236) 15. Sonntag im JK A 2017: Offenbarung 8: ÜBER DIE BINDUNG AN DIE GLAUBENSLEHRE

 15. Sonntag im Jahreskreis A) 2017

 „IHR  SEID  DER  LEHRE  GEHORSAM  GEWORDEN, DER  IHR  ÜBERGEBEN  WURDET“

 (Röm 6,17) ÜBER  DIE  BINDUNG  AN  DIE  GLAUBENSLEHRE

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Christus hat die alttestamentliche Offenbarung vollendet und den Aposteln übergeben. Die Apostel haben diesen Offenbarungscharakter des Glaubens erkannt. Von dem her haben sie vom Glauben als kostbares Gut gesprochen, das ihnen Christus anvertraut hat. Die Apostel haben dieses Glaubensgut weitergegeben an die junge Kirche, durch die Heilige Schrift und die Überlieferung. Die Kirche wird deshalb apostolisch genannt, auf dem Fundament der Apostel gegründet.

           

Warum ist das Festhalten am Glaubensgut, also an den von Gott geoffenbarten Glaubenswahrheiten, wie sie von der Kirche bis zum heutigen Tag weitergegeben wurden, auch für uns heutige Menschen so wichtig? Genügt es nicht, einfach nur zu sagen oder zu denken: „Ich vertraue auf Jesus!“?

           

Der hl. Apostel Paulus bringt im Epheserbrief die Antwort auf diese Frage auf den Punkt wenn er sagt: „Durch den Glauben wohne Christus in eurem Herzen.“ (Eph 3,17). Der Zugang zu Christus und zu seiner Gnade geht über den Glauben. Mit Glaube ist hier nicht nur ein persönliches Vertrauen auf Christus gemeint, sondern eine Lehre, ein konkreter Inhalt.

           

Denken wir an die vielen Krankenheilungen, von denen das Evangelium berichtet. Wie oft sagt Christus: „Dein Glaube hat dir geholfen!“ Der blutflüssigen Frau, die das Gewand Jesu zu berühren suchte, sagt Jesus: „Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen, geh in Frieden“ (Lk 8,48). Dem blinden Bartimäus sagt Jesus in Jericho: „Geh! Dein Glaube hat dir geholfen. Im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen, und er folgte Jesus auf seinem Weg“ (Mk 10,52). Der reuige Schächer am Kreuz glaubt an Christus und darf deshalb die Worte hören: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lk 23,43). Immer war es der Glaube, der die Menschen zu Christus und seiner Gnade geführt hat.

           

Der hl. Paulus schreibt den Christen in Rom: „Ihr wart [als Heiden] Sklaven der Sünde, seid jedoch von Herzen der Lehre gehorsam geworden, an die ihr übergeben wurdet“ (Röm 6,17). Diese Stelle aus dem Römerbrief zeigt uns, was die Apostel unter Glaube verstanden haben. Paulus erinnert an dieser Stelle des Römerbriefes die Christen in Rom, dass sie durch die hl. Taufe Christus übergeben worden sind. Doch interessanterweise sagt Paulus hier nicht Christus, sondern: Ihr seid der Lehre übergeben worden. Christus und die Glaubenslehre wird hier identisch gesetzt. Die Glaubenslehre ist der Lebendige Christus. Statt Jesus Christus können wir sagen: Glaubenslehre. Diese Sicht des Glaubens gründet im Wort Christi: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6).

           

Für die Apostel ist also Christus aufnehmen gleichbedeutend mit den Glauben aufnehmen. Der Glaube ist für die Apostel nicht eine unbestimmbare Idee, nicht eine abstrakte Philosophenlehre, ein subjektives Gefühl, eine eigene Vorstellungen über Gott usw. Sondern Glaube bedeutet eine konkrete Lehre, eine Wahrheit, die Christus ist, und die der Mensch bei der Taufe im Gehorsam annimmt. In den Briefen der Apostel wird das an vielen Stellen bezeugt:

           

Der hl. Apostel Petrus schreibt: „Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit. Dieses Wort ist das Evangelium, das euch verkündet worden ist“ (1 Petr 1,25). „Verlangt, gleichsam als neugeborene Kinder, nach der unverfälschten, geistigen Milch, damit ihr durch sie heranwachst und das Heil erlangt. Denn ihr habt erfahren, wie gütig der Herr ist. (1 Petr 2,2f).

Paulus schreibt an Timotheus: „Was ich dir vor vielen Zeugen als die Lehre unseres Glaubens übergeben habe, das gib in derselben Weise an zuverlässige Menschen weiter, die imstande sind, es anderen zu vermitteln“ (2 Tim 2,2).

Die Christen in Kolossä ruft Paulus auf: Ihr müsst „unerschütterlich und unbeugsam am Glauben festhalten und dürft euch nicht von der Hoffnung abbringen lassen, die euch das Evangelium schenkt. In der ganzen Schöpfung unter dem Himmel wurde das Evangelium verkündet; ihr habt es gehört, und ich, Paulus, diene ihm“ (Kol 1,23).

