233) Fronleichnam 2017: FRONLEICHNAM, EIN ZUTIEFST KATHOLISCHES FEST

Hochfest des Leibes und Blutes Christi 2017

FRONLEICHNAM, EIN ZUTIEFST KATHOLISCHES FEST

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Fronleichnam und die daraus hervorgehende Sakramentsprozession sind ein spezifisch katholisches Fest. Es hat seinen Ursprung in übernatürlichen Ereignissen. Da waren zuerst die eucharistischen Visionen der hl. Juliana von Lüttich (+1258, ihr Gedenktag ist am 5.  April), der Christus aufgetragen hatte, sich beim Papst für die Einführung dieses Festes einzusetzen. Den letzten Anstoß, das Fronleichnamsfest einzuführen, gab dem Papst ein Eucharistisches Blutwunder. Der deutsche Priester Petrus von Prag hatte schwere Glaubenszweifel an der Eucharistie. In seiner Not unternahm dieser Priester eine Fußwallfahrt nach Rom. Er war bis nach Bolsena gekommen, eine kleine Stadt nördlich von Rom, am Lago die Bolsena. Dort feierte er, mit seinen tiefen Zweifeln, die Heilige Messe. Nach der Hl. Wandlung begann die Hl. Hostie zu bluten. Das Korporale, auf dem die Hl. Hostie lag, wurde an mehreren Stellen von Blut durchtränkt. Dieses Blutwunder von Bolsena, wie es dann genannt wurde, heilte nicht nur die Glaubenszweifel des Priesters. Das Ereignis sollte noch weite Kreise ziehen. Es wurde Papst Urban IV. informiert, der gerade in der nahegelegenen Stadt Orvieto weilte. Er ließ das Korporale nach Orvieto bringen, mit einer Prozession zog er mit der Stadtbevölkerung vor die Stadt hinaus und nahm das Korporale auf den Knien entgegen. Er beauftrage den hl. Thomas von Aquin und den hl. Bonaventura, das Ereignis zu untersuchen. Es wurde als übernatürlich anerkannt. Für Papst Urban IV. war das der letzte Anstoß, sozusagen das Zeichen vom Himmel, das ihn dazu bewog, das Fronleichnamsfest für die gesamte katholische Kirche einzuführen. Das war im Jahr 1264. In Orvieto, dieser heute noch erhaltenen schönen mittelalterlichen Stadt, feierte der Papst dann das erste Fronleichnamsfest und hielt die erste Fronleichnamsprozession. Die Gläubigen von Orvieto und der Umgebung waren vom Eucharistischen Wunder von Bolsena so getroffen und begeistert, dass sie für die Blutreliquie ein neues großes Gotteshaus erbauten, eine der schönsten Kirchen Italiens aus dieser Zeit. Für das Korporale haben Goldschmiede ein kunstvolles Reliquiar gefertigt. Heute noch wird in Orvieto diese Blutreliquie verehrt und bei der Fronleichnamsprozession mitgetragen.

           

Fronleichnam ist von seinem Ursprung her also ein feierliches Bekenntnis zum Geheimnis der Allerheiligsten Eucharistie. Im Hl. Messopfer wird durch den Priester das Kreuzesopfer Christi zu unserer Erlösung gegenwärtig. Brot und Wein werden bei der Hl. Wandlung zu Leib und Blut Christi - das Dogma der Transsubstantiation, der Wesensverwandlung: das Wesen/die Substanz des Brotes wird verwandelt in das Wesen/die Substanz des Leibes Christi, und das Wesen des Weines wird verwandelt wird in das Wesen des Blutes Christi. Bei der Prozession werden Leib und Blut Christi öffentlich verehrt und angebetet.

           

Welche Bedeutung hat die Fronleichnamsprozession für uns heute?

           

Es gibt viele weltliche Umzüge, wo wir etwas von uns selber darstellen und vorzeigen: Militär, Trachten, Vereine, Berufsgruppen usw. Solche Umzüge haben ihre Berechtigung. Die Fronleichnamsprozession ist etwas ganz anderes. Wir stellen nicht uns selber dar, sondern wir weisen hin auf den großen Unsichtbaren, der unter uns wohnt und lebt, der Eucharistische Christus: IHN stellen wir in den Mittelpunkt, IHN beten wir an, IHN loben und preisen wir. Der Sinn des Fronleichnamsfestes würde verloren gehen, würde zu einer Selbstdarstellung verkommen, wenn der Bezug zu IHM, dem Unsichtbaren Eucharistischen Christus, verloren geht. Alles, was heute an Mitgehen, an Mittun, an Einsatz und an Schönheit, an Mitbeten, an Mitsingen, an Musik usw. aufgewendet wird, gilt IHM in der kleinen weißen Hostie. Deshalb wollen wir sozusagen unsere ganze Kraft und unser ganzes Herz aufwenden, um heute auf IHN zu schauen, auf Christus in der Heiligen Hostie, wir wollen ihn achten, ehren, lieben, anbeten…

           

Die Fronleichnamsprozession ist auch ein Bild für das Geheimnis der Kirche.

           

Die Prozession entspringt dem Hl. Messopfer im Gotteshaus und hat als Ziel wiederum das Gotteshaus. Christus ist Alpha und Omega, Anfang und Ende unseres Lebens. Das 2. Vatikanische Konzil sagt: Das Sakrament der Eucharistie, vor allem an den Sonn- und Feiertagen ist Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens (Konstitution über die Heilige Liturgie, 10). Wie schaut es bei uns selber aus mit unserem Bezug zur Hl. Messe? Ist die Sonntagsmesse für uns persönlich Quelle und Höhepunkt unseres christlichen Lebens? Das Fronleichnamsfest und die Fronleichnamsprozession werden nur dort erhalten bleiben, wo die Katholiken auch durch den wöchentlichen Sonntag und die Feiertage den inneren Bezug zu Fronleichnam haben, das im wörtlichen Sinn: Fronleichnam kommt vom mittelhochdeutschen vron = Herr, lichnam = Leib, Leib des Herrn.

