239) Maria Himmelfahrt 2017: ZEICHEN AM HIMMEL

Hochfest Maria Himmelfahrt 2017

 „EIN  GROSSES  ZEICHEN  ERSCHIEN  AM  HIMMEL“ (Offb 12,1)

ZEICHEN  AM  HIMMEL

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Ein großes Zeichen erschien am Himmel.“ Mit diesem Wort Gottes aus der Offenbarung des Johannes treten wir heute, am Hochfest Maria Himmelfahrt, als Kirche in die Feier des Hl. Messopfers ein. Wir Menschen benötigen die Zeichen am Himmel, die Gott uns gegeben hat. Sie schenken uns Licht und Orientierung. Die Heilige Schrift nennt uns mehrere Zeichen am Himmel, die uns für unseren Glaubensweg geschenkt sind, die wir deshalb beachten sollten.

           

In seiner Rede über die Endzeit sagt Christus: „Danach wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen; dann werden alle Völker der Erde jammern und klagen und sie werden den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels kommen sehen“ (Mt 24,30). Christus spricht hier vom Allgemeinen Gericht über alle Menschen am Jüngsten Tag, am Ende der Zeiten. Vor diesem Ereignis wird das Zeichen des Menschensohnes, das Kreuz, am Firmament von allen zu sehen sein. Wir wollen natürlich nicht bis zu diesem Tag warten, um auf das Zeichen des Kreuzes zu schauen. Wir wollen unser Leben im Jetzt und Heute immer neu unter das erlösende Zeichen des Kreuzes stellen. Wenn wir zB mit einem Kreuzzeichen und dem Morgengebet den Tag beginnen. Wenn wir vor und nach dem Essen beim Tischgebet im Zeichen des Kreuzes bitten und danken. Wenn wir am Sonntag das Hl. Messopfer feiern, binden wir uns an das Zeichen des Menschensohnes, das erlösende Kreuzesopfer Christi.

           

Ein zweites großes Zeichen hat Gott in das Firmament des Himmels gesetzt: „Ein großes Zeichen erschien am Himmel: Eine Frau, mit der Sonne umkleidet, zu ihren Füßen der Mond, auf ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen.“ Die mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommene Jungfrau und Gottesmutter Maria, auf die uns dieser wunderschöne und große Feiertag der Kirche verweist, ist ein Zeichen, das Gott uns gegeben hat. Als Katholiken erkennen wir die Bedeutung der Gottesmutter Maria für die Heilsgeschichte. Sie hat uns Gott gebracht, Christus, und sie will uns zu Gott führen. Die Muttergottes im Himmel in ihrer leib-seelischen Vollendung zeigt uns unser Ziel. Vor hundert Jahren sagte Maria in Fatima den drei Kindern: „Ich komme vom Himmel. Ich werde euch zum Himmel führen.“

           

Das Zeichen des Menschensohnes und die Frau mit der Sonne bekleidet. Diese beiden Zeichen am Himmel haben noch ein Gegenzeichen. Auch darauf verweist uns die Heilige Schrift: Im 12. Kapitel der Offenbarung ist uns gesagt: „Ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen.       Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war. (Offb 12,4).

           

Der Drache, das sind der Teufel und die Dämonen in Person. Dieses Zeichen hat nicht Gott geschaffen. Von Gott geht nichts Böses aus. Die Dämonen sind aus der hochmütigen Ablehnung Gottes aus sich selbst heraus böse geworden. Gott macht uns durch die Heilige Schrift auf die Existenz des Drachens und seines Anhangs sozusagen aufmerksam, um uns davor zu warnen. Der Teufel führt Krieg (Offb 12,17) gegen die Frau mit der Sonne, gegen das Kind, das sie geboren hat, der Sohn Gottes, und gegen seinen Nachwuchs, das sind die Kinder der Kirche. Der Drache will erreichen, dass uns der Aufblick zu den beiden Heils-Zeichen am Himmel verloren geht, der Bezug zu Gott und zum Himmel verloren geht. Er will erreichen, dass wir nur mehr an uns denken, an Leistung, an das Irdische, an Vergnügen, dass wir, wie der hl. Pfarrer von Ars einmal gesagt hat, wie Maulwürfe werden, die unter der Erde ihre Gänge graben und das Licht der Sonne nicht mehr sehen. Der Teufel will erreichen, dass der Glaube nur mehr ein ausgewählter „Wohlfühlglaube“ wird, billig zu haben, ohne Ansprüche von Seiten Gottes oder der Kirche, unter Ausklammerung er der ernsten Inhalte, der Verantwortung vor Gott, der Notwendigkeit klarer Entscheidungen für Gott.

