234) Herz-Jesu-Sonntag 2017: DER ENTSCHEIDUNGSCHARAKTER DES TIROLER HERZ JESU GELÖBNISSES

 

Herz-Jesu-Sonntag 2017

„DRUM GELOBEN WIR AUFS NEUE“

 DER  ENTSCHEIDUNGSCHARAKTER

DES TIROLER HERZ-JESU-GELÖBNISSES

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Das Herz-Jesu-Fest ist ein Glaubensfest der katholischen Weltkirche. Für uns in Tirol hat dieses Fest durch das Herz-Jesu-Gelöbnis unserer Vorfahren noch einen besonderen Inhalt. Einen Aspekt des Herz-Jesu-Gelöbnisses wollen wir heute überdenken. Das Tiroler Herz-Jesu-Gelöbnis trägt einen Entscheidungscharakter in sich; damals und heute.

           

Der Entscheidungscharakter des Herz-Jesu-Gelöbnisses damals, 1796.

           

Ein Machtbesessener Politiker, Napoleon, hat damals in vielen Ländern Europas blutige Kriege angezettelt, er kam bis Moskau. Für Tirol ging es nicht nur um die Auflehnung gegen eine Fremdherrschaft, es ging um das Leben des Volkes, so wie man sich damals als christlich-katholisches Volk verstanden hat, und es ging vor allem um das Weiterbestehen des katholischen Glaubens in unserem Land. Napoleon wollte eine von Rom getrennte und dem Staat unterstellte Staatskirche.

           

Es war damals in Tirol wahrscheinlich allen bewusst, dass ein so kleines Land gegenüber den Heeren Napoleons nichts ausrichten kann. ZB hatte Innsbruck um 1809 ca. 10.000 Einwohner. In dieser damals menschlich aussichtslosen Situation der napoleonischen Kriege kam es zum Tiroler Herz Jesu-Gelöbnis des Tiroler Landtages, dh des engeren Ausschusses des Landtages, vom 1. Juni 1796. Man muss zu den damaligen Vorgängen sagen: Die Vertreter des Landes und die Bevölkerung standen vor schwerwiegenden Entscheidungen. Uns steht es nicht zu, diese Entscheidungen zu hinterfragen. Jedenfalls beinhaltet das Tiroler Herz-Jesu-Gelöbnis zuallererst eine sehr klare Entscheidung der Landespolitiker und der Bevölkerung für den katholischen Glauben und die katholische Kirche. Das erkennen wir an mehreren Gegebenheiten-, zB:

           

Das Land Tirol (Nordtirol, Südtirol, Trentino) hatte damals inklusive der Klöster ca. 4000 Priester. Alle Pfarreien und kleinen Kaplaneien hatten einen Priester, weil den Gläubigen die Hl. Messe und die Sakramente sehr wichtig waren.

           

Das Herz-Jesu-Gelöbnis wurde von Anfang an als eine Weihe an das Heiligste Herz Jesu verstanden. Andreas Hofer hat es so formuliert: „Wir haben uns dem liebsten Herzen Jesu verlobt!“ Mit dem Herz-Jesu-Gelöbnis wollten unsere Vorfahren einerseits von Christus die Abwendung der Kriegsgefahr erflehen, andererseits haben sie unmissverständlich zum Ausdruck gebracht: „Wir wollen am römisch katholischen Glauben festhalten!“ – dh an Gott, an den Geboten Gottes, an der Kirche, am Papst in Rom, an der katholischen Glaubenslehre, an den Sakramenten, an den Priestern usw. Das Gelöbnis wurde am 3. Juni 1796 in der damaligen Pfarrkirche von Bozen, vor dem dortigen Herz-Jesu-Bild, vollzogen. Ein Jahr später wurde das Gelöbnis in allen Pfarreien des damaligen Tirol  mit größter Begeisterung wiederholt. Auch an dem ist zu erkennen, wie wichtig damals den Menschen der katholische Glaube war.