           

An der Spitze der Prozession wird das Kreuz getragen. Der Gekreuzigte geht uns voran. Er ist unser Bezugspunkt. Wir blicken auf Christus und folgen ihm nach.

           

Das Wort Prozession kommt von procedere, voranschreiten. Wir drehen uns nicht im Kreis, wir gehen einem Ziel entgegen. Das Schreiten in der Prozession drückt aus, dass die Kirche den Pilgerweg des Glaubens geht, wie das 2. Vatikanum sagt (Konstitution über die heilige Kirche Nr. 8). Wir sind Pilger in dieser Welt, Durchreisende. Wir dürfen uns im Irdischen nicht so einnisten, als ob wir für immer hier wären. Der Weg ist nicht das Ziel. Das Ziel ist der Himmel. Wie sollen wir den Pilgerweg des Glaubens zu gehen vermögen, wenn wir nicht mehr mit der Kirche leben?

           

Die Fronleichnamsprozession macht sichtbar, dass die Kirche der Leib Christi ist, wie der hl. Paulus sagt. In der Kirche haben alle Stände und Grundberufungen ihren Platz und ihre Aufgabe: Die Kinder, die Jungmänner und Jungfrauen, - um diese Wort bewusst in den Mund zu nehmen, die Ehemänner, die Ehefrauen.

           

In die Fronleichnamsprozession ist auch das Gemeinschaftsleben eines Dorfes eingebunden: Vereine und Berufsgruppen. Das kommt aus einer Zeit, wo das Berufsleben einen festen Bezug zum Glauben und zur Kirche hatte. Die Handwerks-Zünfte des Mittelalters hatten in den Kirchen oft einen eigenen Altar, eigene Gottesdienste. Auch die Berufsgruppen und Vereine wollen dem Sohn Gottes durch die Prozession die Ehre geben.

           

Die Fronleichnamsprozession enthält auch noch etwas von einer ehemals christlichen Staatsordnung. Hier spüren wir natürlich eine große Spannung mit der politischen Entwicklung der Gegenwart. Die Staatsphilosophie und –politik vieler Staaten in Europa ist nicht mehr christlich bzw. katholisch. Deshalb ist es nicht selbstverständlich, dass Verantwortliche und Vertreter der Politik an der Fronleichnamsprozession teilnehmen. In einem Dorf ist das noch am ehesten durchführbar. Es ist etwas Schönes, wenn Vertreter der Politik Gott öffentlich die Ehre geben und um seinen Segen bitten. Gott öffentlich ehren und anbeten ist etwas, was uns allen Segen bringt.

           

Wir tragen Statuen und Bilder von Engel und Heiligen mit. Damit drücken wir die Gemeinschaft mit der Kirche des Himmels aus. Die Engel und Heiligen sind als unsere Helfer und Beschützer unsichtbar unter uns.

           

Die Stände der Kirche und die Vereine tragen Fahnen mit, die mit Heiligenbildern und Symbolen versehen sind. Diese Zeichen sind ein Ausdruck für die geistigen Werte und Ideale, die uns wichtig sind. Ein Stand der Kirche, ein Verein des Dorfes, verbindet sich im gemeinsamen Streben nach den christlichen Idealen. Haben wir noch Tugendideale von denen wir sagen: „Das erstrebe ich, das ist mir wichtig, so will ich sein!“?

           

Der Baldachin, der über dem Allerheiligsten getragen wird, wir nennen ihn Himmel, ist nicht dazu da, vor Regen zu schützen, bei Regen findet ja keine Prozession statt; der Baldachin ist ein Zeichen der Würde, Hoheit und Vollkommenheit des Allerheiligsten Altarssakramentes. Wo die Hl. Wandlung vollzogen wird, kommt wirklich der Himmel auf die Erde herab, wohnt und geht der Himmel – unser Herr Jesus Christus - unter uns.

           

Während der gesamten Prozession halten wir heiliges Schweigen bzw. wird gebetet, wir beugen das Knie, wenn das Allerheiligste vorbeigetragen wird oder der Segen gespendet wird. Das wird bei uns immer auch schön und würdig mitvollzogen. Es macht die Prozession zu einer gottesdienstlichen Handlung der gesamten Kirche, die im Allerheiligsten Altarssakrament geeint ist: die triumphierende Kirche des Himmels, die streitende Kirche auf Erden und die leidende Kirche im Fegfeuer.

           

Wir spüren das auch, dass sich durch die Fronleichnamsprozession der Glanz und der Segen des Himmels auf uns und auf unser Dorf legen. Es kommt die „Seele des Dorfes“ zum Ausdruck.

           

Allen ein herzliches Vergelts Gott, die unsere beiden Sakramentsprozessionen vorbereiten und dabei mitwirken.

           

Bei der Sakramentsprozession kommt auch sehr schön etwas vom Wesen der priesterlichen Berufung zum Ausdruck. Der Priester ist durch die Weihe Vermittler und Spender des göttlichen Segens. Fünf Mal spendet der Priester mit dem Allerheiligsten den Segen. Das ist auch meine große Bitte heute für alle, die gekommen sind und für die wir beten:

           

„Mit himmlischen Segen sei gesegnet dieser Ort, alle die hier wohnen und hier herkommen, die Früchte der Erde, die Werke unseres Geistes und unserer Hände.

Im Namen des allmächtigen Gottes:

des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Amen.

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