025) Peter und Paul 2012: Schlüsselgewalt

Hochfest der Apostelfürsten Petrus und Paulus 2012 – Pfarrkirche Imsterberg

„ICH WERDE DIR DIE SCHLÜSSES DES HIMMELREICHES GEBEN.“(Mt 16,19).

DIE SCHLÜSSELGEWALT DES PAPSTES.

Worte aus der Predigt seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI., vom 29.6.2012 – dazu kurze erläuternde Worte, die hier nicht angeführt sind.

Wort des Papstes:

Kommen wir nun zum Symbol der Schlüssel, von dem wir im Evangelium gehört haben. Es verweist auf den Spruch des Propheten Jesaja über den Verwalter Eljakim, von dem es heißt: „Ich lege ihm den Schlüssel des Hauses David auf die Schulter. Wenn er öffnet, kann niemand schließen; wenn er schließt, kann niemand öffnen“ (Jes 22,22). Der Schlüssel stellt die Autorität über das Haus David dar. Und es gibt im Evangelium noch ein anderes Wort Jesu, das an die Schriftgelehrten und an die Pharisäer gerichtet ist, denen der Herr vorwirft, den Menschen das Himmelreich zu verschließen (vgl. Mt 23,13). Auch diese Aussage hilft uns, die Verheißung an Petrus zu verstehen: Ihm als dem treuen Verwalter der Botschaft Christi kommt es zu, die Tür des Himmelreiches zu öffnen und zu beurteilen, wer aufzunehmen und wer zurückzuweisen ist (vgl. Offb 3,7). So drücken die beiden Bilder – das der Schlüssel und das des Bindens und Lösens – ähnliche Bedeutungen aus und bestärken sich gegenseitig. Das Wort vom „Binden und Lösen“ gehört zum rabbinischen Sprachgebrauch und spielt einerseits auf doktrinelle Entscheidungen an und andererseits auf die Disziplinargewalt, also auf die Macht, die Exkommunikation zu verhängen und aufzuheben. Die Parallele „auf Erden … im Himmel“ gibt die Gewähr, daß die Entscheidungen Petri in der Ausübung dieser seiner kirchlichen Funktion auch vor Gott Gültigkeit besitzen.

Im 18. Kapitel des Matthäus-Evangeliums, das dem Leben der kirchlichen Gemeinde gewidmet ist, finden wir ein weiteres Wort Jesu an seine Jünger: „Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein“ (Mt 18,18). Und der heilige Johannes gibt in seiner Erzählung von der Erscheinung des auferstandenen Christus am Osterabend inmitten der Apostel dieses Herrenwort wider: „Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert“ (Joh 20,22-23). Im Licht dieser Parallelen wird deutlich, daß die Autorität zu lösen und zu binden in der Macht besteht, die Sünden zu vergeben. Und diese Gnade, die den Kräften des Chaos und des Bösen ihre Wirksamkeit entzieht, liegt im Herzen des Mysteriums und des Dienstes der Kirche. Die Kirche ist nicht eine Gemeinschaft von Vollkommenen, sondern von Sündern, die zugeben müssen, daß sie der Liebe Gottes bedürfen, daß sie es nötig haben, durch das Kreuz Jesu Christi gereinigt zu werden. Die Aussagen Jesu über die Autorität Petri und der Apostel lassen gerade dieses erahnen: daß die Macht Gottes die Liebe ist, die Liebe, die ihr Licht von Golgotha her ausstrahlt. So können wir auch begreifen, warum in der Erzählung des Evangeliums unmittelbar auf das Glaubensbekenntnis des Petrus die erste Leidensankündigung folgt: Mit seinem Tod hat Jesus tatsächlich die Mächte der Unterwelt besiegt, in seinem Blut hat er einen riesigen Strom der Barmherzigkeit über die Welt ausgegossen, der mit seinen heilbringenden Wassern die gesamte Menschheit tränkt.

Benedikt XVI.

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