           

Etwas anderes war die Volkserhebung von 1809, die nur im Zusammenhang mit der Treue zum Glauben zu verstehen ist. Das Herz-Jesu-Gelöbnis beinhaltet natürlich nicht den Griff zu den Waffen. Die Landesverteidigung hat sich aus der Kriegsbedrohung ergeben. Der Bischof in Brixen (Fürstbischof Karl Franz von Lodron) und der Klerus hat die kriegerische Erhebung am Beginn sozusagen stillschweigend toleriert, war neutral, nur sehr wenige Priester haben zu den Waffen gerufen. Jedoch nach der 2. Bergiselschlacht hat der Bischof die blutige Erhebung abgelehnt und dazu ermahnt, die Waffen niederzulegen, er hat gesehen, dass die Kämpfe nur mehr zu einem sinnlosen Blutvergießen führen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt haben die Führer der Freiheitskämpfe, darunter war auch ein Kapuzinerpriester, nicht auf die Kirche gehört. Das Ergebnis war eben sinnloses Blutvergießen auf beiden Seiten.

           

Das Tiroler Herz-Jesu-Gelöbnis ist ein Bekenntnis zum Glauben und zur Kirche. So haben es uns unsere Vorfahren als kostbare geistliche Gabe weitervermittelt. Auch wir sollten es heilig halten und weitergeben. Unser Land und die Kirche in unserem Land bleibt dem Herzen Jesu geweiht, das wurde nie zurück genommen. Auch Christus, unsere Vorfahren haben ihn liebevoll den Bundesherrn genannt, hat das Gelöbnis sicher nicht zurückgewiesen. Ob er mit unserem Land und mit uns selber heute zufrieden sein kann?

           

Heute, so denke ich, muss sich jeder persönlich den Inhalt des Herz-Jesu-Gelöbnisses aneignen und es erneuern. Jeder kann nur für sich selber entscheiden: Ich will am katholischen Glauben festhalten. Ich will der katholischen Kirche die Treue halten, so wie es unsere Vorfahren getan haben. Das Herz-Jesu-Gelöbnis ist nicht damit erfüllt, dass wir äußerlich schöne Feiern halten usw. Wie geht es dann im Alltag weiter? An den Sonntagen, die auf den Herz-Jesu-Sonntag folgen?

           

Der Entscheidungscharakter des Herz-Jesu-Gelöbnisses für uns heute.

           

Damals war das kleine Land Tirol in politisch schwierige Vorgänge Europas verwickelt. Heute ist es nicht anders. Über Westeuropa ist mehr und mehr das Aufgehen des Halbmondes zu erkennen. Der Gottesdienstbesuch am Sonntag sinkt in Westeuropa oft bereits unter 5 %. Schon Papst Johannes Paul II. hat im Blick auf Westeuropa von einer stillschweigenden Apostasie/Glaubensabfall gesprochen. In Österreich fällt bereits auf jede Geburt eine Abtreibung… Um nur einiges anzudeuten.

           

Aufgrund dieser Entwicklungen,  stehen wir heute – dh in diesen Jahren und Jahrzehnten - vor schwerwiegenden Entscheidungen. Es geht nicht nur um die Existenz des christlichen bzw. katholischen Glaubens in Europa, sondern auch um das Überleben unserer Kultur, soweit sie noch vorhanden ist.

           

Rein menschlich gesehen können wir auf die großen Vorgänge in Europa, in die wir eingebunden sind, nicht direkt Einfluss nehmen. Das Herz-Jesu-Gelöbnis erinnert uns jedoch daran, dass wir durch persönliche Entscheidungen sehrwohl etwas zum Guten tun und bewirken können.

           

Der geistige Entscheidungskampf, den wir heute erleben, spielt sich auf ganz grundlegenden Ebenen ab:

           

- Der Bereich der Ehe: Ist die Ehe für uns Christen etwas Heiliges, ein Sakrament, auf das wir uns gut vorbereiten, oder nur mehr „ein weltlich Ding“, wie Luther gemeint hat, ohne unverzichtbare Inhalte?