           

Nach der Lehre der Apostel ist das Bekenntnis der Glaubenslehre notwendig, um mit Christus und seiner erlösenden und helfenden Gnade verbunden zu werden und zu bleiben. Das Bekenntnis zur Glaubenslehre ist sozusagen die Nabelschnur, die uns mit Christus verbindet.

           

Natürlich hat die Glaubenshaltung für uns Katholiken nicht nur einen Lehr- und Wahrheitscharakter, der sogenannte Wahrheitsglaube. Auch das menschlich persönliche Vertrauen, der Vertrauensglaube, ist uns bedeutsam. Das Alte Testament leitet uns oft an, in allen Lebenssituationen auf Gott zu vertrauen, zB bei Jesaja: „Verlasst euch stets auf den Herrn, denn der Herr ist ein ewiger Fels“ (Jes 26,4). Die Apostel lassen uns diesen Zusammenhang tiefer sehen. Wer wird mehr Vertrauen auf Christus zustande bringen: Jemand, für den Gott Vater und Jesus Christus nur ein mehr oder weniger Unbekannter ist, der von Gott nichts weiß, oder jemand, der durch die Offenbarung um das große Geheimnis des Gottmenschen Jesus Christus weiß? Jemanden, den man nicht kennt, kann man nicht lieben. Je tiefer der Wahrheitsglaube bei uns ist, desto tiefer wird auch der Vertrauensglaube werden. Der hl. Apostel Paulus bringt das im Brief an die Epheser mit folgenden Worten zum Ausdruck: In Christus „haben wir den freien Zugang [zu Gott] durch das Vertrauen, das der Glaube an ihn schenkt“ (Eph 3,12). Der Vertrauensglaube erwächst aus dem Wahrheitsglauben.

           

Das Bekenntnis zur Glaubenslehre, so wie es die Apostel verstanden und vermittelt haben, hat in das Leben der Kirche Eingang gefunden. Bei der Spendung der hl. Taufe wird der Taufanwärter bzw. der Pate gefragt: „Was erbittest du von der Kirche Gottes? Die Antwort ist interessanterweise in der Tradition nicht „die Taufe“, sondern „der Glaube.“ Die anschließende Frage: „Was schenkt dir der Glaube? - Das ewige Leben.“ Der Glaube führt uns zum ewigen Leben.

           

Das Bekenntnis zur Glaubenslehre ist auch die Grundlage für die innere Einheit der Kirche. Es gibt keine Einheit ohne die Wahrheit oder neben der Wahrheit.

           

Im Tagesgebet am Hochfest der Apostelfürsten Petrus und Paulus betet die Kirche: Durch die Apostel Petrus und Paulus haben wir [die Kirche] den Glauben und das Leben in Christus empfangen.

           

Die Apostel sind von Anfang an gegen die Irrlehren und gegen die Verfälschungen des Glaubens aufgetreten und eingeschritten. Der hl. Apostel Paulus zB hat zu seiner Zeit den Gläubigen, die von Irrlehrern verwirrt worden waren, ohne Diplomatie zugerufen: „Wer euch aber ein anderes Evangelium verkündigt, als wir euch verkündigt haben, der sei verflucht, auch wenn wir selbst es wären oder ein Engel vom Himmel“ (Gal 1,8).

           

Im 2. Brief an Timotheus gibt Paulus uns ein schönes Zeugnis von sich selber, er ist sich bewusst, dass er dem Martyrium entgegengeht: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Glauben bewahrt, die Treue gehalten!“ (2 Tim 4,7) – er meint die Treue im Glauben.

           

Der Offenbarungscharakter des Glaubens und die Notwendigkeit der Bindung an die Glaubenslehre wurden in den letzten Jahrzehnten in der Kirche vernachlässigt, er spielt im Leben vieler Katholiken keine Rolle mehr, ohne verallgemeinern zu wollen. Aus diesem Grund herrscht in der Kirche viel Verwirrung und auch Verfall. Wenn Christus die Wahrheit ist, wie soll die Kirche leben, wenn die Wahrheit des Glaubens keine Bedeutung mehr hat? Die Kirche kann nur leben und überleben, wo sie durch das Festhalten am Glauben mit Christus verbunden ist. Der Glaube darf natürlich niemanden aufgezwungen werden. Doch wer Christus und seine Kirche will, muss bereit sein, das Bekenntnis zum ganzen geoffenbarten Glaubensgut zu geben. Diesen Schritt können wir persönlich setzen, indem wir mit einer tiefen Freude am Glaubensgut festhalten, jeden Sonntag aus ganzem Herzen das Glaubensbekenntnis beten. Wir können das Credo auch zu einem wertvollen persönlichen Gebet machen. Es wird uns in vielen Situationen viel Kraft und Freude geben. Amen.

 

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