           

Papst Benedikt XVI. hat öfters von der Gefahr gesprochen, dass in unserer Zeit das Licht, das von Gott kommt, von den beiden Zeichen am Himmel, zu verlöschen droht. Gemeint ist: Die Menschen in unserer Zeit haben sich durch die Loslösung von Gottes Geboten oft so weit von Gott entfernt, dass Gott sie mit seinem Licht in ihrem Gewissen nur mehr schwer oder nicht mehr berühren kann. Das ist die schlimmste Krise, in die eine Gesellschaft geraten kann.

           

Von allen drei Zeichen am Himmel geht Licht aus. Vom Zeichen des Menschensohnes geht das klare und starke Licht der Erlösung aus. Die katholische Kirche trägt das Licht der Erlösung in die Welt hinein und bietet es in den heiligen Sakramenten den Gläubigen an. Von der Frau, die mit der Sonne bekleidet ist, geht das milde Licht der Barmherzigkeit Gottes aus. Maria ist ja die Muttergottes und unsere Mutter. Vom Drachen geht ein Schein- und Irrlicht aus, das uns täuschen und verführen will. Wir müssen fest mit dem Licht Christi und Mariens leben, um die Verführungskünste des Drachen zu durchschauen und nicht darauf hereinzufallen.

           

Es hat im Leben der Kirche Zeiten gegeben, in denen die Gläubigen einen sehr starken Bezug zur himmlischen Welt hatten. Ein kleines Beispiel. Die gotischen Kathedralen in Frankreich sind fast alle der Gottesmutter Maria geweiht. Nicht nur Christus, auch Maria war den Menschen im Mittelalter, in der Zeit der Hochgotik, so wichtig, dass sie solch kunstvolle und überwältigende sakrale Bauwerke errichtet haben. Viele Generationen hatten meist mehrerer Jahrhunderte lang an diesen Kathedralen gearbeitet. Das gesamte Leben der Menschen, von der Familie über die Berufe bis hin zur Politik, hatte damals einen tiefen Bezug zu diesen Kathedralen und dem kirchlichen Leben, das sich darin abspielte.

           

Die Kathedralen waren damals keine Museen, wie sie es heute leider oft sind. Man ist dort hingegangen, um die Predigt zu hören, um die Sakramente zu feiern, um zu beten, um Stille zu haben, um das Allerheiligste anzubeten, vor allem, um häufig das Hl. Messopfer mitzufeiern, das an vielen Altären täglich von vielen Priestern dargebracht wurde. Wenn die Gläubigen zur Kathedrale gegangen sind, wollten sie sich schon beim Kirchenportal an die Zeichen am Himmel erinnern, an Christus, Maria und das Treiben des Drachen. Im Tympanon über dem Portal der Kathedralen sind diese drei Zeichen in irgendeiner Form abgebildet. Meist Christus dargestellt, als Lehrer, Pantokrator oder Weltenrichter, und die Gottesmutter Maria. Häufig ist auch das Jüngste Gericht mit den Geretteten oder Verdammten dargestellt, der Erzengel Michael mit der Seelenwaage, Himmel und Hölle. Das war ein tägliches Leben mit den ewigen Wahrheiten der Letzten Dinge. Das christlich/katholische Leben mit diesem Bezugspunkt zu Muttergotteskathedralen war eine einzigartige Epoche in der Geschichte des gläubigen Volkes in der Kirche.

Wir haben bei uns keine gotischen Kathedralen. Wir haben viel gotische Kirchtürme, die wie Zeigefinger zum Himmel weisen – und schöne Kirchen. Und wir haben die beiden großen Heils-Zeichen am Himmel, die Gott uns gegeben hat: Christus und Maria, die mit Leib und Seele in die Freude des Himmels aufgenommen ist.

           

Maria hilft uns, das Licht dieser beiden großen Zeichen in unsere Herzen und Gewissen aufzunehmen. Sie hilft uns, das strahlende Licht aufzunehmen, das vom Zeichen des Menschensohnes ausgeht: Die Erlösung. Maria hilft uns, das milde Licht der Barmherzigkeit aufzunehmen, das von ihr selber ausgeht, der Mittlerin aller Gnaden. Amen.

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