Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.“ Was an der Kirche nicht zerstört werden kann:

- Die Kirche als Ganzes kann nicht zerstört werden.

- Das Göttliche in der Kirche kann niemand zerstören.

- Das Dogma des Glaubens, auf das die Kirche gebaut ist, kann niemand zerstören.

           

Amen.

 

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