           

- Der Bereich der Sakramente: Sind die sieben Sakramente für uns Quellen der Gnade? Wenn wir nicht mehr mit den Sakramenten leben, werfen wir - vielleicht unbewusst - dem Herrgott mit unserem Verhalten diese Perlen sozusagen vor die Füße und sagen zu ihm:  „Ich brauche Deine Perlen nicht!“

           

- Der Bereich der Sonntagsmesse. Ist der Sonntag ein Tag, der Gott gehört, oder nur mehr mir selber, dem Sport, dem Ausschlafen, der Freizeit, der Arbeit? Übrigens ist es nicht mehr selbstverständlich, dass in den Pfarreien unseres Landes eine Sonntagsmesse gefeiert werden kann, es fehlen dafür die Priester. Manche werden für diese Situation auf die Feier von Wortgottesdienste durch die Ortsgemeinde verweisen. Papst Johannes Paul II. sagte bei seinem Besuch in Österreich im Jahr 1988: „Bei aller Anerkennung und Wertschätzung für die kostbaren Dienste der Laien in den Pfarrgemeinden darf man nicht vergessen: Im sakramentalen Bereich kann der Laie nie das ersetzen, was den Priester auszeichnet. Letztlich kann ein Priester nur von einem Priester ersetzt werden“ (aus der Predigt von Johannes Paul II. in St. Pölten am 20.6.1988). Dieses Wort des Papstes lässt sich im katholischen Glaubensverständnis ohne weiteres auch so formulieren: „Das Heilige Messopfer kann nur durch das Hl. Messopfer ersetzt werden.“

           

- Der Bereich des Lebensschutzes? Setzen wir uns für die Ungeborenen Kinder ein, denen Gott das Recht auf Leben und die Würde der Person vom ersten Augenblick der Empfängnis an gegeben hat?

           

- Der Bereich der Offenheit für die Weitergabe des Lebens: Wer zB durch die Pille verhütet, sie hat übrigens nicht selten auch eine abtreibende Wirkung, baut eine verneinende Haltung zum Leben und damit auch zu Gott auf, denn Gott ist die Quelle des Lebens.

           

- Der Bereich der Offenbarung Gottes. Ist der Glaube nur mehr Gefühl und Stimmung bei einigen wenigen Festen im Jahr? Stelle ich mir den Glauben selber zusammen oder lebe ich den Glauben als eine feste Bindung an den sich offenbarenden Gott, an seine Gebote, wie es heute in der Lesung angesprochen war?

           

Eine Anregung für Eltern, denen Kinder anvertraut sind: Denkt manchmal über die Frage nach: Was nehmen unsere Kinder von uns Eltern in ihr Leben mit? Wenn die heutigen Erwachsenengenerationen für diese Grundvollzüge des Glaubens und des Lebens – nur an ein paar haben wir uns kurz erinnert - keine Entscheidungen mehr treffen, entsteht zuerst ein Hohlraum, der von anderen Dingen aufgefüllt wird: Esoterik, Aberglaube, Süchte, Kirchenaustritt... Junge Menschen tun sich auch immer schwerer, mit dem Leben zurechtzukommen. Werden dann nicht mit der Zeit diese Entscheidungen von anderen Mitbewohnern in unserem Land getroffen, von Menschen, die andere Glaubenshaltungen und andere Kulturen leben, die ihnen in ihrem Bereich jedoch sehr wichtig sind?

           

Wer die Zeichen der Zeit erkennt, begreift, dass die Erwachsenengenerationen heute für sich und für ihre Kinder vor schwersten und folgenreichen Entscheidungen stehen.

           

Christus sagt uns im heutigen Evangelium: „Kommt alle zu mir!“ (Mt 11,28)

           

Christus ruft die Eifrigen: dass sie aus der häufigen Hl. Messe und Hl. Kommunion, die Kraft zur Treue schöpfen und immer mehr Liebende werden und andere mittragen.

           

Christus ruft die Suchenden, dass sie bei Ihm den Weg, die Wahrheit und das Leben finden.

           

Christus ruft die Mühseligen und Beladenen, dass sie bei ihm Ruhe finden.

           

Christus ruft die Sünder, dass sie bei Ihm in der Beichte Erbarmen und neues Leben finden.

           

Christus ruft alle, deren geistiges Leben Baustellen enthält, dass sie mit seiner Hilfe wieder ihr Inneres aufbauen können.

           

Christus ruft alle, die sich geistige Ruinen bereitet haben, dass sie bei seinem gütigen Herzen erfahren: „Seht, ich mache alles neu!“ (Offb 21,5)

           

Unsere Vorfahren haben sich durch das Herz-Jesu-Gelöbnis für Christus, für den katholischen Glauben und für die katholische Kirche entschieden. Wie entscheiden wir uns

 

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